Beiträge von Aurora

    Liebe Murron,

    ja, dieses Füreinanderdasein, das wird schon gefühlt weniger.

    Andererseits habe ich als Coabhängige damit auch schlechte Erfahrungen gemacht. Ich war immer für alle da. Habe geholfen und gemacht und getan. Meine "Leistung" sogar regelrecht aufgedrängt teilweise.

    Ich fühlte mich für alles und jeden verantwortlich. Leider nur nicht für mich... Und ich wurde maßlos ausgenutzt bzw. hab mich ausnutzen lassen.

    Es fällt mir noch immer schwer, da eine gesunde Grenze zu finden. Hilfe und Dasein sind gute und wichtige Dinge im sozialen Miteinander, ganz klar. Es darf nur nicht so weit gehen, dass ich mich verliere.

    Ich musste lernen dass ich gerne meine Hilfe anbieten darf. Ich muss aber auch akzeptieren, wenn sie nicht angenommen werden möchte. Und ich musste lernen auch "nein" zu sagen. Wenn ich um Hilfe gebeten werde aber keine geben kann. Früher habe ich dann Welten bewegt um trotzdem helfen zu können. Ich habe mich verdreht, meine eigenen Grenzen überschritten und mein eigenes Dasein mit den Füßen getreten. Nur um zu helfen, anderen. Nur um niemanden weh zu tun mit einem, meinem, "nein".

    Das war dann die krankhafte Variante des Helfens.

    Ich lese aus deinem Beitrag heraus, dass du das gut für dich sortieren konntest.

    Lieben Gruß
    Aurora

    Hallo Murron,

    das ist echt schwierig.

    Bei mir war es ähnlich. Ich hatte mich nach 26 Jahren von meinem Exmann getrennt. Er hörte daraufhin mit dem Trinken auf. Wir hatten dann auch regelmäßig Kontakt, da er auch um die Ecke wohnt, wir 2 gemeinsame Kinder haben und nicht loslassen konnten...

    Ein Jahr nach der Trennung ging ich eine neue Beziehung ein. Da wurden die Kontakte sehr selten, waren nur noch sporadisch. Vier Jahre nach der Trennung lernte mein Exmann eine neue Frau kennen.

    Und da begann er wieder mit dem Trinken.

    Als ich das merkte hat es mir sehr leid getan. Ich kannte ihn schließlich schon sehr, sehr lange. Ich habe ihm damals mehrmals angeboten, dass er sich jederzeit bei uns melden kann. Auch bei meinem 2. Mann, ich hatte inzwischen wieder geheiratet. Mein 2. Mann ist auch Alkoholiker, trocken. Und hat eine Ausbildung zum betrieblichen Suchtkrankenhelfer. Und steht meinem Ex ja auch nicht so nahe.

    Mein Exmann hat dieses Angebot nicht ein einziges Mal in Anspruch genommen.

    Da habe ich gelernt, wieder einmal oder noch mal, was Loslassen bedeutet. Es ist sein Leben und seine Entscheidung. Wenn ich meinen Ex sehe oder telefoniere, was selten vorkommt, dann tut mir das sehr leid. Ich merke, wie sehr er der Sucht verfallen ist inzwischen. Ich kenne diesen Mann seit nunmehr 36, fast 37 Jahren...

    Und doch weiß ich, ich kann nichts machen. Es ist sein Leben, seine Entscheidung. Er weiß, wie es anders sein kann, ohne Alkohol. Und doch kann er nicht anders als er es gerade lebt. Das Hilfeangebot steht noch immer, aber er möchte es nicht in Anspruch nehmen.

    Das muss ich akzeptieren und auch unser Sohn, unsere Tochter lebt leider nicht mehr.

    Vielleicht kann ich dir mit meinem Beitrag ein wenig weiter helfen, beim Sortieren.

    Liebe Grüße
    Aurora

    Liebe Charlotte,

    willkommen hier :D !

