Beiträge von Aurora

    Hallo Leonia,

    du schreibst bei Joanne

    Zitat

    Ich persönlich empfinde es immer als sehr hilfreich, in der Gruppe von Angehörigen von Alkoholikern über meine privaten Angelegenheiten bzgl. meines Mannes zu sprechen. Denn da sitzen allesamt Leute, die auch mit einem Alkoholiker leben oder gelebt haben. Die erzählen dann einfach nur, wie sie gehandelt haben, ohne konkrete Ratschläge zu geben. Dabei kann ich meine Gedanken immer besonders gut sortieren.


    Ich lese es so heraus, dass du damit reale Gruppen meinst. Nun gut, es ist ok, auch in reale Gruppen zu gehen, ohne Frage. Aber ist dir schon mal aufgefallen, dass das hier, das Forum, auch solche Gruppe ist?

    Ich frage mich, warum du das machst, Reklame für reale Gruppen. Hast du schon öfter so geschrieben, wie gut es ist, in eine Angehörigengruppe zu gehen.
    Als was siehst du dieses Forum hier? Interessiert mich jetzt mal. Wofür bist du hier und was versprichst du dir davon?

    Grüße von
    Aurora

    Liebe Joanne,

    Zitat

    es ist so schwer mit jemanden zu reden


    Das stimmt, es ist schwierig, mit Außenstehenden darüber zu reden. Deshalb finde ich es gut, dass du hier wieder schreibst, denn hier kannst du dich austauschen mit Leuten, die wissen, worum es geht und wie du dich fühlst, weil sie es selbst so erlebt haben. Also von mir kann ich das jedenfalls so behaupten, ich kann gut verstehen, was in dir vorgeht.

    Du hast also deine nächsten Schritte jetzt ganz konkret geplant, super. Du willst einen Termin bei der Bank machen. Und dich nach einer Wohnung umsehen. Das sind doch gute Dinge, die du da für dich geplant hast.

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo,

    liebe Nici, erstmal sag ich dankeschön für deine lieben Worte.

    Das Seminar war toll, ich konnte wieder eine Menge mitnehmen, lernen, sehen.
    Ja Nici, es ist schon eine Sache, als Suchtgefährdeten-Helfer tätig zu sein. Da besteht schon immer die Gefahr, sich co-mäßig zu verhalten. Es ist wichtig, sich da abgrenzen zu können, gut in sich selbst zu ruhen. Seine Grenzen zu sehen. Meistens kann ich das. Ich kann aber auch erkennen, wenn ich es gerade nicht kann! Und dann gebe ich ab. Ziehe mich da raus.

    Und jetzt hat mein Hirn wieder gerade ein Knäuel und deshalb hör ich auf mit dem Schreiben.

    Aurora

    Hallo Nici,

    nun bist du also angekommen, im neuen Leben...

    Da muss sich nun erstmal alles einspielen, festsetzen. Es ist vieles noch ganz fremd, vielleicht, noch unsicher. Da fühlst du dich richtig ungeschützt. Ja, solche Gefühle hatte ich auch immer zwischendurch. Da war es ganz komisch in mir. Einerseits war ich glücklich und froh, andererseits aber auch ängstlich.

    So, wie du deine Zeit gebraucht hast, da anzukommen, wo du jetzt bist, wird es auch brauchen, bis es sich gefestigt hat. Deshalb darfst du dich da nicht dran messen:

    Zitat


    Es werden immer mehr Glücksmeldungen hier aufgeführt

    Du bist du, dein Weg ist einzigartig. Und deine Glücksmeldungen werden auch nach und nach ankommen.

    Aaaaaahhhh, ich krieg gerade keinen Gedanken mehr hier aufgeschrieben :? . Gehirnknäuel.

    Ich drück dich
    Aurora

    Liebe Joanne,

    hey, stopp mal. Du bist nicht blöd oder bescheuert. Warum ziehst du dich selbst noch mehr runter. Mach das mal bitte nicht.

    Es liegt nahe zu denken, wie lange willst du das noch mitmachen. Aber das nutzt dir jetzt auch nichts. Dich das zu fragen. Das weißt du selbst.

