Beiträge von Aurora

    Liebe Angy,

    siehst du, das ist das Fatale an solchen Beziehungen. Du denkst ununterbrochen an ihn und seine Befindlichkeiten. Das ist wichtig für dich. Und du beziehst alles auf dich. Denkst, du wärst ihm egal und so. Also, es geht nur um ihn.

    Und du? Wo bist du in dem Spiel? Sitzt in der Ecke, einen Finger im Mund (sinnbildlich gesehen) und redest dir alles Mögliche ein, was sein könnte. Bist verunsichert, völlig fixiert darauf, ein Lebenszeichen von ihm zu bekommen, ein Gutsi sozusagen, einen Bonbon. Das würde dich für eine kurze Zeit wieder aufrichten und glücklich und hoffnungsvoll sein lassen.

    Bist du dir wirklich nicht mehr wert? Meinst du nicht, das Leben ist schön und bunt und spannend und hält noch viele gute Dinge für dich bereit? Dinge, die er dir anscheinend gerade nicht geben kann.

    Du hast es in der Hand, für dich. Du bist erwachsen. Du kannst entscheiden, ob und wie lange du noch verharren willst und auf seine Bonbons warten willst. Warum überlässt du ihm die Entscheidung darüber, indirekt, wie es dir geht?

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo @ Jonas,

    du schreibst viele Dinge, da kann ich dir oft zustimmen. Aber dabei hier nicht ganz

    Zitat

    Dein Co-Verhalten schadet ihm (dir ohnehin!) und verzögert sein Abstinent-Werden. Du musst ihm ein klares Ultimatum stellen: Entgiftung sofort, danach Entwöhnung. Wenn dir etwas an ihm und an eurer Beziehung liegt, tu's noch heute, tu's jetzt.

    Natürlich ist es fatal, wenn beider Partner in ihrem Suchtverhalten umeinander eiern, sich klammern. Sie behindern sich damit immer selbst in ihrer Ent-wicklung. Der Schaden, der entsteht, ist gegenseitig. Der abhängig Trinkende beeinflusst ja auch sein Umfeld, nicht nur das Umfeld ihn. Diese Denkstruktur, also das Umfeld, der Partner haben es in der Hand, dass der Abhängige trinken muss bzw. nicht mehr trinken muss, kenne ich so von meinem Exmann, der mir immer die Schuld gab, trinken zu müssen. Weil ich eben zu unfähig, zu lieblos, zu wasweißich gewesen wäre.

    Eine Trennung bedeutet nicht zwangsläufig, dass der Drogenabhängige dann trocken werden kann, weil er eben keine Co-Unterstützung mehr hat. Der Abhängige hat es selbst in der Hand, jederzeit was für sich zu ändern. Genau so, wie das auch sein Partner oder eben sein Umfeld in der Hand hat, für sich selbst tätig zu werden.

    Viele Grüße
    Aurora

    Hallo Angy,

    du schreibst, wenn du an ihn denkst, hast du Herzklopfen. Was ist das für Herzklopfen? So eines, dass du denkst, er ist der totale Traummann und du liebst ihn, so wie er ist? Oder ist es eher die Ungewissheit, die dein Herz klopfen lässt, Angst? Versuche einfach, das heraus zu finden.

    Ich habe damals auch immer gedacht, mein Ex macht das auch absichtlich, um mich zu ärgern, mir seine Abscheu mir gegenüber zu zeigen, weil ich ihm nichts bedeute und wert bin. Heute weiß ich, es war seine Sucht. Er konnte und wollte es nicht anders, er wollte trinken. Er musste trinken, weil alles in ihm das wollte, eben. Wenn er trinkt, hat das nichts mit dir zu tun.

    Was meinst du, kann dir weh tun, wenn du dich trennst? Welcher Schmerz könnte denn das sein, oder welche Angst? Auch das ist es wert, darüber nachzudenken, es kann dich nämlich dann schon weiter bringen. Wenn du deine Beweggründe erkennst.

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo Angy,

    willkommen im offenen Bereich des Forums!

