Beiträge von Ette

    Hallo Barbara,

    als ich die Überschrift deines Threads las, dachte ich als erstes: Wieso fragt sie, wann Schluss ist? Schluss ist dann, wenn sie sagt, dass es reicht!

    Aber das kann ich jetzt sagen. Bin selber lang genug geeiert, hab gehofft und verziehen, noch eine Chance gegeben und noch eine. Meine Gedanken, mein Tun, mein Leben, alles drehte sich um meinen Ex. Und selbst heute ist es nicht vollends vorbei. Letztens erst, als mir etwas passiert ist, über das ich mich sehr freute und das ich gerne erzählen wollte, habe ich mir Gedanken gemacht, ob es ihn vielleicht verletzen würde. Ich habe eine Woche gebraucht, um mir zu sagen, dass das sein Ding ist, ob er sich darüber grämt, dass ich mich über eine bestimmte Sache freuen kann. Immer wieder einmal tauchte dieses Gefühl auf, Rücksicht nehmen zu müssen, um ihn nicht vielleicht wieder zum Trinken zu bringen. Bescheuert!

    Also, Barbara, Schluss ist dann, wenn du es beschließt, dass Schluss ist. Und dann, da hat der Kaltblütige recht, dann fängt etwas Neues an. Und wer weiß, womöglich ist das viel besser, als das, was war. Ich habe auf jeden Fall jetzt ein so normales Leben ohne Achterbahn, wie ich es mir mit ihm zusammen immer gewünscht hatte, aber leider nie erlebt. Höchstens mal für ein paar Tage, wenn er sich mal wieder Mühe gab, weil er dachte, sonst wäre der Ofen aus. Aber danach kam es oftmals umso dicker.

    Hör auf dich selber. DIR muss es gut gehen, bei dem, was du tust.

    LG
    Ette

    Hallo Pooh,

    dass du dich durcheinander fühlst, kann ich gut nachfühlen. Es ist auch ein Durcheinander, bis sich ein halbwegs gerader Weg zeigt. Und der wird immer mal wieder auf und ab gehen und kurvig sein.

    Ich glaube, der beste Weg ist, versuchen zu spüren, was einem selber gut tut und sich mehr Kopf um sich selbst zu machen als um den Anderen. Das ist aber ein ziemlicher Lernprozess, schließlich haben wir ganz lange ganz anders gehandelt. Es dauert seine Zeit, hab Geduld mit dir.

    Und die Liebe, die macht es halt ganz besonders schwer, ich weiß. Die hat mir lange nachgehangen, dass ich manchmal das Gefühl hatte, dass ich in der Mitte auseinander gerissen werde. Es war doch schon eine ganz besondere Liebe, Abhängigkeit nenne ich sie inzwischen eher. Mein Suchtmittel trug Hosen und muss sich rasieren, so kams mir vor. Langsam, ganz langsam, und immer noch mit Rückfällen, stellt sich so ein Gefühl von friedlicher Normalität ein. Du wirst sehen, irgendwann bei dir auch. Ich wünsche dir die Kraft, auf deinem Weg zu bleiben.

    LG
    Ette

    Guten Morgen ihr Lieben,

    ich danke euch fürs Mut zusprechen. Elle, ich weiß es ja, dass der Stamm und Äste in Ordnung und in der Lage sind, reife Beeren zu tragen. Und doch hat mich gestern etwas von den Beinen geholt, was geradezu mit brachialen Gewalt in mein Bewusstsein gekommen ist.

    Reine, nackte Angst nämlich machte sich breit, als ich feststellte, dass ich die ganze Zeit, mein ganzes Leben, etwas vermieden habe, indem ich immer die Macherin war. Ich habe die ganz Zeit etwas gelebt, von dem ich glaubte, es sei Liebe, die mich zu meinen Beziehungen brachte. Falsch, ganz falsch!