    Ich frag mal ganz anders. Er hatte einen Rückfall, ganz klar. Wie fühlst du dich jetzt damit? Was kann daraus jetzt für dich als nächster Schritt folgen? Was hattest du dir mal zurechtgelegt für den Fall des Falles?

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo Melanie,

    ja, du bist in sehr vielen Bereichen deines Lebens sehr sicher geworden. Das finde ich toll.

    Wenn du jetzt da in der neuen Beziehung noch ein wenig ruderst, ist es doch auch gut. Eine Beziehung auf dieser Basis hattest du ja noch nicht wirklich, wenn ich es recht verstehe. Also ist es doch in Ordnung, wenn du da noch ein wenig unsicher bist.

    Ich weiß ja, wie es mir so ergangen ist mit der Beziehung zu Dante. Ich erlebe das alles zum ersten Mal, was ich da erlebe. Wir sind jetzt, fast auf den Tag genau, seit 3 Jahren ein Paar, aber noch immer kommen so Unsicherheiten bei mir hoch. Aber am Anfang war es ziemlich dolle mit den Unsicherheiten. Ich hatte Angst vor so vielen Dingen. Angst, wieder enttäuscht, benutzt zu werden. Angst, angelogen zu werden, Angst, mich zu weit zu sehr zu schnell zu öffnen, usw...

    Ich war es gewohnt, dass Männer anders mit mir umgehen wie er. Ich wusste, das Alte wollte ich nie wieder, aber es lauerte noch in meinem Kopf da oben. Es hat gedauert, bis da eine Stabilität in mich kam. Und die Ängste weg waren. Aber noch immer können mich alte Sachen überfallen. Dinge, die mich an frühere Situationen mit meinem Exmann erinnern. Die so ähnlich sind und wo in meinem Kopf erstmal was abgeht, was ich dann erstmal nicht steuern kann.

    Im Urlaub z.B., die Geschichte mit der Sektflasche von der Zimmervermieterin. Die da eine kurze Zeit auf unserem Tisch im Zimmer stand. Und ich stand unter der Dusche und habe gezittert, weil alte Dinge hochkamen und ich Jemanden stehen sah, vor meinem geistigen Auge, mit der Flasche am Hals... Das hatte garnichts mit Dante zu tun, denn ihn kenne ich nur ohne Alkohol. Und ich vertraue ihm da auch. Aber es war was Altes, was da hochkam, was ich erstmal nicht kontrollieren konnte. Ich habe geweint, da war auf einmal alles Alte so präsent für eine kurze Zeit. Dante hat mich beruhigt, getröstet, dann hat mein Gedankenkarussell endlich aufgehört. Es waren nur kurze Momente, dann war wieder gut.

    Sowas ist mir nicht das erste Mal passiert, vielleicht auch nicht das letzte Mal. Ich merke aber, dass ich mit solchen Zuständen immer besser klar komme, auch wenn zuerst der alte Schmerz wieder da ist und die Erstarrung.

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo,

    liebe Grazia, ja, ich verstehe, wie du es meinst. Ich habe inzwischen ja sehr viel über meine Coverhaltensweisen nachgedacht. Jetzt auch in der Beziehung zu meiner Kollegin. Denn das geht schon über ca. 4 Jahre so, also gleichzeitig, als ich anfing, mich zu trennen von meinem alten Leben wurde mir bewusst, dass es da auch nicht funktioniert. Und es stört mich, wie sich meine Kollegin verhält und wie ich darauf reagiere :evil: . Und darum habe ich da auch viel gemacht. Ich habe viel darüber geredet, bzw. geschrieben, im geschlossenen Bereich, und sehr viele Denkanstöße erhalten :D . Und ich kann mich mit Dante darüber austauschen, auch er gibt mir immer wieder kostbares Gedankenfutter :D . Und jetzt merke ich, dass ich eben auch in dem Bereich Kollegin da was verändern konnte, dass es sich immernoch verändert. Also ich verändere mich, sie muss sich da laaangsam irgendwie drauf einstellen. Wobei sie sich nicht grundlegend, grundsätzlich verändern wird, weil sie ja nix Schlimmes an ihrem Verhalten findet. Aber sie muss auf mich reagieren, und das merke ich jetzt und es ist gut so. Dat wird, ick sag's dir :D . Fühlt sich nicht schlecht an...

