Beiträge von Aurora

    Hallo Mischa,

    warst du dabei, beim Arzt? Oder hat er es so erzählt... Dann muss es ja nicht unbedingt stimmen, was er sagt, sondern es kann ja dann seine eigene Version der Dinge sein, die er dir erzählt. Das, was er sich selbst vielleicht auch vormacht.

    Zitat

    warum kann er nicht immer einfach der nette Kerl sein, der er ist, wenn er nicht trinkt


    Weil er süchtig ist. Die Sucht hat da das Sagen in seinem Schädel. Und die sagt, was zu tun ist. Nämlich sie will befriedigt werden. Dauernd.

    Du weißt nicht, wie es weitergehen soll... Was könntest du dir denn vorstellen, wie es für dich sein sollte. Dein weiteres Leben. Wie stellst du dir das vor, so ganz ehrlich. Wenn du ganz ehrlich in dich reinhorchst. Wie sollte es da sein? Passt zu dieser Vorstellung dann die Unzuverlässigkeit eines trinkenden Partners? Das Unvorhersehbare, ob er nun gesoffen hat oder nicht? Der ganze Stress, seine Aggressionen?

    Viele Grüße
    Aurora

    Hallo,

    liebe BC, ja, ich habe inzwischen erkannt, dass das Loslassen sehr lange dauern wird. Andererseits ist das eben so, in unserer Gesellschaft muss immer alles schnell gehen, aber solche Gefühle gehen nicht schnell. Ich lass mir da Zeit, das ist mein Weg. Mal sehen, ob ich mal irgend ein Ritual haben kann, momentan ist das - noch - nicht der Fall.

    Hallo Melanie, ja, ein Kind, auch ein erwachsenes, zu verlieren ist so schmerzlich, es ist unbeschreiblich. Ich lass mir alle Zeit, die ich brauche für meine Trauer.

    Liebe Nici, danke für den Drücker, Monty hat ihn mir abgeliefert gestern, in der Gruppe :wink: . Tat soooo gut! Der kleinen Erbse geht es mal so und mal so. Sie trauert anders als wir "Großen", Kinder taruern anders. Und sie ist ja noch so klein. Sie ist ganz offen und ehrlich, ganz pur. Das ist manchmal auch sehr schmerzlich und erschreckend für uns Erwachsene, aber auch sehr deutlich. Sie hat letztens festgestellt, dass sie auch mal ein Baby haben wird, wenn sie groß ist. "Papa, muss ich dann auch sterben?"...

    Sie bekommt darauf immer sehr klare und gute Antworten, so gut es geht. Das finde ich wichtig für ihre Verarbeitung, auch für uns ist das wichtig. So können wir uns gegenseitig helfen und gut tun.

    Heute geht es mir wieder besser.

    Aurora

    Hallo,

    Melanie und Nici, ich danke euch sehr für eure Beiträge!

    Mir geht es die letzten Tage nicht so recht gut, die Trauer kommt immer in Wellen angerauscht :cry: . Ich lass das einfach zu, aber es ist auch anstrengend. "Trauer-Arbeit", das Wort hat seine Berechtigung...

    Aurora

    Hallo,

    liebe BC, dein Beitrag gibt mir viel! Zwei Herzen, ja, so empfinde ich das auch zur Zeit, nur dass ich es Zwei Gehirne genannt habe oder so. Auf dem einen Teil läuft das Leben weiter, wie es eben so ist. Auf dem anderen Teil ist die Erinnerung, Bilder von früher mit meiner Tochter, jeder Ort, an den ich zur Zeit komme, hat eine Erinnerung. Der ich dann auch nachgehe, sie genieße. Die Erinnerung. Danke für deine Worte!

