Beiträge von Aurora

    Hallo Brokenstorm,

    herzlich willkommen in unserer online-SHG.

    Loslassen - eine schwierige Angelegenheit. Leider gehen Gefühle, die ja mal schöne Gefühle waren, nicht einfach auf Knopfdruck weg. Und auch wenn es nach und nach immer schlimmer in deiner Beziehung wurde, es ist ja trotzdem ein Ende, eine Trennung. Und das tut immer weh und braucht Zeit zum Heilen.

    Was machst du denn nun für dich? Tust du dir gute Dinge an? Denn das ist eine gute Möglichkeit, die Seele zu streicheln, gewissermaßen.

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo Angel,

    meine Vorschreiber haben dir ja schon eine Menge guter Dinge geschrieben!

    Wie führe ich da ein Gespräch?

    Wichtig ist, dass er nicht allzu betrunken ist, denn so ganz nüchtern wird er ja eh nie sein. Aber wenn er voll ist dann ist kein guter Zeitpunkt für ein Gespräch. Denn er ist dann überhaupt nicht aufnahmefähig, sag ich mal.

    Ja, Ich-Botschaften sind gut! Also zum Beispiel:

    ich mache mir Sorgen
    es geht mir immer schlechter mit deiner Sauferei
    ich mag das nicht mehr mitmachen so

    Du kannst ihm auch durchaus ja Hilfe anbieten, also dass du ihn unterstützen wirst sollte er trocken werden wollen. Allerdings muss er die Schritte dafür alleine machen! Nur wenn er bereit ist Hilfe anzunehmen, mit voller Einsicht, wird es auch klappen.

    Das fällt mir so spontan ein.

    Bei mir war es so, dass mein Exmann dann anfing mit diesen Beteuerungen, von denen dir meine Vorschreiber schon geschrieben haben. Ich bin immer wieder darauf reingefallen weil ich es einfach auch glauben wollte. Und er hat dann auch immer einige Zeit kaum was getrunken oder gar nichts, dachte ich jedenfalls, denn er hat es eben so gemacht, dass ich nichts gemerkt habe davon. Und ich dachte dann immer, nun würde sich alles zum Guten bessern.

    Weit gefehlt...

    Mein wichtigster Schritt war, dass ich endlich konsequent wurde. Ich habe also nicht mehr gejammert und gefleht oder so sondern gemacht. Und zwar für mich. Nach all diesen Gesprächen, nach denen sich nichts langfristig geändert hatte, konnte ich nicht mehr. Und ich hatte auch immer gedroht mich zu trennen und so - da hat er mich nicht mehr ernst genommen.

    Und das ist ein ganz wichtiger Punkt! Alles, was du sagst oder auch androhst solltest du auch in der Lage sein zu machen!

    Ich hatte zum 1000sten Mal also angedroht mich zu trennen und war dann wirklich so weit, er hat mich ausgelacht wie immer und war sprachlos, als ich es gemacht habe. Das ist jetzt 12 Jahre her. Danach hat er aufgehört mit dem Trinken, ist zur Entgiftung gegangen und war etwas mehr als 4 Jahre trocken. Weil er es so wollte, er dachte aber, ich würde dann zurück kommen. Er hat es also nicht wirklich für sich gemacht... Zurück gegangen bin ich nicht, zu viel war zerstört worden. Inzwischen bin ich auch in 2er Ehe glücklich verheiratet :D .

    Mein Ex ist übrigens Anfang November letzten Jahres verstorben, er hatte wieder angefangen zu trinken, mit einem "Bierchen" weil im Urlaub das Meer so schön war. Er hat sich tot gesoffen :( .

    Wie dem auch sei.

    Liebe Grüße
    Aurora

    Liebe Nadless,

    oha, ein irrer Gefühlscocktail bei dir gerade...

    Schuld... diese Schuldgefühle sind große Fesseln. Aber woran glaubst du schuld zu sein?

    Zitat

    Eine andere Stimme in mir sagt aber immer noch dass er jetzt nichts mehr zu verlieren hat weil ich ihn jetzt auch noch abserviert habe. :?


    Abserviert, wie hört sich das an? Ich finde, das ist echt einfach der falsche Begriff und dadurch bekommst du ein falsches Bild. Warum hast du beschlossen, ein Zusammenleben mit ihm zu beenden? Überlege dir mal die Gründe dafür, sind das gute Gründe, Gründe, die deine Lebensqualität betreffen?