    Morgen nachmittag, gleich nach der Arbeit, düsen wir Richtung Magdeburg. Da findet wieder ein Seminar statt für unsere Fortbildung zum Suchtgefährdeten-Helfer. Ich bin, wie immer, gespannt. Es ist immer sehr interessant für mich, auch da bekomme ich immer viel für mich. Damit meine ich, ich kann mir immer sehr viel mitnehmen, in Bezug natürlich auf Suchthilfe, aber auch für mich als Mensch. Mein Gruppen-, Sozialverhalten z.B. wird immer sicherer. Ich fühle mich nicht mehr als Außenseiterin im Geschehen, so wie früher. Ich bin zwar nicht die Frau, die sich gerne in Menschenmengen aufhält, die schnell Kontakte knüpft und so. Ich bin eher ruhig und vorsichtig. Aber da haben sich meine Grenzen sehr, sehr stark gelockert. Ich kann mich einbringen und bin mir selbst sicher. Das tut mir gut! Und ich muss nicht vorspielen, krampfhaft, sondern ich erlaube mir, einfach "Ich" zu sein. Und damit erhalte ich sehr viel auch von anderen Leuten. Sie nehmen mich anders wahr, gehen anders mit mir um.

    Ich bin gespannt, jedenfalls, wie's diesmal wird.

    Aurora

    Liebe Blumenwiese,

    mein Exmann hat damals auch so in der Art gehandelt. Er hat sich, in nüchternen Zeiten, erklärt, warum er hatte trinken müssen und dass er jetzt darüber hinweg wäre. So in der Art. Er hat Verständnis gezeigt und zugegeben, wie hart es doch für mich sein müsste. Er hat erklärt, jetzt nie wieder so zu sein. Und er hat dann meine Wahrnehmungen verdreht. Soooo oder soooo wäre es außerdem garnicht gewesen. Wie ich es da beschrieben hätte. Und soooo viel hätte er nicht getrunken. Und die leeren oder mit Wasser befüllte Flaschen könnte er sich nicht erklären... :roll: . Eeeer hätte damit nichts zu tun. Und so weiter in der Art.

    Ich habe ihm das glauben wollen. Denn es nahm mir den Druck, etwas für mich ändern zu müssen. Denn er würde ja jetzt alles besser und anders machen und dann wäre alles wieder so wie in den ersten Jahren. Ich habe mich dahinter versteckt, habe zugelassen, dass er meine Wahrnehmungen verdreht und habe mich selbst als zu pingelig, zu intolerant, zu zickig erklärt. Und vor allem, er erklärte mir oft genug, dass er gerade aus diesem Grund, weil ich doch so schlimm wäre, dann wieder trinken müsste, um seinen Kummer zu ersäufen...

    Ja, ich habe das viele Jahre so gelebt. Und deshalb unter anderem auch, schreibe ich hier darüber. Damit vielleicht dem/der einen oder anderen schon mal eher ein Licht aufgeht! Ich habe leider nicht eher für mich was machen können. Aber irgendwann konnte ich es und ich bin froh darüber. Denn es geht mir jetzt so gut wie nie zuvor in meinem Leben! Besser spät als nie...

    Na gut, du schreibst, du warst schon mal weiter. Na gut, bist du wieder zurück gegangen, ein paar Schritte. Aber das muss ja nicht heißen, dass du dich nicht wieder aufrappelst und weiter vorwärts gehst. Du merkst nun, wie dermaßen schlecht es dir geht. Und du weißt, du hast es schon mal geschafft, ihm die Schlüssel usw. abzunehmen, ihn sein zu lassen. Das hast du geschafft. Warum solltest du es nicht wieder schaffen? Du hast doch gemerkt, dass du es kannst.

    Diese Teufelchen, die dir einflüstern "und wenn ich ihm Unrecht tue..." kenne ich auch. Das sind schon hartnäckige Biester! Vertrau doch einfach deinen Wahrnehmungen, deinen Gefühlen. Dir geht es schlecht, schreibst du. Du merkst, wie du manipuliert wirst. Da hast du das Recht, es zu ändern, dass es dir gut geht. Und du dich selbstbestimmt fühlst. Du darfst aber auch Fehler machen! Du darfst dich irren, auch das ist in Ordnung. Menschen irren sich. Denk mal darüber nach, auch das kann dir den Druck nehmen, ihm vielleicht Unrecht zu tun. Du darfst deine Gefühle ernst nehmen und du darfst Fehler machen.