    Gestern war ich mit meinem Sohn in der Philharmonie, er hatte mir ja Weihnachten eine Karte geschenkt, und sich eine. David Garrett hat da gegeigt, schön war das. Sohn und ich haben sehr viel auch geredet, vor dem Konzert, in der Pause, danach. Ich merke, wie sich was verändert zwischen uns, er braucht mich irgendwie anders und ich ihn. Das Familienmobilé, was ja schon durch Exmanns Sucht und die Trennung in's Schwanken gekommen war und neu sortiert werden musste, muss jetzt wieder neu sortiert werden, weil ja meine Tochter fehlt.

    Es war ein schöner Abend, mit heimlichen Tränen bei mir.

    Aurora

    Liebe Nici,

    ja, kann ich gut verstehen. Locker werden ist nämlich nicht so einfach nach all den Jahren der Anspannung! Ich finde es gut, dass du dich einlassen kannst und willst. Du hast deine Grenzen ja vor Augen!

    Als ich mich eingelassen habe, da hatte ich meine Dinge auch vor Augen. Ich wusste, was ich nicht mehr wollte, ich weiß es immernoch. Und ich wusste und weiß, auf "Punkt Null" fall ich nie mehr zurück. Und ich wusste und weiß, was ich kann und will und was nicht. Und dass ich in der Lage bin, dass auch zu leben.

    Ich find's gut, dass du den Mut hast, deine Nasenspitze rauszuhängen. Denn sonst kannst du ja nichts erleben, erwarten. Frei Haus wird dir nix geliefert, das hast du gut erkannt. Ich freu mich mit dir!

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo,

    liebe Marielche, danke für deinen Beitrag hier in meinem Fädchen! Du schreibst:

    Zitat

    alles was man selbst erlebt ist nichts im vergleich zu deiner trauer .


    Ja, es ist sehr, sehr schlimm, was da passiert ist. Aber deshalb ist es für andere Menschen genauso schlimm, was ihnen passiert. Es gibt kein: "dein Leid ist größer als meins" oder so. Verstehst du, wie ich es meine? Deine Situation ist doch für dich zur Zeit auch schlimm.

    Ja, ich habe schon viele schlimme Sachen erlebt in meinem Leben. Teils war es Schicksal, teils hausgemacht. Die Ehe mit meinem Exmann und das Drama mit seiner Sippe, das war hausgemacht. Ich hätte ja jederzeit aussteigen können, wenn ich gewollt hätte. Mich hat niemand gezwungen zu bleiben. Ich konnte nicht aussteigen, aus vielen Gründen. Zuerst. Irgendwann konnte ich das.

    Obwohl der Tod meiner Tochter und des kleinen Enkels das größte Leid ist, was mir jemals widerfahren ist, kann ich das doch besser verarbeiten als ich es damals wohl gekonnt hätte, glaube ich. Denn ich habe viel gelernt für mich. Um mich herum sind jetzt Menschen, die es gut mit mir meinen. Ich habe eine Ehe jetzt, die beruht auf gegenseitiger Liebe und Achtung. Die ist auf Augenhöhe. Da ist Klarheit, nicht vernebeltes Suchthirn. Da darf ich mich fallen lassen und werde getragen und festgehalten.

    Ich kann jetzt meine Gefühle spüren und meine Bedürfnisse anmelden, ich werde ernst genommen, weil ich mich und meine Gefühle selbst auch ernst nehme. Ich muss mir nichts verdrücken, um stark zu sein. Ich darf alle meine Energie für mich selbst haben. Ich muss nichts ertragen und verdecken und verstecken und kontrollieren und aushalten. Wenn ich Hilfe brauche und jemanden zum Reden, ist da auch jemand da. Erstmal mein Mann, dann auch das Netz von Menschen, welches ich jetzt habe. Ich muss ja nichts mehr verstecken oder so.

    Ja, mein Mann ist eine große Stütze für mich. Und auch das Forum hier, im geschlossenen Bereich bin ich gut aufgehoben und getragen. Und auch im "wahren" Leben hier habe ich Menschen, mit denen ich mich sinnvoll austauschen kann. Das alles hatte ich früher nicht.

