Hallo Tuschii,
ich verstehe sehr gut, was du meinst.
Du bringst viele Dinge mit, die dir vielleicht schon als Kind und Jugendliche eingeprägt wurden. Vielleicht auch durch das Verhalten der Eltern oder so. Da kommt viel zusammen. Und dann suchst du dir auch noch den passenden Partner, der in dein Muster passt. Und alles nimmt seinen Lauf.
Ganz vieles was du jetzt als "falsch" ansiehst war für dich lange Zeit "normal". Es passte in deine Muster und du warst überzeugt, es ist richtig so.
Plötzlich steht aber die Welt auf dem Kopf und du kommst an einen Punkt, an dem du merkst, dass es so nicht weiter gehen kann. Und dann kommt das große Erschrecken. Nämlich die Frage: wer bin ich überhaupt? Was will ich überhaupt?
Du hast vergessen oder nie gelernt, was "gesundes" Verhalten sein kann. Wo eine eigene Grenze ist. Was es heißt, selbstbewusst "Nein" zu sagen und das auch so zu leben. Denn dein "Selbst" liegt irgendwo ganz weit unten.
Das ist ein langer Prozess, das wieder zu finden. Und ganz frei wirst du vielleicht nie von deiner Persönlichkeit sein, von dieser Empathie (die ja im Prinzip etwas sehr Wertvolles ist), von dieser Hilfsbereitschaft. So bist du eben und das ist nicht schlecht, im Gegenteil! Es darf halt nur nicht mehr so weit gehen, dass du dich nicht völlig verlierst.
Zuerst finde ich es wichtig, ehrlich in dich selbst rein zu horchen. Zu erkennen, was tut mir gut. Was macht mir Spaß, habe ich Hobbies und Vorlieben.
Dir solche guten Dinge dann auch zu gestatten, auch wenn vielleicht gerade dann jemand kommt und was von dir will. Du hast z.B. einen netten Abend geplant, mit dir alleine, einem guten Buch oder einem spannenden Film. Und jemand möchte unbedingt, dass du mit raus kommst in den Trubel. Dir ist aber nach Ruhe... Dann zu sagen: Nein, ich komme nicht mit, ich habe was anderes geplant!
Das kann ein erster Schritt sein. Und wenn du dann noch deinen Abend genießen kannst ohne schlechtes Gewissen, dass du jemandem "nein" gesagt hast, dass du "ja" zu dir gesagt hast, dann ist das toll.
Eine gute Übung ist auch das... Du fühlst dich krank und grippig. Und gehst zum Arzt und meldest dich ein paar Tage krank um dich zu erholen. Das ist eine sehr schwere Übung! Ich hatte dann immer ein schlechtes Gewissen, aber schlussendlich hat es mir sehr gut getan.
Klein anfangen ist gut, so wie Morgenrot das beschreibt. Dich hin setzen, vielleicht gute Musik anmachen und 20 Minuten nicht an's Telefon gehen, nicht whatsappen, nur ruhen. Einfach Da-Sein.
Ich gehe gleich zum Zahnarzt, das ist eher nicht zum Relaxen
, hat aber viel mit Selbstfürsorge zu tun. Ich erhalte mich gesund, so gut es geht. Wird auch kein böser Termin, professionelle Zahnreinigung, mehr nicht...
Liebe Grüße
Aurora