Hallo,
liebe nici
, ich kann dir sagen, warum ich so nach Anerkennung gehechelt habe...
Ich hatte sehr wenig Selbstwertgefühl. Es liegt an verschiedenen Dingen, warum das so war. Ich war damals glücklich, als mein Exmann bereit war, mich zu heiraten. Damit erfüllte sich ein großer Wunsch: geheiratet zu werden. Das machte mich vollwertiger. Jemand wollte mich haben. Ich hatte keine so gute Meinung von mir, von meinem Äußeren, meinen Haaren, meiner Figur und überhaupt. Da hatte ich meine Erfahrungen mit, was andere so darüber dachten, dachte ich...
Und darum war ich froh, dass mich einer doch wollte. Und dann noch einer, der einen guten Job hatte und auch gut verdiente. Also musste ich es mir auch verdienen, dass er mich weiterhin auch will. Ich dachte, ich müsste meine (angeblichen) Makel mit Aufopferung wett machen.
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Und ebenso musste ich mir Liebe und Anerkennung verdienen, damit ich in den Augen der Außenwelt eben auch diesen Mann verdiente und dieses Leben. Ich musste gut sein, fleißig, eine gute Mutter, perfekte Hausfrau, liebevolle Ehefrau usw. Es musste perfekt sein, nach außen. Ich dachte ja, ich bin nur wert durch ihn und das Leben, dass er mir ermöglichte.
Und damit war ich schon mit Krümeln zufrieden, die er mir zugestand. Zuerst habe ich das nicht bemerkt, dass es Krümel waren, das wurde mir erst im Laufe der vielen Jahren immer klarer. Weil ich sah, wie andere Frauen bzw. Paare lebten. Da war ich neidisch drauf, aber ich dachte, na ja, hab es nicht besser verdient. Und andere Männer sind auch nicht besser und wer weiß und überhaupt. Und ich könne doch zufrieden mit dem sein, was ich habe. Mir fehlte es doch an nix, war doch alles tutti, Geld war genug da und die Kinder wuchsen heran. Und ich klammerte mich an mein Eheleben wie eine Klette, weil ich dachte, ich bin nur dann was wert...egal, um welchen Preis, was anderes steht mir irgendwie nicht zu oder so.
Und der Ex trank immer mehr...
Ich suchte - natürlich - die Schuld bei mir. Zuerst war das Trinken ja nur auf Wochenenden beschränkt, meistens, jedenfalls das exzessive Trinken. Denn er trank ja jeden Tag, nur nicht bis zum Umfallen. Es passte mir nicht und es gab Streit. Und er machte mir klar, was er von mir hielt, im Laufe der Jahre machte er mich immer weniger. Noch weniger, als ich eh schon war. Ich dachte, na ja, was soll's, Liebe, na ja... Und ich war froh, wenn er mir Krümel zuwarf, um mich bei Laune zu halten.
Das verwechselte ich mit Liebe. Ich dachte, wenn ich mich hier aufreibe und Striche an Flaschen mache, wegschütte oder mittrinke, mach ich das alles nur aus Liebe. Denn ich will ihm ja helfen damit, ich bin doch so gut und voller Aufopferung. Wenn er Besserung versprach, war ich glücklich, fühlte mich wertvoll und wichtig. Wenn er dann wieder weitertrank, war alle Wichtig- und Wertigkeit, die ich dachte zu haben, für die Katz. Ich machte all das nur abhängig von ihm.
Aber auch in anderen Dingen war mir wichtig, was die Menschen da draußen von mir dachten. Wenn sie mich lobten, war ich mir wichtig und fühlte mich geliebt. Ich war abhängig von den Meinungen der Menschen um mich rum. Abhängig, Lob zu bekommen für meine Leistungen. Nur dann konnte ich mich selbst schätzen, fühlte ich mich wertvoll und geliebt. Das war sehr anstrengend, diese Leistungen, und ich musste immer mehr leisten, um mich wertvoll fühlen zu können.
Und der Ex trank immer mehr...
Und auch da wurden die Anstrengungen immer größer, ihn zu retten. Denn ich dachte, nur ich hätte das in der Hand. Weil ich ja auch Schuld war an seiner Trinkerei. Das hatte er mir ja immer wieder versichert, er müsse ja trinken, weil ich so... oder so... oder sooo... war und nicht anders.
