Mein Weg und meine Probleme

  • Hallo Timster,

    ich danke dir vielmals für deine ausführliche Antwort. Eigentlich kann ich dem gar nicht viel hinzufügen, ich erkenne mich in vielen deiner Gedanken wieder.

    Das was du als "Flucht" beschrieben hast, was ich zuvor als "abschalten" darstellen wollte, ist eine ganz wichtige Bemerkung! Kein gesunder Mensch hat es notwendig, sich das Gehirn zu benebeln, um abzuschalten. Das war halt noch so ein typisch "nasser" Gedanke von mir.

    Würde mich freuen, in Zukunft hier in diesem Thread noch öfter ein Feedback von dir zu bekommen.

    Gruß,

    Blizzard

    Erst unter den Hammerschlägen des Schicksals, in der Weißglut des Leidens an ihm, gewinnt das Leben Form und Gestalt. (V.E. Frankl)

  • So wie Timster schreibt, liegt noch einiges an Arbeit vor dir, innerlich sowie auch im Leben äußerlich.

    Aber das zu erkennen, ist ja der springende Punkt und du bist dir, Blizzard dessen schon bewusst, was ja ganz wichtig ist. Ich denke, es ist wichtig auf seine Gefühle zu achten. Die werden dir schon sagen, was aktuell ist und wo du dich mit auseinandersetzen musst. Vor allem ist es wichtig, sie zuzulassen. Sind wir nicht alle davor weggelaufen. Ganz stark mit Alkohol, aber auch mit anderen Mechanismen kann man sie wegmachen. Ich ertappe mich selbst immer wieder dabei und es ist gar nicht so einfach das mitzukriegen.

    Am besten an einem Beispiel. Ich sitze gemütlich im Sessel. Trink meinen Tee und rauch mir eine und will jetzt genießen. Es schleicht sich aufeinmal ein nicht so angenehmes Gefühl ein, beispielsweise Langeweile oder Sorgen um irgendwelche häuslichen Alltagsdinge und dann folgt das Wegdrängen. Mir fällt alles mögliche ein. Ich müsste dies oder das tun. Springe auf und schon bin ich weg von diesen Gefühlen. Wichtig denke ich ist es, sitzen zu bleiben, die Gefühle wahrzunehmen und vor allem auszuhalten. Mal reinzugehen in das Gefühl der Langeweile. Das ist das, was ich denke, das sich dann im Bewusstsein was verändert.

    Aber für mich sehr schwierig. Ich denke für jeden anderen auch. Leider gelingt mir diese Haltung auch nicht oft. Ich bemühe mich aber darum.

    LG Brigitte alias Elfmerlin

  • Hallo Brigitte und alle anderen, die gelegentlich in meinem Thread mitlesen,

    in den letzten Tagen hat sich meine psychische Situation weiterhin stabilisiert, was mich sehr freut, gleichwohl ich weiterhin nicht in gefährliche Euphorie verfalle. Habe ja schon dazu geschrieben.

    Gestern war ich wieder in der Suchtberatung hatte das bisher fruchtbarste Gespräch mit der dortigen Psychologin. Wir sprachen über das Thema "Werte" und was für mich persönlich im Leben einen Wert habe. Da ich mir darüber vor ein paar Tagen schon Gedanken gemacht habe, und ich momentan in der oft in der Laune bin, alles in Frage zu stellen und allem und jedem einen dauerhaften Wert abzusprechen, antwortete ich: "Nichts hat für mich einen überzeugenden Wert". Sie fragte mich daraufhin: "Warum sind sie dann hier bei mir in der Suchtberatung? Warum machen Sie sich Sorgen um ihre Gesundheit? Warum wollen sie demnächst heiraten?" Damit hatte sie mich natürlich schon eingefangen. Natürlich habe ich Werte, Dinge, die für mich WERTvoll sind. Aber als Alkoholiker der sich auf den Weg in ein trockenes Leben begeben hat, habe ich nach dem "Verlust" meines Wegbegleiters alles in Frage gestellt, wie ein verlassener Liebhaber.