    Als letztes habe ich mit einem alkoholabhängigen Mann gelebt, ihn meiner Meinung nach geliebt. Und habe doch immer darauf gewartet, dass er sich dafür erkenntlich zeigt, dass ich all seine Eskapaden und seine Trinkerei ausgehalten habe. Wollte, als er trocken sein konnte, den Lohn für meine Mühen. Wollte sein „Danke“ hören, hab mir gewünscht zu hören, dass er ohne mich nicht trocken geworden wäre. Wollte für mein Bravsein, für mein Sorgen, für mein Retten den Gegenwert erhalten. Genau das Gegenteil war der Fall, er kann nur ohne mich trocken sein, sagt er mir heute und ich habe darunter gelitten wie eine Hündin, hab es als ungerecht empfunden, als ob all meine Mühe vergeblich gewesen wäre. Hab ihn „geliebt“, unter der Bedingung, dass er sich irgendwann dafür, dass ich so gut zu ihm war, revanchieren würde.

    Bei all diesen Anstrengungen habe ich übersehen, dass Liebe bedingungslos ist. Sie verlangt keinen Lohn, sie ist unentgeltlich. Sie kann mir keine Sicherheit geben, kein Netz und kein doppelter Boden bewahren mich mit ihr davor, auf mich ganz alleine zurückgeworfen zu sein. Dass eine große Nähe immer auch eine große eigenen Sicherheit voraussetzt, ist mir klar geworden. Denn nur dann kann ich Nähe, Liebe, bedingungslos zulassen und Vertrauen in mein „Okay-sein“ und in den Menschen, der mir begegnet. Und dass ich mir immer Menschen suchte, die zu solch einer Nähe gar nicht fähig waren, weil sie mir gefährlich hätten werden können. Mir mein eigenes Defizit, meine eigene Angst vor wirklicher Nähe hätten vor Augen geführt.

    Mein blinder Fleck war meine eigene Flucht vor wirklicher Nähe, denn sie setzt voraus, dass ich mir selber sicher bin, mich selber angenommen habe. Dabei dachte ich, auf diesem Weg schon ganz schön weit gekommen zu sein! Aber gestern hat sich das steilste Stück, das anstrengendste, gezeigt. Angst, nackte Angst, die genau zwei Möglichkeiten birgt. Vor ihr davon zu laufen, wieder in eine Beziehung ohne wirklich Nähe, in der ich aus Angst, verletzt zu werden, die Bedingungen, die Regeln aufstelle. Oder aber durch diese Angst hindurch zu gehen, sie auszuhalten, um dann etwas leben zu können, von dem ich weiß, dass es möglich ist, wenn ich mich nur traue.

    Gestern bin ich stundenlang durch die Gegend gelaufen und habe überlegt und überlegt. Um Ganz zu sein, muss ich die Angst loslassen, damit alles leichter wird. Und ich habe mich gefragt, warum ich all die Jahre daran festgehalten habe. Mich hinter Moral, gesellschaftlichen Regeln, hinter einem „ich komme alleine klar“, einem „ich erhalte mich selbst“, all meiner Kraft und Stärke versteckt habe. Und warum ich nicht endlich etwas ändern sollte, damit es leicht wird nach dem Schweren. Ja, warum eigentlich nicht?

    So, und jetzt geh ich ganz leicht in die neue Woche. Und wünsche allen, dass sie gut wird.

    LG
    Ette

    Hallo Kaltblut,

    bei mir war es heute morgen ein Eichhörnchen, womöglich das gleiche wie gestern, und jede Menge Schnecken, die mir über den Weg liefen.

    Morgenläufer, die drei Kreuze macht man, wenn etwas Schweres geschafft ist. Allerdings habe ich nichts über die Herkunft dieser Redensart gefunden. Ich habe auch drei Kreuze gemacht, denn ich habe heute auch etwas Schweres geschafft. Es war so schwer, dass ich mich zwischendurch ganz zittrig und ausgelaugt gefühlt habe. Angestrengt als hätte ich einen riesigen Berg erklommen.

    Du hast recht, auch mit ein paar grünen Holunderbeeren in all den reifen habe ich schon eine ganz gute Basis für alles Mögliche. Und ich muss gar nicht mehr darüber schlafen, es wird schon heute wieder gut. Benennen, aufschreiben, ansehen, annehmen, was sich da plötzlich in voller Wucht zeigt und jahrelang verborgen geblieben war. Ans Licht holen, damit es heil werden kann.

    LG
    Ette

    Hallo ihr Lieben,

    heute morgen als ich gelaufen bin, kam ich an etlichen Holunderbüschen vorbei. An manchen hängen die Beeren schon im tiefen, reifen Violett während andere, die wohl permanent im Schatten hängen, noch vollkommen grün sind. Diese Tatsache hat mich den Rest meines Weges beschäftigt.