    Es geht mir nicht gut. Ich bin traurig, wütend, hilflos, verzweifelt. Ich vermisse meine Tochter wie verrückt, wir hatten ein so schönes Verhältnis zusammen und sie fehlt an allen Ecken und Enden. Trotzdem geht es mir gut. Denn ich habe auf der anderen Seite Menschen, die mich achten und mich ernst nehmen. Die mich unterstützen und tragen. Ich habe eine Beziehung, die mich hält und umhüllt.

    Sowas kann mir kein Mensch geben, der abhängig trinkt oder Drogen konsumiert. Und darum geht es mir gut, auch wenn es nicht gut ist gerade. Ich habe meinen Weg raus gemacht aus der Suchtspirale. Und das war das beste, was ich machen konnte.

    Aurora

    Hallo Sally,

    ich kann verstehen, dass dich solche Aussage, wie die deines Bruders, erstmal verunsichert. Das sollte sie aber nicht. Denn was dein Bruder nun gesehen oder gemerkt hat oder nicht, ist ja seine Sache.

    Fakt ist doch alleine, dass es dir nicht (mehr) gut ging in deiner Beziehung, egal warum. Und dass du entschieden hast, dich zu trennen deshalb. Lass dir da nix ausreden oder einreden oder so. Denn es geht um deine Gefühle und Wahrnehmungen und die sind richtig, wie sie sind!

    Viele Grüße
    Aurora

    Hallo,

    liebe Elfriede, ich danke dir für die Umarmung!

    Am Wochenende hatten wir lieben Forumsbesuch :D . Das hat mir sehr gut getan. Es gab viele schöne Gespräche, zuhören, weinen. Das tut gut.

    Mir geht es mal so und mal so. Trauer ist schwer, aber ich habe irgendwie immer genug Kraft dafür. Ich habe ja meine Energie jetzt auch ganz für mich, das ist gut. Oft kommen Erinnerungen an meine Tochter, jeder Ort, an dem ich vorbei komme, hat eine Erinnerung, jede Situation. In meinen Kopf laufen zwei Programme, habe ich das Gefühl. Einmal ist da der Alltag, das Leben jetzt, alle Dinge, die gemacht werden (müssen). Und dann ist da eben das Programm "Tochter", was sie gesagt, getan hätte, jetzt, wie sie war, aussah, sich anfühlte usw. Es tut weh und sie fehlt mir einfach an allen Ecken und Enden :cry: .

    So sieht es gerade aus im Hause Aurora.

    Aurora

    Hallo Mischa,

    willkommen im Forum.

    Du schreibst

    Zitat

    Ich wollte doch nur eine ganz normale Familie habe...warum klappt das nicht????


    Mit einem nassen Alkoholiker gibt es keine "Normalität". Es gibt seine Sucht und darum dreht sich alles. Du versuchst, von deinem Kind alles so gut es geht fern zu halten. Das geht nicht. Kinder haben feine Antennen, sie bekommt mehr mit, als du denkst!

    Zitat

    Ich hab mich hier angemeldet, weil ich mein Leben endlich wieder selber bestimmen möchte, nicht mehr auf nächtliche Spionagetourn gehen will und endlich mal wieder richtig glücklich sein will.


    Das kann ich gut verstehen. Was kannst du dir denn vorstellen, was da dein nächster Schritt ist, den du machen kannst, um das zu erreichen?

    Viele Grüße
    Aurora

    Hallo,

    liebe Wintersonne, danke für deine Worte.

    Liebe Diandra, danke auch dir! Dass du an uns gedacht hast. Das ist schön!

    Die Beerdigung war, wenn es sich auch komisch anhört, schön. Es war sehr würdevoll und genau so, wie es meine Tochter gemocht hätte. Es war eine schöne Trauerfreier und ein schöner Abschied. Es gab so viele liebe Worte, so viele Tränen, so viele Blumen. So viele Gefühle. Meine Kleene lebt nicht mehr, ihr Sohn auch nicht. Es ist unfassbar, noch immer. Ich hatte mir für meine Zukunft etwas anderes gedacht, geplant. Nun habe ich gemerkt, dass es nicht in meiner Hand liegt. Die Zukunft. Das Leben hat eigene Regeln. Und ich muss nun lernen, mit dieser neuen Situation zu leben.