    Ich finde mich in vielem was du schreibst wieder.

    Viele unserer heutigen Dinge haben ihre Wurzeln in unserer Kindheit, in bestimmten Prägungen. Und da ist es sehr, sehr schwer, neue Wege daraus zu machen.

    Aber es ist auch nicht aussichtslos, dass da was geändert werden kann und das macht Mut.

    Wie Morgenrot das schon schrieb fängt die Selbstverantwortung bei dir an und du machst es gut, wenn du auf deinen Körper hörst und dich nun auskurierst.

    Das ist nämlich auch nicht selbstverständlich. Ich kann da von mir reden, ich bin fast immer über meine körperlichen Grenzen gegangen. Krank sein - darf nicht sein. Das konnte ich mir gar nicht erlauben.

    Ich wünsche dir nun gute Besserung!

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo Sandy,

    ja, es ist wirklich ein Teufelskreislauf...

    Es fällt unendlich schwer, los zu lassen. Denn ein Alkoholiker bzw. Süchtiger ist krank! Und da will man doch helfen... zumal man ja diesen Menschen auch anders kennen gelernt hat, oft. Es gibt auch Beziehungen, da ist der Partner schon abhängig, wenn man zusammen kommt. Aber es ist auch oft so, dass sich die Abhängigkeit erst im Laufe der Zeit manifestiert.

    Und da hast du dann schon auch gute Erinnerungen und Gefühle für den Partner. Dann zu sehen, gut, er ist schwer krank und ich kann da nichts machen, das ist einfach fatal. Dieses Nicht-Helfen-Können. Diese Machtlosigkeit...

    Der Suchtstoff verändert auch in gewisser Weise die Persönlichkeit des Menschen. Da werden im Gehirn neue Programme gesetzt und an erster Stelle angebracht. König Sucht regiert dann den Menschen und tut alles dafür, dass immer pünktlich und in ausreichendem Maße Stoff da ist. Alles andere wird unwichtig.

    Der Körper, die Organe leiden unter den Giftstoffen, der Mensch wird auch anfälliger und schwächer mit der Zeit, dass Gehirn vernebelt.

    Und du als Außenstehende bist machtlos dagegen!

    Es gibt keine OPs, keine Strahlentherapie oder Medikamente, die das aufhalten oder heilen. Es gibt nur das "Stopp" und dieses "Stopp" muss aus dem abhängigen Menschen selbst kommen.

    Dieser Mechanismen musst du dir bewusst sein.
    Die Sucht regiert den Menschen.
    Dadurch wird er immer unzuverlässiger, liebloser.
    Er wird lügen und vertuschen.
    Er wird andere für seinen Zustand verantwortlich machen.
    Er schämt sich.
    Er kann es nicht sein lassen, einfach so.
    Er wird Versprechungen machen und kurz darauf brechen.
    Er kann keine Verantwortung mehr tragen.
    Er versucht sein Umfeld so zu gestalten, dass er seiner Sucht in Ruhe nachgehen kann.
    Irgendwann ist er kaputt.
    usw...

    Er sitzt im Mittelpunkt des Teufelskreislaufes und um ihn herum agieren die Menschen, die ihm nahe stehen.

    Und die werden von ihrer Sucht "Coabhängigkeit" regiert...

    Sie lügen und vertuschen.
    Sie schämen sich.
    Sie fühlen sich schuldig und verantwortlich.
    Sie wollen doch nur helfen.
    Sie richten ihr Leben nach dem Abhängigen aus.
    Sie vernachlässigen ihr soziales Umfeld.
    Sie fühlen sich wichtig und gebraucht.
    Sie kontrollieren, reden, schreien und weinen.
    Sie erpressen und geben Chancen.
    Sie haben Angst, sie fühlen sich als Opfer.
    Und irgendwann sind sie kaputt von all dem.
    usw.

