Beiträge von Aurora

    Hallo Pauliese,

    du hast dich hier im Forum angemeldet, weil es dir Probleme macht, das Trinkverhalten deines Mannes. Weil du dir Gedanken darüber machst und dir daran etwas auffällt. Weil es dich beunruhigt. Das sind deine Wahrnehmungen und die sollst du ernst nehmen.

    Mit ihm darüber reden, das kannst du machen. Aber da er schlechte Laune hatte, als du ihm die Flasche vor die Nase gestellt hast, zeigt ja irgendwie, dass er da schon auch selbst Probleme sieht, es aber nicht eingestehen will. Er fühlte sich ertappt und kompromittiert! Es wird wohl schwierig sein, durch reden an ihn heran zu kommen.

    Das ist jedenfalls meine Erfahrung. Ich habe dann auch versucht, Gespräche zu führen. Da wurde mir weiß gemacht, ich würde mir alles nur einbilden. Ich würde überreagieren, es völlig falsch verstehen, zickig sein, übergeschnappt undundund... Das ging so lange, bis ich meinen eigenen Wahrnehmungen nicht mehr traute, es mir schon selber einredete, mich nicht so zu haben. Er hatte auch so Lieblingssätze, wie: andere saufen viel mehr, ich trink ja "nur" Bier, die Flasche war garnicht voll, es ist mein erstes heute, die Fahne ist noch von gestern undundund...

    Ich war hin- und hergeschleudert zwischen meinen eigenen Wahrnehmungen und seinen Beteuerungen bzw. Ausreden. Ich hab dann geglaubt, was ich glauben wollte, viele Jahre lang. Dass alles nur halb so schlimm wäre, dass ich Wahrnehmungsstörungen hätte, dass ich es schaffen könnte, ihn da loszulösen, vom Alk.

    Du kannst ein Gespräch versuchen, um für dich rauszufinden, was deine Wahrnehmungen, dein Bauchgefühl, dir sagen. Mit Androhungen wäre ich vorsichtig, an deiner Stelle. Die kannst du machen, wenn du sicher bist, sie auch durchziehen zu können. Sonst wirst du nach und nach immer unglaubwürdiger werden, er wird dich irgendwann auslachen und sagen: "Haste ja schon tausend Mal gesagt, machste ja eh nicht...!" Mein Exmänne hat es mir auch nicht mehr geglaubt, bis er schwarz auf weiß die Unterschrift auf meinem Mietvertrag sah...

    Ich wünsche dir einen schönen Abend und einen guten Wochenstart
    Aurora

    Hallo Mandy,

    ich kann deine Gefühle sehr gut verstehen. Irgendwann war ich an einem Punkt angelangt wo ich dachte, es muss heraus. Ich habe mich bei meinem Chef geoutet, als erstes mal, als er mir am letzten Arbeitstag einen schönen Urlaub wünschte, habe ich gesagt, ich weiß noch nicht, ob der schön wird :( . Und ein wenig erzählt. Dabei war ich sehr aufgeregt, denn zu sagen, mein Mann ist wohl Alkoholiker (ich war gerade dabei, es mir einzugestehen), ist nicht leicht. Das Weltbild hier in unserer Gesellschaft zeigt ja, Alkohol ist toll und gehört überall dazu. Und wer das nicht kann, muss sich beherrschen... Es herrscht eine große Unwissenheit, was bei dieser Sucht alles passiert, wie es abläuft und was es macht. Auch mit Angehörigen.

    Und ich musste zugeben, dass ich wohl in "so einer" Beziehung lebe und nicht in der heilen Welt, die ich immer versuchte, allen vorzuspiegeln. Denn das habe ich getan, nach außen hin sollte es immer alles top aussehen. Alles easy, alles gut, alles "FriedeFreudeEierkuchen"...

    Als es immer schlimmer wurde und ich mich entschloss, mich zu trennen, war ich ganz ehrlich auf meiner Arbeit. Es ist ein kleiner Laden, wir sind nur zu dritt, Chef, Kollegin und ich. Ich habe immer ganz ehrlich dann geredet, warum ich ausziehe, mich trenne. Ich bin z.B dann einmal an einem Tag später gekommen, weil Exmänne Entzugserscheinnugen der bedrohlich en Art hatte und ich gemeinsam mit ihm auf den Krankenwagen gewartet habe. Da musste ich schon ehrlich sein und ich war es und es tat mir gut!

    Es zu sagen. Das wurde immer leichter und auf einmal verstanden meine Kollegen auch, warum ich oft so griesgrämig gewesen war und so belastet erschienen war.

    Auch in meiner Familie war ich dann immer ehrlicher und erzählte immer mehr. Und ich muss nichts mehr vertuschen. Ich dachte, ich wäre stark, um alles alleine stemmen zu können. Ich dachte, ich müsste so sein, immer Harmonie, immer ich die Starke, immer tolle Ehe vorspiegeln und heile Welt... Welche Lüge das war...

    Jetzt bin ich ehrlich und ich bekomme dafür positives Feedback. Ich lerne durch meine Offenheit Menschen kennen, rede mit ihnen und kann sehen, wie vielen es so ging oder noch ergeht wie mir. Stärke bewies ich nämlich dann dadurch, dass ich endlich was ändern konnte, für mich! Dass ich den Mut hatte, nicht auszuharren und heile Welt zu spielen. Dass ich ehrlich war und bin, in allererster Linie zu mir selbst und auch gegenüber Menschen, auf die ich treffe.

