Hallo,
irgendwie dachte ich heute so bei mir, ich könnte ja mal wieder hier auch was schreiben.
Am 5.6. war es ein Jahr her, dass ich den Mietvertrag unterschrieben habe,und dann in meine Wohnung hier gezogen bin. Die Zeit davor war in den letzten Wochen die Hölle für mich gewesen, denn als mein Mann merkte, dass ich es diesmal ernst meinte und machte mit meinen Drohungen, tickte er ziemlich aus. Er hat alle Register gezogen, um mich wieder in die Verstrickungen, Schuldgefühle und Zwänge zu drücken. Mit sehr viel Kraft und Verzweiflung, aber auch Überlebenswillen, sozusagen, und mit der Hilfe des Forums hier
habe ich das durchgezogen. Am 8.6. letzten Jahres hat dann auch mein Mann vor dem Alkohol kapituliert und ist mit schweren Entzugserscheinungen ins KH gegangen, um sich helfen zu lassen. Seit dem hat er keinen Alkohol mehr getrunken.
Nun ist das alles ein Jahr her, meine Güte, wo ist bloß die Zeit geblieben...
. Langsam merke ich jetzt so einige Früchte meiner Arbeit mit mir selbst, ich sehe schon vieles klarer und mit anderen Augen. Aber ich habe auch immernoch viel zu tun mit mir. Anfang der Woche hatte ich mein zweites Therapie-Vorgespräch. Das hat mir sehr gut getan, aber es hat mir auch wieder um einiges die Augen geöffnet
. Ich bin zwar gut auf meinem Weg, ich sehe mich auch sehr optimistisch zur Zeit. Aber es gibt doch noch Dinge, die ich aufarbeiten und verändern muss.
Manchmal suchen mich noch die bösen Teufelchen heim, zeigen mir Bilder von früher, von all den Verletzungen, die passiert sind
. Dann bin ich schon noch traurig. Es fällt mir sehr schwer, diese Erinnerungen loszulassen. Und nicht nur mein Mann muss mich loslassen, ich ihn auch, damit jeder für sich seinen Weg sehen kann. Er schafft es noch oft, die richtigen Knöpfe bei mir zu drücken, dass ich mich wieder schuldig fühle, verantwortlich für seine Befindlichkeiten und Bedürfnisse. Na ja, da arbeite ich mich jetzt hin, laaaangsam und mit Geduld (aaaahhh, Geduld, nicht gerade meine größte Stärke
).
Na ja, auf jeden Fall habe ich es bis heute nicht bereut, ausgebrochen zu sein aus dem Kreis von Alkoholsucht und Co-Abhängigkeit! Ich musste zwar einige Nachteile in Kauf nehmen, z.B. finanzieller Art, aber dafür habe ich einen Haufen Lebensqualität und Lebensfreude gewonnen! Und jeden Tag wird es mehr!
Ich möchte allen Mut machen, zeigen, dass es immer einen Weg aus der Verzweiflung gibt. Es ist schon ein harter Weg, mit vielen Stolpersteinen und Tücken, oft muss man anhalten und ausruhen, das Neue erstmal wirken lassen. Oft ist man mutlos und schlapp, aber ein Aufraffen und Weitergehen lohnt sich. Denn hinter jeder Wegbiegung liegt ein neues, schönes Land. Der Weg ist lang, Geduld ist angebracht... ![]()
, na ja, aber es ist nicht unmöglich
.
Das war's jetzt erstmal wieder von der
Aurora - die ja immernoch täglich auch hier mitliest, ansonsten noch immer in der "Geschlossenen" rumdümpelt ![]()