    Du schreibst

    Zitat

    ich weiss eigentlich was ich zu tun habe.aber ich schaffs nicht und wills in irgendeiner weise auch gar nicht.


    Hm...
    Dann ist es schwierig, hier zu sein, glaube ich. Denn in unserer Selbsthilfe-Gemeinschaft wollen wir schon auch, dass Menschen diese Plattform für sich nutzen, um sich nach und nach aus der Suchtspirale zu lösen. Alles andere führt zu nix.

    Das hört sich jetzt gemein an, ich weiß. Darum lese hier doch noch weiter mit und überlege dir, was du wirklich möchtest. Für dich und deine Kinder. Und schreibe, was du so denkst. Vielleicht können dir die Antworten ein wenig auf die Sprünge helfen.

    Viele Grüße
    Aurora

    Hallo sassi,

    die offenen Fragen, die ihn betreffen, die kann auch nur er beantworten! Er hat die Verantwortung für sein Leben, wenn es so in Ordnung für ihn ist, dann musst du und jeder andere das akzeptieren.

    Du hast dich entschieden, ihn aus deinem Leben raus zu kicken, das ist dann ja auch ok so.

    Natürlich machen dir noch Gedanken zu schaffen. Die zerplatzten Träume, das tut schon erstmal auch weh. Aber es waren eben Träume. Wie es in Wahrheit ausgegangen wäre, weiß niemand. Oder - halt.

    Das Leben mit einem abhängigen Alkoholkonsumenten ist schon voraussehbar. Denn der Untergang ist immer wieder ziemlich gleich. Für den Abhängigen vom Stoff genau so wie für seine Angehörigen. Noch war er ein guter Vater - noch! Das ändert sich aber im Laufe der Zeit, wenn die Sucht immer allesbeherrschender wird. Garantiert. Noch war er vielleicht auch irgendwie liebenswert zu dir. Aber auch das schlägt im Laufe der Zeit um. Denn was ist liebenswert an jemandem, der in seinem Erbrochenen liegt, mit nassen Hosen, weil er sich eingemacht hat? Der unzuverlässig ist, alles Geld in den Stoff steckt. Der dich beschuldigt, für alles Mögliche, dich beschimpft, schlägt. All sowas. Und die Angehörigen? Eiern um ihn rum, vertuschen, lügen für ihn, übernehmen Verantwortung, lassen geschehen. Nehmen in Kauf, denken nur noch an ihn. Haben Angst, Wut, Hass. Leben ihr eigenes Leben nicht mehr. Das ist anstrengend...

    Glaub mir, das Leben dann ist sehr viel kräftezehrender, als jetzt die Gedanken und zerplatzten Träume zu zu lassen und dann los zu lassen.

    Wie du dich vor dir schützen kannst?

    Indem du dir klar machst, was du willst und was nicht. Indem du dir überlegst, wie für dich ein lebenswertes Leben aussehen soll. Indem du deinen Gefühlen vetraust, genau so wie deinem Kopf, deiner Vernunft. Indem du zu deinen Entscheidungen stehst und dich achtest. So in etwa.

    Viele Grüße
    Aurora

    Hallo,

    liebe Oldie, da hat dein Gehirn ganz alleine den Wagen gesteuert, wohl, irgendwie. Und dich immer vorbei rauschen lassen. Das ist wirklich ein Zeichen gewesen! Gut, dass du es sehen und handeln konntest!

    Gestern bekam ich nun das OK für meine Therapie. :D . Da geht es nun endlich auch wieder weiter. Und morgen ist dann mein erster Arbeitstag. Puh, ich bin gespannt. Und heute lass ich es nochmal bissi ruhig angehen.

    Aurora

    Liebe Miriel,

    ich finde, du musst dich nicht schämen! Warum denn?

    Weil du so lange rumgeeiert hast... Na gut. Es geht doch bei jedem Menschen unterschiedlich schnell, langsam oder sonstwie. Aber hauptsache, es bewegt sich irgendwann mal was. Wenn ich überlege, wie lange ich gebraucht habe, damals, mich zu trennen. Gut, ich war lange zusammen mit meinem Exmann, wir haben 2 Kinder. Trotzdem...