    Diese Erkenntnis war für mich sehr wichtig.

    Als zweites sprachen wir über meine ständig im überweltlichen verweilenden Gedanken. Wie ich ja schon früher andeutete, befinde ich mich in einer Art Sinnkrise, einerseits meine Person betreffend, andererseits die Menschheit allgemein betreffend. Gerade letztere Gedanken haben mich dazu gebracht, quasi im "Kosmos" herumzuschwirren, von wo aus es mir unmöglich war, irgendetwas an meiner Gefühlswelt im positiven zu verändern, weil ich ja eigentlich gar nicht da war.

    Zuguter letzt konnte mir meine Psychologin auch erklären, warum ich immer noch nicht meine Bewerbung an die Universitäten verschickt habe, weil ich doch eigentlich wieder studieren will. Sie sagte mir, dass sie darüber nicht verwundert sei, da ich ja in meinem inneren noch keine überzeugende Entscheidung getroffen habe - ohne diese deutliche Entscheidung können aber auch keine Energien freigesetzt werden, um die "Sache ins Rollen zu bringen".

    Diese 3 Punkte haben mir sehr geholfen. Seit dem geht es mir wieder besser, weil mir dadurch wieder klarer darüber geworden bin, was mit mir los ist. Ich sehe momentan von Tag zu Tag ein Stücken klarer.

    Der Alkohol spielt in meiner Gedankenwelt mittlerweile eine untergeordnete Rolle, was ich aber schon in der Vergangenheit während meiner "Trinkpausen" so erlebt habe, und was mich sicherlich nicht leichtfertig machen lässt.

    Viele Grüße an euch alle und die besten - und trockenen - Wünsche für ein sonniges Wochenende!

    Herzlichst,

    Blizzard

    Erst unter den Hammerschlägen des Schicksals, in der Weißglut des Leidens an ihm, gewinnt das Leben Form und Gestalt. (V.E. Frankl)

  • Hi Blizzard,

    freut mich richtig, dass es dir gut geht.

    Ich habe immer das Gefühl, wenn ich meine inneren Sachen anfange zu ordnen und daran zu arbeiten oder versuche es mir klar zu machen, dann geht es mir auch gut. Macht mich irgendwie zufrieden.

    Es soll sich nicht zynisch anhören, aber ich habe manchmal das Gefühl, das der Alkoholismus (natürlich trocken) eine Chance ist, etwas innerlich zu tun. Und ist das nicht der Sinn des Lebens, für mich ist es das.

    Ich weiß nicht für mich, ob ich an mir arbeiten würde, wenn ich das Problem Alkohol und wie gesagt auch andere Probs nicht hätte. Ich bin ein fauler Mensch und wenn keine Probleme anstehen, würde ich nicht nach innen gucken. Dann würde ich es einfach so laufen lassen.

    Das der Alkohol gleichgültiger wird, also nicht mehr so im Vordergrund steht, ist glaube ich auch eine normale Entwicklung. Aber wie du ja schon geschrieben hast, man darf es nicht vergessen, deshalb bin ich auch hier im Forum und in meiner realen SHG, um mir immer wieder bewusst zu machen, dass der schwarze Vogel auf meiner Schulter sitzt und nur auf einen schwachen Moment und ein Hintertürchen wartet und sagt, komm nimm dir doch einen. Den will ich immer im Auge haben, dann kann er mich nicht übertölpeln.

  • Hallo Blizzard und die anderen Autoren,

    ein schöner treat......... hat mir viel aufgezeigt, weil mir einiges (Trinkpausen, Sinnkrisen, im Kosmos leben´, Entscheidungen nicht fällen können, etc. ) sehr bekannt vorkommt. .