    Im Moment lese ich ein Buch, in dem der Autor über die Liebe schreibt, über Erwartungen und Selbstfindung. Und über eine Geschichte, dass wir vor langer, langer Zeit einmal doppelt waren, oder ganz, auf jeden Fall männlich und weiblich. Diese Ganzheit haben wir durch den Neid der Götter verloren und sind nun unser Leben auf der Suche, unsere andere Hälfte zu finden, um wieder ganz zu werden.

    Mit Erschrecken stellte ich fest, dass ich mein Leben lang nicht reif genug gewesen bin, geduldig und in Sicherheit auf meine andere Hälfte zu warten. Hab immer versucht, meine früheren „anderen Hälften“ dazu zu bewegen, zu mir passend zu werden, aus Angst, alleine fliegen zu müssen. Und hab aus dieser Angst heraus versucht, den Anderen in einen Käfig zu sperren oder bin aus Angst, selbst in einen Käfig gesperrt zu werden, davongelaufen.

    All meine Stärke und Kraft erscheinen mir plötzlich als eine Farce, als reines so tun als ob. Und diese Tatsache lässt mich weinen wie ein kleines, verängstigtes Kind und alle Holunderbeeren sind wieder grün.

    Vielleicht habe ich die Karten gestern missverstanden und das Durcheinander ist noch nicht vorbei.

    LG von einer verwirrten
    Ette

    Da habe ich doch heute morgen vergessen, etwas zu erwähnen...

    In der letzten Woche habe ich die Karten gefragt und sie erzählten vom Durcheinander vor der Ruhe. Heute nun zeigten sie mir, dass es Zeit sei, sich zu freuen, über etwas, das sich in der Ruhe zeigt, mir liebevoll begegnet. Ich lasse mich überraschen, wie es sich darstellt und halte die Hände offen.

    Ette

    Kaltblut,

    wenn ich dich lese, kommt mir der Krieger des Lichts in den Sinn und ich verstehe, was du meinst.

    „Es ist wie es ist“ sagt die Liebe nicht nur, sondern sie ist es damit. Du hast sie mit all deinem Lieben auch nicht verloren, sondern gerade dadurch erst oder wieder neu entdeckt.

    Alles hat seinen Sinn.... sagt die Ette.

    Hallo und guten Morgen,

    doch, ja, gut ist er, auch wenn der Regen draußen auf das Blech trommelt und ein kühler Wind durch die offene Balkontür hereinstreicht. Heute war der Genuss eben nicht eine frühe Morgenrunde ums Dorf, sondern das genüssliche Ausmachen des Weckers und mich zwei-, dreimal noch mal in die Bettdecke einzukuscheln. Zeit, die Gedanken schweifen zu lassen. Ich glaube, dass das A und O ist. Sich von den Mutwilligkeiten des Lebens nicht zum Opfer machen zu lassen, sondern mutig und willig das Beste aus der jeweiligen Situation zu machen.

    So kann ich auch mit der Tatsache umgehen, dass ich regelmäßig schon morgens gegen halbvier das erste Mal wach werde. Wenn ich mich darüber ärgere, habe ich viel mehr Schwierigkeiten, wieder einzuschlafen. Manchmal nehme ich ein Buch und lese ein paar Seiten, ein anderes Mal gehe ich kurz auf den Balkon und freue mich an der Nachtluft und der Stille. Und wenn ich ganz viel Glück habe, gibt es noch viel schönere Dinge, die dann passieren können und mich hinterher wieder einschlafen lassen wie ein zufriedenes Baby.

    Ich denke, dass unsere Gedanken und unser Wille, Situationen positiv zu bewerten ganz viel mit unserer Zufriedenheit zu tun haben. In Allem ist etwas, was uns zum Vorteil werden kann. Selbst der Tatbestand, dass ich mit einem alkoholabhängigen Mann zusammen war, hatte für mich im Nachhinein positive Auswirkungen. Ich hätte mich nie so entwickelt, wie ich es getan habe und es wäre mir manches und Mancher nicht begegnet.

    Alles hat demnach seinen Sinn.

