Hallo Schwesti,
du hast bei deinem Bruder keinen Erfolg gehabt, ihn vor dem Alkohol zu schützen. Schreibst du. Aber wie hättest du das auch machen können? Ihr habt doch nicht in einer Blase gelebt sondern mittendrin. Im Leben, eben auch mit Stoffen, die schädlich sind.
Es war doch immer die Entscheidung deines Bruders, dass er getrunken hat. Dass er abhängig davon wurde, daran ist doch niemand schuld, auch DU nicht. Oder hast du ihn gezwungen zu trinken? Es war doch immer SEIN Leben, SEINE Entscheidung. Und er hätte, hätte er es aus tiefstem Herzen gewollt, immer um Hilfe bitten und aufhören können.
Wirklich schützen kannst du auch deine Kinder nicht. Aber offen mit ihnen reden, auch, wie elendig dein Bruder zugrunde gegangen ist, das kannst du. Wenn dein Sohn 15 ist, kann er die nackte Wahrheit auch vertragen.
Meine Kinder haben das mit ihrem Vater und der Sucht hautnah miterlebt. Meine Tochter konnte mit Alkohol nichts anfangen, fand das grässlich. Hat höchstens mal genippt. Sohn hat es probiert, hat auch über die Stränge geschlagen. Aber abhängig ist er nicht. Er trinkt schon auch Alkohol aber bewusst. Er weiß, dass er auf sich aufpassen muss weil er zum Übertreiben neigt. Sagt er selbst.
Ich habe, nach der Trennung vom 1. Mann, immer offen mit meinen Kindern, die da schon erwachsen waren, geredet. Aber ich wusste und weiß, dass ich keinen Einfluss darauf hatte und habe, was meine Kinder machen. Soviel Macht habe ich als Mutter nicht, was auch gut ist. Denn wie sollen die Kinder eigenständige Menschen werden, wenn ich als Mutter über allem stehe...
Ich kann nicht alles verhindern, so habe ich mich auch nie gesehen. Ich habe ihnen Wurzeln gegeben und dann Flügel. So ist das.
Liebe Grüße Aurora