    Bin erst seit 6 Tagen trocken, nutze das Forum hier daher momentan viel zum Lesen, und natürlich auch um Gedanken niederzuschreiben, um Rat zu bekommen, Fragen beantwortet zu bekommen.

    Ich wusste vor meinem ersten Tag dieser vergangenen 6 Tage nur, dass ich um jeden Preis keinen Alkohol mehr trinken möchte.

    Ich hatte mich aber in meiner Verzweiflung über meinen Alkoholismus auch nur mit meinem Alkoholismus auseinadergesetzt. Nie über die tatsächliche Reichweite dieser Krankheit in mein Ich auseinandergesetzt oder informiert.
    Völlig naiv gedacht: "Einfach nur trocken werden und nicht mehr trinken und Du kannst Dein "altes, normales" Leben ohne Sucht wieder führen"

    Nach diesem ersten Tag, bin ich hier in´s Forum gekommen. Ich habe gelesen und gelesen, dann eine Bitte um Hilfe abgeschickt. Einen "auf den Deckel" bekommen.
    Weiter gelesen und gelesen, ein par erste Gedanken und Kommentare geschrieben und erkenne Tag für Tag mehr - auch Dank dieses Threats -, dass es "das alte normale" Leben ja gar nicht gab. Dass sich mein Leben mit meiner Entscheidung zukünftig nie wieder Alkohol trinken zu wollen in ein ganz anderes neues Leben verändern soll und wird (wenn ich das schaffe).
    Dass es ein sehr langer Prozess der positiven Veränderung mit viel eigener Arbeit und immer neuen Stationen und neuen Fragen werden wird.

    Aber wenn ich ich die Verzweiflung der letzten Monate nicht vergesse, werde ich jede Mühe auf mich nehmen, um diesen neuen Weg zu gehen.

    Ich glaube , dass kein Tag und kein Zeitraum nochmal so schlimm werden kann, wie die letzten Monate meiner aktiven Abhängigkeit und wie die Tage wieder würden nach einem Tag an dem ich nochmals Alkohol trinke.

    Hätte ich dieses Forum und solche Beiträge wie hier nicht gesucht und gefunden, wäre es ansonsten nur eine von vielen Trinkpausen geworden.

    Blizzard ich wünsche Dir weiterhin viel Geduld und viele weitere erfolgreiche Schritte, wie sie ja hier auch dokumentiert sind und:
    "Sinn wird nicht nur durch den Geist gefunden, sondern manchmal viel einfacher vom Bauch erfühlt!"

    Vielen Dank vom Falk

    Nichts im Leben ist so schlimm, als dass man nicht darüber reden könnte!

  • Hallo Brigitte, Falk und alle anderen Besucher meines Threads,

    auch in den letzten Tagen geht es mir weiterhin gut. Wenn ich rückblickend die letzten 52 Tage (seitdem bin ich ja wieder trocken) betrachte, stelle ich fest, das es jetzt langsam von meinem Grundgefühl bergauf geht. Diese letzten gut 7 Wochen waren vielleicht die bisher intensivste Zeit in meinem Leben. Ich habe mich sehr viel mit mir und meinen Gedanken, Gefühlen, Ängsten und Sorgen beschäftigt und merke jetzt langsam, dass es besser wird.

    Diese intensive Auseinandersetzung (die ja auch weiterhin andauert) habe ich gründlich notwendig gehabt. Mir ist schon vieles klar geworden und es wird mir noch vieles klar werden müssen, um dorthin zu kommen, wo ich hin will: Zu einer zufriedenen Trockenheit. Ich möchte auch betonen, dass dies nur funktionieren konnte, weil ich die notwendige Zeit dafür hatte. Wenn ich momentan Vollzeit arbeiten hätte müssen, hätte das nicht funktioniert. Und so bin ich froh, dass ich meine derzeitige Arbeitslosigkeit bisher bestens "investiert" habe.

