Beiträge von Aurora

    Liebe Klaudia,

    ich finde es gut, dass du hier bist, es gab schon sehr viele Leute, die konnten mit diesen Sachen, die dir auch geschrieben wurden, -noch- nicht umgehen. Und fühlten sich erschlagen. Aber das möchte ja hier niemand, Ratschläge können aber bei Menschen sehr schnell als Schläge ankommen, vor allem, wenn die Menschen schon sowieso sehr verunsichert sind und kein Selbstbewusstsein haben. Wie das bei Cos sehr oft der Fall ist.

    Du stellst dich den Dingen und bist klar im Vorteil damit. Und du bist ehrlich, zu dir, zu allen, indem du sagst, dass du -noch- nicht aufgeben möchtest.

    Alle Dinge hier sind ein Angebot. Du darfst dir aussuchen was zu dir passt und was nicht. Ich habe mich auch nicht von einem auf den anderen Tag getrennt, im Gegenteil, als meine Freundin mal davon sprach war ich stinkesauer auf sie. Irgendwann habe ich aber für mich begriffen, dass es für mich der einzige Ausweg war.

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    Denn mit meinen Gefühlen für ihn, die ich als sehr intensiv erlebe und fühle, bin ich in Sorge um ihn. Und wer sich um den andern sorgt, "läßt ihn nicht einfach allein".

    Genau das ist eine der größten Schwierigkeiten im Zusammenleben mit einem Abhängigen. Du siehst hinter dem Volltrunkenen ja den Mann, wie du ihn mit deinem Augen auch siehst oder kennst. Vielleicht hast du dir Gründe für seine Sucht überlegt, ich hatte das damals schon. Und darum tat mir mein Exmann auch leid. Er war ein Opfer in meinen Augen. Und er war ja ein Mensch. Und wenn er so betrunken war tat er mir leid. Wenn er geweint hat zum Beispiel. Längere Zeit war das in mir so Mitleid und meine Helferpersönlichkeit konnte das kaum mit ansehen. Ich musste doch was tun um ihn da raus zu holen. Ihm zu helfen.

    Hilfe fand er auch toll, also er fand es gut ein warmes Zuhause zu haben, ordentliche Kinder, gutes Essen auf dem Tisch, eine Ehefrau, die sich kümmerte. Ihm den Weg ebnete für seine eigene Bedürfnisbefriedigung. Er konnte ja seiner Sucht in Ruhe nachgehen, ich habe mich um alles gekümmert. Denn hinter dem betrunkenen Mann sah ich auch den hilflosen Buben, der nicht erwachsen werden durfte. Oder wollte. Das rührte mich so an.

    Später hat es mich ihn hassen lassen...

    Wobei er aber keine Hilfe wollte war dabei, wenn es um Veränderungen ging. Also wenn ich ihn bat, mal über sich nachzudenken, ihn bat, mit dem Saufen aufzuhören, da was zu ändern, sich professionelle Hilfe zu suchen. Er wollte das nicht ändern oder er konnte das - noch- nicht. Er hat wohl erkannt, wie es um ihn stand. Aber ändern wollte er nichts. Es war viel einfacher es so zu lassen wie es war. Er hatte ja im Prinzip auch alles was er brauchte.

    Nun stand ich da und war am Ende. Die viele Hilfe, das Sorgen und Kümmern und die viele Angst um ihn, das hatte mich zermürbt. Im Laufe der Jahre kamen noch viele Dinge dazu, bedingt sicher auch durch die Sucht und dem Kontrollverlust. Er wurde immer gemeiner und gehässiger, verletzte mich verbal und vernachlässigte alles. Und er hat mich nicht mehr geachtet. Ich war zu einem Gebrauchsgegenstand geworden. Und er hat mich benutzt. Auch s.exuell. Ich habe mich benutzen lassen. Denn noch immer dachte ich, dass er mir leid täte. Ich habe mein Leben hinten angestellt. Irgendwann hatte ich kein eigenes Leben in dem Sinne mehr. Ich wurde gelebt, zuerst mal durch ihn und dann auch noch durch seinen stark übergriffigen Bruder und dessen Frau.

