Hallo Yvonne,
wir schreiben uns zwar in dem Fädchen von hope sun, aber egal... ich schreibe jetzt hier einfach mal weiter. Wenn du magst kann ich das gerne mal in deinen eigenen thread übertragen. Denn ich finde deine Reaktionen und das, was du schreibst, sehr wichtig!
Denn es zeigt deine Gefühle! Und ich kenne solche Gefühle auch. Von sehr vielen Cos. Von mir natürlich auch, bin ja auch "so eine"
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Du darfst deine Wut allen zeigen, auch dem Alkoholiker, was spricht dagegen? Du darfst ja auch deine Freude allen zeigen, das alles sind doch Gefühle, die du in dir hast. Diese riesige Enttäuschung, wenn er endlich nüchtern ist und trotzdem alles auseinander fällt und sich im Prinzip nichts geändert hat. Du darfst das alles zeigen!
Das andere Ding ist nur, was du erwarten kannst von ihm. Was er in der Lage ist zu geben. Alkoholiker und Cos haben sehr viel aufzuarbeiten, wenn sie nüchtern, trocken werden. Ja, auch Cos werden ja gewissermaßen dann mit trocken. Bestenfalls. Beide Seiten müssen sich in einem neuen Leben zurecht finden. Der Co muss lernen, dem Alkoholiker seine Selbstbestimmung zu überlassen, nach und nach. Er, also Alki, braucht jetzt kein Tutsitutsi mehr sondern Realität. Natürlich auch Verständnis, denn das ist schon sehr schwer alles, so ohne den Stoff Dinge wieder bewältigen und aushalten zu müssen.
Und der Co muss lernen, los zu lassen. Verantwortung wieder dahin zu geben, wo sie hingehört. Das eigene Leben wieder entdecken, Hobbies, Spaß, Freunde. Cos müssen auch lernen, wieder angstfrei auszugehen. Ihr eigenes Leben zu genießen, ihn einfach sein zu lassen.
Und das alles ist sehr schwer. Es braucht sehr viel Toleranz und Verständnis auf beiden Seiten. Viele Gespräche und Offenheit. Wenn jetzt einer der Partner dazu nicht bereit ist, warum auch immer, kann das nichts werden. So habe ich das selbst erfahren. Mein Ex war gar nicht bereit, irgend etwas zu verändern. Er wollte einfach weiter machen wie vorher, nur eben ohne zu saufen. Und das wollte ich nicht... Denn ich hing da nach wie vor in der Co-Rolle fest und es war sehr schwer, da raus zu kommen. Seine Muster waren noch immer die nassen Muster, vielleicht oder auch ganz bestimmt waren es einfach seine Lebensmuster, seine Persönlichkeit. Und solch einen Partner wollte ich einfach nicht mehr...
So wie du es beschreibst erscheint es mir mit deinem Partner ähnlich zu sein. Auch mein Ex hat sich im Schoß seiner Familie verkrochen, die allerdings jetzt nicht abhängig waren. Das hat mich sehr verletzt denn es hat mich so unglaublich wertlos fühlen lassen. Ich war doch immer da gewesen und nun war ich an allem Schuld... Oh ja, ich kann deine Gefühle sehr gut verstehen.
Zitat
Bitte entschuldigt, aber ich habe einfach langsam keine Lust mehr darauf, den Alkoholiker nur als Opfer zu sehen. Opfer sind andere.
Opfer und Täter, das ist sehr schwer das auseinander zu halten. Im Grunde sind alle Opfer... Opfer der Sucht. So sehe ich das. Wenn du das so sehen könntest würde es vieles für dich leichter machen. Ich denke, du wirst das auch sehen können aber momentan ist bei dir einfach noch zu viel Wut und Enttäuschung. Und wie gesagt, das ist auch okay so. Wichtig finde ich dabei nur, dass du trotzdem weiter gehst. Nicht in diesen Gefühlen stecken bleibst. Denn dann wärst du genau so unfrei wie vorher mit deinem Partner.
Ich hoffe, du hast für das Wochenende etwas Schönes für dich geplant. Das Wetter wird ja wieder super, da kannst du was draus machen. Ich schicke dir viele Päckchen an Kraft und Mut und Sonne, Lust wieder in's Leben zu sehen, in dein Leben, und spüren zu können, dass es für dich weitergehen wird. Anders als geplant, aber gut, das Leben ist manchmal so...
Ach, und wenn diese Gedanken an ihn und all den Mist da kommen, versuche einfach sie mal zu vertagen. Wenn du lebst dann solltest du das ohne ihn im Kopf genießen. Dafür schicke ich dir ein paar von meinen "Stopp-Schildern". Immer wenn solch Gedanke kommt sag: "
da geht es lang und tschüss. Ich denke über dich später nach, jetzt habe ich keine Zeit. Ich muss nämlich mein Leben genießen!"
Liebe Grüße
Aurora