    Zitat

    :shock: Wer ist das da gerade in meiner Küche? Seine Haare stehen auf halb acht, mindestens drei Wochen nicht rasiert und der Rest sieht aus wirklich wie vom Bahnhof. Es ist furchtbar.


    Ja, und schon wieder kommen Schuldgefühle auf. Der arme Mann, wie fertig er doch ist weil ich so böse zu ihm bin... oder so ähnlich. Oha, mein Ex war ähnlich drauf! Er hat dann mit leidender Stimme geredet, wie ein geprügelter Hund ist er rum geschlichen. Und ich bin vor Schuldgefühlen fast umgekommen. Und das wollte er auch. Denn das ist die Art Druck, der da ausgeübt wird, der dich festhalten soll.

    Zitat

    Ja es tut mir leid. Aber ich will es nicht mehr sehen. Ich will es nicht mehr mit ansehen müssen.


    Das ist doch ganz klar! Du bist ja auch machtlos dagegen, er möchte doch nichts verändern. Deine Hilfe will er nicht, er will, dass alles so bleibt wie bisher... Du fühlst dich schuldig, weil du dieses Leben nicht mehr willst. Oder? Warum eigentlich? Es ist doch normal das Leben zu ändern, wenn es so quälend und unfrei für dich ist.

    Zitat

    Nur wenn ich, der Anker kippt dann wankt er auch. Das habe ich schon ganz oft gesehen und deshalb habe ich auch so Schuldgefühle. Ich muss es mir doch eingestehen dass ich sie habe. Sche***.


    Das ist auch typisch Co... du übernimmst Verantwortung, die gar nicht deine ist. Du bist der Anker für ihn gewesen, ja, so ähnlich habe ich damals auch lange gedacht. Das ist doch eher eine Beziehung zwischen einem Erwachsenen und einem unmündigen Kind, was da gelebt wird. Aber er ist ja kein Kind, er ist erwachsen und für sich selbst verantwortlich. So funktioniert eine Paarbeziehung nicht...

    Zitat

    Ich weiß das er alles tut für mich aber manchmal reicht es eben nicht. Das Zusammenleben ist für ihn mit großem Druck verbunden gewesen. Weil er es mir halt recht machen wollte.


    Wow, du nimmst tatsächlich alle Schuld auf dich. Der arme Mann hatte solchen Druck, weil er mit dir zusammen gelebt hat. Echt, wenn er solchen Druck hatte hätte er ja auch Schluss machen können, oder? Oh ja, das kommt mir alles soooo bekannt vor. So ähnlich war es auch, was mein Ex mir vorgeworfen hat und so ähnlich habe ich auch gefühlt. Ich dachte lange, ich hätte meinem Exmann mit meiner Art zu leben sein Leben völlig verdorben und genommen.

    Hallo! Was soll das! Er hatte ja auch jederzeit das Recht die Beziehung zu beenden, nicht wahr!

    Zitat

    Ich habe wahnsinnige Angst dass er nie wieder aus dem Loch rauskommen wird. Ich will mir nicht dafür die Schuld geben müssen.

    Ich sag dir was! Du hast doch für nichts die Schuld! Alles, was in der Beziehung gelaufen ist war mit gegenseitigem Einverständnis, oder? Denn jeder von euch hätte die Möglichkeit gehabt es zu beenden, wenn es nicht mehr gepasst hätte. Aber über lange Zeit hat eure Beziehung alle Dinge befriedigt, die ihr seid. Ich meine damit, ihr habt euch gegenseitig perfekt das gegeben, was ihr gebraucht habt. Was ist daran Schuld? Nichts! Nichts und nichts!

    Nun ist deine Grenze erreicht und du fängst an, Dinge zu verändern. Und da muss er sich nun auch bewegen, jeder Aktion bedingt eine Reaktion. Du möchtest da ausbrechen, was auch sehr vernünftig ist, willst du leben. Er will sein bequemes Kinderleben mit Betreuung rund um die Uhr natürlich nicht aufgeben. Ist ja auch verständlich, aus seiner Sicht.