    Mein Exmann war auch da, na klar. Auch sehr unglücklich, klar. Und von Alkoholdünsten abgestandener Art umweht. Boah, ekelig. Er hatte wohl, neben seiner Trauer, auch noch mit Problemen wegen Entzug zu kämpfen. Sein Ding. Aber ich habe gedacht, wie gut ich es doch jetzt habe. Wie gut es war, vor nunmehr 5 Jahren da Schlussstriche gezogen zu haben.

    Aurora

    Hallo,

    lieber Matthias, ich danke dir für den Drücker! Tut echt gut.

    Der Dante-Geburtstag ist vorbei und wir hatten eine nette Zusammenkunft unserer realen SHG und weniger Verwandter. Im Guttempler-Haus, da bieten sie auch Buffet an und das hatten wir bestellt. Es war eine ruhige Runde, es gab viele Gespräche. Es tat gut. Erst hatten wir ja überlegt, das abzusagen angesichts der Todesfälle :cry: , aber wir haben es nicht getan, meine Tochter hätte es genau so, wie es im Endeffekt jetzt da war, gewollt. Und Schwiegersohn und Erbse waren ja auch da und es tat ihnen auch gut. Und das alleine zählt.

    Nun wird es Ostern hier, draußen pladdert es, voll der Regen, sehr unösterlich gerade. Ich bin traurig, na klar. Die Trauer fühlt sich inzwischen wieder anders an, ich merke, das ist ein richtiger Prozess. Es ist jeden Tag anders. Ich habe Raum, auszuleben, wie es sich gut anfühlt für mich. Das ist echt gut. Gestern haben wir es ziemlich ruhig angehen lassen, waren spazieren, Licht tanken und Luft.

    Allen, die hier vorbei kommen, wünsche ich schöne Ostern.
    Aurora

    Hallo,

    liebe Speranza, ich danke dir sehr für deine Worte, für dein Da-Sein! Ich habe ja auch Glück. Ich bin z.B. hier im geschlossenen Bereich auch, da bekomme ich so viel Trost, so viel Wärme, so viele Denkanstöße, so viel Halt. Das ist unglaublich!

    Und ich habe meinen Mann, meinen Schwiegersohn, die Erbse, meinen Sohn. Meine Eltern, die reale Gruppe, Freunde. Viele Menschen um mich, mit denen ich reden darf, die mich auffangen. So viele Menschen kannte ich früher nicht. Da hockte ich verbittert und mutlos hinter meinen Mauern. Darauf bedacht, die Harmonie zu erhalten und meinen Ex vom Trinken zu befreien.

    Jetzt darf ich für mich sein, mir nehmen, was ich brauche von all dem, was mir angeboten wird. Zum Beispiel hier, von so vielen Menschen.

    Danke!

    Aurora

    Hallo,

    liebe WinterSonne, ich danke dir auch.

    Liebe Melanie, ja, ich bin immer nur ein Mensch, ein unperfekter Mensch. Es gab mal Zeiten, da wollte ich perfekt sein, es tut unheimlich gut, dass ich das nicht mehr brauche.

    Liebe Consuela, ich danke dir für deine Gedanken, die du mir schickst.

    Liebe Frau und liebe Christin, auch an euch vielen Dank für die Anteilnahme.

    Die Trauer rollt immer in Wellen über mich rüber. Ich lasse einfach zu, was da passiert. Versuche, nichts zu unterdrücken. Und spiele nicht die Starke, denn die bin ich nicht. Ich rede ganz viel über meine Trauer und über meine Dinge, das tut gut.