    LG
    Ette

    Bester Kaltblütiger,

    also.... das, was sich da am Morgen an der männlichen Anatomie bemerkbar macht, hat nicht unbedingt mit Liebe zu tun, finde ich. Eher mit ner vollen Blase, hab ich mir mal sagen lassen. Auch wenn dich das jetzt vollkommen desillusioniert sollte, hat dann vielleicht deine Blase das Zepter in der Hand. Und wie schön für dich, wenn nach 4 Jahren noch alles funktioniert... mit dem Laufen, mein ich jetzt.

    Was ich sehr gut nachvollziehen kann, ist deine Begeisterung darüber, morgens durch den erwachenden Tag zu laufen, zu gehen, zu atmen, zu sehen, zu riechen, zu hören. Dieses bewusste Wahrnehmen des Geschenkes, das unser Leben ist, das wir viel zu lange über all dem Sorgen, Kümmern und zu sehr zu lieben vergessen haben. Dann ist für mich nicht erst morgens um 7, sondern bereits um 6 Uhr die Welt ganz in Ordnung.

    Und Spinnennetze sind wunderschön. Schon seit Tagen muss ich eine verblühte Geranie stehen lassen, weil eine ganz bezaubernde kleine Spinne daran ihr Netz verankert hat. In dessen Mitte sitzt sie nun und wartet auf ein fliegendes Frühstück oder Mittagessen. Apropos.... kochst du eigentlich gar nicht mehr?

    LG
    Ette

    Guten Morgen Kaltblut,

    die Tatsache, dass wir plötzlich in unserem Umfeld ganz oft ebensolche Abhängigkeiten feststellen, wie wir sie selbst leben, ist mir ich auch immer wieder begegnet. Ich habe beruflich sehr viel mit Menschen zu tun und finde es immer wieder erstaunlich, wie viele dieser Menschen mit dem Problem Alkohol befasst sind. Und so, als würden wir uns in unserer Not erkennen, erlebe ich immer wieder Gespräche, die aus vollkommen anderen Anfängen in dieser Thematik enden.

    Du hast recht, wenn du schreibst, dass die Liebe etwas Wundersames ist. Dass wir sie in und für uns selbst fühlen, ist jedoch meines Erachtens die Voraussetzung dafür, sie auch einem anderen Menschen gegenüber empfinden zu können. Wenn wir uns selbst nicht lieben, ist die vermeintliche Liebe zu einem anderen Menschen immer nur ein Surrogat, um das auszugleichen, dessen wir selber nicht fähig sind. Wenn wir lernen, uns selbst anzunehmen mit all unseren Ecken und Kanten, dann wird uns auch das Wunder einer erwachsenen Liebe zu einem anderen Menschen begegnen, denke ich.

    LG
    Ette

    Guten Morgen Lacerta,

    ja, dieses Gefühl eine Wunschvorstellung zu lieben, kenne ich auch. Ich hab mir oft gedacht, dass er, wenn er sich erst aus seiner Abhängigkeit gelöst hat, bestimmt ein ganz toller Mensch ist. Leider habe ich dabei übersehen, dass es nicht ausreicht, nur mit dem Trinken aufzuhören. Danach kommt noch eine ganze Menge. Eine Menge Entwicklungsarbeit nämlich. Und wenn ich mich mit anderen Frauen in ähnlicher Situation unterhalte, stelle ich fest, dass du als Angehörige auch dann noch nicht ganz befreit und entspannt leben kannst. Vielmehr wird dein Leben noch sehr, sehr lange von der Abhängigkeit bestimmt. Seine Strukturen, deine eigenen, sie geben die Bahnen vor, in denen die Beziehung läuft.

    Auch ich habe von meiner Freundin oftmals zu hören bekommen, dass ich ja wohl nur ein Gesprächsthema hätte, was mich mit Haut und Haaren bestimmt. Manchmal hat sie von mir verlangt, dass NICHT über ihn gesprochen, weil sie es wohl einfach nicht mehr aushalten konnte. Aber ich hab eben nur ihn gesehen. Habe so Vieles entschuldigt mit seiner Krankheit, so wie Mütter vielleicht ihr ungezogenes Kind entschuldigen, weil sie vielleicht auch ihr eigenes Versagen dahinter entschuldigen wollen.