    Also drückt er sämtliche Knöpfe, die er an dir kennt. Schuld, Verantwortung, Hilflosigkeit seinerseits, Gutmütigkeit deinerseits und die Bereitschaft, sofort für alles die Verantwortung zu übernehmen, dich schuldig zu fühlen und nicht "Nein" sagen zu können.

    Zitat

    Ich will frei sein. Ich habe auch überhaupt keine Lust mehr auf solche Kämpfe weil ich einfach schon zu lange gekämpft habe. Nach diesen zehn Jahren habe ich glaube ich kapiert dass es einfach nie gut werden und bleiben wird.

    Ja! Ganz klar! Und es ist dein gutes Recht, dafür zu sorgen, dass du da raus kommst! Damit machst du dich nicht schuldig oder sonstwas sondern betreibst Selbstfürsorge! Und das ist gesund und richtig so.

    Aber -

    Zitat

    Und das ist ja auch nur ein kleiner erster Schritt heute gewesen.

    es geht eben leider nicht von heute auf morgen...

    Liebe Grüße
    Aurora

    Liebe FreeWell,

    ah, wie gut ich das kenne, dieses Jammern und das Selbstmitleid, weil du, die böse, böse Co, ihn, den armen Mann, so einfach im Stich lässt. :evil:

    Zitat

    Nun rief er heute Abend wieder mit vorwurfsvoller Stimme an, wie fertig er von der Gartenarbeit wäre und dass er solche Schmerzen hätte, weil er von der Leiter gefallen wäre. Außerdem hätte er keine Milch und keinen Zucker mehr für seinen Kaffee. Wenn ich also noch irgendetwas für ihn empfinden würde, solle ich morgen früh um 7:00 Uhr bei ihm sein. Wenn ich nicht kommen würde, wüsste er Bescheid, was er von den ganzen Lügen über meine Liebe halten könne.

    Hallelujah, da bleibt mir die Spucke weg. Wie dreist ist DAS denn! Gut gemacht, dass du ihm nicht pflichtbewusst gedient hast, echt.
    Das ist doch keine Beziehung auf Augenhöhe sondern er ist der König und du das Aschenputtel. Das hast du echt nicht nötig, du bist doch viel mehr wert! Aschenputtel hat das übrigens auch erkannt...

    Liebe Grüße
    Aurora

    Liebe FreeWell,

    ja, diese neuen Muster, das Neinsagen, das will geübt werden. Und sei dir bitte nicht böse, wenn es nicht auf Anhieb perfekt klappt...

    Meine ersten Neins waren für mich regelrecht körperlich auch anstrengend. Mir war übel und ich habe geschwitzt und viele Stunden ein schlechtes Gewissen gehabt. Das war 2007, da fing ich mit dem Üben an. Und auch jetzt fallen mir Neins oft noch schwer, je näher mir der Mensch, der mich fragt, steht desto schwerer ist es. Es hinterlässt noch immer ein komisches Gefühl aber es ist um Meilen besser geworden als damals. Und ich merke, dass mich meine Mitmenschen auch viel respektvoller behandeln, seit ich das tu, also das Neinsagen. Plötzlich bin ich nicht mehr ein bequemer nutzbarer Gegenstand sondern eine Frau mit einem eigenen Leben! Erstaunlich, finde ich noch immer. Und vor allem, die Welt hat sich immer weiter gedreht, nach jedem Nein.

    Ich sage aber auch immer wieder noch Ja... wenn ich eher Nein meine. Dann ärgere ich mich und überlege, warum das so ist. Und ich habe gelernt, dass ich meine Meinung auch ändern darf! Ich darf auch sagen: es geht halt doch nicht... Mach ich aber nicht wirklich oft :oops: .

    Also nur Mut! Immer ran an's "Nein" .

    Liebe Grüße
    Aurora

    Liebe Osiri,

    ich kann die Beiträge von FreeWell, Nadless und Ideja nur unterstreichen!

    Du hast das Gefühl, da nicht heraus zu kommen. Ich kenne das auch! Aber glaube mir, es gibt einen Weg.
    Es ist kein leichter Weg, er ist schmerzvoll und sehr anstrengend. Aber am Ende ist da Licht!
    Wenn du bleibst ist am Ende nur Dunkelheit.

