Hallo,
es ist immer wieder eine schwierige Sache. Meiner Meinung nach ist Alkoholismus, bzw. das Verhalten, was daraus resultiert (kann's nicht besser beschreiben gerade) nicht 100% ig gleichzusetzen mit Coabhängigkeit. Wenn ein Coabhängiger hier ankommt, ist er/sie ja in fast allen Fällen noch "nass", um mal bei dieser Wortwahl zu bleiben. Hier kommen Menschen an, die stecken noch in diesen Mustern, suchen oft Hilfe für ihren Partner, weil sie es nicht anders wissen. Sie können hier lernen, nach und nach, aus diesen Mustern heraus zu finden, bzw. sie still zu legen. Wenn sie es wollen und für sich annehmen können. Bei mir war es auch so, und ich habe diese Muster ja noch. Auch wenn ich jetzt anders damit umgehen kann als vor 4 Jahren.
Das musste ich erst lernen. Darum bin ich in einer SHG für Coabhängige. Wenn ich heute die Lebenswege bzw. Berichte lese, auch dieses Herumeiern, sehe ich so sehr oft mich selbst. Und ich erinnere mich gut dann. Und ich weiß, wenn damals jemand mich mit guten Ratschlägen erschlagen hätte, dann wäre ich noch nicht da, wo ich bin. Denn ich kenne mich, ich mach dann da zu, werde bockig, stur, verschlossen. Ich musste doch meinen Weg selbst finden.
Nun bin ich meinen Weg bis hierher gegangen. Auch mit Hilfe anderer Betroffener, deren Denkanstöße, eigene Lebenswege, mich weiter gebracht haben, weil ich bereit war, das anzunehmen. Und nun bin ich in der Lage, auf einen Haufen eigener Erfahrungen zurück blicken zu können. Die stelle ich hier gerne zur Verfügung. Wer sie möchte, kriegt sie mitgeteilt. Wenn ich merke, das kann nicht angenommen werden, da müssen noch ein paar Runden gedreht werden, dann akzeptiere und respektiere ich das. Ich ziehe mich aber dann auch zurück.
Denn ich weiß, ganz schnell kann es dahin kommen, dass ich wieder eine Art Coabhängigkeit entwickel. Indem ich genau das versuche, was ich jahre, jahrzehntelang mit meinem Exmann versucht habe. Ich habe damals geredet und geredet, ihm Vorschläge gemacht, was er zu tun hat. Um aus der Sucht rauszukommen. Ich habe ihm Wege aufgezeigt, ihn im Guten, aber auch im Bösen, versucht, ihm meine Ansicht von Leben aufzudrücken. Ich habe ihm die Möglichkeit abgesprochen, für sich selbst zu wissen, was er meint, was er für sich will und was ihm gut tut gerade. Ich habe ihm die Verantwortung für sich selbst abgenommen. Ich konnte nicht akzeptieren, dass er eben sein Leben anders leben wollte, wie ich meinte, wie es auszusehen hat.
Bis ich dann darauf kam, dass ich nicht sein Leben verändern kann und auch nicht das Recht dazu habe. Sondern es ist mein Leben, was ich so gestalten kann, darf, muss, dass es für mich eben lebenswert ist. Und das kann ich doch übertragen auf mein Verhalten in meiner SHG, also hier. Ich habe nicht das Recht, meinen Weg, meine Lebensvorstellung, anderen auf's Auge zu drücken. Ich kann sagen, "überleg es so oder so", oder "ich hab's so gemacht und das war toll". Und ich darf es eben auch nicht als persönliches Scheitern oder so ansehen, wenn mein Gegenüber dann sagt, "nööö, ich mach es aber so wie immer, weil ich es so gewohnt bin." Na gut, dann kann ich nochmal was versuchen, aber wenn ich dann merke, puh, da eiert einer rum, da ist jemand nicht bereit, so weit, was zu verändern oder anzunehmen, dann ziehe ich mich zurück. Und akzeptiere das.
Das ist meine Sicht dazu, zu dieser Thematik.
Aurora