Hallo,
liebe Monty
, und alle, die es noch interessiert...
Meine Tochter hat die Arbeitsstelle! Sie freut sich darüber, aber 100%ig die Traumstelle ist es nicht. Es gibt Vor- und Nachteile. Na gut, das ist so, im "wirklichen Leben". Aber es ist erstmal gut, dass sie die Stelle hat.
Ich bin immer wieder sehr erstaunt und auch stolz, wie zielstrebig meine Kinder ihr Ding machen. In dem Alter, in dem meine Tochter jetzt ist (sie ist 28 Jahre jung), da habe ich unsicher rumgehockt, zu feige, rauszugehen und mein Leben in die Hand zu nehmen. Die Alkoholproblematik nahm da ihren Anfang, bzw. wurde mir immer bewusster, obwohl es nicht in dem Maße dramatisch war wie die letzten Jahre. Exmänne ist da reingerutscht, nach und nach, von Wochenendsäufer zum Immer-mehr-Säufer. Sozusagen. Ich meine damit, es steigerte sich unmerklich über viele Jahre nach und nach, Abstände wurde kürzer und so weiter. Und ich?
Ich lebte so mein Leben als Mutter und Hausfrau. Mein Selbstwert wurde immer kleiner, groß war der sowieso nie. Eher winzig, dann wurde er minimalistisch, dann war er - hm -
, verschütt gegangen. Exmänne und seine Familie, das war, was mein Leben bestimmte und immer mehr versauerte.
Als ich arbeiten gehen konnte, da war ich ca. 13 Jahre lang Hausfrau gewesen, da fühlte ich mich mehr wert. Aber Ex konnte mir diesen Zahn auch gut ziehen, machte meine Arbeit klein und unwert, mein Gehalt - ein Taschengeld, in seinen Augen
. Weia.
Ich habe es mit mir machen lassen, in meiner Ehe, meiner Sippe, meinem Umfeld. Ich dachte, mehr ginge eben für mich nicht. Ich müsste schon froh sein mit dem, was ich hatte. Ich war mir nicht mehr wert.
Meine Kinder sind da konsequenter. Sie eiern nicht rum, sondern machen klare Ansagen, setzen Grenzen, wissen, was sie wollen. Das finde ich erstaunlich, sie konnte so werden, obwohl ich es ihnen in Vielem so anders vorgelebt hatte. Oder gerade deswegen? Ich weiß es nicht. Auf alle Fälle bin ich mächtig stolz! Dass sie wissen, was sie wollen, eben.
Früher hatte ich manches Mal das Gefühl, meine Kinder lieben mich zwar, aber so für voll nehmen sie mich nicht. Ich war ja auch so ungreifbar, habe rumgeeiert, zu allem "Ja" gesagt, viele Jahre lang. Ich habe oft Mitleid gesehen, in ihren Augen, glaube ich. Mit meinem Sohn hatte ich die letzten Jahre mit Exmänne manches Gespräch, wo er mir sagte, warum bleibst du bei Papa? Was bringt es dir? Sei doch endlich mal ehrlich zu dir und deinem Umfeld. So in etwa.
Heute sehen mich meine Kinder anders an. Ich bin ihre Mutter, sie lieben mich. Und sie achten meine Meinung und meine Person. Die Gespräche sind anders geworden zwischen uns. Sie wissen, sie können sich auf mich verlassen, ich kann aber auch "nein" sagen und meine Grenzen ziehen. Sie wissen mich zu schätzen.
Ein gutes Gefühl, irgendwie...
Aurora