    Irgendwann ging das... Aber auch dann war noch nicht genug. Weil mein Exmann dann nicht mehr trank, eierte ich noch bald 1 Jahr da rum. Ich wusste, insgeheim, es gab und gibt kein "Morgen " mehr für uns. Trotzdem hat es gedauert. Bis ich das aussprechen und leben konnte.

    Also, hör auf dich zu vergleichen oder zu schämen. Du hast es jetzt geschafft, die Kurve zu kriegen. Du siehst mehr und mehr, dass es wohl richtig war, was du gemacht hast. Du fühlst dich immer freier. Gut, oder!?

    Und die Rückgedanken, die gehören dazu. Wichtig ist nur, sie einzuordnen unter "Gedanken, die ich mal denke und dann in eine Schublade lege". Gefühle, Sehnsüchte, die da aufkommen, gehören auch dazu. Na gut. Solange du diese Gedanken nicht dich beherrschen lässt, solange du nach vorne schaust und deinen Weg machst, solange ist das doch ok. Und das merken diese Gedanken und legen sich dann automatisch in die Schublade zu den anderen dazu.

    Irgendwann kannst du diese Schublade dann aufmachen und dir die alten Kamellen ansehen. Und erkennen, das sind Lebenserfahrungen, die dich auch geprägt und ein Stück weit reif haben werden lassen. Sie tun dir dann nicht mehr weh.

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo,

    liebe Renate, ja, es ist gut, sich nicht mehr verantwortlich zu fühlen für den Anderen. Ich freu mich, dass du dieses Bewusstsein haben kannst, denn es erleichtert dein Leben ja enorm!

    Liebe Speranza, diese Angst kenne ich zu gut. Wenn ich die Straße lang kam, abends von der Arbeit, und es kein Licht brannte, wusste ich, was mich erwartete. Und wenn es brannte, war ich unsicher. Ich habe es manchmal kaum in die 2. Etage zu unserer Wohnung geschafft, musste mich am Geländer hoch ziehen :( . Vor Angst. Und diese Wut, oh ja, auch die hatte ich dann. Und aus all dem erwuchs dann, dass ich versuchte, zu erpressen und zu kontrollieren, damit ich nicht diese Gefühle haben müsste. Ich brauch dir nicht zu sagen, dass es nicht geklappt hat...
    Und weil das alles sehr, sehr anstrengend war, hatte ich kaum Lust, was zu unternehmen, alleine. Das kam erst ganz zum Schluss, dass ich das immer auch mal konnte. Und ich versuchte dann, abzuschalten. Das gelang mir schon einigermaßen. Aber wenn ich dann vor der Haustür stand, schon auf dem Nachhauseweg... :( .

    Nie wieder! Echt.

    So, wie es jetzt ist, ist es viel besser. Und ich habe letztes Jahr schlimme Schicksalsschläge gehabt. Und ich bin dabei, auch da mein Leben wieder neu zu lernen, ohne meine Tochter und den Kleinen. Das ist schwer, unendlich schwer. Aber hätte ich da auch noch diese Suchtproblematik, ich würde zerbrechen.

    Darum ist es einfach nur gut, dass ich da aussteigen konnte. Bald ist es 6 Jahre her. Und mich verfolgen manchmal in Träumen noch die alten Zeiten. Gerade letzte Nacht hatte ich wieder so blöde Träume. Da scheint immernoch eine Verarbeitung statt zu finden. Na gut, das ist dann so.

    Mir geht es ganz gut heute. Und das alleine ist wichtig.

    Aurora

    Hallo,

    gestern waren wir kurz entschlossen in der Oper :D .
    Wir wollten was unternehmen zusammen und wussten erst nicht so recht, was. Das Wetter ist zu doof, um lange Spaziergänge draußen zu machen. Also haben wir das I-Net bemüht und nachgeschlagen. Und sind bei
    "Kiss me, Kate" gelandet.

    Das war super, ein schöner, lustiger und unterhaltsamer Abend. War auch Glück, dass wir noch 2 Karten ergattern konnten.