    Da waren es dann ganz andere Dinge geworden, die mich an dieser Beziehung haben festhalten lassen.

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    Mein großes Thema im Leben ist das der Nähe zu Menschen und der gleichzeitigen Fähigkeit, mich abzugrenzen.

    Das zum Beispiel...

    Und Ängste aller Art...

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    Ich verstehe immer mehr, dass ich nur eins tun kann und muss: mein Leben leben.

    Dass du das verstanden hast ist so unglaublich wertvoll! Ich habe Jahrzehnte dafür gebraucht, dabei ist das doch das Selbstverständlichste der Welt. Und ja, du kannst dein Leben leben... und das gleiche Recht hat er eben auch. Und da sind wir wieder am Anfang.

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo destiny,

    ja, das ist schon schlimm zu sehen, wie der Mensch, in den du dich verliebt hast und den du liebst, sich verändert. Da ist auch immer wieder Hoffnung, dass er sich ändert und das Leben so läuft, wie du es dir wünschst. Zu erkennen dass das nicht passieren wird, das ist ein schwerer Schritt bzw eine schmerzliche Erkenntnis. Und darum hältst du so lange fest. Das war auch einer meiner Festhaltegründe. Ich sah noch immer den Teil der Persönlichkeit, den ich mal lieben gelernt hatte. Aber der Mensch besteht aus vielen Facetten und im Laufe der Ehe sah ich, mein Exmann hatte auch Seiten, die mich kaputt gemacht haben und die ich hasste. Und die waren bei weitem größer als der Teil, den ich liebte...

    Mein Exmann ist im November an den Folgen seiner Sucht verstorben, mit 64 Jahren... Und da ist auch Trauer in mir. Trauer eben darum, dass ich mich auch an die schönen Zeiten erinnere. Die ersten Jahre, bevor das mit der Sucht so losging. Das, was wir auch gemeinsam hatten. Und da ist Trauer um die junge Frau, mich, die damals so voller Zuversicht in diese Ehe gegangen ist. Mein Lebenswunsch an und mit ihm ist ja mit gestorben.

    Irgendwann war der Druck so groß, dass diese Hoffnung auf Besserung zerplatzt ist wie eine Seifenblase. Und ich am Boden lag, abgekämpft, ausgelaugt, krank...

    Ein kleiner Funken Hoffnung... vielleicht zündest du damit deine Lebenskerze an. Leben in Frieden.

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    Heute Abend beginnt das "Kinder-Wochenende" und meine Gedanken kreisen ununterbrochen darum, was mich erwartet. Heute, morgen und am Samstag. Ich weiß, es ist nicht gut. Aber ich kann die Gedanken nicht abschalten.

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    Ich musste nicht ständig daran denken, was oder wieviel er trinkt und auch nicht seine schlechte Laune ertragen.

    Das ist ja nur schon ein kleiner Teil der Einschränkungen deiner Lebensqualität.

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    Gestern Abend war ich alleine und konnte ganz entspannt den Abend genießen.

    Das sollte doch normal und selbstverständlich sein... für dich ist es eine Ausnahme...

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo Bianca,

    du hast eine Anzeige gemacht! Wow, das ist so mutig, klasse!
    Daran sieht er, dass du es ernst meinst. Streiten ist sinnlos, da stimme ich dir zu. Vor allem, wenn er betrunken ist. Da kommt ja sowieso nichts in seinem Hirn an...

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo destiny,

    diese Monologe habe ich zur Genüge auch geführt. Mein Exmann hat dann immer zugehört, oft hatte er aber auch den "Durchzug" Blick. Ein Ohr rein, anderes raus...