    Liebe Grüße und ganz viel Kraft und Mut
    Aurora

    Hallo,

    Liebe Speranza, ich hab dir ja gar nicht geantwortet :oops: . Lieben Dank für deine Worte.


    Momentan bin ich im Urlaub, ohne Mann, mit Morgenrot, unserer guten Freundin. Wir sind auf Sylt... Und es ist sooo herrlich. Einfach mal Seele baumeln lassen und den Kopf frei pusten lassen.

    Aurora

    Hallo Hai,

    herzlich willkommen hier :D .

    Ja, es ist immer wieder ein ähnliches Spiel... Auch ich habe meinem Exmann immer wieder geglaubt obwohl ich etwas ganz anderes gesehen und gerochen habe. Zum Einen hat er meine Wahrnehmung immer wieder verdreht, indem er immer wieder meinte, ich würde mir alles nur einbilden, wäre wohl bisschen blöd und würde wohl spinnen, sodass ich mir selbst nicht mehr geglaubt habe. Zum Anderen wollte ich aber auch nicht hinsehen. Ich wollte meinen Traum einer heilen Welt weiter träumen.

    Der perfekte Mann für dich... Dass es mit einem nassen Alkoholiker nicht geht, weißt du ja selbst. Mit einem trockenen Alkoholiker kannst du aber eine sehr gute und erfüllende Partnerschaft haben! Mein 2. Mann jetzt ist trockener Alkoholiker, seit 12 Jahren trocken. Er ist nicht "mein Alkoholiker", das ist mein inzwischen verstorbener Ex. Und diese Ehe jetzt ist das Beste, was mir passieren konnte!

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo Knoller,

    herzlichen Glückwunsch nachträglich zum Geburtstag!

    In punkto Therapie hat sich Anfang letzten Jahres viel verändert. Im Prinzip sollte niemand mehr länger als 2 bis 3 Wochen auf ein Gespräch warten müssen. Ist irgendwie auch illusorisch aber sie bemühen sich... ob da eine gewisse Zeit der Abstinenz sein muss weiß ich gerade nicht. Aber informiere dich da einfach mal. Google einfach mal PID.

    Liebe Grüße
    Aurora

    Liebe Blumenfrau,

    Zitat

    Und natürlich frage ich mich, warum habe ich mir das gefallen lassen. Was stimmt mit mir nicht?

    Das ist eben die Frage aller Coabhängigen. "Warum?"
    Dass nun etwas mit dir nicht stimmt würde ich so nicht sagen. Das macht dich ja schon wieder irgendwie klein.

    Aber das "Warum" ist schon interessant. Warum es bei dir so war weiß ich nicht. Ich kann dir aber meine Dinge sagen und vielleicht erkennst du dich in manchen Dingen wieder. Es ist bei vielen so ähnlich.

    Aufgewachsen und sozialisiert worden bin ich nach dem alten Frauenbild. Also, die Frau hält die Familie zusammen, kümmert sich um die Kinder, um den Mann. Sie selbst hat keine so große Bedeutung und sollte ihre Bedürfnisse zurück stecken, aus Liebe zu ihren Kindern und dem Mann. Der ja für sie sorgt. Und alles sollte ganz harmonisch sein, nur keinen Streit.

    Das mal so ganz grob gesagt.

    Und dann war ich als Kind schon eher ängstlich. Gutgläubig und mit wenig Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen. Schüchtern, angepasst. Das wuchs immer weiter und ich war eine unsichere Jugendliche, die sich hässlich fand und nicht so wert. Ich wollte aber liebend gerne immer auch mit dabei sein, in "der Clique". Das gelang mir nicht und ich war ein Mauerblümchen mit den paar anderen Mauerblümchen, die es gab. Wir gegen den Rest der "blöden Clique", über die wir uns schon erhaben fühlten.

    Als ich meinen Jugendfreund kennen lernte war ich unglaublich dankbar, dass er mich wollte. Mich, das hässliche Entlein. Das keiner wollte. Und somit machte ich alles, was er wollte. Ich dachte, ich müsste mir meine Liebe verdienen. Streit konnte ich eh nicht ab und als Frau war ich auch in der traditionellen Rolle. Schon damals. Ich hatte Angst wieder alleine zu sein, keinen "abzukriegen". Dafür habe ich mir als Teenager schon viel gefallen lassen, leider. ich klammerte aus Angst und Unsicherheit an diesem jungen Mann, obwohl es keine gute Partnerschaft war. Obwohl ich intellektuell besser dran war als er machte ich mich kleiner. Unterwürfig. Ich empfand es als Aufwertung meiner Person, einen Partner zu haben, also doch irgendwo was wert zu sein.

