Hallo,
hier war ja mächtig was los.
Leider zwischendurch auch Beiträge, die ich nicht passend finde und die auch nichts in dem Sinne mit dem Thema zu tun haben, wie ich es meinte. Hier soll keine persönliche Abrechnung oder Gegenrechnung stattfinden, sondern ein Nachdenken, eine Sammlung auch von Erfahrungen.
Mit dem "es" im Titel des Fädchens, also "geht es nur..." meinte ich, geht das Leben, Weiterleben nur mit oder auch ohne Trennung, das Leben zusammen mit einem nassen Alkoholiker bzw. Abhängigen. Es gibt ja nicht nur Alkohol als Droge, sondern oft sind da auch noch andere Substanzen im Spiel. Es geht nicht jetzt um die Drogen, übrigens. Sondern um's Zusammenleben.
Bei vielen hier, auch bei mir, hat es viele, viele Jahre gedauert, bis eine Kosequenz stattfinden konnte, bis ich so weit war, die für mich richtigen Schritte zu machen. Vorher habe ich gejammert und geklagt. So wie das eben sehr viele machen, wenn sie hier ankommen. Da wurde bei mir geeiert und immer wieder Ausreden erfunden, warum es unter gar keinen Umständen möglich war, meinen Exmann zu verlassen. Es gab eine Zeit, da hätte ich meine Lieblingsfreundin zum Mond schießen können, wenn sie das Thema "Trennung" ansprach! Ich wollte doch Aufmerksamkeit und Streicheleinheiten von ihr, keine knallharten Worte... Ich wollte von meinem Umfeld das, was ich am meisten brauchte und in meiner Ehe nicht bekam:
Aufmerksamkeit
Streicheleinheiten
Anerkennung
Mitgefühl, wobei mir Mitleid im Prinzip wichtiger war als Mitgefühl, denn das sind 2 verschiedene Dinge...
Ich wollte hören: wie bist du doch stark, wie bist du doch toll, wie bist du doch zuverlässig für ihn da, weil er alleine ja nicht klarkommen kann. Wie bist du doch die beste aller besten Frauen, für ihn.
Das sind alles Dinge, die ich für mein Selbstwertgefühl brauchte, denn ich hatte kein Selbstwertgefühl. Menschen, die sich selbst was wert sind, verharren nicht Ewigkeiten in solcher Situation, in der ich war!
Ich habe durchaus auch einen Nutzen aus dem Leben mit meinem alkoholabhängigen Exmann gehabt. Und zwar eben bezogen auf das, was ich vom Leben erwartete. Da könnte ich jetzt das Fädchen von Morgenrot sehen, das sie letztens hier hatte, ob Coabhängigkeit eine Folge der Erziehung ist oder des Lebensumfeldes, in dem ich aufwachse.
Meine Dinge, die ich als Prägung vom Elternhaus mitbrachte, passten genau zu dem Leben, was ich mit dem Ex führte...
Die Trennung war ein für mich sehr , sehr schwieriger Schritt. Verbunden mit Schuld und Scham, Angst. Als ich es geschafft hatte, blieben auch Schuld und Scham und Angst, aber nebenher wuchs noch was anderes. Nämlich das Gefühl, es richtig gemacht zu haben. Endlich mich selbst ernst und wahrgenommen zu haben. All sowas. Weil mein Exmann nüchtern wurde mit der Trennung, dauerte es aber nochmal ca 1 Jahr, bis ich da endgültig einen Schlussstrich ziehen konnte.
Für mich ist es so. Für mich gab es nur die Trennung vom Abhängigen, um ein lebenswertes, selbstbestimmtes Leben führen zu können. Mit ihm zusammen ging es für mich immer nur weiter abwärts. Im Strudel der Sucht rissen wir uns wohl gegenseitig immer tiefer. Das Leben wurde immer schlimmer, denn aus dem anfänglich gemütlichen Säufer, der einschlief, wenn er genug hatte, der ja nüchtern ein soooo lieber war, wurde immer mehr ein aggressiver Mensch, der mir seine Verachtung entgegenschrie. Und ich ihm dann auch.
So sieht für mich keine Partnerschaft aus. Es gab damals nur noch Verachtung, Hass, Wut. Ich fand ihn ekelig, abstoßend, selbst wenn er nüchtern war. Dann verachtete ich ihn ja auch, weil er so jämmerlich rummaulte, wie schlecht es ihm ging. Und weil er immer wieder Dinge versprach, die er nicht halten konnte. Weil er unzuverlässig war. Weil ich im Prinzip alleine da stand, mit all den Lebensdingen, die er garnicht mehr in der Lage war zu bewältigen. Ich konnte irgendwann erkennen, dass so nicht das Leben aussehen sollte, was ich in meinen Lebensjahren der Zukunft noch haben wollte. Denn Partnerschaft ist für mich was anderes.
Und so war ich dann endlich in der Lage, Sorgen, Ängste und Zwänge soweit im Zaum halten zu können, dass ich den für mich wichtigsten Schritt machen konnte.
Und ich bin nach wie vor der Meinung, dass ein genussvolles, lebenswertes Zusammenleben mit einem Abhängigen, einem nassen Alkoholiker nicht möglich ist. Das ist meine Meinung. Und es ist meine Erfahrung, die ich auch in meinem Umfeld oft gemacht habe. Also gesehen, erlebt habe. Ich kann mich da z.B. an Susannes Beitrag anschließen. Und an einige andere hier.
Denn so habe ich es erfahren, für mich. Und das war auch ursprünglich die Frage, die ich hatte. Ist es möglich oder nicht, mit einem Abhängigen zusammen zu leben.
Für alle anderen Dinge, die daraus resultieren, kann es gerne neue Themen geben. Und eben die vielen Fädchen hier, in denen noch immer gerungen und geredet wird, auch gejammert und gehadert. Dafür sehe ich eine SHG an. Dass durch einen respektvollen Austausch mit klaren Worten Wege aufgezeigt werden können, Denkanstöße gegeben werden. Und dass daraus schlussendlich für denjenigen was passieren kann, dass eine Aktivität entsteht, ein Weitergehen. Ein Nachdenken und Überdenken. Ein Erkennen und ehrliches Handeln. Aber dafür ist niemand anderes zuständig als derjenige selbst. Ich kann einen Trinker nicht trocken streicheln. Diese Erfahrung habe ich gemacht, in meiner ersten Ehe. Wenn das so einfach ginge, gäbe es das ganze Thema ja garnicht. Und genau so wenig konnte ich freigehätschelt werden. Ich musste diesen Weg alleine gehen. Aber ich durfte mir dabei sämtliche Hilfe holen, die ich brauchte.
Dabei geht es ein wenig anders zu als bei den Alkoholikern, denn diese emotionalen Dinge finde ich einfach schwieriger zu händeln. Meine Meinung. Ich empfinde es als eine andere Sache, den Alkohol zu meiden als einen Partner, wenn z.B. noch gemeinsame Dinge zu regeln sind. Die Konsequenz ist die gleiche, im Endeffekt. Es geht darum, ein lebenswertes Leben zu erlangen, ein zufriedenes, lebenswertes Leben. Es geht darum, Eigenverantwortung zu übernehmen und ein gesundes Selbstvertrauen aufzubauen.
Puh, das war mein Wort zum heutigen Tag...
Aurora