    Und ich dachte dann so, solche Spontanaktionen wären früher nicht möglich gewesen. Mit dem Exmann, nee, da ging sowas garnicht. Vor allem, als es schlimmer wurde mit der Sucht, da wollte er am liebsten nur da sein, wo es auch genügend Alkohol gab...

    Wieder einmal konnte ich spüren, wie gut ein Leben tun kann. Es kann gut tun, wenn ich frei bin von den Zwängen der Sucht. Denn damals, mit dem Ex, da war ja nicht nur seine Trinkerei. Da war auch ich, die sich nicht groß weg getraut hat. Weil - es war ja immer unklar was ist, wenn ich wieder komme. Ich wollte die Kontrolle nicht verlieren, obwohl ich sie im Prinzip ja garnicht hatte. Ich dachte nur, ich hätte sie. Und so ganz alleine weggehen, das habe ich mich auch nicht wirklich getraut, damals. Da waren viele Ängste und Ausreden...

    Gut, da raus zu sein, wieder einmal mehr. Ich kann es nur empfehlen!

    Aurora

    Hallo sassi,

    ich sag dir auch Hallo hier im Forum.

    Wenn du schon seit einem dreiviertel Jahr hier mitliest, hast du ja sicher schon einige Geschichten kennen gelernt, und Wege, um raus zu kommen.

    Trauer gehört dazu, zu einer Trennung. Trennungsschmerz ist was ganz Normales. Bisschen rumheulen, an die alten, vermeintlich guten Dinge zu erinnern und so. Aber leben tust du ja jetzt.

    Und du wirst ja aus den vielen Dingen, die du hier gelesen hast, auch erfahren haben, dass es da eine gewisse Konsequenz erfordert, sich zu lösen. Sonst eierst du nach dem 7. oder 8. wieder Einlassen auf ihn auch noch nach dem 389. Mal mit ihm rum...

    Es gibt für dich 2 Überlegungen.

    1. Du willst tatsächlich nicht mehr mit ihm zusammen sein. Dann musst du auch die Gefühle aushalten, die dazu gehören. Abschalten, wenn die Teufelchen dir was von Verantwortung einflüstern. Verantwortung hast du für dich und dein Kind, für niemand anderen! Auch nicht für ihn, er ist ja erwachsen. Du kannst dich ausheulen darüber und trauern, dass ist ok. Aber du bleibst bei deinem Entschluss der Trennung, einfach, weil es sich für dich eben auch richtig und gut anfühlt.

    2. Du kannst deine Grenzen nicht aufrecht erhalten, weil du zu unsicher bist. Weil du die negativen Trennungsschmerzen nicht aushalten magst. Weil es einfacher ist, nachzugeben. Weil es sich gut anfühlt, ihn wieder rein zu lassen. Weil es dir schmeichelt, wenn er von Liebe redet und du es zu gerne glauben möchtest, dass sich was ändert.

    Ja, das sind die 2 Möglichkeiten. Ganz klar. Du kannst dich nun entscheiden. Und das hast du ja im Prinzip schon...

    Zitat

    habe seine sachen aus der Wohnung geschafft und als ich das tat wurde mir bei jedem Karton etwas leichter ums Herz,

    Zitat

    Es ist eindeutig das das der richtige schritt für mein Kind und mich war.

    Das sind doch ganz eindeutige Aussagen!
    Die Verwirrung und den Schmerz, den du jetzt spürst, den musst du leider erstmal aushalten, aber das wird besser!
    Wenn du die vielen Geschichten hier gelesen hast, weißt du ja auch, dass es mit ihm zusammen nicht besser werden kann, zumindest nicht, solange er abhängig von seinem Suchtstoff ist.

    Ich hoffe, das klingt nun nicht zu hart... Aber es ist einfach so.

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo,

    ob nun ein Co eventuell nicht "trocken" werden will oder ein Alkoholiker nicht trocken werden will, das hängt doch vom jeweiligen Lebensstandpunkt aus ab.

    Ich habe Cos bzw. Angehörige hier rumeiern sehen, bis es endlich "klick" gemacht hat (bei mir, zum Beispiel). Und ich habe Alkoholiker kennen gelernt, die erst nach vielen Entgiftungen den trockenen Lebensweg eingeschlagen haben (einer hat sich damals gebrüstet, er wäre schon zum 64. Male in diesem Krankenhaus zur Entgiftung).