    Er hat dann Dinge versprochen oder auch gesagt, dass ich ja irgendwo Recht habe. Oder er hat geschwiegen und sich unwohl gefühlt. Passiert ist aber nichts weiter als dass ich wieder neue Hoffnung geschöpft habe nach solchen "Gesprächen". Dachte, da ist nun bestimmt was angekommen bei ihm. Das war aber nur mein Wunschtraum, den er mich auch erst mal hat träumen lassen indem er dann oft Trinkpausen gemacht hat oder so. Geändert hat er aber nichts wirklich, wollte er auch nicht. Sonst hätte er's ja getan...

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    Ja, ich hoffe noch, dass er es schafft.... Wahrscheinlich bin ich aber auch noch nicht soweit, dass ich loslassen kann.
    Alkohol ist ein A...!

    Jaaaaa, Alkohol ist ein A... es ist ein Nervengift. Du meinst, du kannst noch nicht los lassen. Kannst du erkennen, was dich noch fest hält? Schau da mal hin, was es sein könnte. Vielleicht fällt dir das Loslassen dann leichter...?

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo Bianca,

    das ist echt super, die Frau sagt ja im Grunde das, was dir hier auch schon geschrieben wurde!
    Na klar wühlt das auf aber es sagt ja auch aus, dass du es richtig machst. Es ist gut, dass du auch vor Ort jetzt Hilfe hast.
    Du machst das sehr gut, du holst dir Hilfe und lässt dir nicht mehr gefallen, was dein Mann macht. Hut ab, das schafft nicht jeder!

    Liebe Grüße
    Aurora

    Liebe Emmaleah,

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    Vielleicht bin ich etwas prüde und altmodisch, aber unter einer normalen Ehe stelle ich mir auch vor, dass man ab und zu gemeinsam ins Bett geht abends...

    Unter einer normalen Ehe stelle ich mir vor, dass Augenhöhe herrscht. Dass beide am selben Strang ziehen, gemeinsam für die Kinder da sind... und so weiter. Und ich stelle mir vor, dass S.ex ein schöner Teil der Liebe ist dabei. Und nicht ein Benutzen. Dein Mann benutzt dich. Du dienst ihm als Befriedigung. Oder sehe ich das falsch? Es liest sich bei mir so als wäre das das Einzige, was ihr gemeinsam macht... beziehungsweise was du mit dir machen lässt. Du bist mehr wert als nur eine schnelle Nummer für seine Abreaktion!

    Ich schließe mich auch Lindes Worten an, ich bin zwar kein EK aber ich habe genau das, was sie schreibt, schon sehr oft gehört und gelesen...

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo Bianca,

    diese Angst zu versagen kann ich gut verstehen. Aber "versagen" ist schon ein hartes Wort. "Fehler machen" finde ich besser. Natürlich machen Menschen Fehler, das ist ganz normal so.

    Deine Tochter verhält sich irgendwie auch coabhängig. Sie hält vermeintlich zu ihrem Vater - aber vielleicht kann sie auch einfach den Streit nicht ertragen und hat auch ihre Angst, was da passieren könnte. Immerhin sieht sie doch, dass dein Mann dich auch schlägt und kneift und an deinen Haaren zieht. Das ist doch schlimm! Das ist Misshandlung! Und das brauchst du dir nicht gefallen zu lassen!

    Meinst du, dass ist deiner Tochter egal? Dass ihre Mama Prügel bekommt? Vielleicht hält sie vermeintlich deshalb zum Vater, um ihn nicht noch mehr zu reizen.

    Ich hoffe, du hast den Jahreswechsel gut überstanden.

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo Bianca,

    du bist nicht zu doof für alles. Das, was du fühlst ist ganz "normal" für Leute, die in Coabhängigkeit sind. Also in einer Ehe oder Partnerschaft mit einem Alkoholiker.

    Dass du keine Freunde hast ist schon blöd, obwohl ich weiß, dass Freunde auch oft nicht verstehen, was in Coabhängigen passiert. Oft sagen sie: "nun hau doch ab von ihm" aber das ist eben nicht so leicht. Wovor hast du denn Angst? Was kann passieren, wenn du dich trennst oder ihn rausschmeißt?