    Ich laufe nun aber nicht mit 'nem Schild rum: Mein Ex ist Alkoholiker und ich lebte jahrzehnte lang in völliger Co-Abhängigkeit. Ich bin offen, da wo es nötig ist und mir sinnvoll erscheint.

    Ich hoffe, ich kann dir damit einige Denkanstöße geben. So war und ist es bei mir.

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende
    Aurora

    Hallo Pauliese,

    auch meine Geschichte ähnelt in den Anfängen deiner.

    Irgendwann nach einigen Ehejahren fiel mir auf, wie viel und wann mein Exmänne trank, in Situationen, wo ich dachte, hääähh, warum denn das jetzt... Und es musste immer das Feierabendbier und der Schnaps sein :roll: . Zuerst tolerierte ich das, obwohl es mich unzufrieden machte, an Wochenenden hatte er aber immer wieder dolle Abstürze und oft, wenn ich ihn brauchte, war er voll.

    Ich konnte es mir zuerst garnicht erklären, wurde aber immer ängstlicher und unsicherer, denn wenn er nüchtern war, erklärte er mir immer mit blumigen Worten, ich würde es mir nur einbilden, ich wäre wohl nicht ganz dicht, sowas zu glauben, ihm gehe es ja gut, er hätte kein Problem... Liste unendlich erweiterbar :( .

    Ich habe nix weiter getan, als immer unzufriedener und unglücklich zu werden, habe immer mehr versucht, ihn zu kontrollieren, damit es nicht ausartete. Alles drehte sich nur noch um seine Sauferei, irgendwann. Und die wurde immer schlimmer, es wurde immer häufiger, immer exzessiver. Und ich wurde immer unglücklicher, mein Körper wurde immer anfälliger und ich war dauernd krank oder eingeschränkt. Und voller Wut und Trauer, voller Anspannung und schlussendlich ohne Perspektive.

    Irgendwann aber wurde mir was klar... Ich sah ein, Exmänne will saufen, ich kann so nicht leben. Ich kann ihn nicht hindern, ich habe so viel Energie dafür verschwendet, um nix zu erreichen. Da endlich sah ich was. Und das sag ich dir jetzt mal...

    Es ist dein Leben. In diesem Leben soll es dir gut gehen, darauf hast du ein Recht! Du hast Angst, wovor? Vor der Zukunft, was werden soll? Das kann ich verstehen. Denn wenn du zufrieden leben willst, wirst du Veränderungen und schmerzliche Schritte machen müssen. Das ist schwierig. Also verschwende nicht deine gute Energie damit, Striche an Schnapspullen zu machen oder dauernd ihn zu beobachten. Nutze deine gute Energie für dich. Es gibt doch sicher viele Sachen, die du gerne magst. Spaziergänge, auch bei diesem Mistwetter. Freundinnen treffen, Kaffeeklatsch machen, ein gutes Buch lesen... Liste unendlich erweiterbar :) .

    Du siehst, es geht hier um dich! Er hat sich wohl, so lese ich es einfach mal aus deiner Geschichte heraus, für das Trinken entschieden. Daran wirst du nichts ändern können. Ändern kannst du nur was für dich. Du kannst es dir so schön als möglich machen in deinem Leben. In kleinen Schritten, jeden Tag ein wenig mehr.

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo Mandy,

    da schneie ich mal ganz kurz bei dir rein und sag mal was.

    Du schreibst:

    Zitat

    Weiß auch nicht, wie ich ihn dazu bringen kann, nach einer anderen SHG Ausschau zu halten, wenn er keinen Sinn drin sieht.


    Er sieht da keinen Sinn darin, dann wird er es auch nicht machen und es wird ihm nichts bringen, wenn du ihn irgendwo hinzwingst! Es ist doch sein Leben und seine Entscheidung. Wichtig ist es doch für dich, was du mit deinem Leben machst! Denn dafür bist du verantwortlich, nicht für ihn.

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo,

    huhu Ulrike :D , du kannst meinen Partner ruhig mit Namen nennen, im Geschlossenen, auch wenn du ihn nicht persönlich kennst. Ich kenn dich ja auch nicht persönlich und nenne dich, wie du heißt. Es ist ja nur so, dass im offenen Bereich eine gewisse Anonymität gewahrt werden soll.

    Hallo barcelona :D , seufz, menno, du hast es bestimmt wärmer als wir hier. Der Winter ist sooooooo lang diesmal. Du hast meine kleine Geschichte hier gelesen, das freut mich :D . Im Geschlossenen habe ich ein TB, das hat schon mehr als 200 Seiten... Der Weg ist lang und teilweise sehr steinig. Es gab und gibt immer wieder große Löcher, früher bin ich da reingefallen, jetzt kann ich schon drum herum gehen. Es ist ja schon mal gut, dass du dir dein Leben für dich gut einrichten kannst. Da hast du ja schon einen großen Schritt getan. Das Forum ist wirklich sehr hilfreich und im geschlossenen Bereich hast du auch eine sehr gute Möglichkeit für einen intensiven Austausch.

    Liebe und Hass, das war es, was mir vor fast 3 Jahren einfiel als Titel hier. Ich war damals am Hin- und Herschwanken zwischen meinen Gefühlen. Der Hass war teilweise sehr stark und hat mir auch Angst eingejagt. Dass ich zu solchen Gefühlen fähig war. Die Liebe, das war garkeine Liebe mehr, ich dachte es bloß. Das war Gewohnheit, Schuldgefühl, Verantwortung, Kontrolle über ihn. Mein Denken, dass er es ohne mich nicht schaffen würde...