. Boah, war das schwierig, immer musste ich mich drehen und wenden und ackern, um was spüren zu können.
Irgendwann konnte ich nicht mehr. Mein Leben bestand nur noch aus ihm und den anderen. Vor allem aus ihm. Wie und wann und wo wird er wieder saufen. Wie kann ich das verhindern. Was denken die anderen. Ich hatte Angst, es könne was passieren, und ich muss ihn dann finden, erstickt am Erbrochenen oder erhängt, was er oft genug angedroht hatte. Und die anderen Menschen um mich rum machten mir klar, ohne mich würde er aber erst recht untergehen und ich müsse mich eben noch bissi mehr anstrengen...
So ging das, Zwang, Kontrolle, Angst, Null Selbstwert und Achtung für mich, Gefühle hatte ich kaum, nur negative wie eben Hass und Angst. Körperliche Symptome hatte ich schon längst. Irgendwann regte sich so ganz wenig Eigenliebe in mir, das letzte Flämmchen, was da kurz vor dem Auslöschen war. Und ich begann, mich umzusehen. Nach einer SHG, nach Infos, Rechtsanwalt und so. Es dauerte aber noch zwei Jahre, bis ich endlich konkret was machen konnte. Und da fand ich auch das Forum.
Ich begann hier den Austausch und trennte mich. Eine Zeit der Rumeierei begann, denn mein Ex wurde trocken, als ich mich trennte. Ich begann aber, ganz offen und ehrlich an mir was zu sehen. Ich sah hin und begann, Gefühle zu spüren, für mich. Denn ich wusste, ich will nie wieder da hin, wo ich war, nie wieder! Ich wusste, das geht nur, indem ich ehrlich zu mir bin, zu mir! Ich bin niemandem anders Rechenschaft schuldig außer mir! In meinem Leben bin ich wichtig und meine Gefühle. Dafür bin ich zuständig, nicht für das Wohlergehen der anderen. Es ist egal, was andere von mir denken, wenn ich nur weiß, dass es gut ist für mich, wie ich's mache.
Ich lernte sehr viel. Durch das Forum und die Auseinandersetzung mit mir. Als ich feststeckte, suchte ich mir eine Therapeutin und machte eine Therapie. Das hat mir sehr geholfen. Durch diese ganzen Dinge konnte ich meinen Selbstwert wiederfinden, ihn sehen. Ich konnte mich annehmen, wie ich war und bin. Ich konnte mich von alten Mustern lösen, von vielen jedenfalls, manchmal tauchen sie noch auf, aber ich kann sie erkennen und verändern. Ich bin noch immer gnadenlos ehrlich zu mir, gelogen, vertuscht und getäuscht habe ich lange genug. Ich bin noch immer auf meinem Weg.
So, jetzt hab ich einen Roman verfasst 
, na ja. Und da ich ehrlich bin zu mir selbst, weiß ich, dass es mich freut, wenn ich Gäste habe und die sich wohlfühlen. Auch wenn ich nicht verantwortlich bin für das Wohlfühlen der anderen. Das ist ja klar. Aber ich freu mich, wenn sie es tun. Und der Kuchen war lecker
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Ich kann aber heute damit leben, wenn es nicht so ist, denn ich muss mir nichts mehr verdienen oder erkämpfen. Und darum habe ich auch die Anwesenheit meiner Enkelin genossen und mit ihr auf dem Flur Ball gespielt, weil sie es wollte. "Oooooma, sooooo lange Ball spielen, noch länger..." . Früher hätte ich das nicht gemacht, ich war ja für den Besuch zuständig, nicht für mich und meinen Spaß. Der Besuch hat sich mit sich selbst und Dante prächtig unterhalten, glaub ich. Ich hab's jedenfalls getan, mit dem Erbschen. Denn das bin ich mir wert, dass es mir gut geht, das kann ich mir gönnen, jetzt. Und mir geht's eben gut, wenn ich mit meiner Erbse Ball spiele
, auch wenn die Gäste - vielleicht - dann dumm aus der Wäsche gucken.
So, Ende des Romans.
Aurora