Beiträge von Aurora

    Hallo Spedi,

    ich muss zugeben, deine Worte hören sich erstmal hart an... :roll::? . Aber es ist tatsächlich so.

    Viele Jahre habe ich ausgeharrt, habe versucht, meinen Mann zu verändern, ihn vom Alkohol "zu retten". Ich war wütend, böse, frustiert und traurig, dass er sich nicht verändern wollte oder konnte. Also hatte er auch die Schuld daran, dass es mir ja soooo schlecht ging. Aber gleichzeitig war ich furchtbar stolz auf die Anerkennung meines Umfeldes, dass ich ja so stark war und alles "ertrug". Dass ich ja immer wieder die Retterin war...

    Erst als ich begann, mit mir selbst was zu machen, erst als ich sah, dass ich ja für mein Leben selbst die Verantwortung trage und niemand anders, erst ab da ging es bergauf! Ich konnte endlich hinsehen und auch mehr und mehr meine eigene Rolle in diesem "Drama" sehen. Ich habe meinem Mann die Verantortung für sein Leben zurückgegeben und dafür die Verantwortung für mein Leben übernommen. Ich begann, hinzusehen und zu erkennen, dass ich es ja selbst in der Hand habe, ob es mir gut oder schlecht geht.

    Das ging aber nicht von heute auf morgen. Bis zum ersten Schritt, zur ersten Erkenntnis waren es viele Jahre. Auch bei meinem Mann hat es ja viele Jahre gedauert, bis er sich selbst seine Alkoholabhängigkeit eingestehen konnte. Auch jetzt gibt es immer noch Rückschritte, Rückfälle in das Co-Verhalten. Dafür bin ich ein Mensch, mit meinen Fehlern und Unzulänglichkeiten.

    Der Unterschied zu vorher ist aber, dass ich es nun erkenne und dagegensteuern kann! Ich bin aktiv für mein Wohlbefinden zuständig und niemand sonst! Seitdem ich das erkannt habe und danach lebe, seitdem geht es mir ständig besser! Meine Lebensqualität ist unglaublich gestiegen! Auch wenn ich viele der Einbußen habe, die mich unter anderem solange Zeit davon abgehalten haben, mich zu trennen, für mich zu handeln. Da war meine Feigheit vor der Verantwortung, das waren nur meine Ängste, die riesigen Ängste, nicht selbst für mich sorgen zu können, das war mein winziges Selbstbewusstsein, nur in Rudimenten vorhanden, was mich hinderte. Das war die Angst, für mich und alle meine Fehler selbst gerade stehen zu müssen! Die Angst davor, nicht mehr geliebt, gemocht zu werden. Denn nun bin ich ja nicht mehr Everybodies Darling sondern recht unbequem geworden.

    Auf einmal habe ich auch Ecken und Kanten, an denen Reibungspunkte entstehen. Aber andererseits werde ich auch respektiert und ernst genommen, nicht mehr als armes Hascherl getätschelt! Und es gibt noch immer Menschen, die mich lieben und mögen :D ! Dadurch wiederum steigt mein Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen jeden Tag! Aber es ist ein stetiger Prozess und geht langsam voran.

    Ürigens hat ja mein Mann, als ich ihm seine Selbstverantwortung zurückgegeben hatte, sie auch übernommen! Inzwischen trinkt er seit über 13 Monaten nicht mehr, lernt mehr und mehr, für sich selbst zu sorgen. Jetzt, wo ich nichts mehr an ihm drehe, jetzt endlich kann er auch mehr und mehr er selbst sein!

    Puh, lange Rede, kurzer Sinn...
    Jeder erwachsene Mensch hat es für sich einzig und alleine selbst in der Hand, wie er sein Leben gestalten möchte, nach den gegebenen Möglichkeiten. Niemand sonst. Das ist doch eine große Freiheit und ein Glück...

    Aurora

    Hallo Elfriede,

    schön, dass du mal "Piep" gemacht hast. Ich wünsch euch weiterhin eine gute Zeit, mit weniger malochen für dich!
    Hast du schon wieder Marmelade gemacht? Beeren gesammelt usw....? Ich fand das immer beeindruckend, was du so alles machst. Und dann auch noch das Nähen.... :D:lol:

    Na denn, ich hoffe, auch dein Urlaub kommt mal demnächst, bis dann und
    mach's jut und ach ja, ich hoffe, dass die Blutwerte von Männe gut sein werden!
    Aurora

    Hallo fish,

    guten Tag hier bei dir, ich bin Aurora, fleißige Mitleserin hier bei dir, bisher aber mehr oder weniger ohne eigene Worte dazulassen! Aber was du schreibst, hat mich gerade so sehr an mich selbst erinnert...