    Inzwischen ist das ganz anders. Und Lacerta, ich habe das Gefühl, seitdem ich nicht mehr derartig fixiert bin, begegnet mir auch viel mehr Vielfältigkeit im Bezug auf andere Menschen. Mir ist, als hätte ich dadurch, dass ich mich aus meiner eigenen Abhängigkeit gelöst habe, plötzlich eine ganz andere, viel souveränere Ausstrahlung, die mir den Kontakt mit anderen Menschen um ein Vielfaches erleichtert. Insgesamt empfinde ich dies inzwischen geradezu als Befreiung und genieße die Dinge und Menschen, die mir nun begegnen. Fühle mich gesund und wohl in meinem Umfeld. Manchmal frage ich mich, warum ich mir solange Normalität gewünscht habe und selbst so wenig dazu beigetragen habe.

    LG
    Ette

    Apfel,

    ich glaube, wenn wir uns wieder auf eine Liebe einlassen, müssen wir genauso wachsam sein wie ein Abhängiger, wenn es um den Alk geht. Unsere Strukturen sind nicht weg, weil wir uns irgendwann einmal von einem Abhängigen getrennt habe. Wir müssen sie uns, denke ich, bestimmt noch lange Zeit immer wieder einmal ansehen, überprüfen und ggfs. einen neuen Anlauf nehmen, um nicht wieder dahin zu geraten, wo wir schon einmal waren.

    LG
    Ette

    Spedi, du hattest einen sehr klugen Urgroßvater. Als Co vergessen wir oftmals dieses Gnadengeschenk unseres Lebens zu würdigen, ja. Gut, dass wir die Fähigkeit haben, uns zu verändern und uns dieses Geschenkes wieder ganz bewusst werden können.

    LG
    Ette

    Kaltblut,

    stimmt, gesundknutschen können wir keinen. Aber gesund knutschen... wäre ja mal ne Alternative. Aber dafür müssen wir schon ein wenig arbeiten.

    Innocent, hier ist im übrigen der richtige Platz, um all das mal "auszukotzen" was uns so im Magen liegt und auf die Seele drückt. Ich kann gut nachfühlen, wie es dir geht.

    LG
    Ette

    Guten Morgen!

    Morgens, halbsechs in Deutschland, und kein kleines Frühstückchen, sondern Laufschuhe sind angesagt. Draußen ist es diesig und kühl, verschlafen nur klingt vereinzeltes Vogelgezwitscher aus den Bäumen.

    Vorbei an Bäumen, von denen der nächtliche Tau tropft, tragen mich meine Beine, die zuverlässig und gleichmäßig ausschreiten. Kraftvoll spüre ich die Muskeln unter der Haut, wenn ich die Hände zwischendurch locker auf die Schenkel lege, um mich an ihrem Spiel zu freuen.

    An einem Bach entlang, dessen Wasser geheimnisvoll dunkel zwischen Erlen und Weiden schimmert. Vorbei an Felder und Wiesen, aus denen perlmuttene Dunstschleier aufsteigen, die um die graugrünen Schöpfe der Kopfweiden wehen. Es riecht nach Heckenrosen und reifem Korn. Die ersten Felder sind bereits abgeerntet und auf lohfarbenen Stoppelteppichen liegen dicke Rollen Stroh.

    Holunderbeeren locken in tiefdunklem Violett und zwischen den Blättern der Ebereschen leuchtet es korallenrot. Spätsommerstimmung und ein erster Hauch von Vergehen liegt über der Natur. Vereinzelte Bäume haben bereits das satte Grün des Sommers gegen einen gelben Schimmer getauscht und erzählen davon, dass ihr Laub bald golden tanzend den Herbst begrüßen wird.

    Auf dem Weg erste Kastanien, die den Schnecken, die ihre nächtlichen Spaziergänge nicht schnell genug beendeten, stachelige Hindernisse in den Weg legen. Zügig schreite ich aus, nicht laufend, joggend, nein, wie es älteren Damen entspricht, walke ich. Doch fühle ich mich voller Energie und freue mich am reibungslosen Funktionieren meines Körpers. Lebendig einfach und eins mit der Welt und mir.

    Heute ist ein guter Tag und den wünsche ich euch auch allen.