    Der Abhängige hat die Wahl: entweder weiter machen und kaputt gehen. Oder sich vom Suchtmittel auf Lebenszeit zu trennen, "ja" zum Leben zu sagen. Diese Entscheidung darf und kann nur er selbst fällen.

    Und der oder die Angehörigen haben die Wahl: entweder weiter machen und mit kaputt gehen. Oder sich vom Abhängigen trennen, "ja" zum Leben sagen. Auch diese Entscheidung kann nur der Co alleine fällen.

    Nur die Kinder, die hängen da mit dran und sind ausgeliefert...

    Liebe Grüße
    Aurora

    Liebe Slowly,

    ich denke, ich habe auch verschiedene "Gesichter". Irgendwie haben sie alle die gleiche Grundstruktur, meine Persönlichkeit, aber trotzdem sind sie angepasst an diverse Situationen.

    Als ich noch berufstätig war hatte ich ein "Berufsgesicht".
    Wenn ich in meiner Urfamilie bin habe ich mein "Familiengesicht", da wird zum Beispiel berlinert, was das Zeug hält :lol: .
    Ich habe mein "Freundinnengesicht".
    Mein "Ehefrauengesicht"... 8)
    Ach ich habe, glaub ich, viele Gesichter und alle sind echt. Sie sind Teil von mir.

    Zitat

    Mir zum Beispiel war es gar nicht klar, dass ich manchmal lache, wo es tatsächlich gar keinen Grund dazu gibt.

    Das kenne ich auch :shock: , ich glaube bei mir ist das in Situationen in denen das Böse so stark ist, dass es einen Reiz in mir auslöst, der das Gegenteil von dem zeigt, was ich empfinde. So ähnlich wie wenn das Wasser beim Duschen zu heiß ist und ich eine Gänsehaut kriege...

    Wenn ich alleine bin verhalte ich mich meistens spontan und ungebremst... da singe ich laut und falsch (auch Arien), manchmal rutscht mir ein Rülpserchen raus :oops: dabei, ich rede mit mir selbst usw. Ich führe das lieber mal nicht weiter aus :lol: .

    :shock: , was mir so alles zu diesem Thema heute Morgen einfällt, huch...

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo,

    nun war ich zwar immer hier aber nicht in meinem Thread...

    Also lasse ich mal was da.

    Nachdem ich durch vielerlei Dinge und vor allem der nach meinem letzten Beitrag hier noch immer etwas unklaren Familiensituation wieder in einer depressiven Episode gelandet war, geht es mir jetzt blendend. Und warum?

    Ich habe durch meine Therapie und auch durch intensiven Austausch ja doch sehr viele Werkzeuge an der Hand, um mich aus Dunkelheit befreien zu können. Zuerst einmal aber war ich drinnen.

    Tiefste Traurigkeit, Lebensüberdruss, Wut, Schuld, Wertlosigkeit, totale Erschöpfung und noch viel mehr waren erst mal da. Aber dann eines sehr frühen Morgens, nach ein paar Tagen dieser Depression, konnte ich nicht schlafen. Gedankenstrudel und all das... Ich bin dann aufgestanden und habe mir was Gutes getan, denn ich war ein paar Tage vorher blöde gestürzt und mir tat einiges weh. Das habe ich versorgt. Und mich dann wieder hingelegt. Und siehe da, nachdem ich mein Äußeres versorgt hatte konnte ich das auch mit meinem Inneren. Die Gedankenstrudel sortierten sich plötzlich.

    Ich hatte dann ein sehr gutes Gespräch mit meinem SchwieSo und am Tag darauf mit der Partnerin. Und siehe da, es ist alles geklärt und die junge Frau hat mir so liebevolle Dinge darüber gesagt, wie sie mich empfindet, dass ich völlig baff war. Und nun ist es so wunderbar wie ich es mir nie gedacht habe, bzw. ja, ich habe es mir gewünscht und der Wunsch ist in Erfüllung gegangen. Und zwar mit der guten Fee und die war ich selbst.