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo Joanne,

    erstmal finde ich es gut, dass du hier wieder bist. Immerhin ist der Druck anscheinend so hoch bei dir, dass du merkst, es muss was passieren.
    Ich meine, schon das

    Zitat

    Unsere Tochter hat natürlich schrecklich geweint und ich konnte sie nur schwer beruhigen

    ist ein Grund, endlich was zu machen, oder...?

    Ob nun alkohol- oder tablettenabhängig, oder beides, wer weiß, ihr werdet euch immer weiter im Kreis drehen, wenn du nicht endlich was änderst, für dich. Und das habe ich dir schon oft geschrieben, und deine Psychologin sagt es ja auch

    Zitat

    Meine Psychologin hat mir auch gesagt,das ich wahrscheinlich noch Jahre so dahin leben werde,wenn ich nichts ändere

    Was hält dich ab, etwas zu tun? Denk mal nach, ganz ehrlich mit dir selbst. Wovor hast du Angst? Was kann dir schlimmsten Falles passieren, wenn du es wahr machst, deine Drohung, zu gehen?

    Liebe Grüße
    Aurora

    Liebe Dagmar,

    ich würde ihn darauf ansprechen und ihm meine Wahrnehmungen schildern. Und ihm sagen, dass es mir Gedanken macht.

    Warum soll er nicht wissen, warum ihn nicht ansprechen. Du weißt ja, dass du im Endeffekt nichts machen kann, wenn er es so will, dann ist es so. Aber du kannst ihm doch deine Meinung sagen, mit ihm reden darüber. Und ihm sagen, dass du es schade findest.

    Grüße von
    Aurora

    Hallo,

    liebe Grazia, ganz lieben Dank für die Grüße!

    Hab ich eigentlich schon geschrieben, dass für unsere kleine Erbse ein Geschwisterchen unterwegs ist? :D:D:D . Juhuuuu, ich werd wieder Oma, ist das nicht schön?!

    Ich freue mich. Vor allem, weil ich diese Zeit, mein Leben jetzt, so intensiv genießen kann. Weil mein Leben schön ist und es Spaß macht, es zu leben!

    Es gibt auch immer wieder mal blöde Dinge. Zum Beispiel ist mein Problem mit meiner Kollegin immer mal wieder aktuell. Obwohl sie nicht Alkoholikerin ist oder so schafft sie es immer wieder, durch ihr Verhalten, auch mich in altes Co-Verhalten zu stoßen. Boah, diese Dinge funktionieren noch immer. Mal weniger, aber mal flutscht es nur so. :? . Mein Vorteil gegen früher ist aber, dass ich mir Gedanken darüber mache. Und Strategien dagegen entwickeln kann. Von daher klappt das auch immer besser, mich da abzugrenzen.

    Aurora

    Hallo Blumenwiese,

    du hast letztens in einem Beitrag geschrieben

    Zitat

    Ich eiere hin und her. Genau Aurora, Du hast völlig Recht! Da mir einzugestehen ist noch ein Grund, mich noch kleiner und dümmer zu fühlen. Denn ich weiß im Grunde, dass es so nicht geht und kann mich do zu keiner Entscheidung durchringen. Rumeiern bringt mir gar nichts.


    Dazu möchte ich dir noch was schreiben. Du sollst dich nicht kleiner und dümmer fühlen, durch das Einsehen, was da bei dir passiert. Diese Rumeierei. Warum denkst du, dass du deswegen dumm bist? Ich möchte dich mit meinen Beiträgen nur mit der Nase auf was stoßen, dich aufmerksam machen. Denn dann kannst du darüber nachdenken. Und wenn du nachdenkst, kommst du in Schwung und kannst was ändern. Wenn du es ändern willst...

    Die Eierei geht weiter. Er eiert ja genauso rum, weil er merkt, wie unsicher du bist. Du machst Androhungen und gibst ihm Dinge zu verstehen, aber so richtige Konsequenzen folgen daraus nicht. Das merkt er ja und nimmt dich nicht richtig ernst, sondern versucht, dich weich zu klopfen. Damit du weiterhin seine Co bist.