    Nun bist du also angekommen, der große Schritt ist gemacht. Dieser Schritt geschah bei mir letztes Jahr, so ziemlich um die gleiche Zeit. Und dann ging es mir genauo, wie dir jetzt.

    Zuerst war ich erleichtert, weg zu sein, in Ruhe nach Hause kommen zu können, in Ruhe schlafen und wachwerden zu können. Dann war da ja auch noch soooo vieles zu tun im neuen Heim, neue Möbel mussten gekauft werden usw. Ich war erstmal noch voll in Aktion... irgendwann war dann aber auch das alles gemacht und nun begann ich, hinzusehen, in mich rein zu horchen. Und da kamen Emotionen hoch, so viele auf einmal, ich habe mal einen ganzen Tag geweint, wenn ich alleine war kullerten die Tränen, als ich mit anderen Menschen an diesem Tag zusammen traf, weinte ich nach innen weiter. Und dann diese Wut, diese Trauer, und vor allem diese Angst, ob ich es nun richtig gemacht hatte und ob ich nun in der Lage wäre, für mich alleine sorgen zu können.

    Solche Heultage hatte ich dann noch oft, und jetzt auch immer noch zwischendurch, aber jetzt wird es besser, der Schmerz ist ein anderer geworden und viele Dinge konnte ich schon sortieren.

    Es ist nicht immer einfach, aber es ist mutig und stark, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen! Es ist sehr verantwortungsvoll, endlich für die eigenen Bedürfnisse einzustehen und sie einzugestehen! Und die Lebensqualität wird sooooo viel besser, wenn die Mauern endlich anfangen, zu bröckeln! Das diese Prozesse nicht schmerzfrei verlaufen, ist nicht zu ändern, aber diese Schmerzen finde ich auch produktiv, denn sie bewirken ja, dass ich meine alten Hüllen abwerfe und Schicht für Schicht neu herauskomme, so wie die winzige Raupe, aus der mit jeder neuen Schicht mehr und mehr ein wunderschöner Schmetterling wird...

    So, und nun habe ich genug bei dir hier rumgeredet, ich schicke dir mal eine große Portion Kraft, Mut und Zuversicht und werde nun leise wieder verschwinden...

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo cyan,

    wie kannst du dich davor schützen, wieder in eine co-geprägte Beziehung zu kommen? Na ja, ich sehe das so, ich bin co-abhängig aus verschiedenen Gründen, aus Prägungen, die ich erhalten habe. Aus dem Bild, das ich über mich selbst habe.

    Nun bin ich dabei, die Beziehung zu mir selbst zu verändern! Ich beginne, mich selbst zu mögen, zu lieben, mich zu akzeptieren, wie ich bin. Und ich beginne, Forderungen zu stellen, was ich vom Leben verlange mir auch einzufordern. Nicht mich für alle und jeden zu verbiegen, meine Wünsche als unwürdig zu sehen. Ich will nicht mehr nur funktionieren, der Fels in der Brandung sein, die Dame, die alles meistert mit einem (unecht)lachenden Gesicht. Ich erlaube mir zu weinen, echt zu weinen, schwach zu sein, ich erlaube mir, wütend zu sein aber auch so fröhlich und ausgelassen wie ein Kind.

    Und ich sehe mich nicht mehr als schuldig dafür, was alles passiert ist! Ich war niemals schuldig daran, dass mein Mann getrunken hat! Ich bin nicht daran schuld, dass er abhängig wurde! Ich habe 26 Jahre in einer Beziehung verharrt, in der ich überwiegend die Gebende war. Ich habe mir nie mit vollem Herzen etwas eingefordert, niemals darauf bestanden, immer nachgegeben. Immer habe ich mich verbogen, immer "Ja" gesagt...immer waren die Bedürfnisse meines Mannes an erster Stelle, natürlich auch die meiner Kinder, dann die der Eltern, Schwiegereltern, Schwager und so weiter und so fort...wo war ich die ganze Zeit?