    LG
    Ette

    Hallo Lacerta,

    ja, die Hoffnung, dass alles gut wird, die kenne ich nur zu genüge. Erst hoffen wir, dass er aufhört zu trinken, dann hoffen wir, dass alles gut wird... und wenn wir nicht gestorben sind, dann hoffen wir noch immer. Sorry, das kommt jetzt ziemlich bitter. Aber ich hatte irgendwann das Gefühl, dass mir außer dieser ständigen Hoffnung nichts bleibt. Ich wollte nicht mehr mein Leben lang hoffen, ich wollte einfach irgendwann wieder ganz normal LEBEN. Und das hat erst angefangen, als ich die Hoffnung aufgegeben habe, dass mit DIESEM Mann alles gut wird. JETZT habe ich das Gefühl, dass alles gut wird. Ohne ihn.

    LG
    Ette

    Liebe Bella,

    wenn ich lese, wie es dir geht, dann meine ich, für mich die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Es ist lieb, dass du mich bedauerst, notwendig ist es nicht mehr. Den ich denke, dass ich für mich den besseren Weg gewählt habe.

    Ich wünsche dir, dass es dir irgendwann auch wieder gut geht und du so leben kannst, wie es dir gut tut. Am besten, denke ich, wirst du das bewerkstelligen können, wenn du dich und deine Kinder in den Vordergrund stellst. Auch wenn du es dir vielleicht im Moment noch nicht vorstellen kannst, wird irgendwann Ruhe einkehren. Du selbst hast es in der Hand, wann das sein wird.

    LG
    Ette

    Jungs,

    ich denke, es ist schon auch unsere eigene Seuche, die uns auch ein Leben lang erhalten bleiben wird. Wir müssen uns, genau wie die trinkenden Angehörigen, unserer eigenen Anteile an dem vormals funktionierenden System bewusst sein. Wir können uns auch nicht einfach zurückziehen und sagen, nun ist gut. Sondern wir müssen uns auch immer wieder damit auseinander setzen, wie wir mit UNS selbst umgehen. Selber leben und nicht leben lassen. Wie Erwachsene unsere Verantwortung übernehmen und wachsam sein den alten Strukturen gegenüber, die immer wieder den Kopf heben.

    Gesund werden heißt nicht nur, Krankes außerhalb von uns selbst zu eliminieren. In uns selber zu gucken, ist genauso wichtig. Und es wird uns auch noch lange, womöglich lebenslang, begleiten, auf unsere Gesundheit, auf unseren Umgang mit uns und den Menschen um uns, zu achten.

    Wir mögen schuldlos sein, an dem, was uns geschehen ist, aber wie es weitergeht, liegt in unserer eigenen Verantwortung.

    LG
    Ette

    Guten Morgen ihr Lieben,

    die Ringeltauben in den Bäumen vor den Fenstern haben mich mit ihrem „duhu, duhu,“ aus dem Schlaf geholt. Ich lag, halb träumend noch, eine Weile in den Kissen, sah dem Morgen zu, wie er sich silbern grau vor mein Fenster schob und ließ Gedanken kommen und gehen. Angenehme Kühle strömte durch die offene Balkontür herein und ließ mich nicht mehr länger in den Federn liegen, weil sie Energie mit sich zu führen scheint. Schreiben, Gedanken formulieren, schwarz auf weiß sehen, was in meinem Kopf und meinen Gefühlen passiert, damit ich es begreifen kann. Verstehen, was mit mir passiert.

    Die Kontrolle geht mir seit Tagen nicht aus dem Kopf. Früher, als ich mit „meinem“ Alki lebte, bemühte ich mich, alles am Laufen und in der Waage zu halten. Je unberechenbarer er war, desto mehr bemühte ich mich. Pläne, Termine, Vereinbarungen, alles, was mir ein Gefühl der Beständigkeit, der Sicherheit zu vermitteln schien, versuchte ich zu installieren. Jetzt macht mir dieses Verhalten oft das Leben schwer und ich muss das Loslassen lernen. Nicht nur ihn in Liebe loszulassen, damit er sein Leben selbst regeln kann. Nein, ich muss es loslassen, dass ICH alles bewegen, beeinflussen, kontrollieren muss. Ich bin NICHT dafür verantwortlich, dass alles gut läuft und ich kann auch nicht ALLES beeinflussen und somit das, was um mich herum geschieht, unter Kontrolle haben.