    Du kannst alle deine Gedanken hier aufschreiben. Hier hält dich keiner für zu doof weil wir alle so ähnliche Gefühle hatten oder haben. Dass, was du gerade durchmachst, habe ich auch durchgemacht. Ich kann dich also gut verstehen. Ich habe es aber hinter mir und weiß, dass das auch geht und das Leben danach richtig, richtig gut ist!

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo Bianca,

    also ich sortiere das mal:

    du willst dir nicht immer Gedanken machen
    du willst dir was angucken, was du sehen möchtest
    du willst schlafen gehen, wenn du es willst
    du willst nicht immer alles alleine machen müssen
    du willst keinen S.ex mit ihm

    Das ist doch eine ganze Menge! Und das, was du willst oder nicht mehr willst das sind auch ganz normale Dinge. Also ich gebe dir Recht, du hast Recht damit! Du weißt also schon, was du willst und das ist gut!

    Wenn du ihm jeden Tag sagst, dass er sich ändern soll, geht ihm das am A... vorbei. Denn du sagst es ja nur aber es passiert nichts. Er weiß, dass du ihm eben nicht in den Hintern trittst. Er nimmt dich gar nicht ernst.

    Dass du da Angst hast ist völlig normal. Die hatte ich auch und ich hatte keine kleinen Kinder mehr. Meine waren da schon groß. Trotzdem hatte ich Angst davor zu gehen. Ich dachte, ich kann es alleine nicht schaffen. Aber das hat nicht gestimmt und ich habe es geschafft und das kannst du auch. Es geht nur nicht so von heute auf morgen. Aber wenn du einen Anfang gemacht hast dann wird es immer besser, es zu schaffen. Es ist auch nicht einfach, ihn los zu lassen, da gebe ich dir auch Recht. Es ist echt nicht einfach. Aber so wie du jetzt da lebst ist es doch auch nicht einfach, oder? Und es wird nicht besser werden mit ihm, im Gegenteil. Es wird ja immer eher schlimmer werden. Das ist einfach so mit der Sauferei. Es wird von alleine nicht besser aber er will auch nichts ändern und er will nicht aufhören.

    Wovor hast du mehr Angst, weißt du das? Eine Zukunft mit diesem Mann, der dich und die Kinder behandelt als wärt ihr sein Eigentum, mit dem er machen kann, wie es ihm passt? Oder willst du leben und selbst entscheiden können, was du gerne willst und was nicht...

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo Bianca,

    erst mal Hallo! hier in unserer online-Selbsthilfegruppe.

    Er sagt es doch ganz klar und deutlich:

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    es ist Sein Leben und wen er aufhören will dann hört er auf aber jetzt nicht

    Dem ist nichts hinzuzufügen. Nun liegt es an dir... Was willst du denn eigentlich?

    Hast du einen Plan, wie deine Zukunft und die der Kinder aussehen kann?

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo Lunali,

    erst mal ein herzliches Willkommen!

    Zuerst einmal streiche den Gedanken aus deinem Kopf, dass du deinen Sohn in die Sucht schieben könntest. Er selbst entscheidet sich dafür oder dagegen, da hat niemand Einfluss darauf, nur er selbst. Oder stellst du ihm die Pullen vor die Nase und flößt ihm was ein?

    Dass es dir schwer fällt zu vertrauen finde ich normal. Im Zusammenleben mit Abhängigen passieren so viele Versprechen, die dann gebrochen werden, dass das Vertrauen da ganz schön kaputt geht. Das geht wohl fast allen so. Also ich habe es jedenfalls schon oft gehört und weiß es von mir selbst. Da war es auch so.

    Auch diese Gedanken, du könntest dir nur einbilden dass er getrunken hat, kenne ich. Es ist dieses Verdrehen der eigenen Wahrnehmungen. Mein Exmann stand schwankend und lallend vor mir und hat geschworen, keinen Tropfen angerührt zu haben. Er wäre nur so erschöpft und deshalb so komisch (das war eines seiner Argumente). Und etwas in mir wollte es einfach glauben. Ich wollte es glauben, weil ich der bösen Wahrheit nicht in die Augen blicken wollte. Im Laufe der Zeit hat sich dadurch bei mir aber viel verschoben und ich wusste gar nicht mehr, was nun richtig und was falsch wäre. Ich habe mir selbst nicht mehr vertraut.

