Liebe Neuweg,
schön, dass du gleich hier dein Fädchen eröffnet hast und dich niedergelassen hast
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Was du über dich und dein Verhalten beschreibst, kenne ich von mir ganz genau so. Konfrontationen waren für mich ein Obergräuel. Harmonie gab es um jeden Preis... Ich fühlte mich für alles zuständig und war immer zur Stelle, das wertete mich (in meinen Augen) auf, gab mir eine Art Daseinsberechtigung. Und ich nahm meine Verpflichtung, also meine vermeintliche, als Ehefrau sehr ernst, was mir mein Exmann auch immer wieder vorhielt bzw. einforderte. Perfektion, das war wichtig! Nur keine Fehler machen. Ach Menno, wie sehr ich das alles kenne...
Bei mir ist es so, dass ich nichts anderes gelernt habe, als immer zurück zu stecken, immer gute Miene zum bösen Spiel zu machen. So wurde ich erzogen, so lebten es mir meine Eltern auch vor. Selbstwert, das war ein Fremdwort für mich.
Es ist sehr schwierig, diese alten Muster abzulegen, neue Bahnen im Gehirn zu schaffen. Das geht Schritt für Schritt.
ZitatIch weiß, dass xy, wenn ich ihn nochmals konfrontiere, sofort wütend wird. Er wird mir erklären, wie sehr ich ihn verletze, wie enttäuscht er ist, dass er eine Frau wie mich nicht verdient hat, weil er ja gut für uns sorgt und dass ich auch keine perfekte Mutter bin. Damit hat er mich letztes Mal gekriegt. Ich kann mit diesen Vorwürfen überhaupt nicht umgehen. Dass letzte Mal schwenkte das Thema von seinem Alkoholproblem auf meine angeblichen Fehler, und dass ich ihn so enttäuscht habe…
Ja, genau solche Diskussionen gab es Mal um Mal. Sie machten mich klein und kleiner. Und genau das passiert ja mit dir auch! Dein Mann macht dich klein damit, mundtot, damit du weiterhin gut für ihn funktionierst. Du fühlst dich schuldig und verantwortlich für alles. Das ist aber nicht so, das weißt du auch!
Und da kannst du einen ersten Schritt machen. Bei der nächsten Diskussion, bei der du dich dann wieder an die Wand gedrängt fühlst, sagst du einfach "Stopp". Oder "Nein", irgend solch Wort. Und dann hast du das Recht, dich umzudrehen und zu gehen! Du musst dich nicht diesen Dingen aussetzen, wer sagt, dass du das musst? Niemand! Dein Mann? Na und...
So habe ich meine ersten Schritte auch gemacht. Das ist sehr schwierig am Anfang. Bei irgendwelchen "neins" hatte ich regelrecht körperliche Schmerzen. Die habe ich einfach ausgehalten, anders geht das nicht, einfach mal aushalten, auch wenn es dich zerreißt. Du wirst dann aber auch die Erleichterung spüren und den Stolz, es geschafft zu haben. Und es ist dein gutes Recht!
Damals habe ich mir endlich eine Wohnung gemietet. Und bin dort eingezogen, genau so, es hat mich zerrissen, aber ich habe es ausgehalten. Mir auch gedacht, es ist erstmal nur zum Übergang, zum Ruhigwerden. Denn mein Ex hatte ja mit dem Trinken dann aufgehört... Ich hatte Schuldgefühle zum Umfallen, all sowas.
Ich wohne heute noch hier, und es ist wunderbar
!
Du wirst es schaffen können, da raus zu kommen! Mach mal Schritt für Schritt. Nur Mut!
Liebe Grüße
Aurora