    Nun, es war mein Bild, was ich von mir hatte, all die Jahre. Und ich fand mich cool, wie ich alles geregelt und gemanagt bekam. Immer bereit, mich zu opfern...immer für die Anderen bereit...Es war mir nicht anders möglich, als so zu leben, ich wusste es nicht besser. Ich hatte Ängste, etwas zu verändern, Ängste vor soooo vielen Dingen. Ich habe mir nicht vertraut, dass ich es schaffen kann! Es musste perfekt und kontrolliert nach außen erscheinen, innen war es egal. Ich fand mich nicht wertvoll genug, um für mein eigenes Wohl zu sorgen. Nun bin ich dabei zu lernen, mir selbst zu verzeihen! Denn es war alles so, weil es zu meinem Leben und mir dazu gehörte. Weil ich es nicht anders wusste. Welchen Sinn hätte es, jetzt nach Schuldigen zu suchen? Was würde es nützen, wem würde es nützen? Für mich ich nun wichtig, dass ich mit mir selbst im Reinen sein kann, mich so nehmen und sehen kann, mich an erster Stelle in meinem Leben sehe! Dass ich mein Selbstvertrauen aufbaue und immer größer wachsen lasse! Dass ich Schuldgefühle loslassen kann, die Vergangenheit annehmen kann als das, was war. Das ich es mir einfach wert bin...

    Und dann werde ich bei Beziehungen nicht mehr in die Co-Falle gehen können. Denn ich bin anders geworden, meine Augen blicken anders auf mich und meine Bedürfnisse!

    Das ist meine Sicht der Dinge.
    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo,

    irgendwie dachte ich heute so bei mir, ich könnte ja mal wieder hier auch was schreiben.

    Am 5.6. war es ein Jahr her, dass ich den Mietvertrag unterschrieben habe,und dann in meine Wohnung hier gezogen bin. Die Zeit davor war in den letzten Wochen die Hölle für mich gewesen, denn als mein Mann merkte, dass ich es diesmal ernst meinte und machte mit meinen Drohungen, tickte er ziemlich aus. Er hat alle Register gezogen, um mich wieder in die Verstrickungen, Schuldgefühle und Zwänge zu drücken. Mit sehr viel Kraft und Verzweiflung, aber auch Überlebenswillen, sozusagen, und mit der Hilfe des Forums hier :D habe ich das durchgezogen. Am 8.6. letzten Jahres hat dann auch mein Mann vor dem Alkohol kapituliert und ist mit schweren Entzugserscheinungen ins KH gegangen, um sich helfen zu lassen. Seit dem hat er keinen Alkohol mehr getrunken.

    Nun ist das alles ein Jahr her, meine Güte, wo ist bloß die Zeit geblieben... :roll: . Langsam merke ich jetzt so einige Früchte meiner Arbeit mit mir selbst, ich sehe schon vieles klarer und mit anderen Augen. Aber ich habe auch immernoch viel zu tun mit mir. Anfang der Woche hatte ich mein zweites Therapie-Vorgespräch. Das hat mir sehr gut getan, aber es hat mir auch wieder um einiges die Augen geöffnet :? . Ich bin zwar gut auf meinem Weg, ich sehe mich auch sehr optimistisch zur Zeit. Aber es gibt doch noch Dinge, die ich aufarbeiten und verändern muss.

    Manchmal suchen mich noch die bösen Teufelchen heim, zeigen mir Bilder von früher, von all den Verletzungen, die passiert sind :( . Dann bin ich schon noch traurig. Es fällt mir sehr schwer, diese Erinnerungen loszulassen. Und nicht nur mein Mann muss mich loslassen, ich ihn auch, damit jeder für sich seinen Weg sehen kann. Er schafft es noch oft, die richtigen Knöpfe bei mir zu drücken, dass ich mich wieder schuldig fühle, verantwortlich für seine Befindlichkeiten und Bedürfnisse. Na ja, da arbeite ich mich jetzt hin, laaaangsam und mit Geduld (aaaahhh, Geduld, nicht gerade meine größte Stärke :? ).

    Na ja, auf jeden Fall habe ich es bis heute nicht bereut, ausgebrochen zu sein aus dem Kreis von Alkoholsucht und Co-Abhängigkeit! Ich musste zwar einige Nachteile in Kauf nehmen, z.B. finanzieller Art, aber dafür habe ich einen Haufen Lebensqualität und Lebensfreude gewonnen! Und jeden Tag wird es mehr!