    Zu all meiner großen Trauer kommt ja auch noch, dass ich in meiner neuen Arbeitsstelle bin. Mein ganzes Leben besteht zur Zeit aus Umstellung. Etwas, was ich früher überhaupt nicht abkonnte. Veränderungen, das war für mich nicht machbar, da waren zu viele Ängste.

    Komisch, ich habe garkeine Ängste zur Zeit. Die neue Arbeit schaffe ich. Ich habe liebe Kollegen dort und Raum, mich zurück zu ziehen, wenn es mir nicht gut geht. Trotzdem strengt es mich total an, aber es macht auch total Spaß, dort zu arbeiten. Ich passe auf, habe auch schon mal eine Grenze gehabt und sie ziehen können. Ich habe keine Ängste vor der Zukunft, wie ich das früher hatte, in meinem alten Leben. Ich habe sehr viel Trauer, weil meine Zukunft bedeutet, ohne meine Tochter zu leben, ohne das Baby, das ich heranwachsen sehen wollte :cry: . Das ist Trauer in mir, Schmerz ohne Ende. Aber keine Angst.

    Ich weiß, ich werde weiterleben und ich werde auch diese Trauerarbeit schaffen. Ich werde es machen, ich habe schon viel geschafft. Ich habe Mut, merke ich, Mut, es zu schaffen, weiter zu leben und irgendwann den beißenden Schmerz als milde zu empfinden. Als Trauer, die immer in mir sein wird. Das ist meine Lebensaussicht. Eine meiner Lebensaussichten. Ich werde mit der Trauer leben lernen.

    Mein Mann unterstützt und hält mich, nach wie vor. Es ist unglaublich schön, eine Beziehung zu haben, auf Augenhöhe. Ohne Alkoholdünste, ohne Lügen, Verstecke, Verdrehungen. Ich kann mich so mutig fühlen, weil ich all diese Dinge hinter mir lassen konnte.

    Meine Bearbeitung der Coabhängigkeit hat so viele Auswirkungen. Auch auf diese unfassbare Tragödie. Ich bin nicht alleine damit. Ich darf schwach sein und meine Gefühle fühlen. Ich darf weinen und Grenzen setzen, wenn ich es brauche. Ich darf mich fallen lassen und werde aufgefangen. Ich darf vertrauen und werde ernst genommen mit meinen Wahrnehmungen und Gefühlen.

    Wieder einmal mehr merke ich, wie gut es war, dass ich vor 5 Jahren den Entschluss gefasst habe, auszusteigen aus dem Suchtkreislauf. Dass ich auch Schritt für Schritt vorwärts gegangen bin, ehrlich zu mir war, dass ich endlich was für mich gemacht habe. Dass ich nicht mehr nur gejammert habe, sondern aktiv geworden bin.

    Das Leben kann jederzeit grausam sein. Immer. Und dann kann ich nun sagen, wie gut, dass ich auch schöne, lebenswerte Momente haben konnte und kann. Dass ich leben konnte und kann. Ich kann jedem nur raten, zu überdenken, ob es sich tatsächlich lohnt, immer wieder Ausreden zu haben, um nur nichts verändern zu müssen. Ob es sich lohnt, in einer Beziehung festzuklammern, in der die Sucht die Regie hat.

    Aurora

    Hallo,

    liebe WinterSonne, ja, es ist immernoch unfassbar. Ich danke dir für deine Anteilnahme!

    Am Montag waren mein Schwiegersohn und ich beim Bestattungsinstitut. Leider führt kein Weg daran vorbei :(:cry: . Wir konnten alles in die Wege leiten und haben nun auch den Termin, es ist der 12.4.

    Es ist alles noch sehr unwirklich, unglaublich, obwohl ich das Gefühl habe, es ist in meinem Kopf angekommen. Ich gehe sehr achtsam mit mir um, das habe ich gelernt! In meinen Jahren, die ich meinen Weg mache. Achtsamkeit, das ist wichtig, mich ernst nehmen und meine Gefühle spüren. Das konnte ich früher so nicht.

