Hallo,
liebe Renate, ich gebe dir Recht, wenn du sagst, das Alleinesein hat sich ganz anders angefühlt, als du getrennt warst. Das ging mir auch so. Eine meiner Ängste vor der Trennung war ja, dass ich dann eben "eine Getrennte" wäre, ohne Mann, jeder mein Scheitern sehen könnte oder denken könnte, ich hätte keinen abgekriegt
. Ich habe für meinen Selbstwert meinen Exmann gebraucht, lange Jahre, und dafür in Kauf genommen, was eben ich in Kauf nehmen musste als Preis dafür, dass ich eben eine Ehefrau sein konnte. Seine Sucht.
Als ich alleine lebte, fühlte sich das plötzlich gar nicht mehr so schlimm an. Ich war nur froh, endlich meine Ruhe finden zu können. Und eine neue Beziehung wollte ich schon noch mal, irgendwann, aber zuerst hatte ich genug mit mir selbst zu tun.
Ich war noch nicht mal 1/2 Jahr getrennt, als mich der Dante hier aus dem Forum fragte, ob ich Lust hätte, mit ihm ab und an zu Veranstaltungen zu gehen. Das stürzte mich erst mal in Ängste. Was wollte der von mir? Und vor allem, wollte ich das? Ich interpretierte da gleich sonst was rein, dabei wollte er nur mit mir ab und an zu Veranstaltungen gehen.
Ich überwand meine Vorbehalte, irgendwann fragte er, ob ich mit in die Oper käme. Das reizte mich doch zu sehr. Und ich traf mich mit ihm. Und ab da gingen wir ab und an zu Veranstaltungen und wurden gute Freunde. Ich, die Co, er der Alki...
Hui, wie geht das? Habe ich mir gleich ein neues "Opfer" zugelegt? Ich dachte schon drüber nach. Aber wir waren gute Freunde, mehr nicht. Wir respektierten uns mit unseren "Macken", er mich mit meiner Coabhängigkeit, die ich aber schon erkannt hatte und dabei war (und bin), diese Muster eben still zu legen. Ich ihn auf seinem Weg in eine zufriedene Trockenheit.
Oh ja, ich hätte dann schon gerne einen neuen Partner gehabt, hatte aber auch Angst, mich zu früh wieder zu binden. Und der Dante als Partner kam nicht in Frage. Weil wir auch gute Freunde waren (und sind, er ist mein bester Freund). Und er sah mich auch nicht als Objekt seiner Begierde.
Bis - ja bis es bei mir zumm gemacht hat. Und ich Dante mit ganz anderen Augen gesehen habe. Und dann habe ich es ihm einfach gesagt. Und er war plötzlich gar nicht abgeneigt... 
Am Sonntag haben wir 3. Hochzeitstag... 
Ich habe es nicht bereut, mein Glück mit den Händen gegriffen zu haben. Ich hatte schon am Anfang Angst, dass ich einen Fehler mache. Dass mir wieder das Gleiche passieren würde wie mit dem Ex. Vor dem Saufen hatte ich komischerweise nie Angst, ich kenne Dante nur nüchtern, er ist ja nicht "mein Alki". Ich hatte eher Angst vor Verletzungen, dass mir wieder Dinge passieren, die mich zerstören könnten. Und ich hatte Angst, wieder meine altvertrauten Muster zu leben.
Aber ich merkte dann, dass ich doch auch sehr viel achtsamer geworden war. Dass ich aus meiner ersten Ehe und dem ganzen Desaster doch auch meine Erfahrungen mitgenommen hatte. Und nun ganz anders mit der Partnerschaft umgehen kann. Und auch Dante ist ja ein anderer Mensch als mein Exmann (was sehr gut ist
). Selbst äußerlich gesehen, ein völlig anderer Typ.
Ganz ehrlich, ich habe nichts bereut. Ich weiß, was ich niemals mehr haben will! Einen Partner, der mich mit Füßen tritt. Der säuft. Ich weiß, dass ich meine Grenzen ziehen kann, inzwischen. Ich weiß, dass ich mir vertrauen kann.
Lieber Kaleu, ich freue mich sehr, dich hier anzutreffen in meinem Fädchen
. Mit deinem Beitrag kann ich sehr viel anfangen!
Ich habe mich getraut, damals, vor gut 5 1/2 Jahren (dazu kommt noch das Jahr, in dem wir ab und an und immer öfter zu Veranstaltungen gegangen sind). Bereut habe ich es nicht. Meine alten Muster und Ängste kommen aber immer auch wieder mal hoch. Dante und ich reden. Wir reden darüber. Ich über meins, er über seins, wir über uns. Das ist wichtig, denke ich. Es kann also klappen, warum nicht?
Aurora