    Na ja, er hat es sehr gut ohne mich geschafft, nachdem wir ja noch einige Zeit rumgeeiert sind. Und ich habe es sehr gut auch ohne ihn geschafft und merke jetzt, wie meine Persönlichkeit immer mehr wächst. Und meine Selbstsicherheit.

    Es ist tatsächlich gut, an seine eigene Kraft zu glauben! Und diese Kraft und Energie auch für sich einzusetzen, nicht für den Anderen.

    Ich wünsche allen einen schönen Abend
    Aurora

    Hallo Ulrike,

    hm, ich denke, du meinst das hier:

    Zitat

    Ich wünsche dir und deinem edit ein wunderschönes Wochenende

    na ja, ich denke, du hast seinen richtigen Namen geschrieben und hier im offenen Bereich ist das meistens nicht üblich. Er ist ja immer mit seinem Nicknamen hier unterwegs, nie mit seinem richtigen Namen. Ist doch nicht schlimm, ist zu seinem Schutz! Und seinen Nicknamen mag er, viele, die wir kennen, nennen ihn garnicht anders... :lol:

    Nicht böse sein und nicht traurig, ich weiß ja, wen du meinst :D .

    Aurora

    Hallo Ulrike,

    menno, du machst mich ja ganz verlegen :oops: .

    Ja, ich möchte meine Erfahrungen weitergeben, denn ich stand ja auch mal ganz am Anfang und war froh, dass endlich jemand verstand, wovon ich sprach und wie ich fühlte! Mich haben die Erfahrungen der Anderen auch weitergebracht, aber auch, dass ich es annehmen konnte und meinen Weg gehen wollte! Für mich ist es immernoch das Zauberwort: aktiv für mich selbst unterwegs sein!

    Machen lassen mit mir habe ich lange genug. Wenn ich glücklich und zufrieden leben will, muss ich was dafür tun, das habe ich gelernt.

    Liebe Ulrike, ich finde es auch schön, dass du hier bist. Auch wenn du an einer anderen Stelle deines Weges bist als ich, kann ich auch von dir was lernen. Es ist ja ein Geben und Nehmen hier.


    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo noemi,

    es hört sich jetzt sicher ziemlich hart an, aber es ist so.

    Du hast ihm gesagt, er solle seine Entscheidung treffen, du oder der Alkohol. Er hat sich entschieden!

    Jetzt ist es deine Zeit. Du hast eine Ansage gemacht und musst nun mit den Konsequenzen leben. Er will weiter in Ruhe saufen und du kannst so nicht leben. Auch wenn es so sehr weh tut, du musst nun sehen, was du für dich machen kannst. Denn ihn wirst du mit aller Liebe nicht vom Saufen abhalten können! Auch wenn er es zwischendurch immer wieder beteuern wird...

    Es ist wichtig, dass du nun mal ganz in Ruhe überlegen musst, wie deine weiteren Schritte aussehen. Wenn du einen Rückzieher machst, bei ihm bleibst, alles weiterlaufen lässt, wird sich nichts ändern. Er wird nicht zu saufen aufhören und du wirst daran kaputt gehen. Er wird dich nicht ernst nehmen in deinen Äußerungen, wenn du Drohungen machst und dann nicht auch durchziehst, was du angekündigt hast. Ich habe das leider selbst so gemacht, Jahr um Jahr, ich weiß, wovon ich rede...irgendwann hat mein Exmänne nur noch über mich gelacht :( - bis ich stark genug war, die Dinge auch durchzuziehen, die ich ihm jahrelang angedroht hatte.

    Es ist nicht einfach! Aber es ist die einzige Möglichkeit, dass du ein ruhiges und glückliches Leben führen kannst.

    Das ist keine gute Meldung am Sonntag morgen... aber es ist der Weg.

    Viele Grüße
    Aurora

    Hallo,

    liebe Ulrike :D , vielen Dank für deine lieben Worte!

    Es stimmt, ich habe schon einen ganz schönen Weg hinter mir. Es sind bald 3 Jahre, dass ich im Forum bin und vor ca. 5 Jahren fing ich an, nach konkreten Wegen für mich zu suchen. Da beschäftigte ich mich immer mehr mit den Themen Alkoholabhängigkeit und Co-Abhängigkeit.

    Und ich erkannte, dass es nur an mir selbst liegt, dass es mir gut geht und ich meinen Exmänne niemals trockenlegen kann, solange er es nicht selbst will! So lernte ich nach und nach, meine vermeintliche Verantwortung für ihn an ihn zurück zu geben, dafür übernahm ich - endlich - mehr und mehr die Verantwortung für mich selbst.

    Das war und ist nicht einfach! Viele Menschen haben mich auch dabei unterstützt, hier im Forum, die Therapeutin, ein Teil meiner Freunde, Verwandten und meine Kinder und seit einer Weile meine reale SHG und schlussendlich mein Lebenspartner :D . Das ging aber auch nur, weil ich es so wollte, weil ich bereit war, aktiv zu werden für mich. Und weil ich mich nach und nach ablösen konnte vom alten Leben, weil ich bereit war, hinzusehen, zu erkennen, was ich da eigentlich gelebt hatte, so viele Jahre lang!

