Hallo Erkenntnis,
die Gefühle, die du bei dem Gedanken, sie zu verlassen, hast, sind nachvollziehbar. Ich hatte sie auch. Und das sind schon Co-Gedanken.
Du fühlst dich schlecht mit dem Gedanken, sie zurück zu lassen. Warum eigentlich? Ist sie nicht erwachsen? Ich sag das mal so salopp. Ich habe auch immer gedacht, ich kann doch meinen Ex nicht verlassen, was wird denn dann aus ihm? Er geht doch ohne mich total den Bach runter... Ja, so in etwa dachte ich. Und heute weiß ich, ich habe doch keine Verantwortung dafür gehabt, für sein Leben und was er daraus macht. So mächtig bin ich ja nicht, dass ich da was aufhalten könnte...
Und wobei hast du versagt? Weißt du, ja, ich dachte auch immer, ich hätte versagt. Weil ich es nicht schaffte, meinen Exmann davon zu überzeugen, dass er Alkoholiker wäre und sich totsaufen würde. Ich ackerte und machte, um ihn zu überzeugen und da raus zu zerren. Aber - mein Exmann wollte garnicht da rausgezerrt werden... Er wollte einfach nur in Ruhe sein Leben leben, und das war für ihn eben ein Leben, in dem der Alkohol die Hauptrolle spielte. Irgendwann war mir klar, es ist ja sein gutes Recht, so zu leben, wie er es will...
Zitat
Natürlich ist auch die Angst vorm Alleinsein. Wieder von vorn anfangen. Die liebgewonnenen Bahnen wieder verlassen zu müssen, sich neu orientieren,
Jajaja! Oh wie gut ich das kenne. Diese Ängste. Und die lähmen dich schon ein Stück weit! Niemand verlässt gerne liebgewonnene Bahnen. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, ist einfach so. Niemand verändert gerne was. Es ist ja auch unbequem und ungewiss. Da wird lieber das unzufriedene, unglückliche, bestehende Leben hingenommen, als was zu machen, um ein zufriedenes Leben zu leben.
Aber - was ist besser? Dass es unbequem ist und ungewiss, oder dass es weh tut und dich krank macht, unglücklich... dass es dich immer gefühlloser macht, besorgter, dass du nur noch an sie und ihre Dinge denken kannst, irgendwann, dich selbst vergisst...
Fakt ist doch, so lese ich es bei dir hier raus, dass du unzufrieden bist, unsicher, mit ihrem Alkoholkonsum. Es stört dich. Es stört dich ziemlich, sonst wärst du nicht hier, denke ich jetzt einfach mal.
Du kannst nur eines dagegen tun, soweit ist dir bestimmt schon ein Stück weit klar geworden. Du wirst sie nicht ändern können. Wenn sie trinken will, darf sie das. Niemand hat das Recht, es ihr zu verbieten, denn sie ist mündig. Für sich selbst verantwortlich. Und du bist das auch! Du kannst deine Sorgen und Ängste ansprechen, bzw. ihr den Brief schreiben. Und sehen, wie sie reagiert. Und dann kannst du daraus deine Schlüsse ziehen, wie es für dich weiter gehen soll.
Viele Grüße
Aurora