Hallo Inga,
das finde ich sehr interessant, was du schreibst. Ich kann das gut nachvollziehen, denn so ähnlich war auch immer mein Lebensschema.
Ich hatte Freunde, für die hätte/habe ich alles gemacht. Denen habe ich alles durchgehen lassen. Denn - ich war glücklich, wenigstens ein paar Freunde zu haben. Ich fühlte mich so klein und unwert, dass ich dachte, es ist was Tolles, dass die mich wollen. Also war ich hilfsbereit, immer offenes Ohr, immer da. Auch ungefragt, wenn's drauf ankam. Ich habe zugehört und wenig gesagt, über mich. Ich dachte, wen interessiert das schon... Ein "nein" gab es bei mir nicht.
Und meine Exmänner, die waren auch so in der Art. Ich war glücklich, dass mich jemand wollte. Ich war (und bin) eine patente Frau. Ich kann z.B. mit der Bohrmaschine umgehen und Schränke zusammenbauen. Wie oft habe ich gewerkelt, während mein Exmann gemütlich ein Bier nach dem anderen gekippt hat... Er fand toll, wie ich so war, denn ich habe alles gemacht. Hausmütterchen, eben die "Muddi" (unter diesem Nick kam ich übrigens damals hier im Forum an).
Ich zog diese Männer wohl an und sie mich. Denn meine Jugendliebe war auch ähnlich gestrickt. Ich fand das doch gut. Und habe gerne bemuttert. Gesorgt, alles gemacht. Damit konnte ich mir doch die Berechtigung verdienen, dass diese Männer mich wollten. Was hatte ich (meiner damaligen Meinung nach) schon zu bieten? Und "nein" sagen, das konnte ich garnicht. Ich konnte doch niemanden verärgern. Wollte immer Liebkind sein.
Dieses Sorgen, diese Stärke, dieses Patente, das machte mich aber auch sehr stolz. Guckt her, auf mich ist Verlass! Wenn was ist, ich bin doch da und richte alles! Ich höre zu und puste den Schmerz weg... Das gab mir Selbstwert, einen Wert, den ich anders nicht spüren konnte. Dass ich wertvoll sein könnte, einfach so, das hätte ich nicht glauben können. Natürlich habe ich damit genau die Typen angezogen, die sowas toll fanden, solche Muddi, machte es doch deren Leben bequem. Und mein Leben machte es eben wert. Wir haben ja beide was davon gehabt.
Nachdem ich diese Änderungen alle gemacht habe, nachdem ich mich auf meinen Weg hier gemacht habe, sah ich immer mehr meinen Wert, bekam immer mehr Selbstvertrauen. Und solche Männer kamen nicht mehr bei mir an. Wenn ich denke, im ersten Jahr nach der Trennung, als ich noch dauernd Kontakt mit meinem Exmann hatte, da schüttelte es mich regelrecht, wenn er wieder diese "Kleine-Buben-Masche" anfing, anfing, auf hilflos zu machen. Das funktionierte plötzlich nicht mehr.
Dante, mit dem ich jetzt verheiratet bin
, ist da völlig anders. Na klar, ein wenig muddimäßig bin ich noch, verwöhne gerne. Aber inzwischen kann ich auch annehmen, mich verwöhnen zu lassen. Ich muss nicht mehr die Starke, Patente sein. Die Übermuddi. Das will er garnicht, ich auch nicht mehr. Denn ich weiß, ich bin was wert und ich muss mir hier nix verdienen. Er ist erwachsen und kann selbst für sich sorgen. Als erstes hat mich damals beeindruckt, wie ernsthaft er mit sich selbst ist, wie er mit seiner Krankheit umgeht. Wie er mich behandelt hat, wie eine Frau, wie er mich ernst in meinen Dingen nahm, auf gleicher Augenhöhe. Und dann kann er kochen
, wow, er hat mich damals eingeladen und hat gekocht
, er kann Wäsche waschen
, staubsaugen
, sieht, wo was aufgeräumt werden muss, macht das ganz alleine...jibt's denn sowatt...
.
Er braucht keine Muddi, und ich brauch keinen Bubi mehr. Ich möchte einen Mann haben. Das habe ich wohl ausgestrahlt, irgendwie. Menschen strahlen was aus, durch ihre Mimik, durch ihre Sprache, durch die Körperhaltung. Da ziehen sich Typen wirklich magisch an. Weil da alte Muster gelebt werden. Und alte Muster vermitteln was Vertrautes. Auf beiden Seiten. Wenn du dich veränderst, die alten Muster langsam abbbaust bzw. umbaust , wirst du auch nicht mehr solche Typen anziehen. Einfach, weil sie auch für dich uninteressant werden. Also wäre Dante so ein Muddisöhnchen gewesen, er wäre nicht mein Mann, heute. Ein Muddisöhnchen hatte ich lange genug, ich war auch lange genug Muddi. Jetzt bin ich Frau! Nicht Weibchen, auch nicht Emanze. Einfach Frau. Ich darf heulen und zicken. Ich darf Schränke zusammen bauen, wenn es sich ergibt. Ich darf aber auch all diese Sachen abgeben und machen lassen.
Und ich habe einige Freunde von damals nicht mehr, ich habe neue dafür. Welche, mit denen ich auf Augenhöhe stehe...
Für mich haben all diese Dinge sehr viel mit dem Selbstwert, dem Selbstvertrauen zu tun. So, und nun habe ich dich schööön vollgetextet. Vielleicht kannst du was damit anfangen.
Liebe Grüße
Aurora