    Natürlich hätte es auch anders sein können... aber das ist egal. Auch dann würde es mir in vielerlei Hinsicht besser gehen. Weil ich mich dann nicht mehr in sinnlosen Spekulationen und Schuldgefühle, Gefühlen der Wertlosigkeit, herumschlagen müsste.

    Also hat es sich mal wieder bewahrheitet. Nicht im Opfermodus verharren, das bringt mich nicht weiter. Aktiv werden, aktiv mein Leben in die Hand nehmen, reden und meine Gedanken äußern, mich wichtig nehmen und aussprechen, was mich bewegt, das bringt mich weiter.

    Hey, einen schönen Nikolaustag für alle, die hier vorbei schauen

    Aurora

    Hallo Margit,

    das, was Gotti da schreibt könnte auch von mir sein. Es war fast genau so! Nur dass es bei mir "nur" 26 Jahre gedauert hat...

    Zitat

    Ich möchte meinem Partner unbedingt helfen, auch wenn er keine professionelle Hilfe möchte.

    Wenn ich das lese, dann sehe ich genau das vor mir, was ich selbst mal so dachte. Ich möchte ihm doch helfen. Aber - er will gar keine Hilfe. Er will einfach in Ruhe weiter trinken, sich weg beamen.

    Zitat

    Aber ich denke seine Erkrankung kommt nicht von irgendwo her und wenn man die Ursache anpackt und verarbeitet/bearbeitet, dann kann es denke ich auch wieder funktionieren.

    Ja, das habe ich auch so gedacht. Der arme Mann, er hat es ja so schwer gehabt, hat es schwer, sein familiärer Hintergrund und da ist es kein Wunder, dass er trinkt... Im Prinzip habe ich Küchenpsychologie an ihm betrieben und mir selbst das Ganze schön geredet.

    Heute weiß ich: es steht mir nicht zu zu helfen, wenn jemand keine Hilfe haben möchte! Ich habe kein Recht dazu, meine Hilfe aufzuschwatzen. Jeder darf selbst entscheiden, wie er leben möchte und Hilfe annehmen möchte! Ich auch...

    Und seelische Dinge sind nicht die Entschuldigung für das Trinken! Jemand entscheidet sich bewusst dafür, Dinge in den Nebel weg zu saufen. Damit wird bewusst in Kauf genommen, abhängig zu werden. Auch wenn niemand gerne abhängig werden möchte... Ich kann aber niemanden dazu zwingen, sich seinen Problemen zu stellen und zu verarbeiten, wenn derjenige das gar nicht will. Dazu habe ich kein Recht.

    Ich habe das Recht dazu, mir mein Leben so lebenswert wie möglich zu gestalten, aktiv für mich zu werden wenn ich denke, ich brauche das.

    Genau so haben auch alle Menschen das Recht anders zu entscheiden. Wenn also dein Mann meint er möchte lieber weiter im Nebel verschwinden dann darf er das! Aber du musst nicht dabei sein sondern darfst gehen. Ebenso darfst du natürlich auch da bleiben und weiterhin versuchen, ihm zu helfen. Aber ich weiß aus eigener, leidvoller Erfahrung, dass das ein Kampf gegen Windmühlenflügel ist. Und schlussendlich ich kaputt , völlig desillusioniert und am Ende meiner Kräfte regelrecht aus der Beziehung raus gekrochen bin...

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo und willkommen Claudia,

    ich denke, dass du dazu nicht das Recht hast. Wenn dein Mann Alkohol geliefert haben möchte kannst du ihm das doch nicht verbieten. Es ist doch seine Sache. Er ist ja sicher schon volljährig und geschäftsfähig oder hast du die Vormundschaft für ihn?

    Selbst wenn du diesem Lieferservice verbietest, an eure Adresse was zu liefern, wird sich dein Mann einen anderen Lieferservice suchen und dann alles heimlich machen...