    Zwingen kann ich weder den Angehörigen noch den Abhängigen zu seinem Glück. Bzw. zu dem, was ich jetzt unter Glück verstehe.

    Ich kann hier Grenzen setzen, in diesm Forum zum Beispiel, wann ich mal mit klaren Worten zu jemandem spreche. Aber das kann ich auch tun, ohne Ironie oder Sarkasmus. Ohne abfällig zu werden und den anderen klein zu machen. Weder der Angehörige noch der Abhängige will mich ärgern mit seiner Sucht, sondern er/sie ist einfach nicht in der Lage, zu verstehen, was ich meine.

    Ich kann dann sagen, ok, dann ist hier für dich - noch - nicht der richtige Ort, hier wirst du nicht - mehr - das bekommen können, was du denkst zu brauchen. Viele bleiben dann sowieso weg, wenn sie merken, keine Zustimmung zu bekommen. Das ist auch in meiner realen SHG so. Ich kann diese Grenzen und Worte offen und ehrlich sagen, schreiben. Ich kann "stopp" sagen, wenn ich merke, da wird geeiert. Was der Andere dann daraus macht, ist aber nicht mehr dann mein's.

    Ich möchte aber für mich hier, als ehemalige Angehörige eines nassen Alkoholikers, also als Mitbetroffene, nicht für an irgendwas für schuldig erklärt werden, warum mein Ex trinken musste. Denn diese Schuldzuweisung ist nasses Denken eines Alkoholikers. Es gab Gründe, die mich zum Bleiben damals veranlasst haben, die in meiner Persönlichkeit begründet waren. Deshalb bin ich kein schlechterer Mensch als andere. Ich habe es geschafft, nach langen Jahren, da auszubrechen und für mich was zu verändern. Ich verachte niemanden, der das - noch - nicht oder vielleicht nie schafft. Ich bin aber bereit, meine Geschichte zu erzählen, damit vielleicht doch der eine oder andere Denkanstoß rüber kommt. Beeinflussen kann ich das nicht, genau so wenig, wie ich die Trinkerei meines Exmannes beeinflussen konnte.

    Und deshalb kehre ich jetzt zu mir zurück, denn da ist das Feld, was ich beackern kann.

    Aurora

    Hallo,

    hier ist ein Bereich, da können sich Coabhängige und Angehörige von Alkoholikern austauschen. Und das sollte respektvoll passieren, so, wie ich das in jeder Selbsthilfegruppe erwarten kann.

    Und es ist hier ein Angebot, was Karsten macht, für diesen Austausch von Betroffenen. Ob nun Angehörige/r, Co, Alkoholiker/in. Es ist ein niederschwelliges Angebot, also Hilfesuchende "Neulinge" und schon "Erfahrene" kommen zusammen und tauschen sich aus, reden über ihre Erfahrungen, bieten an, aus diesen Erfahrungen was mitzunehmen und sich selbst auch an anderen Erfahrungen zu bedienen. Das ist "Hilfe zur Selbsthilfe", nicht mehr und nicht weniger.

    Es ist hier nicht möglich und soll es auch garnicht, hier zu therapieren, psychologisch zu werden. Das geht garnicht, dazu gibt es Fachleute, die das machen. Ich kann von mir jedenfalls sagen, ich bin eine selbst Betroffene, aber keine Therapeutin oder Psychologin oder sowas, sondern "nur" die Exfau eines abhängig trinkenden Menschen und die Frau eines trockenen Alkoholikers. Wir, mein Mann und ich, leben ein glückliches Leben zusammen.

    Und ich bin hier, um über meine Dinge zu reden und meine Erfahrungen denen mitzuteilen, die es wissen wollen. Ob ich nun coabhängig zu bezeichnen bin oder sonstwie, ich habe es geschafft, mich aus der unglücklichen Beziehung mit dem nassen Alkoholiker zu trennen, nach vielen, vielen Jahren. Und ich lebe eine Beziehung auf Augenhöhe jetzt, ohne Alkohol, das ist meine Bedingung und die meines Mannes sowieso.