    Er beendete diese Partnerschaft nach 6 Jahren und ich lernte meinen 1. Mann kennen, meinen Alkoholiker. Er entsprach zuerst mal dem Bild der Sicherheit. Gute Position, guter Verdienst und er war freundlich und verhieß eine gute Zukunft. Ich war froh, doch einen "abgekriegt" zu haben. Und wieder machte ich alles. Ich wurde sofort schwanger und nach der Geburt meiner Tochter schlüpfte ich in die traditionelle Frauenrolle.
    Ich ordnete mich unter, war finanziell abhängig von ihm, sorgte für alles und für mich blieb nichts mehr übrig. Als er im Laufe der Jahre dann in die Abhängigkeit rutschte konnte ich meine Rolle immer besser ausleben. Ich war die patente Frau, die alles im Griff hatte. Eigenliebe kannte ich nicht, ich bekam aber Anerkennung über meine Dienstleistungen, gewissermaßen. Ich sorgte für alles und jeden.

    Ich half und tat wo ich nur konnte. Oft half ich sogar schon, bevor dem Anderen überhaupt bewusst war, dass er Hilfe brauchte. Ich fühlte mich für alles zuständig und trug die Verantwortung für alles. Alleine, versteht sich. Mein 1. Mann war eh auch ein Pascha, durch die Sucht wurde das aber noch schlimmer. Ich hatte wieder die Zügel in der Hand und machte und tat. Grenzen hatte ich nicht. Er konnte im Prinzip machen was er wollte. Ich hielt die Familie zusammen, muckte wenig auf. Denn Harmonie war mir sehr, sehr wichtig. Musste auch, denn es war immer die Angst, dass er mich weg schicken würde wenn ich nicht funktionierte. Weil - ich musste mir ja mein Dasein verdienen. Ich war nur eine Person, wenn ich einen Mann hatte. Dann fand ich mich wertvoll und zugehörig zur Gesellschaft. Hatte einen Status.

    So strudelten wir umeinander, er immer tiefer in den Suff, ich immer tiefer in das Co-Dasein. Er abhängig vom Stoff, ich abhängig von psychischen und sozialen Faktoren. Und meinen vielen Lebensängsten. Ein Teufelskreis.

    Der Suff vereinnahmte ihn immer mehr, Sunshine hat das ja gut beschrieben. Und ich fühlte mich immer mehr für ihn verantwortlich. Er brauchte doch meine Hilfe. Nur ich wusste doch, was er benötigte. Und außerdem dachte ich ja, ich wäre an seiner Trinkerei schuldig. Das erzählte er mir ja immer wieder. Also musste ich mir noch mehr verdienen, dass ich da sein durfte. Und als patente Hausfrau und Mutter war es doch meine Aufgabe zu sorgen, zu helfen, zu retten. Und auszuhalten.

    Mein Umfeld merkte ja schon, was los war mit ihm. Und ich bekam Anerkennung dafür, dass ich trotz allem so gut für ihn sorgte. Und auf ihn aufpasste. Diese Anerkennung tat mir auf eine Art gut. Ich selbst hatte für mich ja keine Liebe und war auf das Außen angewiesen.

    Und da musste er doch, verdammt noch mal, endlich auch mal dankbar sein. Nun schuftete ich und leckte ihm noch die Füße und da sollte er doch gefälligst endlich mal so sein, wie ich es wollte. Sich ändern und so werden, wie ich mir ein gutes Familienleben wünschte und vorstellte. Was musste ich denn noch alles tun, damit er es endlich begriff...

    Ein Teufelskreis.

    Ich erhöhte meine Bemühungen, drohte, flehte, heulte. Wollte unbedingt meinen Willen haben. Denn schließlich hatte ich das doch verdient und vor allem, ich wusste doch, was für ihn gut war. Für uns. Verdammt noch mal aber auch. Er sollte endlich mal so sein, wie ich es mir so sehr wünschte. Und diese Sauferei, warum konnte er das nicht aufhören. Für mich. Für uns. Für die Liebe. Oder war ich wirklich nicht liebenswert und hatte nichts anderes verdient?