    Am Wochenende habe ich einen schweren und herausfordernden sportlichen Wettkampf, der sich über 2 Tage zieht. Ich habe mich akribisch darauf vorbereitet und freue mich jetzt schon richtig darauf.

    Demnächst werde ich die Stellensuche wieder aufnehmen, am liebsten wäre mir vorerst eine Beschäftigung in Teilzeit. Ausserdem wollte ich mich ja wieder an der Uni bewerben. Das geht dann alles nächste Woche los.

    Gruß,

    Blizzard

    Erst unter den Hammerschlägen des Schicksals, in der Weißglut des Leidens an ihm, gewinnt das Leben Form und Gestalt. (V.E. Frankl)

  • Hallo Blizzard,

    mir geht richtig das Herz auf, wenn ich hier lese wie es Dir doch immer besser geht und Du Dein Ziel nicht aus den Augen verlierst. Zweifle nicht an Deinem Weg, geh einfach weiter.

    Jeden Tag begegnen mir in meinen Stadtteil "verlorene" Seelen. Sie sitzen auf Bänken, stehen in Ecken mit der Flasche in der Hand. Einige sind verschwunden, vielleicht gibt es sie schon nicht mehr.

    Ich wünsche Dir alles Gute für die Zukunft.

    Katy

  • Hallo Blizzard,

    ich drücke Dir die Daumen für Deinen Wettkampf und wünsche Dir Erfolg für die Schritte , die Du Dir für die kommende Woche in Bezug auf Bewerbung etc. vorgenommen hast.

    Du schaffst das!

    Lieben Gruß vom Falk

    Nichts im Leben ist so schlimm, als dass man nicht darüber reden könnte!

  • Hallo kleine Biene,

    ja, ich werde meinen Weg weitergehen - denn zu den von dir beschriebenen "verlorenen Seelen" will ich nie wieder gehören. Ich weiß genau was du meinst. Und oft saß ich ja selber so gedankenverloren mit meinem Bier auf der Parkbank und habe darüber nachgedacht, was jetzt wohl die anderen, gesunden Passanten von mir denken mögen. Und was immer sie auch dachten, sie hatten damit recht.

    Hallo Falk,

    danke für guten Wünsche. Ich hoffe das wird alles am Wochenende glatt über die Bühne gehen. Ich bin gut vorbereitet und bis jetzt auch noch nicht nervös.

    Heute war ich wieder bei der Psychologin der Suchtberatung. Wir kamen jetzt an einen Punkt, wo ich mich entscheiden muss: Ambulante Therapie ja oder nein?

    Ich wollte zuerst abblocken und eher verneinen, doch dann wurde mir schnell bewusst, dass das wieder so eine typische Abwehrhaltung von mir ist. Eine Haltung mir einen möglichst bequemen Weg zu suchen. Innerlich weiß ich, dass so eine Therapie sehr sinnvoll für mich wäre, aber das Fleisch ist bisweilen schwach.

    Nachdem wir vor Ort klären konnten, das in meinem Fall von der Finanzierung her die Rentenversicherung zuständig ist, habe ich mir die notwendigen Formulare mitgeben lassen, und für mich die Entscheidung getroffen, so eine Therapie jetzt doch zu machen. Im Gespräch mit meiner Psychologin habe ich einfach gemerkt, das es viele offene Punkte in meinem Leben gibt, viele "Baustellen", die bearbeitet werden müssen. Und mittlerweile habe ich auch eingesehen, dass es immer erfolgsversprechender ist, dies nicht alleine zu versuchen.

    Gruß an euch alle,

    Blizzard

    Erst unter den Hammerschlägen des Schicksals, in der Weißglut des Leidens an ihm, gewinnt das Leben Form und Gestalt. (V.E. Frankl)

  • Hallo Leute,

    da bin ich wieder.

    Der Wettkampf am Wochenende war erfolgreich. Ich habe zahlreiche persönliche Bestleistungen aufgestellt und meine Wetten mit Freunden allesamt gewonnen.