    Ich möchte allen Mut machen, zeigen, dass es immer einen Weg aus der Verzweiflung gibt. Es ist schon ein harter Weg, mit vielen Stolpersteinen und Tücken, oft muss man anhalten und ausruhen, das Neue erstmal wirken lassen. Oft ist man mutlos und schlapp, aber ein Aufraffen und Weitergehen lohnt sich. Denn hinter jeder Wegbiegung liegt ein neues, schönes Land. Der Weg ist lang, Geduld ist angebracht... :?:roll: , na ja, aber es ist nicht unmöglich :D .

    Das war's jetzt erstmal wieder von der
    Aurora - die ja immernoch täglich auch hier mitliest, ansonsten noch immer in der "Geschlossenen" rumdümpelt :lol:

    Hallo Gertrud,

    du hast Recht, Alkoholismus ist eine schlimme Krankheit. Auch mein Mann ist davon betroffen. Im Laufe der vielen Jahre seiner Krankheit und unserer Ehe wurde ich dann auch krank, und meine Krankheit heißt Co-Abhängigkeit!

    Mein ganzes Denken und Bemühen galt immer nur seinem Wohlbefinden. Und dass ich dem Bild entsprach, was andere Menschen von mir haben sollten. Und dass er ohne mich nicht existieren könnte, untergehen würde, mehr und mehr im Sumpf des Saufens versinken würde. Nun ja, er versank trotz meiner Bemühungen mehr und mehr in diesem Sumpf, aus dem immer friedlichen und freundlichen Säufer wurde mehr und mehr ein aggressiver Mensch, den ich garnicht wiedererkannte!

    Ich habe mal stumm, mal ihn anschreiend, gelitten, mich mehr und mehr verloren. Ich hatte kein eigenes, zufriedenes Leben mehr, alles drehte sich nur noch um ihn! Wann würde er wieder betrunken rumliegen, wenn ich von der Arbeit komme, was ist mit der nächsten Familienfeier, wie würde er sich da wohl verhalten. Ich übernahm mehr und mehr die Verantwortung für sein Leben und sein Verhalten, versuchte, ihn zu kontrollieren, über mein eigenes Leben dachte ich nicht mehr nach. Da gab ich die Verantwortung mehr und mehr ab. Ich fühlte mich als Opfer, schuldig, ausgenutzt, schlecht, nicht liebenswert...

    Dann begann ich, mich über die Alkoholkrankheit zu informieren und über meine Co-Abhängigkeits-Krankheit. Da erfuhr ich, seine Krankheit kann er nur alleine stoppen, nur wenn er bereit ist, ein Leben ohne Alk zu führen, könnte er leben. Und ich kann auch nur leben, wenn ich die Mechanismen meiner Sucht erkenne und sie stoppen, indem ich wieder Verantwortung für mich selbst übernehme und lerne, mich anzunehmen, wie ich bin, und mich zu lieben als der Mensch, der ich bin. Das konnte ich aber nur, in dem ich mich von ihm trennte, ihm die Verantwortung für sein Leben wieder selbst in die Hand gab! Erst da konnte er sehen, konnte entscheiden, wie er sein Leben weiterhin führen wollte! Und auch ich konnte sehen, was ich vom Leben verlange, wie meine Vorstellungen vom Glück aussehen!

    Ich habe mich getrennt, vor einem knappen Jahr! Es war schwierig für mich, hat mich manchmal zerrissen, geschmerzt wie dolle, ich hatte Schuldgefühle, dass ich ihn im Stich lasse! Aber was habe ich aufgegeben: mein Zuhause, meine finanzielle Sicherheit,
    aber auch Kummer, Schmerz, Verletzung, Demütigung...
    Erhalten habe ich: Selbstachtung, Ruhe, inneren Frieden und Gesundheit, denn auch mein Körper zeigte schon viele Beschwerden, die psychischer Art waren!

    Nun heile ich langsam, in meinem neuen Zuhause. Mein Mann heilt auch langsam, denn dadurch, dass ich ihm konkret gezeigt habe, dass er mich zusammen mit dem Alk nicht mehr haben könnte, hat er seinen Tiefpunkt erreicht und ist zur Entgiftung und anschließenden Therapie gegangen.