    Ich war also einerseits stolz darauf, wie ich das alles meisterte, ich hatte die Zügel in der Hand und wusste für alle, was das beste wäre. Nur mich vergaß ich dabei. Ich hatte die Kontrolle und das gab mir Sicherheit, denn ich war ein unsicherer Mensch. Immer abhängig von Meinungen der anderen Leute, immer bemüht, ein gutes Bild zu machen. Ich war grenzenlos. Jeder durfte sich an mir bedienen. Ich hatte Angst davor, "Nein" zu sagen. Den ein "Nein" bedeutete, so dachte ich, dass ich nicht mehr gemocht, geachtet, geliebt würde. Ich hatte Angst und so versuchte ich, meine Lebensvorstellung auf meinen Exmann zu übertragen, ihn dazu zu bekommen, es so zu machen, wie ich es wollte. Und dazu musste er erst mal zu saufen aufhören.

    Ich konnte mich trennen, nach 26 gemeinsamen Jahren bin ich ausgezogen. Psychisch und physisch am Ende...

    Ich hoffe, ich habe dich jetzt nicht erschlagen mit meinem Beitrag. Hui, wenn ich so in Fahrt komme kann ich immer gar nicht aufhören.

    Liebe Grüße
    Aurora

    Oha, ich schreibe mich hier heiß...

    Hallo Johann,

    herzlich willkommen!

    Deine Kindheit und Jugendzeit hört sich nicht gut an... mal salopp gesagt. Mit Sicherheit hat deine Seele Schaden genommen, eine gute Kindheit sieht anders aus.

    Du beginnst, wenn ich das richtig verstanden habe, jetzt mit der ganzen Aufarbeitung. Das ist bestimmt schwierig und tut weh.
    Ich wünsche dir viel Kraft und vor allem, dass du hier einen guten Austausch haben kannst.

    Viele Grüße
    Aurora

    Liebe Banshee,

    herzlich willkommen!

    Du schreibst:

    Zitat

    Damals habe ich es nie verstanden wieso sie sich selber sowas angetan haben, ich versteh es ja nicht mal heute. Für mich ist das alles so unbegreiflich.

    Ich bin selbst keine Alkoholikerin sondern auch Angehörige. Ich bin schon lange getrennt inzwischen von meinem 1. Mann, inzwischen ist er auch an den Folgen seiner Sucht verstorben. Bis heute verstehe ich nicht "Sucht". Das heißt, ich verstehe es kopfmäßig, ich weiß, was theoretisch passiert aber ich kann es nicht nachfühlen und nicht "begreifen".

    Ich hatte auch Wut und Hass damals in mir. Unverständnis, Schuldgefühle, Fassungslosigkeit. Aber als Frau eines Abhängigen hatte ich immer die Wahl mich trennen zu können. Warum ich das erst nach so langer Zeit konnte ist ein anderes Thema.

    Aber als Kind bist du ausgeliefert. Du bist ja abhängig von deinen Eltern. Und trotz allem ist da auch die Liebe zu Mutter und Vater. Es ist eine völlig andere Ebene, auf der sich alles abspielt.

    Ein Austausch mit anderen EKAs, also erwachsenen Kindern von Alkoholikern, ist super und hilfreich. Aber hast du auch schon mal überlegt, dir professionelle Hilfe zu holen? Wenn dich im Kopf solche Bilder verfolgen muss das sehr belastend sein. Und wiederum Schuldgefühle auslösen, also könnte ich mir vorstellen. Du schreibst ja, dass du seit einiger Zeit Dinge aufschreibst und dadurch Wutausbrüche bekommst. Ich bin keine Psychotherapeutin aber vom Gefühl her kann ich mir vorstellen, dass da immenser Druck in dir ist. Ungeweinte Tränen, Gefühle, die immer wieder unterdrückt worden sind. Und die durch das Aufschreiben plötzlich einen Weg nach draußen finden.

    Selbsthilfegruppe und Therapie, damit habe ich persönlich bisher sehr gute Erfahrungen gemacht. Vielleicht kann das auch für dich ein Weg sein.

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo Peter,

    wir sind ja hier auch eine SHG :wink: , vielleicht nicht umme Ecke aber immer da...

