Hallo und willkommen Sandra,
dein Mann hat also zum 7.9.ein Bett im Krankenhaus bekommen, zur Entgiftung. Bis dahin muss er moderat weiter trinken! Das ist sehr wichtig, denn ansonsten wäre es ein kalter Entzug und der ist lebensgefährlich! Das hast du ja schon gemerkt an diesem Sonntag, als er im Bett lag und gezittert hat... das ist dann eher noch die harmlose Variante. Es gibt aber keine Garantie, dass es immer so ist.
Das ist jetzt erst mal Fakt Nummer 1. Was dein Mann dann daraus machen wird, ob er tatsächlich diesen Termin im KH dann wahr nehmen wird, ob er danach weiter macht um nüchtern zu bleiben, liegt in der Zukunft und vor allem nicht in deiner Hand.
Genau so muss er alle seine Schritte aus sich heraus machen. Du kannst ihn zur Suchtberatung schleppen, ob er aber dann überhaupt was damit anfangen kann oder will liegt auch nicht bei dir! Genau so, wie du zur Zeit kein Licht am Horizont siehst und eine Trennung für dich mit allen möglichen "Neins" belegt ist, so geht es ihm auch mit seinem Saufen. Es muss von innen heraus der Wunsch kommen, endlich was zu ändern. Bei beiden!
Und da kommt Fakt Nummer 2, gewissermaßen
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Lass ihn machen! Er ist schon groß, er ist ein gestandener Mann und Handwerker. Er ist dafür verantwortlich, was aus seinen Handlungen entsteht. Du kannst ihn davor nicht bewahren, wie soll das gehen? Du kannst nur dein Leben leben, nicht seins auch noch. Ist doch klar, dass du am Ende deiner Kräfte bist, wer kann denn 2 Leben gleichzeitig führen?
Gut, natürlich sind eure Leben verwoben, das ist so in einer Ehe, gerade weil ihr auch schon so lange zusammen seid. Gerade das macht es so schwer, da los zu lassen. Ihn sein's machen zu lassen und du machst dein's.
Trennung - ja, das ist immer leicht gesagt... und mit Sicherheit auch meistens mehr als sinnvoll. Ein glückliches Leben an der Seite eines Abhängigen kannst du nicht führen, das ist äußerst schwer bis unmöglich. Es bleiben da immer Einschränkungen. Abgrenzung - das ist da wirklich schwer dann. Und erfordert sehr viel Energie.
Du musst ja aber nun nicht von heute auf morgen da was durchziehen! Mach in kleinen Schritten. Beginne einfach mit Dingen, die du einfach für dich ändern kannst. So habe ich das auch gemacht. Ich kann's empfehlen.
Also wie ist das mit dem Joggen oder Radfahren? Machst du das denn jetzt regelmäßig für dich? Kannst du dabei abschalten, auf deinen Atem achten, deinen Körper spüren? Das ist doch ein guter Anfang.
Und dann kannst du beginnen, dir Prioritäten zu setzen. Prio 1 bist du! Du hast also jahrelang seine Buchhaltung gemacht? Ok. Jetzt geht das nicht mehr, weil er unzuverlässig ist, du keine richtigen Daten etc bekommst. Ok, dann ist es dein gutes Recht, sozusagen zu kündigen. Es ist ja nicht deine Aufgabe, ihm die Dinge hinterher zu tragen. Das schaffst du nicht! Das musst du auch nicht schaffen!.
Es ist gut, dass du Selbsthilfegruppen hast! Eine real und unsere hier! Es ist wichtig und hilfreich jemanden zum Austauschen zu haben auf diesem Weg. Und in Selbsthilfegruppen sitzen alles "Spezialisten"
, denn sie kennen deine Gefühle gut weil sie sie selbst gefühlt haben oder fühlen. Ich kann dich jedenfalls sehr gut verstehen. Ich kann deine Erschöpfung fühlen, deine Enttäuschung und Wut. Deine Ängste, deine Gefühle der Verantwortung und dass er völlig verloren ist, wenn du gehst. Das alles sind Gefühle, die ich auch hatte! Ich habe dann Schritt für Schritt gemacht da raus, das geht. Du kannst das auch!
. Und es erwartet dich was so Schönes. Das Gefühl von Zufriedenheit, wenn wieder ein Schritt gelungen ist und du spürst, wie gut es tut. Wie gut es sich anfühlt, sich selbst wichtig zu nehmen und deinem Mann seine Eigenverantwortung zurück zu geben. Das macht so frei!
So, genug gekritzelt
.
Liebe Grüße
Aurora