Hallo,
das Thema ist interessant...
Meine Eltern sind nicht abhängig, und ob meine Mutter Co ist, weiß ich nicht. Trotzdem hat mich die Erziehung, die Prägung stark beeinflusst, dass ich eine "gute" Coabhängige werden konnte.
Ich habe nicht viel Selbstwert mitbekommen von zuhause. Denn meine Mutter hat selbst keinen, wie sollte sie mir da was beibringen. Da war immer wichtig, dass wir Kinder funktionieren. Also damit meine ich, wir waren immer sauber und adrett. Wir haben nie viel gesagt oder rumgetobt, woanders. Das macht "man" nicht, was sollen die Leute denken. Sie sollen denken, bei uns ist alles perfekt und meine Mutter eben die perfekte Mutter.
Ich habe oft gehört, bei Schwierigkleiten mit anderen Kindern oder so, dass ich besser nachgeben solle. Mich nicht wehren, sondern zurück ziehen. Eben, die Klügere sein, die nachgibt. Nur damit niemand was Schlechtes denken könnte. Nur nicht aufmüpfig sein oder streiten, Widerworte geben oder auf mein Recht beharren. Und eben nicht auffallen, immer den anderen den Vortritt lassen. Vom Kuchen bei Feiern nur 1 Stück nehmen... Das ist ganz klassisch in meinen Erinnerungen. Meine Cousins haben sich vollgestopft, und meine Brüder und ich saßen mit hungrigen Augen da und haben zugesehen, nachdem wir unser Anstandsstück gegessen hatten. Oh ja, wie oft hatte ich Lust auf mehr, aber getraut habe ich mich nicht.
Dazu kam noch die klassische Prägung bei mir als Frau. Als Frau bist du zuständig für die Familie, für die Harmonie und dass nach außen alles gut aussieht! Was sollen denn sonst die Leute denken... Als Frau und Mutter kommst du hinten an, denn alle anderen gehen erstmal vor, der Mann, der das Geld heimbringt, und dann die Kinder, sowieso. Da muss ich immer Rücksicht nehmen. Eigene Bedürfnisse gibt's besser nicht...
All sowas hat mich geprägt. Und ich hatte dann in meinem Leben immer Beziehungen, ob mit Männern oder auch Freunden, die diese Prägungen ausgenutzt haben. Ich habe gerne gegeben, mich geopfert, für alle gesorgt... Dachte ich...
. Bis zur Erschöpfung.
Das ist jetzt anders. Aber es macht auch viel Arbeit, diese alten Muster zu umgehen und neue zu schaffen. Ich bin da immernoch dabei. Meine Ehe, die ich jetzt habe, ist aber völlig anders als alle Beziehungen vorher. Es ist meine erste "normale" Beziehung zu einem Mann. Auf Augenhöhe. Auch meine Freunde haben sich verändert, jetzt gibt es nur noch solche, die mich nicht benutzen.
Fakt ist, ich denke schon, meine Erziehung hat mich zur Co werden lassen. Aber meine Eltern haben mich in bestem Wissen und Gewissen so erzogen. Für sie ist es normal so. Ich bin jetzt erwachsen und kann mich selbst weiter entwickeln, weil diese alten Muster eben nicht mehr zu mir passen, mich unglücklich gemacht haben. Aber dass ich das kann, da blicken meine Eltern nun auch mit Stolz drauf...
Aurora