    Ich finde es toll, dass du dir ein eigenes Leben nach deinen Möglichkeiten aufgebaut hast! Das gibt sehr viel Erfüllung und Aufgabe, Anerkennung auch. Ich bin seit ca 1 Jahr auch ehrenamtlich im Seelsorgebereich tätig, eine sehr erfüllende Aufgabe für mich.

    Und ich habe meine Tochter und meinen Babyenkel verloren, im März werden es 7 Jahre...

    Zitat

    Mein Weg zu finden, ja, das ist mein Ziel für die nächsten Monate.


    Irgendwie hast du ja schon deinen Weg gefunden, glaube ich. Da ist nur noch das Loslassen deiner Frau. Das endgültige Loslassen...

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo Moony,

    ja, es tut gut, sich mal alles von der Seele zu schreiben.

    Dein XY nimmt dich nicht ernst.

    Zitat

    In den letzten Wochen habe ich meinen Mut mehrfach zusammen genommen und ihn darum gebeten zu gehen. Ihm gesagt, dass Schluss ist und ich keien Zukunft mehr für unsere Beziehung sehe. Leider kam das nicht an. Er meinte sogar noch ganz verständnisvoll dass ich REcht hätte und wir eine Lösung finden müssten

    Du hast was angedroht und es ist daraus keine Konsequenz deinerseits gefolgt. Also nimmt er dich nicht ernst, du kündigst Dinge an und nix passiert. Da fühlt er sich doch sicher. Lacht dich vielleicht noch aus... So ist es mir damals passiert, mit meinem Exmann. Bis zu dem Punkt an dem ich wirklich gegangen bin. Da war er baff.

    Es macht also keinen Sinn anzukündigen, dass du dich trennen möchtest, wenn du es nicht auch wirklich machen kannst. Hast du schon mal daran gedacht, dich zu informieren? Welche Möglichkeiten gibt es. Ihr wohnt anscheinend zusammen, wem gehört die Wohnung? Wenn du die Mieterin bist ist es gut zu wissen, was du für Rechte hast ihn da raus zu bekommen. Welche Hilfsorganisationen gibt es in deiner Gegend? Frauenberatungsstellen oder so. Stellen, bei denen du auch Rechtsauskünfte erhalten kannst.

    Zitat

    Und dnan immer die Angst, ihm Unrecht zu tun oder mich zu sehr hinein zu steigern. Vllt bin ich wirklich zu sensibel und empfindlich?

    Nein, bist du nicht! Du bist am Ende deiner Kraft, na sag mal, da bist du doch nicht zu sensibel oder empfindlich. Du bist einfach fertig weil er dich fertig gemacht hat und macht. Du lässt dich ausnutzen und behandeln wie eine wertlose Sache. Aber das bist du nicht! Und du tust ihm kein Unrecht! Du möchtest nicht mehr mit ihm zusammen sein, er tut dir nicht gut, erniedrigt dich. Da ist es dein gutes Recht, die Beziehung zu verlassen!
    ES IST DEIN GUTES RECHT DAS ZU TUN!
    Ich muss das jetzt einfach mal in großen Buchstaben schreiben...

    Ich gebe dir völlig Recht, dass es unglaublich schwierig ist. All diese Angst und die Zwänge und Schuldgefühle. Das kenne ich leider auch. Oh man, wie habe ich mich schlecht behandeln lassen, unglaublich. Es dauert schon bis es klar ist, dass du jederzeit das Recht hast Beziehungen zu beenden, die dir nicht gut tun. Du darfst dir Hilfe holen, alles, was du brauchst. Du brauchst keine Angst zu haben, ihm Unrecht zu tun. Du empfindest es, wie du es empfindest gerade und das ist dein Gefühl. Und dein Gefühl hat Recht! Denn es geht um dich, du steckst ja in deinem Körper und lebst. Und dir darf es gut gehen in deinem Körper und mit dir.

    Lass es ihn doch schmerzen, er ist erwachsen und kann damit umgehen. Wenn nicht ist es nicht deine Verantwortung!
    Weißt du, meine Therapeutin hat damals gesagt, "Sie haben Angst, ihm weh zu tun, ihn sich schlecht fühlen zu lassen. Aber sich selbst muten sie es zu! Sie tun lieber sich selbst weh als ihm..."