    Zitat

    Aber wird wirklich alles gut? Kann er sich ändern so von jetzt auf gleich?

    Warum willst du warten, bis er was ändern kann, was ändert? Warum gibst du die Verantwortung für dein Wohlbefinden, was du dir von seiner Veränderung erhoffst, an ihn ab?
    Du kannst ja nicht in ihn reinsehen. Wissen, was jetzt weiter geht, kannst du nur für dich. Nicht für ihn. Das muss er ja entscheiden, was er meint, wie es für ihn weitergehen soll. Damit meine ich, du hast es für dich in der Hand, deinem Leben die Wende zu geben, damit es sich wieder gut anfühlt. Für dich.

    Liebe Blumenwiese, ich schreibe dir diese Dinge hier, weil ich ja selbst damals in einer ähnlichen Lage war. Ich habe auch rumgeeiert, viele Jahre sogar. Und ich weiß, es ist nicht einfach, das zu ändern, aber ich weiß, es ist nicht unmöglich!

    Ich drück dir die Daumen, dass du deinen Weg immer besser sehen kannst, dich auch traust, ihn zu gehen...

    Liebe Grüße
    Aurora

    Huhu Eklisee,

    keine Sorge, ich habe es schon richtig verstanden und weiß, dass du nicht mich damit gemeint hast.

    Mir sind dabei vorhin nur diese Sachen auch eingefallen, manchmal ist das so bei mir. Da lese ich was und es fällt mir spontan was auf oder ein. So eben auch meine Dinge von damals. Ich fühlte mich einerseits klein gemacht von ihm. Andererseits fühlte ich mich aber ihm auch überlegen, wenn er betrunken war. Dann hatte ich das Zepter in der Hand und das ließ mich irgendwie gut fühlen. So mächtig.

    Ich hoffe, deine Erkältung ist nicht allzu arg.

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo,

    liebe Regenbogenblume, danke für deine Worte.

    Huhu Eklisee, hab schön geschlafen.

    Und das Wochenende war toll. Das Wetter war super und Sonnabend hatten wir einen schönen Ausflug. Danach waren wir zu kaputt, um noch auf diese Veranstaltung zu gehen, es war sowieso nicht so ganz klar, wo und wie und was da so abging. Richtige Infos hatten wir eh nicht.

    Gestern habe ich wieder Gartenarbeit gemacht. Bei den Kindern. Heute tut mir wieder alles mögliche weh, Muskelkater... :? . Und um ein paar Mückenstiche bin ich auch reicher :evil: . Diese Biester aber auch. :twisted: .

    Aurora

    Hallo Eklisee,

    ich freue mich schon darauf, dich dann demnächst im geschlossenen Bereich zu treffen :) .

    Du schreibst

    Zitat

    Jedenfalls hatte ich nie dieses Aufopferungsbedürfniss, mich um den schwachen Partner kümmern zu wollen. Ich will einen Partner auf Augenhöhe.


    Ehrlich, dieses Aufopferungsbedürfnis hatte ich auch nicht, erstmal. Ich wollte immer einen Partner auf Augenhöhe.

    Das Merkwürdige daran ist, dass im Endeffekt doch alles anders war. Mein Exmann hatte eine Art, die rief in mir einfach "die Muddi" hervor... (so war übrigens mein Nick, als ich hier ankam...). Ich hatte schon eine Vorstellung von Ehe, Partnerschaft, Elternschaft. Die war ganz anders als das, was ich gelebt habe. Es war sehr widersprüchlich.

    Zuerst hatten wir das auch, aber im Laufe der Zeit wurde ich immer kleiner und er immer mächtiger. Einerseits. Andererseits wurde er immer hilfloser und ich hatte die Macht... Wenn er betrunken war, dann war ich die Starke, Mächtige. Das ließ mich auch irgendwie gut fühlen. Auch wenn ich mich schlecht fühlte. Diese ganze Coabhängigkeit ist sehr komplex und kompliziert.

    Aber egal, wie es war, es drehte sich immer alles nur um seine Befindlichkeiten.