    Trotzdem war alles irgendwie anders. Denn zum ersten Mal seit Beginn meiner jüngsten Trockenheit hatte ich nach Ende des Wettkampfes echt das Gefühl, auf etwas verzichten zu müssen, als ich manch anderem zusah, wie er sein Belohnungsbier trank.

    Ich geriet zwar überhaupt nicht in Versuchung (dafür ist mein Vorsatz dieses Mal viel zu eindeutig und stark), jedoch hatte ich kurzzeitig dieses Gefühl "ach ich armes Würmchen, niemals werde ich wieder so ausgelassen einen Erfolg genießen können, wie die da".

    Und das übertrug sich dann auch ein wenig auf meine Stimmung nach dem Wettkampf und auf die folgenden Tage danach. Denn es war zwar ein gutes Gefühl, seine Ziele erreicht zu haben, auf die man 9 Monate lang hintrainiert hat, jedoch hielt es nicht lange vor - nicht wie es eigentlich bei einem solchen Erfolg sein sollte. Stattdessen fiel ich in den letzten Tagen (insbesondere gestern) zeitweise in ein Loch der Leere und Traurigkeit. Früher hätte ich nach einem solchen Erfolg erstmal eine Woche lang gefeiert und mich gut gefühlt. Das ist jetzt anders.

    Die angst- und sorgenbeladenen Gedanken, wie es mit mir gesundheitlich (psychisch) und beruflich weitergeht, haben mich wieder gnadenlos gefangengenommen.

    Gestern war ich beim Arzt und habe mir eine Überweisung für den Internisten geben lassen, weil ich noch einen Leber-Ultraschall machen muss. Ansonsten werde ich am Freitag den Antrag auf die ambulante Therapie mit meinem Hausarzt ausfüllen.

    Bis dahin geht es hoffentlich wieder gefühlsmäßig aufwärts.

    Grüße an euch alle!

    Blizzard

    Erst unter den Hammerschlägen des Schicksals, in der Weißglut des Leidens an ihm, gewinnt das Leben Form und Gestalt. (V.E. Frankl)

  • Hallo Blizzard,
    ich habe mich ein wenig durchgelesen und muss sagen, wenn ich einen Hut aufhätte würde ich ihn jetzt vor Dir ziehen.

    Du hast hart an DIR gearbeitet. Der Weg ist der Richtige!

    Mach Dir keine Sorgen wegen der gelegentlichen Leere in Dir.
    Das ist ganz normal.
    Du hast doch jahrelang Alkohol als Gefühlsverstärker benutzt.
    Bei Sieg oder Niederlage wurde doch noch einer draufgegossen, oder?


    Daher empfindest Du jetzt diese sogenannte Leere in Dir.
    Da hast Du jetzt ein neues Gefühl entdeckt, was Du früher nie
    zugelassen hast
    Das kommt wieder ins Lot. Leider geht das nicht von heute auf morgen.
    Man muss auch nicht immer gut drauf sein.

    Das wird wird schon! Nur Mut!!

    Alles Gute
    phonix

    Ich bin nicht auf dieser Welt um anderen zu gefallen!

  • Hallo Blizzard,

    ich freue mich für Deinen Wettkampferfolg und dafür dass Du standhaft bleibst.
    Die Leere und Traurigkeit werden sicher wieder vergehen. Du stehst ja noch am Anfang und Du wirst sicher lernen Deine Erfolge auch ohne Belohnungsbierchen genießen zu können.

    Ich wünsche Dir ganz viel Kraft.

    Katy

  • Hallo kleine Biene und Phonix,

    und alle anderen die hier gelegentlich mitlesen!

    Heute war ich wieder bei der Suchtberatung und habe mit meiner Psychologin dort den Antrag auf ambulante Reha ausgefüllt, soll heißen, ich habe ihr meine ganze Trinkergeschichte für den Sozialbericht offenbart. Irgendwie war es seltsam, denn ich habe über dieses eigentlich so dunkle Kapitel meines Lebens gerne geredet.