    Und darüber schreibe ich hier, schon seit fast 6 Jahren bin ich dabei und nehme mir mit und lasse was hier. Und das mit Respekt, jedem einzelnen Teilnehmer gegenüber und seinem Standpunkt, an dem er gerade ist. Denn wer hier ankommt, der ist ja meistens noch nicht "fertig" auf seinem Weg, sondern beginnt gerade, etwas zu erkennen. Und so war ich auch einmal, unsicher, am Anfang. Und auch da wollte ich mit Respekt und Achtung behandelt werden, denn ich war unsicher und sehr verletzlich. Und ängstlich. Und es hat mich riesige Überwindung gekostet, da war viel Scham, mich hier anzumelden und zu sagen, wie viele Jahre ich dieses Leben gelebt hatte, was nicht wirklich lebenswert für mich war.

    Wem will ich dafür die Schuld in die Schuhe schieben? Mir? Dem Ex? Aus vielerlei Gründen sind wir umeinander geeiert. Warum, das habe ich unter anderem in meiner Therapie klären können. Und meinen Austausch hatte und habe ich hier.

    Ob das nun das Thema hier ist oder nicht, ich wollte das nur mal loswerden.

    Aurora

    Hallo pintura,

    herzlich willkommen im offenen Bereich vom Forum!

    Du beschreibst ja gut, wie eure "on-off-Beziehung" war. Und wie du im Laufe der Zeit immer unzufriedener wurdest, erst wütend, dann sogar Hass gespürt hast. So ähnlich ging es mir auch. Ich war zwar die ganze Zeit, all die Jahre mit meinem Exmann zusammen, aber meine Gefühle wandelten sich auch in dieser Zeit. Von großer Liebe in zuletzt Ekel, Abscheu, Hass.

    Trotzdem ist es mir sehr schwer gefallen, meinen Ex loszulassen. Ich habe mir nachher nicht mal mehr eingeredet, dass es Liebe wäre. Es war mir schon bewusst, da war was anderes im Spiel. Angst vor der Veränderung z.B. Und Schuldgefühle ihm gegenüber. Dass ich es nicht geschafft hatte, unsere Ehe zu retten. Und dass ich schuld eben wäre, weil er trinken musste. Das hatte er mir ja immer wieder eingeredet. Und ich hab's geglaubt, wollte es glauben. Warum auch immer. Und ich fühlte mich eben verantwortlich für ihn, denn - er erschien so hilflos teilweise. Und ich wollte doch nur helfen, ihm vom Stoff wegzuzerren. Und wenn er eine Trinkpause machte, tat ich alles, um ihm meine Unterstützung zu signalisieren...

    Zitat

    ob ich überhaupt das richtige getan habe?

    fragst du... und beantwortest es dir ja schon selbst

    Zitat

    aber ja, es ging mir schlecht wegen ihm. jetzt, da ich ihn los bin, geht es mir wieder gut.

    Was meinst du, woher deine Zweifel kommen? Liebe? Du schreibst, du liebst ihn noch... Was ist Liebe, was stellst du dir vor unter einer Liebesbeziehung? Du schreibst, es geht dir wieder gut, jetzt, wo du ihn los bist...

    Grüße von
    Aurora

    Liebe Sternchen,

    meine Vorschreiberinnen haben dir ja schon einige Anlaufstellen geschrieben, an die du dich wenden kannst. Caritas würde mir noch einfallen. Dein nächster Schritt kann sein, dass du dir überlegst, was in deiner Nähe oder gut erreichbar ist, und dass du dich dann da meldest!

    Ich finde es gut, dass du dich auch hier wieder gemeldet hast! Wenn du magst, mach das auch weiter so.