    Und da ist was dran! Da bin ich so richtig wach geworden bei diesen Gedanken. Dachte, meene Jüte, tatsächlich, bin ich mir wirklich so wenig wert?

    Und du... was bist du dir wert? Was bedeutet es dir, zu leben? Soll das Leben schön sein oder nur weh tun?

    Wie gut, dass es mit deiner Wunschtherapeutin klappt! Damit hast du eine tolle Chance! Ich freu mich mit dir.

    Liebe Grüße
    Aurora

    Liebe Bianca,

    nein! Bist du nicht! Du bist eine Frau, eine sehr mutige Frau, du holst dir Hilfe und das ist sehr, sehr gut!
    Lass dir nicht von ihm einreden, dass du ein Miststück bist.

    DU BIST KEINS!

    Er hat nur Schiss, das ist alles. Und das lässt er an dir aus. Bitte pass auf dich auf und hol lieber einmal zu viel als zu wenig Hilfe.

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo Bianca,

    du schreibst:

    Zitat

    er trinkt jetzt wieder früh wegen mir weil wir uns mehr streiten

    Eines steht hundertprozent fest: Er trinkt nicht wegen dir sondern weil er Bock auf Trinken hat! Er trinkt, weil er süchtig ist!
    Also lass dir nicht die Schuld für etwas geben, an dem du keine Schuld hast.

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo Biene,

    ich finde deine Überlegungen sehr interessant!

    Dieses "Komm her -Geh weg" macht auf alle Fälle was mit einem.
    Gesunde, starke Persönlichkeiten werden sich solches Verhalten wahrscheinlich nicht lange gefallen lassen. Aber Personen, die von Natur aus schon eher unsicher sind, nicht stabil selbstsicher und Konfrontationen meiden, die haben große Schwierigkeiten. Also das ist jetzt meine eigene Meinung und Erfahrung dazu.

    Mich macht solches Verhalten extrem unsicher. Ich bin dann in ständiger Hab-Acht-Stellung und traue mich nicht, Grenzen zu setzen. Zum Beispiel. Also ist die andere Person gerade in guter Laune und "Komm-Her" Stimmung dann öffnen sich meine Grenzen und ich verliere mich. Bin voller Hoffnung auf bessere Zeiten und dass alles gut wird. Fühle mich gesehen und geliebt und angenommen.

    Wenn dann die Stimmung wieder kippt dann fühle ich mich abgewertet, verstoßen. Wertlos. Meine Grenzen sind verschwunden und ich kann sie nicht aufbauen. Ich verliere mich in Selbstzweifel und Schuld und Abwertung meiner Person. Ich möchte mich verschließen aber ich schaffe es nicht.

    Dieses Hin und Her zermürbt mich extrem und macht mich ängstlich. Ich bin eh eher eine ängstliche Person und durch solche ambivalente Verhaltensweise bin ich dauerangespannt. Ich erlebe das gerade mit meinem ExSchwiegersohn und dessen 2. Frau. Da passiert genau solches Verhalten und ich bin mittlerweile schon völlig am Boden. Ich weiß nie, was mich erwartet, wenn ich die Enkel abhole oder heimbringe. Es kann passieren, dass ich herein gebeten werde und mich setzen darf und wir plaudern nett. Dann bin ich voller Hoffnung, dass alles gut wird und ich gesehen und anerkannt werde. Dann kann aber einige Zeit später eine ganz böswillige Whatsapp kommen, in der ich beschuldigt werde. Hinten rum, nicht mal direkt. Für irgendwas, meistens, eigentlich immer, eine Lappalie. Und dann kann es passieren, dass ich stundenlang beschimpft werde.

    Und beim nächsten Kinderabholen ist auf einmal alles tutti und ich werde umarmt.

    Ich halte das nicht mehr aus, ich gehe gerade kaputt daran. Alles in mir ist völlig verdreht und durcheinander. Ich bin dabei, da Auswege zu suchen. Denn ich möchte ja meine Enkel auch weiterhin sehen. Wären die Kinder nicht, ich würde den Kontakt einstellen. Denn das macht mich kaputt.

    Ich hoffe, du kannst was mit meiner Erfahrung anfangen.

    Liebe Grüße
    Aurora