Ja, das kenne ich! Die bösen bösen Gedanken, die einen immer wieder quälen.
Ich weiss auch, dass meine Mum keine finanziellen Sorgen hat, zwei gesunde Kinder hat sie, drei Enkel! Das ist alles nicht das Problem. Meine Mutter - ja meine ganze Familie - leidet an Depressionen. Ihr Vater hat sich das Leben genommen, litt auch an Depressionen. Mehr erzählt man mir nicht. Bei uns wird alles tot geschwiegen. Man redet nicht über Probleme. Und genau das ist das Problem. Meine Mutter jammert ja - wie schon geschrieben - immer wieder wegen allem möglichen. Wenn ich sie dann mal wieder gezielt auf die Trinkerei anspreche, dann heisst es immer, dass sie ja Probleme hat. Wenn ich sie dann frage, was die Probleme sind, dann winkt sie ab. Ich hab ihr auch von meiner Therapeutin erzählt, wie gut mir das tut usw. Sie meinte dann irgendwann, vielleicht sollte sie ja auch mal da hin gehen. Sie hat es jedoch nie getan.
Klar, versauen unsere Mütter sich ihr Leben und das der Angehörigen geradezu mit. Aber es liegt jetzt an uns, UNS UNSER Leben nicht versauen zu lassen. Gerade deshalb sind wir ja hier. Was genau der Grund ist, warum meine Mutter mit dem Trinken anfing, das weiss ich nicht und ich werde es wohl auch niemals wissen. Aber ich kämpfe auch nicht mehr um die Wahrheit. Mir ist wichtig, dass sie weiss, wo sie bei mir dran ist, dass bei mir nix zu schlucken für sie parat steht, dass ich diesen Kreis auch nimmer geschlossen halte, sondern ausbreche und mich öffne. Ich erzähle nimmer nur, dass Mama krank ist, wenn sie betrunken wiedermal irgendwo angerufen hat und gejammert hat und vor allem gelallt hat. Nein, ich erzähle, welche Krankheit sie hat. Und ich sage das ja nicht, um sie schlecht zu machen, sondern einfach deshalb, weil ich nimmer lügen will und weil ich sie da auch nimmer decken will. Früher dachte ich immer, dass die jetzt mim Finger auf mich zeigen, weil meine Mutter ein Alki ist. Heute weiss ich, dass es glaub ich keine Familie gibt, in der es keinen Alkoholiker gibt. Und sollten doch Leute mim Finger auf mich zeigen, dann sollen sie. Mir doch egal. Ich stehe zu mir und das ist das allerwichtigste. 
Aber ich denke egal bist du deiner Mutter nicht. Ich bin meiner Mutter auch nicht egal. Wenn sie getrunken hat, kann sie das nur nimmer so ganz koordinieren glaube ich. Im nüchternen Zustand würde sie alles für mich tun, im besoffenen Zustand sicher auch, nur anders.
Ich sehe mittlerweile alles mit anderen Augen. Natürlich noch nicht zu 100%. Momentan werde ich ja auch noch verschont und kann da sowieso klar denken. Aber ich denke ich bin schon wieder ein grosses Stück weiter auf meinem steinigen Weg. Dank dem Forum hier, dank der ehrlichen Antworten, die man erhält und dank meinen zwei Büchern, die ich jedoch noch um weitere erweitern werde.
Wieviele Kinder hast du denn Judofloh?
LG Tanja