    Jeder kann das schaffen, nicht nur ich! Es muss nur der Wille dazu da sein, ein riesen Haufen Geduld, Mut zum Hinsehen und zur Veränderung. Dafür gibt es dann tatsächlich leben, lachen, lieben!

    Aurora

    Hallo Hartmut,

    aha, ist mal wieder Fragenzeit :lol: ...

    Wo ist die Schmerzgrenze bei Co's? Ich denke, es ist genauso individuell wie bei einem Alki. Irgendwann ist der Punkt erreicht, wo du denkst, es muss ganz dringend endlich was passieren, bevor ich abdrehe oder Schlimmeres :( . Ich habe damals gedacht, wenn nicht endlich bei mir hier was geschieht, bringe ich mich um oder ihn, mein Leben geht an mir vorbei, ohne dass ich noch was davon habe. Ich konnte nichts Schönes mehr erkennen, alles drehte sich nur noch um Exmänne und das Trinken, wie ich ihn da rausziehen könnte. Und es drehte sich um meine vielen Ängste, die ich hatte. Ängste um Exmänne, was ihm passieren könnte, er hatte ja auch oft angedroht, sich umzubringen, damit wir ihn endlich loswären :( . Damit hat er mir ja was signalisiert, nämlich, es liegt in meiner Hand, alle Verantwortung, aber auch alle Schuld am Scheitern.

    Und ich hatte Ängste, es nicht schaffen zu können, mein eigenes Leben zu meistern, ohne ihn. Ich hatte Angst, mein Scheitern zuzugeben, Angst, vor finanziellen Malessen, Angst, meine Mutter zu enttäuschen, Angst, meinen Kindern was wegzunehmen. Das Elternhaus, was ja garkeins mehr war.

    Denn da fand ja nur noch Gezerre statt. Exmänne zog an der einen Seite des Alk, ich an der anderen.

    So im Groben lief es ab.

    Und dann mein Umfeld. Ich bekam Schulterklopfen. "Wie gut, dass du da noch bist. Wie gut, dass du ein Auge auf ihn hast. Wie gut, dass du noch sorgst, wo wäre er denn sonst. Wie gut, dass du es aushälst. Wie gut, dass er dich hat." So in etwa. Das machte mich stolz, denn was wäre er wohl ohne mich? Wie toll bin ich, das Alles aushalten zu können! Ich holte mir ja so meine Streicheleinheiten. Und strengte mich noch mehr an und ich fühlte mich noch mehr schlecht, denn er wollte ja saufen...und ich konnte nix, aber auch garnix dagegen tun! Auf der einen Seite wurde ich also durch diese Streicheleinheiten festgenagelt, an meine "Eheverpflichtung" erinnert und gebunden. Ich fühlte mich bestätigt und verstanden, aber für mich ist dadurch garnix passiert. Nur, dass ich sah, wie ich immer mehr und immer schneller scheiterte in meinen Bemühungen. Wie mein Körper immer kränker wurde. Wie ich immer bissiger, verkniffener durch die Welt rannte. Wie ich so garnix mehr genießen konnte, weil ich ja ständig aufpassen und Angst haben musste.

    Geholfen hat mir mein Tiefpunkt. Da warf ich alle Streicheleinheiten über Bord und sagte:"Jetzt ist's genug, ich haue ab!" Es war mir egal, irgendwie würde ich es schaffen. Und das habe ich :D ! Ich wollte nur noch leben, Frieden haben, diesen Druck loswerden und diesen ungeheueren Schmerz.

    Und da hat mir geholfen, dass ich mich auseinander setzte, voller Ernst und voller neu erwachendem Lebensmut. Ich habe dieses Forum gefunden und damit Menschen, die mir Spiegel vorgehalten haben. Die sich auseinander gesetzt haben mit mir und die wussten, wovon ich sprach. Die mir manches Ding hingeworfen haben, wo ich darauf rumzukauen hatte. Und nachzudenken. Zwischendurch gab es Streicheln und Mut Machen, aber genauso auch Kritik. Die ich annehmen konnte, denn ich merkte ja, dass mir damit tatsächlich geholfen war! Ich wurde aktiv!

    Mein altes Umfeld verstand mich nicht mehr, dauernd wollten mich diese Menschen zurückholen in das alte Leben. Das war schwierig, diese Auseinandersetzungen, aber äußerst produktiv! Und schlussendlich erfolgreich für mich, nämlich, sie haben es nicht geschafft! Und mein neues Leben wird nun immer mehr selbstverständlich und akzeptiert!

    Mein Motto war und ist: Leben, Lachen, Lieben...

    Das ging nicht mit Exmänne im Alkoholrausch. Ich bin gegangen und seither ist er trocken...

    Ich habe mir sehr viele Gedanken auch darum gemacht. Er ist trocken ohne mich. Ich hatte mir es während der Ehe tausendmal gewünscht. Als es endlich soweit war, war zu vieles kaputt in mir, was eine Beziehung hätte wieder aufleben lassen können. Na ja, da bin ich ja lange genug noch rumgeeiert :? , mein Tagebuch im Geschlossenen ist ja gut gefüllt damit...

    Aber Fakt ist: Irgendwann war mir klar, wenn ich leben will, muss ich selbst was machen, auch wenn es hart ist! Da nützt kein Rumgestreichel! Zwischendurch ein Kraftpäckchen oder ein Drücker, das ist was Tolles! Aber mit ausschließlich Drückern wäre ich nicht weit gekommen...