    Eine Trennung muss also nicht immer negativ sein! Es gibt dir die Möglichkeit, ein Leben zu führen, mit Selbstachtung und Selbstliebe! Nun gut, mein Mann ist davon aufgewacht, hat seine Sucht zum Stillstand gebracht. Das ist leider nicht immer so. Aber selbst, wenn es nicht so wäre, dann hätte ich ja wieder was vom Leben! Nun versuchen wir beide, herauszufinden, ob es noch eine gemeinsame Basis für uns gibt. Auch das ist sehr schwierig, für uns beide, es hat sehr viel mit Veränderungen zu tun, mit dem Erkennen der eigenen Bedürfnisse, mit sehr vielen Schritten in die richtige Richtung! Es ist Arbeit, aber eine Arbeit, die sehr zufrieden macht! Denn ich erhalten jeden Tag ein Stück meiner Achtung wieder, Lebensqualität, Freiheit!

    Das ist meine Sicht der Dinge. Ich hoffe, ich bin nicht an deinem Anliegen vorbeigeschrammt mit meiner Antwort hier :oops: . Nun denn, auf jeden Fall wünsche ich dir einen schönen Sonntag!

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo - staubwisch -,

    ich bin noch da........ :D . Gerade habe ich mal meinen alten Thread gesucht, na, der war ja schon weiter hinten. Ich "tummel" mich ja nur in der Geschlossenen, aber hier lese ich auch regelmäßig jeden Tag.

    Nun bin ich ja ein paar Tage länger als ein Jahr hier. Und mein "neues" Leben gefällt mir auch immer besser. Demnächst werde ich eine Therapie beginnen, irgendwann vor einigen Wochen habe ich gemerkt, ich brauch's. Die ersten Monate nach meinem Auszug war ich anscheinend noch zu beschäftigt, zu sehr musste erst alles Neue geregelt werden und sich alles Alte setzen, bis ich mich "reif" dafür fühlte. Ich merke aber, dass ich doch eine Therapie brauche, denn es ist für mich alleine sehr schwierig, die Geschehnisse aus der Trinkerzeit meines Mannes und die Ursachen meiner Co-Abhängigkeit alleine zu verarbeiten.

    Aber es geht mir jeden Tag ein Stück besser, jeder Tag bringt mich weiter auf meinem Weg. Mein Mann trinkt noch immer nicht, wir haben auch weiterhin regelmäßig Kontakt und unternehmen Sachen gemeinsam. Es fällt ihm sehr schwer, mich auch loszulassen, das ist oft schon belastend für mich. Denn ich hätte schon oft gerne mehr Abstand, um Dinge für mich zu klären. Ich finde es wichtig, dass jeder für sich seinen Weg finden kann, dann kann man auch sehen, ob man gemeinsam weitergehen kann und will.

    Ich bin jedenfalls stolz auf mein bisher Erreichtes und sehe mein Leben wieder als schön und lebenswert.

    Viele Grüße
    Aurora

    Hallo Ette,

    im "Geschlossenen" gibt es ja auch diesen Thread und da hab ich auch schon was gepostet. Ich habe aber auch noch lange darüber nachgedacht, über die Gluckenmutter, zu der ich mich auch zähle. Ich bin im Großen und Ganzen zu dem gleichen Schluss gekommen, wie du.

    Durch meine Kinder fühlte ich mich wertvoll, hatte ich doch was Sichtbares geleistet für diese Welt, und Mütter sind ja auch ein Wertbestandteil unserer Gesellschaft (na ja, mehr oder weniger, ich sah das jedenfalls immer so). Somit hatte mein geringes Selbstwertgefühl schonmal Nahrung. So nach dem Motto: ich habe ja schließlich zwei Kinder zur Welt gebracht.

    Und noch was ist mir eingefallen bei den Überlegungen. Kinder sind ja bis zu einem gewissen Alter abhängig von der Liebe und Fürsorge ihrer Bezugsperson/en. Dafür lieben sie dich unendlich und kompromisslos, sie zeigen es dir jeden Tag, mit Lächeln, mit dicken, schmutzverschmierten Schmatzern, mit Bildchen "Mama ist die Beste"...usw. Das ist doch der Balsam für die Seele, für meine Seele gewesen, endlich sind da zwei Menschen, die lieben mich so wie ich bin, mit allen meinen Schwächen und Fehlern, ohne Wenn und Aber...also muss ich doch was wert sein, wenn die mich sooo lieben...