    Ich merke aber auch, durch diese Trauer in mir falle ich dann auch in alte Verhaltensweisen zurück. Es fällt mir schwer, die selbstbewusste Frau zu sein, die ihre Dinge kennt und wahr nimmt. Aber ich gestehe mir das eben auch zu, ich darf so sein. Es ist eine Ausnahmesituation. Ich merke aber auch, dass ich nicht mehr in meinen "Urzustand" zurückfallen kann, in die coabhängige Frau, die um alles rumwieselt und sich selbst vergisst. Das ist gut, da haben sich dann doch schon auch neue Pfade in meinem Hirn einlaufen können.

    Aurora

    Hallo Arwen

    ich kann deine Ängste sehr gut verstehen! Ich kenne sie ja auch, von mir damals.

    Da waren viele Ängste in mir. Die haben mich aber starr gemacht, bewegungsunfähig, lange Zeit. Ich hatte immer Angst vor den Konsequenzen, ich war zu feige, für meine Schritte dann einstehen zu müssen. Es war ja einfacher, mich als Opfer, als arme, leidende und doch ach soooo starke Frau zu sehen. Ich bin ehrlich, ich fand die Gefühle auch gut. Ich bekam Mitleid, Anerkennung für mein Durchhalten. Ich fühlte mich stark, gebraucht und unentbehrlich. Und so konnte ich meine Ängste immer pflegen...

    Irgendwann war es dann soweit, dass der Druck, das Leiden, viel größer war als meine Ängste. Da konnte ich endlich loslegen. Aber trotzdem hatte ich ja die Angst vor den Konsequenzen. Menschen haben immer Angst auch vor Veränderungen, vor dem Loslassen alter, vertrauter Dinge, auch wenn die Dinge eben böse sind. Trotzdem sind sie ja vertraut und sie können sich darauf einstellen.

    Darum finde ich es gut, dass du die Schritte machst und zur Beratungsstelle gehst! Du wirst dort Unterstützung erfahren und Informationen bekommen. Nicht immer werden die Dinge dir dann vielleicht auch gefallen, aber du bist dann im Klaren und kannst dich darauf einstellen. Du wirst dann die Konsequenzen sehen können, ein wenig. Und du wirst es auch spüren können. Du wirst spüren können, wenn du getrennt bist, wie wohltuend es auch ist, nicht mehr im Suchtkreislauf festzustecken. Du wirst wieder Ruhe finden, atmen können. Jedenfalls war es bei mir so.

    Da waren dann immernoch auch Ängste. Aber das Wohlgefühl dann auch. Und dadurch konnte ich alles besser annehmen und umsetzen, denn meine Energie gehört ja nun mir! Nasse Alkoholiker sind Energiefresser!

    Ich finde es auch gut, dass du dich hier unserer Forums-SHG angeschlossen hast! Dieser Austausch hier wird dich auch nochmal bestärken können, dir Ängste nehmen können.

    Viele Grüße
    Aurora

    Hallo Arwen,

    willkommen hier im Forum.

    Solchen Alptraum habe ich auch hinter mir, ich bin vor fast 5 Jahren ausgezogen, habe mich getrennt.

    Mein Ex hat so ähnliche Register gezogen. Schuld an seinem Trinken waren immer die anderen, vor allem ich, wegen meiner Art. Ich habe mich verbogen bis zur Unkenntlichkeit, damit er keinen Grund mehr hätte, wegen mir saufen zu müssen, irgendwann merkte ich dann, ich kann machen was ich will, wenn er trinken will wird er immer einen Grund finden.

    Ich habe mir dann auch anwaltliche Hilfe geholt. Wir hatten auch Eigentum, mein Ex setzte mich unter Druck, im Falle einer Trennung würde ich ja sehen, ich wäre Hartz 4 dann, würde alle, also ihn, die Familie, ruinieren und so weiter. Beim Anwalt konnte ich gute Klärungen dafür bekommen.