    Am Nachmittag war ich bei meiner Hausärztin und habe ihr den Teil des Antrages überreicht, den sie für mich ausfüllen muss.

    Phonix, dass was du über die "Leere" geschrieben hast, ist richtig und wichtig. Es ist tatsächlich so, dass die "Feierstunde" einfach entfallen ist. Die Leere selbst habe ich damit "beendet", indem ich mir die nächsten sportlichen Ziele vergegenwärtigt habe, nach dem Motto: "Nach dem Wettkampf ist vor dem nächsten Wettkampf". Meine künftige Arbeit, bzw. mein künftiges Ziel ist es aber auch, Erfolge dann auch richtig feiern zu können, ohne Alkohol und ohne Gedanken daran. Mich sozusagen aus tiefstem Herzen nüchtern freuen und das Leben genießen können. :D

    Als ich da so heute darüber nachdachte, wurde mir bewusst, wie wichtig der Sport für mich, insbesondere die letzten 2 Monate, war und ist. Ohne die regelmäßigen Trainingseinheiten hätte ich diese emotional so aufwühlende und anstrengende erste Zeit der Trockenheit wohl kaum so gut hinbekommen, wäre womöglich in ein richtig tiefes seelisches Loch gestürzt. Das Training war tatsächlich irgendwo mein größter Halt in dieser Zeit, wo ich mich gehen lassen und freuen konnte - ohne Gedanken an Alkohol und meine Probleme.

    Vielen Dank an dieser Stelle allen, die bisher in meinem Thread geantwortet haben. Macht weiter so - ich freue mich über jedes Feedback!

    Erst unter den Hammerschlägen des Schicksals, in der Weißglut des Leidens an ihm, gewinnt das Leben Form und Gestalt. (V.E. Frankl)

  • Hallo Blizzard,
    es freut mich, dass Du eine wichtige Entscheidung für Dich getroffen hast.
    Ich wünsche Dir viel Erfolg bei der Reha.

    Wie Du beschrieben hast, war und ist der Sport eine wichtige und sinnvolle Ablenkung für Dich. Du setzt Dir Ziele und versuchst diese zu erreichen. Künftige Siege willst Du auch trocken richtig feiern!

    Das ist gut!

    Wenn ich es richtig zurück verfolgt habe, bis Du jetzt seit ca. 5 Monaten trocken. Versuche jetzt mal nach der Ablenkungsphase (Sport) Deine Gefühlswelt zu ergründen. Was geht vor in Dir bei positiven und negativen Ereignissen? Versuch mal Dich nicht abzulenken, sondern Deine Gefühle zuzulassen.

    Sinn der Sache ist, dass Gefühle Druck auf uns ausüben und wir nicht immer weglaufen können, wenn wir es gerne möchten!
    Die Kunst ist es dann diesen Druck auszuhalten und das funktioniert, wenn wir gelernt haben unsere Gefühle zu ertragen.

    Alles Gute

    phonix

    Ich bin nicht auf dieser Welt um anderen zu gefallen!

  • Hallo Leute,

    hallo Phonix. Ja, ich lasse mittlerweile die Gefühle zu - ich kann vor ihnen auch gar nich weglaufen. Da ich momentan arbeitslos bin und meistens zu hause bin, kommen die unangenehmen Gefühle immer schubweise über den Tag verteilt und ich setze mich dann auch in aller Ruhe mit ihnen auseinander. Ich habe das subjektive Empfinden (von dem ich mir erhoffe, dass es sich in eine objektive Realität umwandelt), dass es bergauf geht. Aber irgendwie möchte ich es auch nicht verschreien. Zu oft wurde ich an diesem Punkt in der Vergangenheit enttäuscht. Diesmal werde ich vorsichtiger sein.

