Hallo liebes Sonnenblümchen,
also ich kann von mir nur sagen, meine Gutmütigkeit war reiner Zweck dazu, um mir Liebe und Anerkennung zu verdienen. Von den anderen, denen ich meine Gutmütigkeit angedeihen ließ. Ich wollte in einem guten Licht da stehen, und da mein Selbstwert irgendwo im Keller in einer Ecke verstaubte, holte ich mir Selbstwert über diesen Weg. Ich sah nicht mich als liebenswerte Person, wie ich von Natur aus bin, sondern ich meinte eben, es mir erarbeiten zu müssen. Ich konnte es nur durch andere Menschen bekommen, das Selbstwertgefühl.
Und meine Gutmütigkeit gab mir Macht. Macht über meinen trinkenden Exmann. Denn was wäre er wohl ohne mich? Ein Nichts, denn ohne mich wäre er ja untergegangen. Verkommen. Haltlos. Und ich, die Gutmütige, reichte ihm immer wieder souverän die Hand, um ihn zu retten, wenn er aus seinen Suffzeiten langsam wieder auftauchte. Ich, die Gutmütige, nahm doch alles auf mich für ihn. Um ihn zu retten und vor der ganzen Welt als die "Gute" da zu stehen.
Ich, die Gutmütige, nahm alles auf mich, um ein wenig wertvoll zu sein in den Augen der anderen, um mir Liebe zu erarbeiten, um Macht zu haben, um meine eigene Angst und Schwäche nicht mehr spüren zu müssen. Um nicht als die "Böse" da zu stehen, die ihren armen, saufenden Mann da einfach so links liegen lässt. Oder vielleicht sogar eigene Bedürfnisse hat...
Oh, wie war ich gutmütig! Und weia, wie wurde ich ausgenutzt, wie habe ich mich benutzen lassen, wie sehr habe ich mich verdreht. Ich war ja grenzenlos gutmütig. Und bin daran fast zerbrochen...
Liebes Sonnenblümchen, das sind meine Gedanken und meine eigenen Erfahrungen dazu. Das ist mir so beim Lesen deines letzten Postings durch den Kopf gegangen. Vielleicht kannst du was davon für dich auch sehen?
Liebe Grüße
Aurora