Hallo Mami,
ja, es kostet ihn alle Kraft, das jetzt durchzuziehen. Er ist jetzt ohne Alkohol seinen Gefühlen und Eindrücken pur und unvernebelt ausgesetzt, das strengt an. Und vielleicht hat auch er Ängste in sich. Bestimmt hat er das.
Wenn er wieder nach Hause kommt, wird sein Alltag auch nicht mehr "normal" sein. Bis vor seiner Therapie war auch sein Alltag benebelt, die Sucht hatte das Kommando. Es ist eine sehr große Herausforderung, dann alles nüchtern zu erleben und wieder eine Alltagsstruktur ohne Alkohol zu finden. Wieder Verantwortung zu übernehmen und auch Stress, Druck, Niederlagen, unschöne Situationen oder auch schöne Situationen, Freude usw ohne Alkohol auszuhalten.
Du kannst ihn dabei gut unterstützen indem du ihn machen lässt. Dich auf dein eigenes Leben konzentrierst, auch mal eigene Wege gehst, dich z.B. mit Freundninnen triffst und ihm Freiraum lässt. Nicht dauernd an ihm hängst, ihn ständig fragst wie es ihm geht, was er braucht, ob er dich noch liebt usw. Sein Fokus wird auf ihm selbst liegen. Das muss so sein. Das ist normal. Wenn er ernsthaft trocken bleiben will.
Du kannst nichts beeinflussen. Was er aus allem machst. Aber du kannst beeinflussen, wie es dir geht. Ihm zeigen, dass du ihn ernst nimmst und ihn mit seiner Suchterkrankung achtest und ihm Zeit gibst. Was daraus in den nächsten Monaten wird, weiß niemand. Du kannst nichts erzwingen oder kontrollieren.
Das ist schwer auszuhalten, ich weiß. Aber wenn du deine Zeit für dich gut nutzt, lernst, dass du auch glücklich sein darfst wenn er nicht dabei ist und dass du keine Verantwortung für seine Gefühle hast, dann wird sich ein Weg finden. Wie immer der aussehen wird.
Lieber Gruß Aurora