    Und diesen Wert wollte ich mir schon erhalten, dieses Gefühl "Mama ist die Beste", ich habe mir also die Liebe sozusagen erkämpft, indem ich mich selbst für meine Kinder opferte, ihnen alles gab, was ich konnte. Denn je älter sie wurden, desto kritischer ist natürlich auch ihre Einstellung zur Mutter geworden. Ich musste mich immer mehr anstrengen... Dazu kam dann, dass der Alkoholkonsum meines Mannes immer mehr zunahm. Also hatte ich auch noch die Aufgabe, den Kindern eine "heile Welt" vorzuspielen, ihnen ihr Elternhaus schmackhaft zu erhalten, sozusagen. Ihnen auch ihren Vater ins rechte Licht zu rücken, obwohl sie ja sahen, was mit ihm passierte. Und zu beweisen, ich bin doch die beste Muddi, ich hab alles im Griff hier, auf mich ist immer Verlass und für euch, meine Kinder, mach ich alles bis zum Umfallen. Und nun liebt mich gefälligst...Das seid ihr mir schuldig!

    Boah, das ist was... Ich habe im Kopf gewusst, ich muss sie loslassen, ich habe es auch getan, nach und nach, aber es ist mir unendlich schwer gefallen. Meine Tochter ist ja verheiratet und lebt ihr Leben, wir haben regelmäßig und guten Kontakt. Sie kann mich alles fragen und ich werde ihr auch beistehen, wo ich kann, aber nicht mehr bis ins Unendliche. Meinem Sohn geht es auch gut, er hat sich gut abnabeln können von mir, er lebt bei meinem Mann.

    Ich merke aber auch, je weiter ich auf meinem Weg bin, je selbstbewusster und sicherer ich werde, desto mehr lass ich auch meine Kinder gerne los, desto mehr können sie auch mich loslassen, auch sie müssen nun nicht mehr auf mich aufpassen, damit es mir gut geht!

    Uff, lange Rede, kurzer Sinn, jetzt fange ich mal an, meinen freien Tag zu genießen :D .

    Aurora

    Hallo Lenjana,

    sonst bin ich ja nur stille Mitleserin bei dir, aber nun misch ich mich mal kurz ein :wink: . Denn ich hab auch längere Zeit gebraucht, bis ich das mit dem Zitieren richtig begriffen habe :oops: . Ich dachte schon, ich bin etwas balla...

    Also, wenn ich einen Text lese und will eine Stelle daraus zitieren, markiere ich sie. Dann geh ich oben in's Menue "bearbeiten" und wähle "kopieren"aus. Dann öffne ich mein Antwort-Fenster und entscheide, wo ich das Menue dann einfügen will.
    In dem Anwtort-Fenster ist oben der Punkt "Quote", ich geh dann auf "Quote" und danach oben ins Menue "bearbeiten". Dort wähle ich dann "kopieren" aus und gleich danach wieder"Quote".
    Dann erscheint, trara, mein gewünschtes Zitat!

    So, ich hoffe, jetzt klappt's...

    Liebe Grüße Aurora

    Zitat

    Hallo Lenjana

    Hallo,

    irgendwann in den letzten Jahren wurde es für mich klarer und klarer, dass mein Mann ein Alkoholproblem hat, irgendwann dachte ich, er ist Alkoholiker. Er hat das damals natürlich nicht zugegeben. Ich wusste nichts über diese Krankheit, über Entstehung, Auswirkung, was im Körper oder im Kopf desjenigen so abgeht. Ich dachte damals, er ist zu schwach zum Aufhören, er hat keinen Willen dazu, er erachtet mich und unsere Familie als wertlos usw. Irgendwann wurde mir immer mehr klar, dass ich so nicht weiterleben wollte und konne. Da fing ich an, mich zu informieren, fand dann auch dieses Forum - was für ein Glück für mich!

    Ich lernte, dass Alkoholsucht eine Krankheit ist, genauso wie meine Co-Abhängigkeit. Ich begriff, was in meinem Mann teilweise vorging und ich erkannte, dass ich nicht dafür verantwortlich bin! Ich begann, anzunehmen, zu akzeptieren, dass ich nicht meinen Mann ändern kann, dass es seine eigene Entscheidung ist, wie er sein Leben leben möchte! Ich entschied für mich, dass mein Leben anders aussehen sollte, als an der Seite eines stinkenden, benebelten und zunehmend unberechenbaren Mannes! Ich konnte endlich loslassen, mein Leben in die Hand nehmen. Ich habe mich räumlich getrennt, mein Mann hat dann eine Entgiftung gemacht, eine Therapie und ist nun seit fast 8 Monaten trocken.

