Hallo,
ich wollte mal wieder was hierlassen, in meinem offenen Büchlein. Für alle, die es interessiert und die mich noch kennen. Ich bin ja nach wie vor kräftig am Tagebuch Schreiben im "Geschlossenen" und mein Weg geht immer weiter...
Heiligabend waren wir bei Tochter, Schwiegersohn und Erbse. Zusammen mit meinem Sohn und Exmänne. Meinem Lebensgefährten Dante war es erst etwas mulmig zumute, er hatte Angst, auf einmal wäre wieder alles "alte" Familie... Nein, auf gar keinen Fall, das ist einfach nicht mehr so. Diese "alte" Familie gibt es nicht mehr, schon längst nicht mehr. Nicht in dem Maße, wie er es dachte. Exmänne und ich werden immer die Eltern sein, aber mehr auch nicht. Mein neues Leben heißt Dante und ich, die Kinder sehen ihn auch als dazugehörig an, als Stiefopa für's Erbschen. Ch. hat außerdem inzwischen ihre eigene kleine Familie. D. ist beschäftigt mit seinem eigenen Leben, Studium, was er sehr ernst nimmt und voller Eifer betreibt. Zum Glück...
Es war ein schöner Nachmittag und Abend. Anders als so viele Jahre früher. Wo Exmänne sich systematisch vollgefüllt hat, um nix mehr spüren zu müssen. Von dem ganzen Familienfrust, den seine Sippe verbreitete und ich dann natürlich auch. Ich habe krampfhaft Jahr für Jahr versucht, die Harmonie aufrecht zu halten, alles schön erscheinen zu lassen.Aber unter der Oberfläche hat es gebrodelt. Es verging kein Heiligabend, an dem ich nicht geheult hätte, verzweifelt, erschöpft von all dem. Frustriert. Über seine Sippe und darüber, dass er wieder besoffen war.
. Wenn dann endlich alle weg waren und die Kinder im Bett. Sie sollten nichts davon sehen, von meinem Frust, meiner Verzweiflung. Ich habe mich immer sehr ausgeliefert gefühlt. Ich habe es zugelassen, dass alle auf meine Kosten einen schönen Abend hatten. Dass sie mich missbraucht haben, ihren Seelenmüll an mir abzulassen, ihren eigenen Frust über ihr eigenes, glückloses Leben. Immer ruff uff die Schultern, ich hab ja Kraft, es zu (er)tragen. Dachte ich
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Das ist vorbei, ich denke daran ohne Schmerz, es ist einfach vorbei. Es war so, ich habe mich stark gefühlt, habe versucht, mich damit, mit dieser Harmonie und dem Schönen alles, unentbehrlich und geliebt zu machen. Sowas kann nicht funktionieren. Ich muss zum Glück das nicht mehr machen. Denn inzwischen lebe ich mit Menschen, die mich auch zu schätzen wissen, wenn ich unperfekt und verwuschelt bin.
Irgendwie durchströmt mich immer soooo viel Freude, wenn ich sehe, wie gut es mir jetzt geht. Wie ich es geschafft habe. Wie wertvoll ich bin, vor allem mir selbst. Wie gut es mir dadurch geht. Ich habe allerdings auch das riesengroße Glück, dass ich einen Mann habe, der mich unterstützt, der mich auffängt und meine Entwicklung mit vorantreibt. Der mich liebt, wie ich bin. Pur...
Ich habe immer Rückschauen gehalten, all die vielen Jahre. Immer um diese Jahreszeit, ist ja klar. Immer waren es Rückschauen mit Schmerz, mit dem Gedanken, es war soooo schlimm, es muss doch mal besser werden. Ich muss mich halt noch mehr anstrengen...
Es wurde endlich besser, nämlich ab dann, als ich dachte, es wird jetzt besser werden, weil ich es anders nicht mehr will. Weil ich jetzt endlich leben möchte, leben will. Und lachen und lieben. Ich habe einmal diese wunderbare Chance bekommen, zu leben, ein Mensch, eine Frau zu sein, hier auf dieser Welt. Und ich will, verdammt noch mal, auch was davon haben! Und zwar was Angenehmes, nicht immer nur Kummer und Rumgeheule. Und Zwang und Angst. Und Druck und Ärger. Und Suff.