    Heute ging es mir wieder ziemlich gut. Das Wetter ist eine Wucht und ich kümmere mich um dies und jenes (Haushalt, Einkäufe usw.).

    Wenn da nur nicht diese beruflichen Sorgen wären :(

    Ich habe einfach keine Vorstellung was ich machen soll, was ich überhaupt machen will. Theoretisch könnte ich ziemlich viele Jobs machen. Dazu fehlt mir aber momentan einfach die Motivation den ersten Schritt zu gehen, was wohl daran liegt, dass ich immer noch Versagensängste (wegen meines letzten Jobs, während dem ich einen Alkohol-Rückfall mit herber persönlicher Psycho-krise hatte) habe.

    Naja, und dann kommen halt doch wieder die Fragen nach dem Sinn usw. Siehe frühere Beiträge von mir. Aber diese Momente der absoluten Beklemmung werden seltener und weniger intensiv. Und das gibt mir Mut.

    Der Blick wird wieder klarer. :)

    Erst unter den Hammerschlägen des Schicksals, in der Weißglut des Leidens an ihm, gewinnt das Leben Form und Gestalt. (V.E. Frankl)

  • hi Blizzard,

    einen schönen Thread hälst Du da am laufen ... gibt mir etwas Mut, dass die endlose Leere, die Sorgen und Ängste tatsächlich mit der Zeit nachlassen.

    Ich wünsche Dir auf Deinem Weg viel Kraft, Mut und Zuversicht. Gruss liv

    Geduld ist die Kunst, nur langsam wütend zu werden ...

  • Hallo zusammen,

    Hallo Liv,

    vielen Dank für deine guten Wünsche, die ich selbstverständlich gerne auch an dich richte!

    Mir ging es auch in den letzten Tagen ziemlich gut, meine Gefühlslage hat sich insgesamt auch diese Woche wieder deutlich gebessert. Ich fühle mich lockerer und ruhiger als in den anstrengenden Tagen Ende März, den ganzen April und Anfang Mai. Ich merke wirklich, dass es jede Woche ein kleines Stückchen in meiner Gefühls- und Gedankenwelt bergauf geht und hoffe, dass sich dieser Trend fortsetzt! :D

    Am Mittwoch war ich in meiner Suchtberatungsstelle zu einer "Therapie-Vorbereitungs-Gruppe", wo Leute, die kurz vor Beginn einer ambulanten oder stationären Langzeittherapie stehen, offene Fragen stellen können usw. War sehr informativ.

    Am Donnerstag war ich bei meiner Hausärztin Blut abnehmen - wieder mal zur Kontrolle der Leberwerte, Creatin usw. Das Ergebnis erfahre ich am Dienstag. Passenderweise habe ich direkt davor im gleichen Ärztehaus bei einem Internisten einen Leberultraschall. Das wird also der "Tag der Wahrheit" werden. Da ich ja jetzt doch schon eine zeitlang trocken bin, hoffe ich, dass es nicht so schlimm wird. Körperlich bin ich top fit.

    Und was macht der schwarze Vogel auf der Schulter? Nun ja, er hält sich sehr bedeckt. Nur einmal kam es wieder zu einem "interessanten" Gedankengang: Ich habe im Fernsehen gehört, das (im Falle das Südafrika nicht mit den Vorbereitungen zur Fussball-WM 2010 rechtzeitig fertig wird), die WM dann wahrscheinlich wieder in Deutschland stattfinden wird (lt. Sepp Blatter). Worüber ich mich vor ein paar Monaten noch tierisch gefreut hätte, macht mir jetzt Sorgen. Ich war während der Fussball-WM fast täglich besoffen auf der Fanmeile - und habe das genossen. So ehrlich muss ich einfach sein. Ich habe mich gefragt, wie ich so ein Ereignis ohne Alkohol genießen könnte. - Tja und da war es wieder! Das Verzicht-Denken. Zeigt mir, dass ich noch einen langen Weg vor mir habe, bis ich auch geistig richtig trocken bin.