    Inwischen können wir gut miteinander auskommen. Ich habe großen Respekt vor seiner Krankheit und freue mich für ihn, dass er sie zum Stillstand bringen konnte. Ich habe es akzeptiert, dass er diese Krankheit hat. Und dass es nie eine Garantie dafür gibt, dass sie ihn wieder überrollt. Aber ich weiß, dass es seine Entscheidung sein wird. Meine Entscheidung heißt dann, dass ich den Kontakt zu ihm einstellen werde!

    So, und nun werde ich gleich mal zu einem schönen Spaziergang aufbrechen. Ich habe mich vorhin mit meinem Mann dazu verabredet. Wir wollen gemeinsam dieses schöne Sonnenwetter genießen, was endlich hier mal ist. Heute....

    Aurora

    Hallo,

    ich habe gerade gestern abend mit meiner Tochter und meinem Schwiegersohn darüber geredet, über Alkoholwerbung und -präsenz in den Medien - welch ein Zufall!

    Ich bin inzwischen so sensibel für dieses Thema Alk geworden, dass es mir extrem auffällt und mich stört. Ständig wird man damit konfrontiert und es wird dargestellt, als ob es zum glücklichen, ausgefüllten, erfolgreichen Leben dazugehört, zu trinken. Dabei zerstört Alk Familienleben, Menschenleben, Gesundheit...wem erzähl ich das...

    Ich bin gespannt, was Karsten da in die Wege geleitet hat!

    Aurora

    Hallo,

    es ist mal wieder Sonntag, eine neue Woche fängt an und diesmal auch noch ein neues Jahr. Wie es so ist und anscheinend auch vielen anderen so ergeht, blicke ich zurück auf das Jahr. Es gab schon viele Ereignisse in meinem Leben, die vieles für mich verändert haben. Was aber in diesem Jahr mit mir passierte bzw. was ich für mich getan habe, hat mein Leben grundlegend geändert!

    Vor einem Jahr saß ich da, voller Hoffnung, dass alles besser wird, mein Mann hat gerade eine Trinkpause gemacht bzw. versucht, seinen Konsum zu beschränken. Ich dachte (mal wieder) ganz optimistisch, er hat es gepackt! Das ging aber leider nur bis Ende Februar gut, und dann legte er wieder los, schlimmer als je zuvor! Aber diesmal hatte es bei mir „klick“ gemacht, ich war nicht mehr gewillt, in meiner Rolle als Opfer und Helferlein zu verharren, zu groß waren die Verletzungen und der Schmerz. Ich wusste, es ist nun an der Zeit, dass ich für mich aktiv werden muss, wenn ich leben will! Ich hatte mich ja in den letzten beiden Jahren schon ein wenig informiert über die Krankheit Alkoholismus, über Co-Abhängigkeit wusste ich ein bisschen, und nun begann ich, mit Trippelschritten und zitterndem Herzen, mit viel Angst aber trotzdem purer Entschlossenheit mein Leben umzukrempeln, Verantwortung für mich und mein Leben zu übernehmen. Ich bin dann auf dieses Forum gestoßen und fühlte mich zum ersten Mal verstanden! Ich habe hier gelesen und alle Infos aufgesogen wie ein Schwamm. Das gilt für die Co-Ecke genauso wie für die Alk-Ecke!

    Ich wusste, so kann es nicht mehr weitergehen, diesmal eier ich nicht mehr herum, mein Tiefpunkt ist erreicht. Ich habe meinem Mann ein Ultimatum gestellt, mich von meiner Schwiegerfamilie getrennt und mir eine Wohnung gesucht! Natürlich, das hört sich nun sehr einfach an, aber es hat weh getan, es hat mich oft zurückgeworfen, ich habe gezaudert und gezagt, aber ich habe mein Ziel nie aus den Augen verloren: ich will leben! Ich habe dann auch eine Wohnung gefunden, fast gleichzeitig hat mein Mann auch seinen Tiefpunkt erreicht, er war bereit, zur Entgiftung und Therapie zu gehen! Er trinkt seit einem halben Jahr nicht mehr.