    Viele Grüße
    Aurora

    Hallo Biene,

    ja, das ist traurig, wenn eine Beziehung zu Ende ist, auch wenn sie irgendwann nicht mehr gut war. Es ist ja trotzdem ein Verlust von etwas.

    Zitat

    Von Kindheit an bin ich gewohnt - oder geprägt - nicht zu "stören".

    Ich glaube, diese Prägung ist bei dir ganz stark präsent. So wie du dich beschreibst. Und deine Ex-Beziehung. Was bedeutet es, "spannend" zu sein? Das verstehe ich nicht so ganz. In meiner Beziehung möchte ich Ruhe finden, Geborgenheit, Liebe. Und natürlich auch Lustiges, Leichtes, Freudiges. Aber Spannendes? Das habe ich mir noch gar nicht überlegt... Ich habe eine 26-jährige Lebenszeit mit meinem Ex hinter mir, da war es spannend und unberechenbar genug. Mit seiner Trinkerei und all dem... Das brauche ich echt nicht mehr, mein Bedarf ist gedeckt. Und bei dir?

    Zitat

    Geht man so mit mir um, wirft man mich fort, weil ich nicht "spannend" bin?
    Ich bin ein ruhiger, eher zurückgezogener Mensch. Ich meide Lautes, spiele keine Spielchen, trickse nicht, bin zuverlässig und berechenbar. Langweilig?

    Vielleicht war es so in dieser gerade beendeten Beziehung. Das kann doch sein, dass dieser Mann da was anderes braucht. Das hat ja aber was mit diesem Mann zu tun und nicht mit dir! Hast du dir das schon mal so überlegt? Ich kenne Männer, die möchten eher so unaufgeregte Frauen wie dich (und ich bin auch so), das gibt es doch auch.

    Und das heißt doch überhaupt nicht, dass du nicht liebenswert bist :shock: . Knall mal diesen Killergedanken in die Tonne, da gehört er hin :wink: .

    Du bist es von Kindesbeinen an gewöhnt, dich ruhig zu verhalten und angepasst zu sein. Nur nicht stören und schon gar nicht eigene Bedürfnisse haben, die wahrscheinlich eh nicht befriedigt werden.

    Dieses alte Muster ist für dich schädlich. Das hast du ja in dieser Beziehung selbst gemerkt. Es macht es dir schwer was einzufordern, was du gerade brauchst, zum Beispiel eine Umarmung. Du fühlst dich schuldig, solche Gefühle und Bedürfnisse zu haben, die ganz natürlich und menschlich sind. Wenn du nun noch solchen Partner hast wie deinen Ex, dann bedient das dein Muster ja klasse, denn er ist ja nicht in der Lage, dir das zu geben, was du brauchst. So wie früher...

    Gut, dass du eine Therapeutin hast. Um das mal anzuschauen und zu entschärfen, dieses alte Muster.

    Zitat

    Mir fällt es sehr schwer gerade, das Alleinsein. Und dieses unfreiwillige Kopfkino, wie schön die zwei es nun haben.

    Ja, das Alleinsein fällt schwer, aber alleine warst du ja auch schon in der Beziehung.
    Und ob die Beiden da es nun wirklich schön haben steht in den Sternen. Du bist jedenfalls diesen Mann los, der nicht bereit war, dir ein Minimum an Zuneigung zu geben. Ist das wirklich solch Verlust?

    Das fühlt sich bestimmt gerade trotz allem so an. Aber das vergeht auch. Ich wünsche dir eine gute Nacht und morgen einen schönen Tag, vielleicht hast du etwas Nettes vor?

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo Slowly,

    ich finde es sehr vernünftig, dass du dann mit dieser Psychologin nicht zusammen arbeiten möchtest! Wenn du gleich merkst, dass da etwas im Wege steht.

    Zitat

    Aber ich gebe nicht auf......

    Super!