    So, lieber Hartmut, das fiel mir nun so bei meiner ersten Tasse Kaffee heute morgen ein :lol: . In großen Zügen war es so bei mir! Und ich bin auch deiner Meinung, mit "wiwi" und "dudu" und "achach" kann nichts passieren! Passieren kann nur etwas, wenn ich für mich aktiv werde, wenn ich mein Leben endlich in die Hand nehme und dem anderen Menschen, dem "eigenen" Alki seine Verantwortung überlasse!

    Die Aurora

    Hallo Lolli,

    ich kann mich nur Lindes Worten anschließen!

    Er drückt sämtliche Co-Knöpfe bei dir. Er drückt dir seine Verantwortung auf und redet dir Schuldgefühle ein. Aber es hatte doch Gründe, weswegen du dich getrennt hast von ihm, oder? Ich habe gerade mal deinen Thread gesucht und auf Seite 2 was gefunden. Über dich und deine Gründe. Denn du rufst um Hilfe und ich wusste garnichts von dir. Mach doch bitte nicht jedes Mal ein neues Thema auf, es ist einfacher, wenn du in dem einen weiterschreibst!

    Es ist jetzt keine unterlassene Hilfeleistung! Er hat genug Möglichkeiten, sich professionelle Hilfe zu holen, bei Menschen, die sich mit seiner Krankheit auskennen. Wenn du eine Mittelohr-Vereiterung hast, gehst du auch nicht zum Gynäkologen, sondern zum Facharzt, der dann auch sagt, was da zu machen ist.

    Wichtig ist doch, dass du für dich und deine Kinder ein ruhiges Umfeld haben kannst. Ohne Schläge, ohne Geschrei, ohne Suff und unvorhersehbare Gefahren. Du musst eine Grenze ziehen, wenn du ein lebenswertes Leben haben möchtest. Würde er zu dir zurückkommen, würde sich nichts ändern können. Er hat dann sein altes Leben wieder, seine alten Strukturen und dich als Person, die alles gerade biegt und für ihn gerade steht. Und die sich auch mal schlagen lässt, wenn ihm danach ist. Die dann vielleicht zurücklangt. Ist das eine Basis für eine gute Beziehung?

    Wenn er einen Entzug gemacht hat, wenn er dann SHG's besucht und auf dem Weg in ein Leben ohne Alk ist, wenn er das dann wirklich so will und auch macht, dann kannst du es dir immernoch überlegen, ob ihr eure Wege wieder gemeinsam gehen wollt.

    Viele Grüße
    Aurora

    Hallo,

    und hallo Sandy, ja, es geht mir gut soweit. Wenn ich dir Mut machen kann mit meiner Geschichte, freut es mich sehr :D .

    Grrrr, bin aber angepiekt zur Zeit. Ich dachte ja nun, der erste Amtstermin dieses Jahr würde der Scheidungstermin sein. Nöööö, wohl erstmal nicht, denn der ehemalige Arbeitgeber von Exmänne kommt nicht in die Puschen, bzw. hat wohl angeblich garnix bekommen wegen Scheidung und Berechnung der Betriebsrente. Nun ist Ex am Routieren... muss nochmal beim Amtsgericht anrufen und es in die Wege leiten, dass die da mal loslegen. Da wird meine Geduld aber gaaaaaanz schön strapaziert. Da haben aber welche gaaaanz schön geschlampt :evil: . Denn alles andere ist ja schon eine Weile geregelt und fix und fertig.

    So geht das, da kommen dann solche Dinger. Na ja, dauert es noch ein Weilchen, bevor ich mit meiner Vergangenheit sozusagen auch rechtlich gesehen abschließen kann...

    Aurora

    Hallo Elfriede,

    die Zeit vergeht... drei Jahre ist es schon her. Deine Geschichte damals war eine der ersten, die ich gelesen habe.

    Da hast du ja wirklich was gestemmt in der Zeit. Nun rückt dein Lebenstraum in immer greifbarere Nähe, siehste, was alles geht. Ich schick schon mal eine Bestellung los, ein dickes Päckchen Ruhe, an Frau Elfriede Lustig.

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo,

    und naaaaa Elfriede :D , schöööön, dass du hier warst. In meinem Büchlein.
    Ich habe am Anfang auch gedacht, ich würde eine Trennung nicht schaffen, es waren zu viele Dinge, die mich festhielten. Andererseits wusste ich ganz genau, dass ich eine Trennung wollte und ein Zusammenleben im Prinzip nicht mehr in Frage kam. Es war einfach zu viel kaputt gegangen, durch den Suff, durch Lügen, durch Enttäuschungen. Aber auch durch die Art von Exmänne, durch sein Wesen. Er ließ und lässt sich immernoch dominieren durch seine Sippe, das hat er immer schön an mich weitergedrückt. Ich fühlte mich so oft wie das 5te Rad am Wagen dort... Nur als Haus"Muddi" geduldet, wenig wert, ungesehen. Deshalb strampelte ich mich ab, versuchte, mich unentbehrlich zu machen durch meine Arbeit, dachte, ohne mich geht hier nix. Ich dachte, ich könnte mir dadurch Liebe und Anerkennung erarbeiten, gesehen werden. Mir Anerkennung einfangen, indem es mir gelingen würde, Exmänne vom Alk zu befreien. Wie gelähmt hing ich in dieser Beziehung, passiv, voller Ängste und Zwänge, mich befreien zu können. Mich befreien zu dürfen, ein Leben nach meinem Geschmack führen zu dürfen, das habe ich mir nicht gegönnt, war es mir nicht wert. Bis irgendwann mein Leidensdruck so groß wurde, der Suff immer übermächtiger und ich einsah, ich kann da niemanden retten, schon garnicht Exmänne. Retten kann ich nur mich selbst!