    In der Hoffnung das Pfingsten nicht wie prognostiziert völlig ins Wasser fällt, verbleibe ich für heute mit lieben Grüßen und den besten Wünschen für 24 trockene Stunden!

    Blizzard

    Erst unter den Hammerschlägen des Schicksals, in der Weißglut des Leidens an ihm, gewinnt das Leben Form und Gestalt. (V.E. Frankl)

  • Hallo liebe Forumsgemeinde,

    hier bin ich wieder - gerade zurückgekommen von meinen Arztterminen. Der Oberbauchultraschall ergab ein sehr positives Ergebnis: Fettleber im Vergleich zu 2004 stark rückläufig, keine Bedenken seitens des Arztes; Bauspeicheldrüse, Milz und Nieren in Ordnung, keine Gallensteine. Da war ich schon mal erleichtert!

    Die Ergebnisse der Blutuntersuchung ergaben auch, das alle Werte im Normalbereich liegen. Mein Gamma-GT beträgt 0,42 (normal ist laut Ergebnisprotokoll alles unter 0,63). Jetzt bin ich nicht nur erleichtert sondern auch glücklich! :D

    Es ist also alles in Ordnung - und ich werde dafür sorgen, dass es auch so bleibt. Ich hatte Glück, mein Problem noch rechtzeitig erkannt zu haben und bin nun auf dem richtigen Weg. Hoffe das es so weiter geht. :)

    Wünsche euch allen einen wunderschönen Tag und trockene 24 Stunden!

    Euer Blizzard

    Erst unter den Hammerschlägen des Schicksals, in der Weißglut des Leidens an ihm, gewinnt das Leben Form und Gestalt. (V.E. Frankl)

  • Hallo Blizzard,
    es freut mich für dich,daß gesundheitlich alles im Lot ist :!:

    Jo,die besten Vorraussetzungen,daran auch weiter zu Arbeiten :!:

    Gruß Andi

  • Hallo Andi,

    ja, die Voraussetzungen für ein besseres Leben sind jetzt auch körperlich gegeben. Ich bin sehr froh, dass ich noch so gut davon gekommen bin. Hätte auch schlimmer sein können, nachdem ich vor 3 Jahren schon die gleichen Untersuchungen mit einem ungleich schlechteren Ergebnis hatte.

    Heute gings mir wieder gut, nachdem ich gestern einigermaßen down und durch den Wind war. Hatte vor allem wieder mal mit dem Thema "Arbeit und Zukunft" zu tun. Habe mir mal die Stellenanzeigen im Internet durchgelesen, die in meinem Berufsfeld zu finden waren, und davon gab es gar nicht so wenig. Aber je mehr ich diese Anzeigen durchlas, desto mehr wurde mir bewusst, dass ich momentan nicht in der Lage wäre, den in der Arbeitswelt allgemein geforderten Ansprüchen gerecht zu werden.

    Mir graut immer noch vor der Vorstellung, dass ich nach der Aufnahme einer neuen Tätigkeit wieder in so eine Krise rutsche, wie zuletzt - und das möchte ich auf keinen Fall nochmal durchmachen. Glaube ich ja auch nicht, dass mir das nochmal passiert - schließlich hat sich seitdem in meinem Leben viel getan (Stichwort: Abstinenz), trotzdem bleibt da eine gewisse Versagensangst.

    Die Hochzeit rückt auch immer näher. Nur noch knappe 6 Wochen! Spätestens danach möchte ich wieder Bewerbungen schreiben und hoffe, dass ich mir bis dahin auch klarer darüber bin, was ich eigentlich machen will.

    Grüße an euch alle & ein schönes Wochenende!

    Herzlichst

    Blizzard

    Erst unter den Hammerschlägen des Schicksals, in der Weißglut des Leidens an ihm, gewinnt das Leben Form und Gestalt. (V.E. Frankl)

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