Und nun blicke ich zurück auf das Jahr. Es ist verrannt wie nix. Es war angefüllt mit Positivitäten bis zum Platzen. Es gab auch Zeiten der Nachdenklichkeit, Zeiten des Kummers und Loslassens. Es war nicht immer einfach, aber es war lebenswert! Es war ein lebenswertes Jahr!
Ich habe den letzten Schritt der Ablösung gemacht, die Scheidung läuft. Na gut, es hat nicht mehr "unterm Weihnachtsbaum" geklappt, aber es wird wohl eines der ersten Amtstermine für 2010 sein. Ich konnte alle Dinge regeln, dass es sich gut für mich anfühlt. Ich konnte mich behaupten und meine Rechte einfordern. Und all das mit Dante an meiner Seite, der mich unterstützte, wo er konnte. Umgekehrt konnte ich ihn aber auch unterstützen in seinen Dingen, denn er hat ja auch seinen Weg. Wir haben uns ein gemeinsames Leben aufgebaut in diesem Jahr, das lebenswert ist! Voller Achtung und Toleranz, voller Behutsamkeit und Liebe. Ich möchte keine Sekunde missen davon!
Ich habe mich in meiner Urfamilie neu geordnet. Es war ein ziemliches Wechselspiel, bis ich meinen neuen Platz gefunden habe. Aber ich bin auch da jetzt angekommen. Meine Mutter sieht mich immer mehr als erwachsene Frau, nicht mehr als ihr kleines Mädchen. Weil ich ihr es vorlebe, mich nicht mehr benehme wie ihr kleines Mädchen. Das war ein schönes Stück Arbeit. Sehr produktive Arbeit! Es hat mir regelrecht Spaß gemacht, zu sehen, wie ich immer mehr mich selbst abnabel und wieder neu andocke. Anders als vorher, auch sehr innig, aber nicht mehr allumfassend. Ich kann meine Wege gehen ohne schlechtes Gewissen und ich kann in die Arme meiner Mutter kommen, ohne dass sie mich zerdrückt. Endlich...
Ich darf sehen, wie meine kleine Enkelin wächst und gedeiht, wie sie ihre ersten Schritte machte, wie sie immer mehr sich entwickelt. Ich bin sehr dankbar für dieses Geschenk. Ich bin sehr dankbar, dass ich es sehen kann mit glücklichen Augen, ohne schweres Herz, weil mich mein Kummer, meine Ängste und Zwänge zerdrücken. Ich bin nicht mehr beschäftigt, zu leiden und um Liebe zu kämpfen nach allen Seiten, ich sitze da und nehme sie einfach entgegen. Die Liebe. Von den Menschen, denen ich es wert bin, dass sie es mir freiwillig geben, und denen ich es auch freiwillig gebe, weil auch sie es mir wert sind.
Jawoll, ich hatte ein so lebenswertes Jahr und ich kann zurückblicken und mich freuen über diese ganzen Dinge. Und ich kann nach vorne sehen und weiß, es wird so weitergehen. Mit Höhen und Tiefen, denn so ist das Leben. Aber ich werde niemals mehr da sein, wo ich so viele Jahre war. Im Turm, hinter dicken Mauern, voller Angst und Zweifel, voller Schmerz, Wut und unterdrücktem Hass. Voller Alkoholdünste.
Das ist ein kleiner Rückblick, auf ein Jahr voller schöner Dinge, voller leben und lernen. Und loslassen und neu ordnen. Es hat sich gelohnt, mein Weg. Wenn ich auf meinen alten Seiten hier blätter kann ich sehen, wie unsicher ich damals noch war, wie ich hin und hergeeiert bin, was nun aus der alten Beziehung wird. Na gut, es hat nicht mehr geklappt, zu viel war kaputt gegangen. Ich bin froh, dass ich den Mut hatte, es mir einzugestehen und die Konsequenzen daraus zu ziehen.
Weiter geht's jetzt, leben, lachen, lieben auch 2010!
Aurora