    Das macht Angst. Denn wenn ich nicht die Macherin bin, muss ich mich einlassen, mich verletzbar machen, mich ausliefern, Risiken eingehen. Oftmals beschleicht mich ein banges Gefühl und wenn ich es betrachte, sehe ich, dass es daher rührt, dass ich es schon lange nicht mehr gewohnt bin, darauf zu vertrauen, dass auch ohne mein Zutun Gutes für mich entstehen kann. Zwar begegnet mir in letzter Zeit ziemlich viel Schönes, doch das Empfinden, dass es zu schön ist, um wahr zu sein, ist noch sehr gegenwärtig. Misstrauen, Ängste und Verletzungen aus der Zeit, als ich mit „ihm“ zusammen lebte, haben tiefe Spuren hinterlassen, die nicht einfach weg sind, wenn „er“ nicht mehr da ist.

    Normalität wollte ich immer leben, Beständigkeit, Vertrauen, Miteinander. Und genau das fällt mir jetzt so schwer, anzunehmen. Denn viel zu lange war genau das Gegenteil in meinem Leben und die Empfindung, dass ich mich nur auf mich selber verlassen kann, hat sich tief in mir manifestiert. Umlernen, neu erlernen, das sein lassen, das kommen lassen, das auf den Anderen vertrauen. Die Macherin-Kontrolle aufgeben und den Anderen machen lassen, in einem gesunden Verhältnis. Nicht MICH aufgeben, aber das Bedürfnis, alles selbst machen, beeinflussen zu wollen, zu müssen, um nicht verletzt zu werden.

    Verrückt, welche Kreise dieser Sch..... Alkohol zieht, was er alles mit uns anstellt. Wie er unsere eigenen Unsicherheiten verstärkt, unser Leben und Erleben beeinflusst, auch wenn wir ihn gar nicht selber trinken.

    LG

    Ette

    Hallo Bella,

    ich kann dich sehr gut verstehen in deiner Enttäuschung und deiner Wut, denn ich hatte genau die gleichen Gefühle. So wie du, habe die „Krankheit Alkohol“ auch als sehr egoistisch kennen gelernt und empfunden. Erst dreht sich der Abhängige nur um sich selbst, um sein Trinken und das Verheimlichen desselben. Dann, trocken, dreht sich wieder alles um sein Trockensein, dass er seine Grenzen aufzeigt und nur auf sich achtet. Ich hatte ebenso wie du, das Gefühl, auch endlich einmal „dran zu sein“, dass jemand, sprich er, auch einmal auf mich Rücksicht nimmt. Beziehung besteht nun mal aus nehmen UND geben. Vielleicht ist das auch irgendwann der Fall, wenn er sich sicher genug in seinem neuen Leben ist, wird er vielleicht auch dazu in der Lage sein.

    Ich selbst habe eine ganze Weile gehofft und gewartet, dass dies der Fall sein wird, er sich genauso mit unserer Beziehung befasst wie mit seinem Trockensein. Da ich jedoch während der nassen Zeit schon ein ganzes Teil meiner Geduld und meiner Hoffnung aufgebraucht hatte, habe ich dann nach knapp zwei Jahren akzeptiert, dass er zu seinem Trockensein die Abgrenzung braucht und nie mit mir so leben wird, wie ich mir das Leben von Beziehung vorstelle. Ein Projekt, über dessen Ausführung sich nicht beide Beteiligten einig sind, ist in meinen Augen zum Scheitern verurteilt. Dies habe ich schweren Herzens akzeptiert und mich zurückgezogen. Geschmerzt hat es trotzdem. Ich habe aber für MICH beschlossen, dass ich auch die vage Hoffnung und ein „Vielleicht“ loslassen muss, um endlich die Möglichkeit zu haben, so zu leben, und vielleicht auch irgendwann wieder zu lieben, wie es MIR gut tut und meinen Bedürfnissen entspricht.

    Spür in dich hinein und sprich mit deinem Mann darüber, was dich bewegt, dann werden sich sicher irgendwann die richtigen Wege zeigen. Vielleicht nicht heute oder morgen, aber wenn die richtige Zeit dafür gekommen ist. Es liest sich immer irgendwie unglaubwürdig, ich weiß. Aber ich habe es so erfahren. Geglaubt habe ich solche Dinge auch eine lange Zeit nicht.

    Liebe Grüße

    Ette