    Na, ich hab da ja nun meinen Weg gemacht, nicht einfach war das, ist es oft noch immer nicht. Sich aus all den Verschlingungen zu lösen ist nicht einfach. Eins weiß ich aber, wäre ich zurück gegangen, wäre ich nicht glücklich geworden, bald wäre der Alltag wieder eingekehrt. Exmänne ist auch jetzt immernoch in seinen alten Bahnen, außer, dass er noch immer nix trinkt, lebt er wie eh und je. Wer weiß, ob er noch immer nix trinken würde, wäre ich wieder da... reine Spekulation, aber wer weiß? Wir haben uns nicht gut getan, gegenseitig... :roll: . Und Liebe hatte ich schon lange für Exmänne nicht mehr...

    Und mein Dante ist der von hier :D , der große böse... :lol: . Ich hätte es nicht besser treffen können, und nun isser gezähmt und garnicht mehr böse... :lol: , nur noch groß.

    Grüße von
    Aurora

    Hallo lavendelchen :D ,

    da komm ich heute morgen hier im Forum an, meine Augen noch etwas müde (boah, könnte nur schlafen momentan :? ) und was seh' ich... Du warst da!

    Ich freue mich, von deinem neuen Leben zu lesen, das nun in so zufriedenen, lebendigen Bahnen verläuft! Du hast mir selbst in meinen Anfangszeiten hier sehr viel mitgegeben, wenn ich las, lavendel hat mir was geschrieben, hat es für mich immer soooo viel bedeutet. Durch deine unverblümte, direkte Art hast du mir manch Anstoß gegeben, hast meine grauen Zellen zum klickern gebracht. Aber du hast durch deine Art mich auch ermutigt, weiter zu machen auf meinem Weg, mich zu trauen.

    Ich kann mich noch gut erinnern, wie du auch dein neues Leben Schritt für Schritt aufgebaut hast. Mit Höhen und Tiefen. Wie du mir auch gezeigt hast dadurch, an deinem Beispiel, dass auch die vermeintlich kleinen Dinge des Lebens das Leben erst schön und lebenswert machen. Zum Beispiel in der Wanne zu liegen und Pralinen zu naschen (na gut, 'ne Wanne hab' ich nicht, aber Pralinen :lol: )... Oder sich den Frühstückstisch schön zu decken, nur für sich alleine... Oder schöne Musik zu hören (durch dich habe ich die Freude an klassischer Musik in mir entdeckt), sie in sich zu spüren, wie Wellen, die etwas anrühren und zum Schwingen bringen. Ruhe zu genießen... Oder sich Dinge zu gönnen, die einem "eigentlich" vormals unerreichbar schienen... Und zu heulen, wenn's mir danach war... Und stur und konsequent den eigenen Weg zu gehen.

    Soooo viel, nicht wahr... Oh ja, das Forum und die Menschen, die hier zusammen mit mir meinen Weg gegangen sind, einer davon bist du, und immernoch gehen, haben mir viel gegeben für meinen Weg.

    Nun wünsche ich dir ein wunderbares Jahr. Mein Motto war und ist ja immernoch "leben, lachen, lieben", das wünsch ich dir auch.

    Und übrigens, morgen gehen wir in die Deutsche Oper, da gibt es Ballett, "Der Nussknacker" :D ... Und, wir haben unsere erste Operette anvisiert, anfang März, mal sehen, wie das so wird. Und den Wagner haben wir gerade hinter uns, auf Wunsch eines einzelnen Herrn :lol: , "Lohengrin", boah, 4 Stunden Wagner-Oper...war aber toll, gute Inszenierung.

    Ganz liebe Grüße
    Aurora

    Hallo Ayki,

    nun ja, seine Verwandtschaft sieht deinen Ex immernoch blauäugig an. Er macht ihnen was vor, das kann er, weil sie es ja auch so sehen wollen. Es ist anscheinend für viele Menschen schwierig anzuerkennen, dass jemand von ihnen abhängig ist. Denn "sowas " sind ja nur die anderen, "nicht doch wir...". Auch Exmännes Leute haben es so gehalten, tun wohl auch jetzt noch so, als wäre niemals was gewesen. Sie haben sich mit der Krankheit Alkoholismus nicht auseinander gesetzt, das macht Arbeit, das macht vielleicht auch Schmerzen, wenn man hinsehen muss... Ich habe den Kontakt zu diesen Menschen abgebrochen, sie sehen sowieso mich als die Schuldige an. Solche Menschen brauch ich nicht in meinem Leben, genausowenig brauchst du sie.

    Mit den Kindern ist es da schwierig, es sind ja ihre Großeltern z.B. auch. Aber in wie weit werden sie auch von denen beeinflusst, verunsichert, in wieweit wirst du da schlecht gemacht. In erster Linie bist du verantwortlich für deine Kinder. Sie sind noch klein, Grenzen musst du da setzen, sie können es noch nicht. Dein Ex und seine Sippe haben sich entschieden, na gut, er will weiter saufen, sie wollen ihn weiter kuscheln... Dann müssen sie mit der Konsequenz leben, die daraus erwächst. Nämlich, dass sie die Kinder nicht mehr uneingeschränkt sehen dürfen. Denn das Wohl der Kleinen ist das allerwichtigste!

