Mein Freund trinkt...

  • Hallo Doro,

    also, seine Schulden hatte er schon vorher.
    Es ist eher so, dass er JETZT sein Leben geregelt hat. Er ist seit September letzten Jahres arbeitslos, weil die Firma, in der er gearbeitet hat, 300 Mitarbeiter entlassen hat.
    Er hat mit sämtlichen Gläubigern Ratenzahlung vereinbart und neue Schulden kommen nicht dazu.

    Er sagt selbst, dass er ein Kummersäufer ist, weiß aber auch, dass ihn das nicht weiterbringt, weil der Kummer am nächsten Tag immer noch da ist.

    Er war schon obdachlos, vor etwas über 10 Jahren und hat sich selbst dort rausgeholt, hatte eine geregelte Arbeit, bis er eben im letzten Jahr entlassen wurde, weil die Firma ihren Firmensitz ins Ausland verlegt hat fast die ganze Belegschaft nicht mitziehen wollte.

    Er hat bis vor über 10 Jahren ein sehr unstetes Leben geführt, was sich natürlich nicht so besonders in seinem Lebenslauf macht, was wiederum schwierig bei der Arbeitssuche ist.

    Das alles weiß er, auch, dass er seines Glückes Schmied ist und sich selbst in diese Situationen gebracht hat.

    Vielleicht bin ich zu blauäugig, was das alles angeht aber ich habe halt meine Schmerzgrenze noch nicht erreicht und bin auch mit Sicherheit toleranter als manch anderer auf dieser Welt.

    So looks it out.

  • Hallo Pipilotta,

    glaubst du denn daran, dass er sein Leben auf Dauer in den Griff bekommen kann oder weiter im Griff haben wird, wenn er nicht grundsätzlich beschließt, ohne Alkohol zu leben?
    Ich kann daran nach meinen Erfahrungen nicht mehr glauben.
    Sicher gibt es Alkoholiker, die ansonsten alles noch geregelt kriegen, aber von der TEndenz her, denke ich, wird es in der Langzeitperspektive immer eher schlimmer als besser.
    Mit WEllenbewegungen und Verbesserungen zwischendurch.

    Es ist schön, dass er sein Leben insgesamt jetzt besser geordnet hat als früher.
    Ich kann auch verstehen, dass du erst gehen kannst gefühlsmäßig, wenn du an deinem Tiefpunkt ist.
    Ich hab das früher auch so vertreten. Die Leute haben mich vor ihm gewarnt und ich hab auch immer gesagt: Ich kann nicht, ich liebe ihn. Ich kann jetzt noch nicht gehen.
    Letztendlich habe ich damit aber mein eigenes Leben nicht ernst genug genommen.
    Eigentlich sollte man ein Feuer zu löschen beginnen, sobald man es entdeckt, nicht erst, wenn man schon halb an der Rauchvergiftung eingegangen ist.

    Also, ich kannd ich voll verstehen, glaub mir. Ich habs ja genauso gemacht. Es ging für mich nicht anders, aber klug wars nicht.
    Aber vielleicht kannst du trotzdem mit der Hilfe des Forums die ganze Sache besser beurteilen.
    Sowas hab ich mir damals nicht gesucht.

    Liebe Grüße
    Doro

  • Hallo Doro,

    ja, ich denke tatsächlich, dass er sein Leben auf Dauer in den Griff bekommt.
    Ich habe ihn mit seinem Problem allein gelassen, habe nie Stellung bezogen, weil ich wusste, dass es ihm "unangenehm" ist, überhaupt darüber zu reden. Als er mich nach seiner Entgiftung gefragt hat, wie wir jetzt damit umgehen, habe ich gesagt, das müsse er für sich selbst entscheiden. Und bei der ersten Fahne habe ich ihn stehenlassen und mich nicht mehr bei ihm gemeldet. Statt ihn darauf in aller Ruhe anzusprechen, zu sagen, dass ich es nicht verstehe und nicht nachvollziehen kann.

    Jetzt reden wir seit letzten Samstag über seine Sucht und über fast nichts anderes.
    Wir haben uns entschossen zunächst Kompromisse einzugehen, mit denen jeder von uns erst einmal leben kann.
    Er sagt, er will mich nicht verlieren, dazu bin ich für ihn und sein Leben zu wichtig geworden.

    Vielleicht ist es dumm von mir, zu denken, man könne sich erst einmal auf Kompromisse einigen, wie z.B. 2 Tage in der Woche nur Wasser/Tee/Saft und auch ansonsten keine hochprozentigen Getränke.

    Aber versuchen will ich es auf jeden Fall.

    Er hat einfach im Moment viel Kummer und ich bin mir sicher, wenn ich ihn jetzt auch noch unter Druck setze, geht das zu 100% nach hinten los.

    liebe Grüße
    Pipilotta

  • Es hat alles nicht gefruchtet.
    Er trinkt weiter.
    Am Montag habe ich ihm am Telefon gesagt, dass ich mich nicht weiter für dumm verkaufen lasse.
    Ich weiß, was er am Tag zu sich nimmt, damit hatte er nicht gerechnet, weil er "heimlich" trinkt.

    Wir haben seitdem nicht mehr miteinander gesprochen. Heute Abend werde ich ihn anrufen und ihm sagen, dass er es jetzt in der Hand hat, ob und wie es mit uns weitergeht.
    Ich habe keine Kraft mehr ihn von anderen zu verteidigen, die mich schon darauf ansprechen, weil er so aussieht, als würde er ...
    Entweder, er hört damit auf oder ich gehe.

    Es schmerzt mich und ich habe Angst, aber ich habe meine Schmerzgrenze erreicht und genug mit mir und meinem Leben zu tun.

    Ihr könnt mir nur noch die Daumen drücken.

  • Hallo Pipilotta,

    irgendwie versteh ich deine ganze Geschichte nicht so recht. Nach der Entgiftung deines Freundes schließt ihr Kompromissen über zwei alkoholfreie Tage in der Woche? Wozu? Damit die nächste Entgiftung etwas länger hinausgeschoben wird?

    Alkoholiker können nicht kontrolliert trinken! Da gibt es nur ein entweder oder. Wenn du dich auf solche Spielchen einlässt bzw. sie auch noch vorschlägst, dann trägst schön dazu bei, dass er auch möglichst lange ungestört weitertrinken kann. Und du weiter die Starke, die Verzeihende, die Unverzichtbare bleibst.

    Warum willst du ihm noch mal sagen, dass es an ihm liegt, wie es mit euch weitergeht? Hast du ihm das nicht schon wiederholt erklärt? Hast du dazu keine eigene Meinung für DICH? Du willst dich von ihm nicht für dumm verkaufen lassen. Versteh ich! Aber du tust das mit dir selbst doch schon genug! Willst ihn nicht unter Druck setzen damit, dass du ihn trinkend nicht als Partner haben möchtest. Du hast recht, weder mit Druck noch mit faulen Kompromissen oder immer neuer Verzeihung wirst du ihn nicht trocken legen können. Das muss er schon ganz alleine tun. Das wird aber nicht geschehen, wenn er gleich nach der Entgiftung wieder weitertrinkt. Und du dich auf stundenlange Gespräche darüber einlässt, wie ihr Kompromisse findet, dass er seine Sucht weiterleben kann auf eine Art, die für dich erträglich ist.

    Was tust du denn gegen deine Sucht, deine eigene Abhängigkeit?

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

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