Hallo Kürbiskopf,
erst mal "Hallo" hier im offenen Bereich!
Ich denke, Co-Abhängigkeit ist nicht nur auf eine bestimmte Beziehung beschränkt. Sondern es ist ein Grundmerkmal bestimmter Persönlichkeitsstrukturen, sich eben so zu verhalten.
Darum finde ich persönlich es sehr wichtig, sich damit auch auseinander zu setzen. Mit Mustern und Strukturen, die ich in mir haben und die mich immer wieder in bestimmte Beziehungen auch haben rutschen lassen. Ich habe mir ja meine Partner nicht nur nach dem Äußeren ausgesucht sondern vor allem in bestimmten Verhaltensdingen, die sie hatten.
Meine Jugendliebe war so. Der hat zwar nicht getrunken, aber er brauchte eine "starke" Persönlichkeit, hatte eine schwierige Kindheit hinter sich, war unsicher und so weiter. Und ich sah mich als seine "Retterin". Er hat mich ab und an geschlagen, also nicht zusammen geschlagen sondern mir Ohrfeigen gegeben... ich hab es entschuldigt, weil, er hatte es doch immer so schwer. Ich habe mich körperlich und auch seelisch im Prinzip schlecht behandeln lassen. Und mich stark und wichtig dabei gefühlt.
Und dann hatte ich so einen Freund für kurze Zeit. Auch da war es ähnlich. Er hat mich benutzt, mehr nicht.
Und dann kam mein 1. Mann. Zuerst sah alles gut aus, aber dann wurde immer klarer, dass auch er eher eine "starke" Frau und einen Mutterersatz gesucht hatte. Und ich habe genau in dieses Muster gepasst. Ich für ihn und für mich eben auch, weil ich war so gerne die "Retterin"und "Muddi" (So war übrigens mein Nick, als ich hier im Forum ankam, "Muddi"). Ich war lange Zeit stolz darauf, wie ich alleine alles managen konnte, Kinder, Haushalt, Familie und zunehmend seinen Suff.
Er wurde abhängig im Laufe der Zeit. Und ich hatte Hoffnung, ich hatte die Kraft, ich hatte den Willen und die Vorstellung, ihn retten zu können und unser Leben nach meinen Vorstellungen zu gestalten, leben zu können.
Ich sag dir, das ist nix geworden 
, nach 25 Ehejahren war ich fertig. Körperlich und seelisch. Und er soff fröhlich... Nix mit "Retterin", er wollte ja gar nicht gerettet werden.
Also hab ich mein letztes bisschen Kraft zusammen genommen und zum ersten Mal die Person gerettet, die am wichtigsten in meinem Leben ist... nämlich mich!
Und dann habe ich mich mit all meinen Mustern und Prägungen auseinander gesetzt, ich tu das noch immer. Und irgendwann habe ich meinen 2. Mann kennen und lieben gelernt. Und das ist die erste "normale" Beziehung, die ich habe! Aber ich muss immer auf mich acht geben, denn diese alten Muster habe ich noch. Nur weiß ich jetzt, dass ich sie habe und wie ich sie erkenne. Dadurch kann ich sie umschalten.
Zitat
Ich möchte wieder "ich" werden und das ist ein Ziel, was hoffentlich ein jeder erreicht, der sich gegen sein Suchtmittel entscheidet und für ein selbstbestimmtes Leben.
Ob das jeder erreicht, liegt an jedem selbst! Du kannst es erreichen, wenn du am Ball bleibst und erkennst, dass du in deinem Leben der wichtigste Mensch bist! Und du musst dir im Klaren sein, dass es auch nicht immer einfach ist, dass es weh tun wird, dass du wütend, traurig und niedergeschlagen sein wirst mit deinen Erkenntnissen, die da kommen dann. Aber auf der anderen Seite wirst du merken, wie viel leichter, einfach, schöner und lebenswerter dein Leben dadurch wird.
Liebe Grüße
Aurora