    Liebe Grüße
    Aurora

    Liebe Dafina,

    zum Reden kannst du immer hier her kommen! Hier wirst du auch verstanden, denn wir haben alle ähnliche Dinge erlebt. Und können daher gut nachvollziehen, wie du dich fühlst.

    Zitat

    Mir geht es aber garnicht gut damit. Ich bin nicht froh, dass er bald wahrscheinlich "weg" ist. Irgendwie fühlt es sich schon fast wie Panik an wenn ich mir vorstelle dass die ganze Familie dort dann zusammen ist, er "gesund" wird und womöglich neu heiratet und glücklich wird.

    Das ist ein riesen Problem bei uns Cos. Diese Angst, dass ein anderer das schafft, was wir nicht geschafft haben, dass wir zurück bleiben als ein Häufchen Unglück.

    Mach dir bewusst, warum das so ist. Es hat sehr viel mit Selbstwert zu tun. Du hast deinen Wert darüber gespürt, dass du ihm eine Zeit lang helfen konntest, dass du wichtig für ihn warst, dass er es ohne dich nicht geschafft hat. Du warst wichtig bzw. hast es so empfunden. Für ihn warst du sicher auch wichtig in dieser Zeit, aber nicht aus Liebe sondern weil er dich gebraucht hat. Um irgendwie existieren zu können.

    So habt ihr euch beide mit euren Mustern bedient. Du hattest das Gefühl gebraucht zu werden und helfen zu können, ein typisches und sehr primäres Gefühl bei Cos, Menschen mit wenig Selbstwert. Und er hatte jemanden, bei der er ungestört seiner Sucht freien Lauf lassen konnte und aufgefangen wurde. Versorgt wurde.

    So funktionieren diese Beziehungen irgendwann. Ich sage nicht, dass anfänglich da nicht auch wirklich Liebe dabei ist! Ich habe meinen Exmann auch mal sehr geliebt...

    Nun hat er andere Menschen, die deine Rolle übernehmen und du fühlst dich wieder wertlos. Du hast es nicht geschafft, denkst du. Du bist zu schwach und zu blöd und konntest ihn nicht retten. Dein Selbstwert ist wieder weg denn du hast keine Gelegenheit ihn zu spüren. Du bist verzweifelt, dir fehlt eine wichtige Grundlage deiner Persönlichkeit.

    Bitte pass gut auf dich auf, dass du gerade in solch einer Lage nicht an einen neuen "Hilfebedürftigen" kommst, sonst geht das alles von vorne los! Das ist nämlich leider meistens der Fall, wenn Cos sich ihrer Muster nicht bewusst sind. Sie suchen sich dann einen neuen Partner, bei dem sie ihr Muster wieder ausleben können und fühlen sich dann wieder wertvoll. Und der neue Partner geht nach dem selben Muster vor und somit ziehen sich solche Beziehungen gegenseitig an.

    Darum ist es wichtig, dass du dir selbst jetzt Gutes tust. Du hast deine Kinder, macht einen gemütlichen Plätzchenbacken-Nachmittag. Zum Beispiel. Oder geht euch die grellhellen Weihnachtsbeleuchtungen angucken oder einen lustigen Film im Kino. Oder geh für dich alleine raus und treffe dich, lass die Kiste mit den Gedanken an ihn Zuhause, schließ sie ein. Und genieße einfach die Freiheit, unbeschwert sein zu können!

    Was aus ihm wird steht in den Sternen. Das hat mit dir nichts zu tun sondern ist sein Ding.

    Und glaub mir, du bist mit Sicherheit eine sehr gefühlvolle, liebevolle und freundliche Frau! Warum auch nicht? Erkenne deine Stärken und dass du durchaus ein sehr wertvoller Mensch bist, für sehr viele Menschen. Menschen ohne Suchtproblematik, Menschen, die dich einfach mögen und lieben, weil du "du" bist...