    Ich möchte nur mal hier Renate widersprechen

    Zitat

    Mach dich schlau.
    Les bei den trockenen Alkoholikern(Lebensgeschichten)


    Nein, jetzt ist es wichtig, bei uns Cos zu lesen, zu lesen, wie wir es gemeistert haben, aus dem Kreislauf auszusteigen! Hier ist sehr viel Wertvolles dazu aufgeschrieben. Denn es ist machbar, aus dem Suchtkreislauf auszubrechen, jeden Tag ein kleines Schrittchen. Machen, vorwärts gehen, das ist wichtig. Und das kannst du, für dich und dein Kind! Und nur für euch beide, Kind und dich.

    Du arbeitest Vollzeit, managst den Alltag alleine, das ist doch was. Du bist wahrscheinlich finanziell nicht so abhängig von ihm, wie es manch anderem geht. Das ist gut!

    Dass deine Gedanken durcheinander purzeln, kann ich gut verstehen. Das ging mir auch nicht anders. Und es ist die Angst, was falsch zu machen, die ist ja auch da.

    Deshalb ist es gut, jetzt Schritt für Schritt loszugehen. Hier bist du nun angekommen, im Forum. Erster Schritt, super. Nächster Schritt, ein Anruf oder Gang zu irgend einer Beratungsstelle. Und dann wirst du sehen, welcher Schritt der nächste sein kann.

    Liebe Grüße
    Aurora

    Liebe Nys,

    ich finde das sehr vernünftig, alles jetzt Schritt für Schritt zu machen. Ich selbst habe damit gute Erfahrungen gemacht. Aus Schritt für Schritt wird dann ein Weg...

    Dabei gibt es auch immer wieder Verschnaufpausen. Die müssen auch sein. Da kommt dann das Erarbeitete erstmal bei dir an und muss sich ja auch erstmal in dir einnisten können. Daher ist verschnaufen nicht schlecht. Mal inne halten. Nichts tun. Oder auch in ein Loch fallen, auch das gehört dazu. Der Weg ist nicht immer gerade und eben.

    Wenn du das, was in deiner Kindheit war, noch nicht ansehen kannst, dann ist das völlig ok. Vertraue da einfach deinem Gefühl. Dein Hirn wird dir immer nur so viel zu sehen geben, wie du gerade ertragen kannst, womit du gerade umgehen kannst. Das ist ein Schutzmechanismus, den ich sehr sinnvoll finde. Würdest du auf einen Schlag alles wieder sehen können, würde es dich vielleicht völlig überfordern, aus der Bahn werfen. Dich kaputt machen.

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo,

    liebe Nys, ich freu mich, wenn ich dich zum Lächeln bringen konnte! :) .

    Gestern habe ich den Arbeitsvertrag unterschrieben. Und es fühlt sich gut und richtig an! Von den Stunden her und so. Ich habe das Gefühl, dass ich so jetzt alles gut unter einen Hut bringen kann.

    Arbeit, Ehemann, Erbse, Sohn und Schwiegersohn - und vor allem mich. Also ich möchte mich mit all dem wohl fühlen können, und das Gefühl habe ich, dass es so sein wird. Ich bin stolz auf mich, ich habe gut für mich gesorgt. Klar und deutlich angesagt, was ich möchte und was nicht. Offen geredet mit dem neuen Chef. Da ist von Anfang an alles klar zwischen uns, und das finde ich wichtig.

    Die neuen Kollegen sind sehr nett, ich habe mich beim Probearbeiten schon gut aufgenommen gefühlt. Ja, am 30.1.2012 bekam ich unerwartet meine Kündigung. Und am 30.1.2013 unterschreibe ich was Neues, und das fühlt sich gut an jetzt. Der Kreis scheint sich zu schließen.

    Die Trauer um all meine riesigen Verluste ist nach wie vor da. Ich bin dabei, sie in mein Leben zu integrieren. Aber ich sehe vorwärts. Ich lebe jetzt und heute.

    Und es geht mir echt gut soweit!

    Aurora

    Hallo Miriel,

    Zitat

    Mein Vorsatz. Nicht mehr vergessen, was meine Bedürfnisse sind !


    Ein super Vorsatz! Druck dir das ganz groß aus und häng es an, wo du es gut sehen kannst. Denn du hast da mit diesem Vorsatz einen guten Schritt vorwärts getan, klasse!

    Weiterhin gute Besserung.

    Liebe Grüße
    Aurora