    Ich lebe seit Mitte Juli in meiner eigenen Wohnung. Ich arbeite sehr viel an mir, habe über vieles nachgedacht und habe sehr viele Erkenntnisse über mich und mein Verhalten erlangt. Ich bin dabei mit einer schonungslosen Offenheit mir gegenüber vorgegangen, habe mit großer Ehrlichkeit reflektiert. Und ich schreibe und lese hier überwiegend im geschlossenen Bereich, hier habe ich so viel Anstöße, Unterstützung und Gedankenstützen erhalten! Und jeden Tag mehr erreiche ich einen Teil einer Lebensfreude, Kompetenz, mein Leben zu meistern, wie es für mich gut ist! Es gibt natürlich auch Zeiten, da fühle ich mich schlecht, heule hier rum, aber auch das gehört dazu, finde ich. Diese Zeiten werden aber immer weniger, wenn ich überlege, es ist tatsächlich schon eine Weile her, dass ich so einen Hänger hatte!

    Zu meinem Mann habe ich einen sehr guten Kontakt! Aber ich muss auch aufpassen, ab und an rutsche ich in mein altes Co-Verhalten zurück. Das ist nicht so gut, weder für mich noch für ihn. Aber wir reden sehr viel miteinander, können vieles gemeinsam aufarbeiten. Tief in mir drinnen lauert auch noch immer das große Misstrauen, ob er nicht doch wieder anfängt zu trinken…das werde ich wohl auch so bald nicht abstellen können. Trotzdem schließe ich es nicht mehr aus, dass wir wieder als Ehepaar zusammen kommen können! Aber meine eigene Wohnung gebe ich so schnell nicht mehr auf! Ich baue mir weiterhin mein eigenes „ich“ auf, werde weiterhin an mir arbeiten, mich selbst wichtig nehmen! Vielleicht werde ich eine Therapie für mich beginnen, das lass ich aber noch offen, wenn der Zeitpunkt für mich da ist, werde ich es merken.

    Tja, alles in allem war es ein sehr ereignisreiches Jahr! Und das kommende wird wieder sehr spannend werden! Auch diesmal blicke ich optimistisch ins neue Jahr, aber diesmal auch mit ehrlicher Berechtigung! Ich will und werde niemals wieder so leben wie in den letzten Jahren meiner Ehe! Ich habe gelernt, ich kann mich tagtäglich mehr annehmen wie ich bin. Und ich weiß, es kam alles so, weil ich mich endlich ändern konnte, aus meiner Starre ausbrechen konnte! Und mein Mann konnte auch nur aufhören zu trinken, weil er es so wollte, auch er hatte seinen Tiefpunkt erreicht.

    Und nun hat er gerade angerufen, weil er Schwierigkeiten mit der Waschmaschine hat, seufz, Männer und Technik :lol: ...

    Ich wünsch allen hier ein gutes neues Jahr!

    Aurora

    Hallo Elfriede,

    ich nun mal, als Reformhaus-Frau :wink: . Es gibt z.B. im Reformhaus ein Getränk zum heiß machen, das ist eine Mischung aus Säften, Honig, Vit.C und das ist garantiert alkoholfrei! Man kann aber auch z.B. ja Apfelsaft heiß machen und würzen, z.B. mit Nelken und Zimt. Oder Holundersaft, auch dafür gibt es Liebhaber (ich nicht :? ).

    Ich wünsch dir was
    Aurora

    Hallo Elfriede,

    ich habe bei mir auch die Erfahrung gemacht, dass in Zeiten der Anspannung und Stress ich funktioniere, ich alles schaffe, was ich mir vorgenommen habe und was gebraucht wird.

    Das Schlimmste ist bei euch vorbei, die Anspannung kann abfallen, du kannst erst jetzt fühlen, wie verbraucht eigentlich deine eigenen Reserven sind. Jetzt kann alles zum Vorschein kommen, was du vorher garnicht hättest gebrauchen können, was unterdrückt wurde.

    Jetzt ist es auch für dich Zeit, wieder mehr Ruhepausen einzulegen, Verwöhnzeiten zwischen zu schieben. Und dafür ist doch so olles Herbstwetter auch gut geeignet, für kuschelige Nachmittage, mit heißem Tee, leckeren Keksen (öhm :oops: , Hüftgold), warmen Vollbädern mit duftenden Badezusätzen, Kerzen, schöner Musik....

    Oah, da komm ich echt ins Schwärmen, vielleicht sollte ich mir ja sowas selbst auch mal wieder gönnen...... :oops::wink:

    Viele Grüße
    Aurora