Hallo Eklisee,
wenn ich deine Beiträge lese, sehe ich, dass du meinst, die ganze Verantwortung alleine zu tragen, tragen zu müssen.
Du schreibst an Leonie, dass du es geschafft hast, deinen Mann zur ambulanten Therapie zu überreden. Das ging nicht so gut, deshalb macht er nun eine stationäre, und du schreibst, dass du es für ihn richtig findest so. Was sagt eigentlich dein Mann dazu? Will er denn das überhaupt? Denn was du findest, welche Therapie für ihn richtig ist oder ob er es überhaupt will, ist egal. Er muss es wollen!
Du schreibst auch, dass alles zuhause in deiner Verantwortung lag/liegt, Haus, Familie usw. Das ist ja immer der Fall in Beziehungen zwischen Alkoholiker und Coabhängigem, der Co übernimmt die Verantwortung für alles, entmündigt sozusagen den Abhängigen. Der das auch geschehen lässt, weil es ihn in Ruhe seiner Sucht nachgehen lässt, es ist bequem. Der Co fühlt sich stark und gebraucht, ohne ihn geht eben nix... Und das geht dann so, bis es nicht mehr geht, kräftemäßig. Der Co vergisst sich selbst darüber.
Dass du nun für ihn Mitgefühl, Mitleid empfindest, das kann ich gut nachvollziehen, denn diese Gefühle hatte ich auch! Ich habe mich auch nach der Trennung noch immer verantwortlich für meinen Exmann gefühlt! Ich habe immernoch gedacht, alles steigt und fällt nur mit mir... Ich dachte immernoch, ohne mich geht er unter. Ich fühlte mich noch immer so mächtig und unabkömmlich. Nach und nach habe ich aber begriffen und gelernt, dass ich keine Verantwortung für ihn habe, denn er ist erwachsen! Es liegt nicht in meiner Hand. Das einzige, was in meiner Hand liegt, ist mein eigenes Leben! Dein Mann ist genauso erwachsen, er kann alleine Verantwortung tragen für seine Handlungen. Auch wenn es ihm dann weh tut. Traust du ihm nicht zu, dass er es kann? Warum sollte er es nicht können?
Du schreibst
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Nur für mich gesehen, wäre der Abstand schon richtig gewesen um herauszufinden, was für mich gut ist.
Das ist der Hauptsatz! Ja, es wäre für dich richtig, Abstand zu haben um zu sehen, was du willst. Du hast da zugunsten anderer, deines Mannes und Sohnes, einfach deine eigenen Empfindungen und Bedürfnisse über den Haufen geworfen. Du willst ihnen nicht weh tun... und nimmst damit in Kauf, dir selbst weh zu tun. Denk mal drüber nach.
Was heißt, ihr leistet euch zwei Haushalte... Genau dieses Argument hat mein Ex auch immer gehabt, damals. "Wir leisten uns 2 Haushalte, na ja, das geht schon mal. So lange, bis du wieder normal geworden bist!"
Sowas hat er dauernd zu mir gesagt, damals. Ich hatte dann immer den Einwand, dass es ja einen Grund gehabt hatte, dass ich mich getrennt hatte. Und ich hatte dabei massig Schuldgefühle, weil ich mir was rausnahm, was mir anscheinend garnicht zustand...Gut, dass ich da dem Druck standgehalten habe, den ich fühlte. Einmal war ich sogar so weit, alles hinzuschmeißen und zurück zu gehen. Nur um den Druck, diese Schuld nicht mehr spüren zu müssen.
Ich sehe es so, dass du es dir leistest, dir eine Wohnung zu nehmen, um endlich in Ruhe durchatmen und zu dir finden zu können. Oder? Na klar gibt es da finanzielle Gründe, aber da gibt es sicherlich Wege, das zu regeln. Ich kann auch verstehen, dass du an dem Haus hängst. Bei mir war es damals die Eigentumswohnung. Und in dem Wohnhaus, wo die ist, leben ja auch meine Eltern... Das hat mich lange dort gefesselt. Ich wollte doch da nicht weg! Und die Kinder, ich konnte denen doch nicht das Elternhaus kaputt machen...
All solche Gedanken hatte ich ja auch lange Jahre! Das waren Argumente, um mich zu beruhigen, um mich zu rechtfertigen, warum ich nicht handeln musste! Denn das wäre mir damals unmöglich gewesen. Ich bin heute noch heilfroh, dass ich irgendwann, durch winzige Schritte, die ich machte, dann dazu in der Lage war, all das zu ändern. Mein Leben ist heute sehr glücklich und frei!
Du schreibst
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Ich bin dem ganzen irgendwie noch nicht gewachsen. Aber der momentane Zustand ist auch belastend.
Gut, das ist doch eine Aussage. Du fühlst dich dem Ganzen noch nicht so ganz gewachsen. Das ist doch ganz klar, Veränderungen machen immer Angst. Du kannst aber dafür sorgen, dass du ganz langsam immer ein Stück mehr weitergehst, für dich. Lernst, Grenzen zu setzen und dich selbst mit deinen Gefühlen ernst zu nehmen. Lernst, deinen Mann loszulassen, damit meine ich, ihm seine Eigenverantwortung wiederzugeben. Indem du dich hier austauschst, machst du ganz viel für dich! Du kannst dich selbst reflektieren, bekommst Feedback und dadurch wirst du immer mehr nachdenken und handeln können. Wenn du es willst!
Ich will dich auch nicht zur Trennung überreden. Ich möchte dich einfach aufmerksam machen für dich selbst und deine Bedürfnisse. Dass du siehst, was heute für dich gut ist. Denn heute lebst du und legst deinen Grundstock für morgen. So war es jedenfalls bei mir. Ich gebe dir hier ja meine eigenen Erfahrungen wieder. Ich hoffe, du kannst was damit anfangen.
Liebe Grüße
Aurora