    Du bist in einem Loch momentan, leider kommen solche Löcher immer wieder mal auf dem Weg. Du hast ja inzwischen gutes Werkzeug, dich da rauszugraben, die Löcher schnell zu stopfen. Du machst deine Sache gut. Lass dich nicht klein kriegen. Sich auf andere Menschen zu verlassen kann gut sein, aber auch nicht immer, wie in deinem Fall. In erster Linie bist du selbst verantwortlich! Und auf dich selbst kannst du dich gut verlassen, das hast du dir ja immer wieder bewiesen. Es ist dein Leben... du hast es in die Hand genommen!

    Ich wünsche dir weiterhin viel Energie für deinen Weg, für das neue Jahr und immer gutes Werkzeug zur Hand.

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo Ayki,

    das stimmt, deine Kinder sind noch klein, meine erwachsen. Aber du hattest den Mut, trotz der kleinen Kinder einen Schlussstrich zu ziehen unter ein Leben, dass für dich nicht mehr lebenswert erschien.

    Ich war damals zu feige dazu, das gebe ich zu. Ich hatte so viel Angst vor allen möglichen Konsequenzen, Angst, es alleine nicht zu schaffen. Auch die Zwänge, meine Erziehung z.B., das Weltbild, das mir anerzogen worden war, mein geringer Selbstwert, hielten mich so lange in einer Beziehung fest, die irgendwann keine mehr war. Ich habe daran festgeklammert, wegen der Kinder, auch deshalb, ich wollte ihnen ja das Elternhaus erhalten. Ich habe heute noch manchmal ein schlechtes Gewissen, sie hatten leider dadurch oft eine unzufriedene, traurige, frustrierte Mutter, mussten Dinge sehen, die Männe im Suff veranstaltete, die waren nicht schön. Und im Laufe der Jahre habe ich oft auch selbst mitgetrunken, oft viel zu viel... Und der Streit, der unterschwellig immer schwelte... Ich habe mich aber auch unentbehrlich gefühlt, habe gedacht, ich könne alles ändern und verbessern, irgendwann.

    Na ja, es war so wie es war, nun ist es anders. Es ist niemals zu spät, etwas zu ändern!

    Liebe Ayki, ich wünsche dir ein gutes neues Jahr, allen Anderen, die hier vorbeidüsen wünsche ich ebenfalls ein gutes, neues Jahr. Macht's jut und liebe Grüße
    Aurora

    Hallo,

    ich wollte mal wieder was hierlassen, in meinem offenen Büchlein. Für alle, die es interessiert und die mich noch kennen. Ich bin ja nach wie vor kräftig am Tagebuch Schreiben im "Geschlossenen" und mein Weg geht immer weiter...

    Heiligabend waren wir bei Tochter, Schwiegersohn und Erbse. Zusammen mit meinem Sohn und Exmänne. Meinem Lebensgefährten Dante war es erst etwas mulmig zumute, er hatte Angst, auf einmal wäre wieder alles "alte" Familie... Nein, auf gar keinen Fall, das ist einfach nicht mehr so. Diese "alte" Familie gibt es nicht mehr, schon längst nicht mehr. Nicht in dem Maße, wie er es dachte. Exmänne und ich werden immer die Eltern sein, aber mehr auch nicht. Mein neues Leben heißt Dante und ich, die Kinder sehen ihn auch als dazugehörig an, als Stiefopa für's Erbschen. Ch. hat außerdem inzwischen ihre eigene kleine Familie. D. ist beschäftigt mit seinem eigenen Leben, Studium, was er sehr ernst nimmt und voller Eifer betreibt. Zum Glück...

    Es war ein schöner Nachmittag und Abend. Anders als so viele Jahre früher. Wo Exmänne sich systematisch vollgefüllt hat, um nix mehr spüren zu müssen. Von dem ganzen Familienfrust, den seine Sippe verbreitete und ich dann natürlich auch. Ich habe krampfhaft Jahr für Jahr versucht, die Harmonie aufrecht zu halten, alles schön erscheinen zu lassen.Aber unter der Oberfläche hat es gebrodelt. Es verging kein Heiligabend, an dem ich nicht geheult hätte, verzweifelt, erschöpft von all dem. Frustriert. Über seine Sippe und darüber, dass er wieder besoffen war. :( . Wenn dann endlich alle weg waren und die Kinder im Bett. Sie sollten nichts davon sehen, von meinem Frust, meiner Verzweiflung. Ich habe mich immer sehr ausgeliefert gefühlt. Ich habe es zugelassen, dass alle auf meine Kosten einen schönen Abend hatten. Dass sie mich missbraucht haben, ihren Seelenmüll an mir abzulassen, ihren eigenen Frust über ihr eigenes, glückloses Leben. Immer ruff uff die Schultern, ich hab ja Kraft, es zu (er)tragen. Dachte ich :roll: .

    Das ist vorbei, ich denke daran ohne Schmerz, es ist einfach vorbei. Es war so, ich habe mich stark gefühlt, habe versucht, mich damit, mit dieser Harmonie und dem Schönen alles, unentbehrlich und geliebt zu machen. Sowas kann nicht funktionieren. Ich muss zum Glück das nicht mehr machen. Denn inzwischen lebe ich mit Menschen, die mich auch zu schätzen wissen, wenn ich unperfekt und verwuschelt bin.

