Hallo Eklisee,
ich kann deine Gedanken gut nachvollziehen, denn ich habe ja selbst in diesem System festgehangen. Insgeheim wusste ich, ich will einfach keine Ehe, Beziehung mehr mit meinem Exmann, aber ich war schlicht und ergreifend zu feige, das auch öffentlich zu sagen! Immerhin hatte ich schon den Schritt der Trennung geschafft, dadurch hatte ich Raum für mich, das war sehr wichtig. Denn so stand ich nicht unter Dauerbeschuss, sozusagen. Denn mein Ex trank nicht mehr, aber alle anderen Verhaltensweisen waren so wie vorher. Meine auch...
Ich hatte für mich viele Ausreden, warum ich ihn nicht "abschmettern" konnte. Denn er bestand beharrlich darauf, die Freizeiten zusammen zu verbringen, er setzte mich unter Druck, stritt herum. Wenn ich mal was alleine unternahm. Ich war schlicht und ergreifend nicht in der Lage, da Grenzen zu setzen. Ich war einfach zu feige dazu, was daraus für Konsequenzen entstehen könnten. Z.B., dass er dann verletzt sein könnte, und darum wieder anfangen könnte zu trinken. Dass er von sich aus Schluss machen könnte, eine andere Frau als Trösterin nehmen könnte. Und dass ich den Kindern da irgendwas nehmen könnte, indem ich mich von ihrem Vater trennen würde.
Alles fade Ausreden... Ich war einfach zu feige. Da war Angst vor der endgültigen Trennung. Denn dann hätte ich keinen Mann mehr. Wie sieht das denn aus in der Gesellschaft, Familie? Und eben die Angst, dass er ja dann so traurig sein könnte, wo er doch extra für mich (so empfand ich das und so machte er es mir weis) nun nicht mehr trank... Und dass ich zugeben müsste, gescheitert zu sein, so war das in meinem Kopf jedenfalls, gescheitert zu sein in meinem Lebensplan. Und dass ich mich geirrt hatte in meinem Exmann, er war eben nicht der Idealmann für mich, wie ich es mal dachte, die ersten paar Jahre...
Und er schwor mir Liebe und schenkte mir Dinge, all sowas, was er schon Jahrzehnte nicht mehr gemacht hatte.
Meine Güte, da konnte ich doch nicht so sein, oder? So pingelig. Nun hab dich nicht so, nun strengt er sich doch so an... sowas bekam ich zu hören, aus meinem Umfeld. Das riss mich in noch größeren Zwiespalt, denn insgeheim wollte ich aber pingelig sein, ich wollte mich so anstellen. Ich wollte ihn nicht mehr, er ekelte mich an. In jeder Hinsicht.
Es ist ein Hinhalten für beide, so empfinde ich es, was bei dir abgeht. Es ist Unehrlichkeit, dir gegenüber, weil du nicht zu deinen Gefühlen stehst. Und ihm gegenüber, weil du ihn einerseits wegstößt, andererseits aber keine Konsequenz daraus entsteht.
Das schreibe ich mal so, denn so habe ich es damals für mich gesehen, endlich irgendwann. Da konnte ich es aussprechen und mich endlich trennen, richtig trennen.
Es gibt auch Beziehungen, die können wieder funktionieren, wenn beide an sich arbeiten, sich verändern wollen. Das erfordert viel, aber es kann gehen. Aber da muss dann auch Liebe sein und gegenseitige Achtung und Toleranz, all sowas. Hast du das für deinen Mann?
Viele Grüße
Aurora