    Informationen zu haben, seine Rechte zu kennen, gibt sehr viel Sicherheit! Erpressbar zu sein heißt für mich, meine Rechte nicht zu kennen, unsicher zu sein. Meine Grenzen nicht setzen zu können. Hast du schon mal überlegt, einen Anwalt aufzusuchen?

    Viele Grüße
    Aurora

    Hallo Klarheit,

    er trinkt, und du bist in Behandlung...
    Na ja, was ist daran absurd? Du bist ja für dich in Behandlung, oder? Um was zu bearbeiten, um aus der Coabhängigkeit herausfinden zu können. Um deine Gesundheit zu stabilisieren, damit du Kraft hast für deinen Weg.

    Ich war mir auch nie sicher, ob mein Ex Alkoholiker ist oder nicht. Denn er hat mir meine Beobachtungen, meine Wahrnehmungen immer abgesprochen, so dass ich meinen Gefühlen irgendwann nicht mehr vertrauen konnte...

    Wie es mir geht? Ich habe vor fast 5 Jahren meinem Ex ein Ultimatum gestellt. Ich oder der Alk. Ich bin dann ausgezogen, der Ex hörte auf zu trinken und ich war 1 Jahr lang damit beschäftigt, meine Klarheit zu bekommen. Ich wollte einfach leben, lachen und lieben. Und es wurde mir immer klarer, das kann ich nicht mit dem Ex, egal ob mit oder ohne Alkohol. Ich habe dann die Liebe gefunden, bei einem anderen Mann, eine wunderbare Liebe! Letztes Jahr haben wir geheiratet. Im April. Im offenen Bereich heißt mein Fädchen "Liebe und Hass". Im geschlossenen Bereich habe ich ein dickes Tagebuch...

    Sonst geht es mir gerade sehr schlecht, denn ich habe am 14.3. meine Tochter verloren. Sie war noch nicht ganz 30 Jahre alt und ist gestorben. Erst das Baby, dann sie...

    Aurora

    Hallo,

    lieber Matthias, ich danke dir sehr für deine Anteilnahme!

    Inzwischen ist ein vorläufiger Obduktionsbericht da, und die Vermutung scheint sich zu bestätigen, also das mit der Thrombose und Embolie.

    Ich lebe und in mir ist immer Trauer. Mal tut diese Trauer so dermaßen weh, dass ich es kaum aushalte, mal ist es eher ruhig und die Trauer ist da wie ein großes Stück irgendwas. Es ist jeden Tag anders. Gestern war es nicht gut...

    Alkohol ist weiterhin kein Thema bei uns! Ich hatte erst ein wenig Sorge, dass bei Dante da was passiert. Er war ganz erstaunt, er hätte keine Sekunde daran gedacht. Eher hatte er Angst, dass ich mich abschießen könnte... Aber auch daran dachte ich keine Sekunde.

    Ich bin dankbar, eine Beziehung ohne Alkohol, ohne aktive Sucht zu leben. Es ist so schon schlimm genug, es ist unfassbar. Hätte ich jetzt noch all die Alk-Problematik dabei, es wäre für mich, glaub ich, nicht auszuhalten. So habe ich eine Beziehung auf Augenhöhe, Dante hat die Kraft, mich zu halten, wenn ich das brauche, ich habe die Kraft, wenn er Halt braucht. Weil er lebt, klar lebt, weil er Gefühle haben kann, weil er nicht von der Droge betäubt ist oder Beschaffungsproblematiken hat. Wir dürfen unsere Gefühle, unsere Trauer, klar erleben, wir dürfen durch alles pur hindurch gehen. Weil wir in der Lage sind, zu spüren. Keine Droge, nicht der winzigste Schluck Alkohol könnte mir diese Wärme geben, die mir mein Mann gibt. Die wir uns gegenseitig geben können. Und die wir weitergeben können an unseren Schwiegersohn und unsere kleine Enkelin.

    Aurora