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo Margit,

    herzlich willkommen.

    Zitat

    ich glaube er ist auch kein stark Abhängiger (wenn es da überhaupt Unterschiede gibt).

    Es gibt da keine Unterschiede. Im Prinzip ist Abhängigkeit eben Abhängigkeit.

    Es gibt aber schon Stufen des Alkoholismus. Stufen, die nach unten führen...

    Körper und Geist leiden immer stärker unter der Sucht, verändern sich. Es wird immer mehr Stoff benötigt um das erträgliche Level zu decken. Also um nicht in einen Entzug zu kommen. Und noch viel mehr...

    Dass dein Mann nicht mit dir darüber reden möchte ist schade...

    Zitat

    Habt ihr Tipps wie ich am besten mit ihm umgehe, wie ich ihm helfen kann und ob es vllt doch besser ist, sich professionelle Hilfe zu suchen?

    Das ist die Frage, die sich die meisten Mitbetroffenen stellen.
    "Was kann ich tun?"

    Schwierig. Es ist ja so, dass du deinem Mann das Trinken nicht verbieten kannst und du kannst ihm auch keine Hilfe geben. Wenn er das nicht möchte. Und es liest sich für mich so, dass er keine Hilfe haben möchte, auch nicht von professioneller Seite.

    Da kannst du jetzt nur sehen, wie du selbst am besten mit der Situation umgehen kannst. Für dich. Ich habe das selbst so erlebt. Von den Anfängen bis zum ziemlich krassen Ende meiner ersten Ehe.

    Und ich habe in diesen ca 20 Jahren wirklich alles probiert. Vor allem für meinen Exmann. Ich habe mich dabei selbst verloren...

    Und das ist das wichtigste an der ganzen Sache:

    Du kannst nicht deinen Mann verändern oder ihm helfen, wenn er nicht möchte. Sieh zu, dass es dir gut geht bei all dem!

    Liebe Grüße
    Aurora

    Liebe Dafina,

    ich kann gut nachvollziehen wie schlecht es dir gerade geht und dass du niemanden da sehen möchtest.

    Du kannst doch sagen, dass die Kinder ihren Vater gerade nicht sehen möchten. Das wird mit Sicherheit nicht auf Gegenliebe stoßen aber das ist aus meiner Sicht das einzig Richtige. Denn es ist doch auch für die Kinder wichtig, dass sie ernst genommen werden und ihre Grenzen akzeptiert werden. Und genau so hast du das Recht zu sagen, dass du es ebenfalls nicht möchtest, du willst keinen sehen.

    Diese Ansage wird in dir sehr viel Gefühle hervor rufen. Negative Gefühle. Da ist es einfach wichtig, sie auszuhalten, dich davon abzulenken so gut es geht. Und vor allem ist es wichtig, dich auf keine Diskussion einzulassen. Ich weiß selbst wie schwer das ist. Mir haben solche Dinge am Anfang regelrecht die Luft genommen und mir starke Übelkeit gemacht. Aber es hat mich dann auch weiter gebracht. Und das war dann sehr gut.

    Liebe Grüße
    Aurora

    Liebe Gotti,

    wie geht es deinem Kreislauf?
    Und wie geht es dir?

    Ich musste damals auch gehen, ich kenne die Gefühle von Trauer aber auch Wut sehr gut. Meine Eltern wohnen ja genau über meinem Exmann (und eben meiner Wohnung damals) und für mich war das mein Heim, meine Höhle. Ich habe meine Kinder dort groß gezogen, ich habe es gemütlich eingerichtet und so weiter. Es war "meine" Wohnung und ich habe dort gelebt. Meinem Exmann war das alles egal, er hat bloß immer, wenn Leuten das alles gefallen hat, damit angegeben. Getan hat er dafür aber nicht sooo viel, außer finanziell.