    Hm, gerade habe ich den Faden verloren. :? . Es ist auch kompliziert, es zu erklären. Vielleicht kannst du trotzdem was anfangen mit meinem Beitrag...

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo Emma,

    du schreibst:

    Zitat

    Ich bezeichne die Co-Abhängigkeit für mich, als eine Krankheit der
    1000 Kränkungen.


    Ich habe da ein ganz anderes Bild über Coabhängigkeit, meine Erfahrungen, die ich als Coabhängige lange Jahre lang gemacht habe.
    Mein Exmann hat im Laufe der Ehe immer mehr getrunken, irgend wann war er abhängig. Und ich bin da mit so reingewachsen. Ich wurde immer unglücklicher, denn es passte mir nicht, was ich sah. Aber er rief in mir verschiedene Dinge hervor durch seine Sucht.
    Mitleid. Wie tat er mir leid, weil er ja im betrunkenen Zustand so hilflos war. Wie toll für mich, da musste ich mich doch kümmern, denn ohne mich wäre er ja völlig hilflos. Ich hab das ja gemacht, weil ich mich gebraucht gefühlt habe.
    Er kümmerte sich nicht, also machte ich alles. Das ließ mich stark fühlen, denn ohne mich würde doch alles den Bach runter gehen.
    Ich fühlte mich verantwortlich für ihn, denn er war doch sooooo schwach, der Arme, und ich war doch soooo stark. Meinen Selbstwert, den ich nicht hatte, holte ich mir über diese Dinge.

    Mein Umfeld fand mich toll. Selbstlos und stark wurde ich genannt, "wie gut du doch bist, das auszuhalten". Das machte mich stolz und ich fühlte mich gebraucht, geliebt. Ich machte und schaffte wie eine Verrückte, denn ohne mich würde ja nix funktionieren.

    Ich selbst vergaß meine eigenen Bedürfnisse darüber. Ich hatte genug zu tun, es allen Recht zu machen, vor allem musste ich zusehen, gute Situationen zu erhalten, damit Exmann keinen Grund zum Saufen fand. Denn ich dachte doch, er macht das, weil ich nicht gut genug wäre. Weil ich dies oder das falsch gemacht hatte. Das erzählte er mir ja auch oft genug, dass es so wäre... Ich machte Striche an Flaschen, probierte die Kronkorken an Bierpullen, ob sie zu waren. Ich schüttete Reste oder auch volle Flaschen weg, versteckte sie vor ihm. Und trank mit ihm mit... Denn dann hätte er ja weniger. Ich war schlussendlich schon auf dem besten Weg, selbst abhängig zu werden. Vom Alkohol. Von ihm und unserem Leben war ich schon längst abhängig. Ich brauchte diesen Thrill, den Stress. "Ach, bin ich wieder fertig." "Na, was du auch alles schaffst, du bist doch so stark. Was würde er ohne dich machen, das ginge doch garnicht."

    Alles drehte sich nur um ihn, um sein Trinken und um sein Wohlbefinden, damit er eben nicht trank (was nicht funktionierte, logisch).

    Ich hatte schon Gefühle. Immer auf ihn bezogen. Ich liebte ihn, denn er war doch so schwach, so hilflos, so sensibel. So lebensuntauglich, der Arme. Wie ein Baby.
    Ich hasste ihn, denn er enttäuschte meine Erwartungen, war anders, als ich es mir erträumt hatte, er war schmutzig und zitterig und fordernd und stinkend. Er beschimpfte mich und machte mich klein. Er überließ mir alles und war betrunken, auch wenn wir was Schönes geplant hatten. Er enttäuschte mich dauernd.

    Und trotzdem, ich hing daran wie eine Klette, denn ich konnte ihn doch nicht im Stich lassen... usw. Wieder von vorne.

    Das und noch viel mehr ist für mich Coabhängigkeit. Das, was ich geschrieben habe, ist ein minimales Spektrum davon. Und so habe ich es erlebt, gelebt.

    Und deshalb ist das

    Zitat

    während ihr Co sich zudem hat kümmern müssen.

    eine falsche Aussage, in meinen Augen.
    Denn mich hat ja niemand dazu gezwungen, mich zu kümmern, es aushalten zu müssen. Ich habe das freiwillig gemacht!
    Denn ich fand mich toll, stark, gebraucht, wichtig. Und auf der anderen Seite hatte ich Angst, mich zu trennen, Angst wie irre, was zu verändern. Denn ich hatte keinen eigenen Wert, so fühlte ich mich, Wert hatte ich durch diese Beziehung. Das waren meine Gedanken damals.

