So, Liv, ich habe jetzt erst deinen ganzen Thread durchgelesen.
Mir ist bei vielen Postings viel eingefallen und jetzt muss ich es erstmal in meinem Kopf sortieren.
Ich habe auch zwei Süchte. Früher, als ich ganz jung war, Tabletten. Schlaftabletten, Transquilizer. Habe dann auch einen schlimmen Entzug mit Delir hinter mich gebracht und dann war das Thema für Jahrzehnte vergessen. Ist einfacher, keiner bietet dir in Gesellschaft eine Tablette an. Du wirst nicht damit konfrontiert.
Wein trank ich Jahre, aber es hielt sich so grade unter der Schwelle. Ich musste ja am nächsten Tag arbeiten gehen und Auto fahren. Dann wurde ich arbeitslos und hatte freie Bahn.
Ich habe bei dir sehr stark empfunden, wie du suchst und reflektierst. Ich habe selbst immer Schwierigkeiten zu unterscheiden, zwischen nassem und trockenem Denken. Ganz normal finde ich, dass der Wunsch nach Alkohol aufkommt, vor allem wenn man genervt ist, wie du durch deine Kids. Manchmal wird hier für mich zu schnell von nassem Denken gesprochen.
Wichtiger finde ich, dass man es sich klar macht, der Wunsch ist wieder da und wie gehe ich damit um. Das ist für mich der Ansatz von trockenem Denken. Denn Wünsche und Gedanken, die hoch kommen, kann man nicht steuern. Wo es drauf ankommt, was mache ich daraus. Auch ich kenne diesen Wunsch nach Alkohol, mich aus einer schwierigen Situation wegsaufen zu wollen. Und vor allem auch das gottverdammte Wissen, dass es mir tatsächlich momentan Erleichterung bringt. Da aber fängt für mich die Arbeit an.
Ich möchte keinen Rückfall haben. Ich hole mir in Erinnerung, wie es vor meinem Rückfall war. Wie quälend das Leben ist, zu erkennen, ich komme von dieser Droge nicht los und nichts ist mein sehnlichster Wunsch. Will ich da wieder hin? Will ich wieder die Hölle des Entzugs erleben?
Die Angst vor dem Rückfall bleibt, zumindest bei mir. Aber auch die Anfechtungen flachen mit der Zeit ab. Und es entsteht auch eine Gewöhnung Nein zu sagen.
Was tue ich heute für mein trockenes Leben. Es gibt bestimmt 1000 Gründe, warum ich gesoffen habe. Manche weiß ich und viele sind mir nicht bewusst, da in tieferen Schichten. Ich grüble nicht darüber nach. Das was für mich wichtig ist, wird mir auch bewusst sein und daran kann ich arbeiten.
Ich achte sehr auf meine Gefühle, denn die sagen mir, hallo, da stimmt was nicht. Ich dachte, als ich gelesen habe, es ist dir peinlich mit deiner Mutter darüber zu sprechen. Da ist wieder so ein Gefühl. Peinlich. Einfach es wahrzunehmen, mal gucken, was ist da. Solche und viele anderen Gefühle zeigen mir, da ist was nicht in Ordnung. Da muss ich hinschauen und ich denke, dass du sehr viel Bereitschaft hast, da hinzuschauen.
Dass dein Mann nicht "richtig" mit deinem Alkoholproblem umgeht, ist auch verständlich. Er ist nunmal keiner und kann sich da auch nicht reinfinden.
Bevor ich diese SHG hier gefunden habe bin ich und gehe auch heute noch zu einer realen SHG. Mir ist sie sehr wichtig. Sie hält mir den Spiegel vor Augen (auch das Forum hier) dass der schwarze Vogel bis zu meinem Lebensende auf meiner Schulter sitzt und nur auf die Gelegenheit wartet zu sagen, komm nimm dir einen. Ich darf nie schlafen und muss mir immer dieses Vogels bewusst sein.
Und schlechtes Gewissen. Meine Lebensdevise, man sollte es nur haben, wenn man bewusst und willentlich anderen schadet. Das tut ein Alkoholkranker Mensch nicht. Das soll jetzt nicht heißen, dass man nicht wieder gut machen soll. Da wird schon eine Menge angefallen sein, besonders schlimm für die Kinder.
So, das war jetzt mächtig lang. Ich könnte noch Seiten füllen, aber ich mach mal Schluss.