    Ich musste also nach der Trennung immer da vorbei, wenn ich meine Eltern besuchen wollte. Und so ist das ja noch immer. Das war lange unheimlich schwer und traurig. Oft war ich auch wütend, denn ich empfand das als Verlust und dass mir was sehr wichtiges weg genommen worden war. Auch wenn sich ja mit dem Auszug mein Leben um 100% verbessert hatte. Im Laufe der Jahre ist es aber viel besser geworden. Inzwischen gibt es da nichts mehr, es ist mir fremd geworden.

    Ach und übrigens... schön, dass du wieder da bist :D .

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo Vio,

    herzlich willkommen :D !

    Ja, manchmal dauert es etwas, bis ein Beitrag kommt und manchmal geht es ganz schnell. Du hast nichts falsch gemacht.

    Ich bin keine Alkoholikerin sondern eine Coabhängige, also Angehörige.

    Aber das mit dem Öffnen kenne ich auch. Ich habe mich früher nicht getraut in Gruppen oder so meinen Mund auf zu machen. Ich dachte dass es eh niemanden interessiert, was ich zu sagen habe. Ich hatte Angst ausgelacht zu werden, nicht ernst genommen zu werden und all sowas...

    Ich konnte mir dann aus solchen Gruppen schon auch was heraus nehmen aber viel mehr wurde das so, als ich selbst auch langsam damit anfangen konnte, mich zu öffnen. Das war für mich, dass ich mich getraut habe mal bei anderen was zu sagen. Und das fand hier im Forum statt. Die Anonymität hat mir erst mal sehr viel geholfen, meine Ängste zu überwinden.

    Dadurch, dass mich ja keiner richtig in echt kannte und ich auch niemanden war es mir eher egal, was die Menschen hier über mich und meine Beiträge wohl denken könnten. Doch ich habe gemerkt, dass ich durchaus ernst genommen wurde und meine Beiträge für andere auch wichtig sein konnten. Das hat mir immer mehr Selbstvertrauen gegeben. Inzwischen kann ich mich auch in realen Zusammenkünften gut einbringen. Es gibt zwar Menschen, die sofort und immer was zu sagen haben und gleich überall integriert sind. Das bin ich so nicht. Aber in meinem Rahmen komme ich jetzt ganz gut zurecht und es gibt mir sehr viel! Ich habe dadurch sehr viele gute Begegnungen!

    Ich glaube, du könntest eine Menge sagen...


    Zitat

    Die Beste Zeit ist seit dem Tag als ich aufgehört habe zu trinken.

    Ok der Entzug war nicht schön.
    Und ich hab schon oft schlimme Tage, aber trocken und nur das zählt für mich.

    Ich will was vom Leben haben. Denke ein drittel davon ist aufgebraucht und ich hab dem Körper viel zugemutet.
    Kaum Essen, viel Alkohol und so gut wie nur daheim außer um sich Nachschub zu holen.

    Zum Beispiel indem du darüber mehr erzählst! Viele Menschen die hier ankommen oder auch erst mal nur lesen können aus deinem Weg mit Sicherheit eine Menge lernen und erkennen. Es kann ihnen Mut machen, es auch zu versuchen...

    Glückwunsch zu 8 Monaten Freiheit.

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo,

    Zitat

    Wie zum Teufel kann man einem Menschen in dieser Lage am besten nahebringen, DASS er da ein Problem hat?

    Gar nicht, denke ich. Denn wie du schon schreibst, WildRover,

    Zitat

    Da ist jemand, der Alkohol so gut findet, dass er beim besten Willen nicht sehen will, dass er damit schon ein Problem hat.

    .

    Das Problem hast du, nicht der bzw. die andere Person! Und das ist nämlich der Knackpunkt. Du kannst doch niemandem von einer Sache, von einem Problem überzeugen, was derjenige gar nicht hat...

    Das bedeutet also, du hast ein Problem und du kannst es so verändern, dass es kein Problem mehr für dich ist.

    Liebe Grüße
    Aurora