    Und darum war ich eines Tages so weit, dass ich über Selbstmord nachdachte. Ich hielt es einfach nicht mehr aus, diesen ganzen Druck. Mir tat alles weh. Ich hatte körperliche Symptome, psychisch schon sowieso. Da konnte ich langsam anfangen, an mich zu denken. Denn eigentlich wollte ich ja leben...

    Und deshalb bin ich hier gelandet, im Forum. Denn ich wollte endlich was für mich machen. Ich bin hier die Person, nicht mein Exmann. Ich begriff, dass alles, was ich da für ihn gemacht hatte, ihn nur noch länger in seinem bequemen Trinkerleben festgehalten hatte. Denn durch meine "Fürsorge" hatte er keine weiteren Sorgen, außer, dass immer genügen Stoff da war. Und meine Heul- und Schreiattacken nahm er eh schon längst nicht mehr für ernst.

    Ich lernte, dass es um mich geht und um meine Befindlichkeiten und um mein Verhalten. Ich lernte, Selbstvertrauen aufzubauen und meinen Wert zu sehen. Und noch viel mehr. Die vielen Kränkungen und Dinge, die er mir zugefügt hatte, die verblassten, denn ich erkannte, wie die Krankheit Alkohiolismus funktioniert und die Coabhängigkeit. Ich erkannte, dass es zwei Seiten sind, nicht nur eine!

    Früher hatte ich ihm die Schuld an allem gegeben. Jetzt sah ich meinen eigenen Anteil daran! Und dann konnte ich beginnen, aufzuarbeiten, zu verarbeiten und meinen Weg zu gehen. Das Forum hier war und ist mir dabei eine große Unterstützung! Ich habe mir Hilfe gesucht und auch gefunden, in dem ich mich austauschte, von meinen Erfahrungen schrieb und schreibe, erkannte, wie andere vor mir ihren Weg gegangen waren. Indem ich annahm, auch wenn es weh tat, denn nicht alles wollte ich erstmal hören.

    Erkennst du dich denn in meiner Beschreibung irgendwo wieder? Ich meine, ich hab mich in soooo vielen Beschreibungen wieder erkannt. Der Mechanismus ist immer ähnlich, die Verhaltensweisen. Deshalb trifft das

    Zitat

    einerseits wer immer nur in den Spiegel sieht, sieht nur sich selbst

    ja eindeutig zu...

    Aurora

    Hallo,

    und huhu nici, es gab ja mal eine lange Zeit in meinem Leben, da war dieses Außenbild fast lebensnotwendig für mich. Ein Deckel für die Wahrheit. Das hat sich stark geändert, darüber bin ich froh, denn es war unheimlich anstrengend, dieses Bild aufrecht zu erhalten. Es gibt in meinem Leben immernoch solche Aha-Momente, wo Knoten in meinem Kopf aufgehen.

    Hallo Eklisee, in deinem Leben gibt es zur Zeit noch viele Eventualitäten. Du bist noch nicht so sicher, wohin dein Weg gehen wird. Das ist eben so, hauptsache der Weg geht nicht rückwärts. Aber dafür bist du schon zu weit gegangen.
    Ich sag dir, Oma-Sein ist schöööön :D . Und ich kann das genießen, weil ich in meinem Kopf frei dafür bin. Da ist kein Druck und Zwang mehr, ich kann mich auf's Genießen der Zeit mit dem Enkelchen konzentrieren. Das wäre früher so nicht möglich gewesen.
    Schön, dass du zu deiner Tochter ein solch entspanntes Verhältnis haben kannst. Aber für die Kinder aus Familien mit einem oder beiden Elternteilen, die abhängig sind, ist es auch sehr schwierig. Sie leiden sehr unter dieser Situation, nehmen Rollen ein, die sie nicht Kind sein lassen, kriegen mehr mit, als die Eltern denken.
    Ich wünsche dir auch viel Spaß am Wochenende, lass es dir gut gehen!

    Aurora