Hallo Girasole,
mal ist es leicht zu erkennen für mich, mal nicht so, mal erst eine Weile später. Ich bin da mit Sicherheit nicht perfekt und fertig.
Manchmal, also in manchen Situationen, merke ich ein Unwohlsein. Dass mir was nicht wirklich passt und sich komisch anfühlt. Manchmal ist es ein ganz altbekanntes Gefühl dann, so ein "siehste, du bist eben ein Nichts". Dann kann mir beim drüber Nachdenken eben ein Licht aufgehen, warum das dann in dieser Situation so ist. Dass ich mich eben wieder wertlos fühle, abgewertet.
Es gibt Situationen, da habe ich Angst. Das ist ganz häufig im Zusammenleben mit meinem Schwiegersohn und meiner Enkelin so. Seit meine Tochter nicht mehr lebt, also seit 2 Jahren, denn da möchte ich und spiele ich ja für meine Enkelin eine gewisse Rolle. Als Betreuerin, als weibliche Seite und so. Und da merke ich, dass ich eben auch oft an meinem Selbstwert zweifel, wenn ich mich nicht traue, Dinge, die ich brauche, durchzusetzen. Also z.B. Struktur in der Betreuung, die ich mir mit der anderen Oma teile. Das hat ewig gedauert, bis das geklappt hat, bis ich mich getraut habe, das anzusprechen. Und was für mich einzufordern.
Ich habe dann Angst davor, dass mir Enkelin entzogen wird, dass ich es meinem SchwieSo nicht wert genug bin, dass ich ihm zu anstrengend bin, dass ich immer funktionieren muss und so. Dass meine kleine Enkelin mich nicht lieb haben könnte. Schwer zu beschreiben, totale Verstrickung und so. Und eine harte Probe für's Selbstwertgefühl eben.
Und an meinem Arbeitsplatz, auch da gibt es viele Situationen, wo ich denke, ich darf nichts verlangen, weil ich nichts wert bin. Ich habe da jetzt aber doch schon Dinge verlangt, und dann auch bekommen
. Und mein Chef hat mir ganz tolles positives Feedback gegeben. Das war eine gute Übung für mein Ich. Und da kann ich jetzt sehr gut inzwischen sehen, dass ich viel wert bin in meinen Job.
Ja, es gibt da einige Situationen.
Ich denke dann an Situationen, die ich positiv erlebt habe. In punkto Selbstwert. Wo ich meinen Wert erkennen kann, ganz genau sehen kann. Das hilft mir dann. Oder ich rede mit meinem Mann drüber, der mich dann bekräftigt und mir Wege aufzeigt. Manchmal mache ich auch fishing for compliments, auch das hilft mir, meinen Wert dann wieder zu sehen und zu spüren.
Aber ganz ehrlich, ich glaube, ich werde da auch nie fertig mit sein. Ich werde nie die oberselbstbewusste Frau werden. Ich werde wohl nie da voller Selbstbewusstsein irgendwelche total schrillen Dinge durchziehen und über allem stehen. Das ist einfach nicht meine Art. Und das versuche ich, einfach anzunehmen, dass ich eben so bin.
Und das fällt mir mal leicht, mal nicht so. Gerade hatte ich wieder ein totales Tief. Weil es mir eben selbst auch nicht psychisch gut ging. Letzten Freitag war der 2. Todestag meiner Tochter und meines kleinen Enkels. Das hat mich voll aus den Latschen gehauen und auch eben total zurück geworfen. Aber langsam weiß ich das auch, dass es eben Zeiten gibt, da gelingt es mir gut, mal eben nicht so. Jetzt bin ich wieder auf dem Weg nach oben, gewissermaßen.
Aurora