    Irgendwie durchströmt mich immer soooo viel Freude, wenn ich sehe, wie gut es mir jetzt geht. Wie ich es geschafft habe. Wie wertvoll ich bin, vor allem mir selbst. Wie gut es mir dadurch geht. Ich habe allerdings auch das riesengroße Glück, dass ich einen Mann habe, der mich unterstützt, der mich auffängt und meine Entwicklung mit vorantreibt. Der mich liebt, wie ich bin. Pur...

    Ich habe immer Rückschauen gehalten, all die vielen Jahre. Immer um diese Jahreszeit, ist ja klar. Immer waren es Rückschauen mit Schmerz, mit dem Gedanken, es war soooo schlimm, es muss doch mal besser werden. Ich muss mich halt noch mehr anstrengen...

    Es wurde endlich besser, nämlich ab dann, als ich dachte, es wird jetzt besser werden, weil ich es anders nicht mehr will. Weil ich jetzt endlich leben möchte, leben will. Und lachen und lieben. Ich habe einmal diese wunderbare Chance bekommen, zu leben, ein Mensch, eine Frau zu sein, hier auf dieser Welt. Und ich will, verdammt noch mal, auch was davon haben! Und zwar was Angenehmes, nicht immer nur Kummer und Rumgeheule. Und Zwang und Angst. Und Druck und Ärger. Und Suff.

    Und nun blicke ich zurück auf das Jahr. Es ist verrannt wie nix. Es war angefüllt mit Positivitäten bis zum Platzen. Es gab auch Zeiten der Nachdenklichkeit, Zeiten des Kummers und Loslassens. Es war nicht immer einfach, aber es war lebenswert! Es war ein lebenswertes Jahr!

    Ich habe den letzten Schritt der Ablösung gemacht, die Scheidung läuft. Na gut, es hat nicht mehr "unterm Weihnachtsbaum" geklappt, aber es wird wohl eines der ersten Amtstermine für 2010 sein. Ich konnte alle Dinge regeln, dass es sich gut für mich anfühlt. Ich konnte mich behaupten und meine Rechte einfordern. Und all das mit Dante an meiner Seite, der mich unterstützte, wo er konnte. Umgekehrt konnte ich ihn aber auch unterstützen in seinen Dingen, denn er hat ja auch seinen Weg. Wir haben uns ein gemeinsames Leben aufgebaut in diesem Jahr, das lebenswert ist! Voller Achtung und Toleranz, voller Behutsamkeit und Liebe. Ich möchte keine Sekunde missen davon!

    Ich habe mich in meiner Urfamilie neu geordnet. Es war ein ziemliches Wechselspiel, bis ich meinen neuen Platz gefunden habe. Aber ich bin auch da jetzt angekommen. Meine Mutter sieht mich immer mehr als erwachsene Frau, nicht mehr als ihr kleines Mädchen. Weil ich ihr es vorlebe, mich nicht mehr benehme wie ihr kleines Mädchen. Das war ein schönes Stück Arbeit. Sehr produktive Arbeit! Es hat mir regelrecht Spaß gemacht, zu sehen, wie ich immer mehr mich selbst abnabel und wieder neu andocke. Anders als vorher, auch sehr innig, aber nicht mehr allumfassend. Ich kann meine Wege gehen ohne schlechtes Gewissen und ich kann in die Arme meiner Mutter kommen, ohne dass sie mich zerdrückt. Endlich...

    Ich darf sehen, wie meine kleine Enkelin wächst und gedeiht, wie sie ihre ersten Schritte machte, wie sie immer mehr sich entwickelt. Ich bin sehr dankbar für dieses Geschenk. Ich bin sehr dankbar, dass ich es sehen kann mit glücklichen Augen, ohne schweres Herz, weil mich mein Kummer, meine Ängste und Zwänge zerdrücken. Ich bin nicht mehr beschäftigt, zu leiden und um Liebe zu kämpfen nach allen Seiten, ich sitze da und nehme sie einfach entgegen. Die Liebe. Von den Menschen, denen ich es wert bin, dass sie es mir freiwillig geben, und denen ich es auch freiwillig gebe, weil auch sie es mir wert sind.

    Jawoll, ich hatte ein so lebenswertes Jahr und ich kann zurückblicken und mich freuen über diese ganzen Dinge. Und ich kann nach vorne sehen und weiß, es wird so weitergehen. Mit Höhen und Tiefen, denn so ist das Leben. Aber ich werde niemals mehr da sein, wo ich so viele Jahre war. Im Turm, hinter dicken Mauern, voller Angst und Zweifel, voller Schmerz, Wut und unterdrücktem Hass. Voller Alkoholdünste.

    Das ist ein kleiner Rückblick, auf ein Jahr voller schöner Dinge, voller leben und lernen. Und loslassen und neu ordnen. Es hat sich gelohnt, mein Weg. Wenn ich auf meinen alten Seiten hier blätter kann ich sehen, wie unsicher ich damals noch war, wie ich hin und hergeeiert bin, was nun aus der alten Beziehung wird. Na gut, es hat nicht mehr geklappt, zu viel war kaputt gegangen. Ich bin froh, dass ich den Mut hatte, es mir einzugestehen und die Konsequenzen daraus zu ziehen.

    Weiter geht's jetzt, leben, lachen, lieben auch 2010!

    Aurora