Hallo Julia,
du schreibst
ZitatIch habe hier bei vielen Angehörigen gelesen, dass es auch bei ihnen eine Zeit gebraucht hat, bis sie sich wirklich vom trinkenden Partner getrennt haben, auch wenn die Erkenntnis, dass es so nicht weitergehen kann, schon viel früher da war.
Ich zähle mich zu diesen Angehörigen dazu.
Es hat lange gedauert und vieler Schritte bedurft, bis ich den ultimativen Schritt machen konnte. Bis ich mich endlich für ein Leben in Zufriedenheit und Ruhe entscheiden konnte, für ein lebenswertes Leben. Ich habe eine sehr gute Lieblingsfreundin, die hat schon vorher ab und an mal gesagt, "trenn dich doch, was lebst du für ein Leben...", ich war dann sauer auf sie, wollte das nicht hören. Denn ich war dazu - noch - nicht bereit. Dazu brauchte es noch einiger Runden. Trotzdem haben mich diese Gespräche mit meiner Freundin aufgebaut, mir viele Denkanstöße gegeben. Es hat gepiekt, was sie gesagt hat, es hat richtig weh getan, teilweise. Aber gerade da hab ich dann hingesehen und was erkannt, für mich.
Ich fand dann dieses Forum hier, es war ein Zufall, obwohl - ich glaube nicht an Zufälle... Da war ich schon dabei, den für mich wichtigsten Schritt zu machen. Mich zu trennen. Ich habe es geschafft, mir ein gutes Leben aufzubauen, ich erkenne meine coabhängigen Strukturen und sehe zu, sie auf Eis liegen zu lassen. Ich bin damals hier angekommen, um mich mit Mitbetroffenen austauschen zu können. Da habe ich mal liebe Worte gehört, mal Bestärkungen in meinem Weg, mal wurde mir was geschrieben, da hatte ich dran zu kauen. Mal wurde mir was klar, etwas, was ich sehen konnte, weil ich ehrlich war zu mir. Das hat dann weh getan, mich wütend gemacht oder traurig. Es hat mich sortieren lassen.
Und ich bin hier im Forum, immernoch, damit ich meine Auseinandersetzung mit dieser Thematik habe, für mich am Ball bleiben kann. Aber auch, um anderen Menschen aufzuzeigen, wie es gehen kann. Ich habe durch diese SHG hier sehr viele gute Denkanstöße bekommen, hilfreiche und auch schmerzhafte Denkanstöße. Ich war bereit, mich auszutauschen und was anzunehmen. Weil ich was ändern wollte, weil ich nie wieder so leben wollte wie all die Jahre. Das möchte ich jetzt einfach weiter geben. Und ich mache das auch, damit vielleicht der/die Eine oder Andere nicht so lange rumeiert, wie ich das getan habe. Dafür ist ja eine SHG da, um Wege aufzuzeigen. Um sich auszutauschen. Um Erfahrungen weiter zu geben. Um anzunehmen. Um Unterstützung, Rückenstärkung zu bekommen.
Für mich war es gut, mich zu trennen, damals. Es gab keine Liebe mehr, die Sucht beherrschte meinen und Exmanns Alltag. Ich kenne aber auch Paare, die sind zusammen geblieben. Bei denen hat es geklappt, weil beide bereit waren, was zu verändern. Von sich aus!
Ich kenne auch Paare, da hat keiner was geändert... Da wurde dann der Partner gepflegt, schlussendlich, weil er Korsakow hatte. Da war der/die Mitbetroffene selbst krank, sogar selbst alkoholabhängig geworden. Auch das sind Lebensläufe, die passieren! Es hat jeder das Recht, für sich selbst zu entscheiden, wie es laufen soll.
Das ist jetzt einfach mal meine Sicht der Dinge. Ich will hier nicht klug daher schreiben oder jemandem was überstülpen. Ich teile einfach meine eigenen Erfahrungen mit und stelle sie zur Verfügung. Entscheiden muss jeder für sich selbst, das schreibst du ja auch, Julia. Wie geht es dir denn jetzt, nach all den vielen Beiträgen hier?
Viele Grüße
Aurora