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    Soll ich jetzt einfach so tun als wenn nichts wäre?

    Hm, schwierige Sache. Was heißt das, du tust als ob nichts wäre? Du kannst deinem Sohn ruhig deine Gedanken und Gefühle sagen, finde ich. Ob er was damit anfangen kann weiß ich nicht. Ich finde es wichtig, dass es dir damit gut geht und du nicht in Sorgen und Gedanken um ihn fest steckst und das Leben nicht mehr genießen kannst. Du warst lange für ihn verantwortlich, er ist ja dein Kind und brauchte dich viele Jahre um erwachsen zu werden. Nun ist er groß und deine Verantwortung ist nicht mehr dieser Art wie damals. Er darf nun selbst entscheiden, was er aus allem macht. Und du darfst das ja für dich und dein Leben auch.

    Ich weiß aber, wie schwer das einer Mutter fällt... ein Kind ist immer irgendwie ein Kind. Geht mir jedenfalls so. Es ist schwer, da los zu lassen und zu akzeptieren, dass die Kinder das Leben anders leben als wir dachten und es ihnen gewünscht haben, wünschen. Das ist eine der schwersten Aufgaben, die eine Mutter hat, finde ich.

    Ich wünsche dir einen schönen Abend und liebe Grüße
    Aurora

    Liebe Sandstrand,

    oh weh, so viel Schmerz und Angst. Und so viel Erschöpfung.
    Deine Verzweiflung ist mehr als verständlich.

    Eine Krankschreibung ist eine wirklich gute Idee! Du bist in einem körperlichen und seelischen Ausnahmezustand.
    Du hast alles Recht der Welt, dich aus dem Arbeitsleben heraus nehmen zu lassen und dich erst mal wieder zu sammeln und zu erholen. Wenn du endgültig zusammen klappst dann ist das viel schlimmer als alles andere. Auch für die Kinder!

    Ich weiß nicht, ob Kinder sich kaufen lassen. Ich kann aber deine Ängste sehr gut nachvollziehen, ich bin auch in solchen Situationen (gewesen, da ging und geht es aber nicht um materielle Dinge aber es fühlt sich schlimm an für mich). Da ist diese Angst oft irrational aber so mächtig, dass es einem schier die Luft nimmt. Kinder haben auch andere Werte, mit denen sie ihre Menschen sehen und du bist ihre Mutter. Natürlich ist es erst mal klasse, wenn sie materielle Dinge bekommen, das ist schon toll. Aber es ersetzt nicht deine Liebe zu ihnen, die Zeit, die du ihnen schenkst und deine Wärme und Nähe. Glaub mir das. Ich habe diese Erfahrungen gemacht und mache sie noch. Mit meiner Enkelin. Ich hatte und habe auch diese irrationalen Verlustängste. Immer mal wieder. Lass dich davon bitte nicht fertig machen, denn dann siehst du das Wirkliche vielleicht nicht mehr. Das, was du deinen Kindern bedeutest...

    Ich schicke dir eine liebe Umärmelung und hoffe, dass du zum Arzt gehst und dich aus dem Verkehr ziehen lässt. Sei es dir und deinen Kindern wert.

    Liebe Grüße
    Aurora

    Liebe Tati,

    am Ende ihrer 2. Schwangerschaft, die vorher völlig normal verlaufen war, bekam meine Tochter starke Schmerzen. Im Krankenhaus wurde dann festgestellt, dass der kleine Junge in ihrem Bauch tot war. Es muss wohl ein Plazentainfarkt gewesen sein. Sie musste das Kind natürlich zur Welt bringen, was aber nicht auf natürlichem Weg geklappt hat. Beim Notkaiserschnitt hat sie eine Lungenembolie gehabt. Ihr Blut war ziemlich verklumpt und diese Schmerzen waren wohl das Zeichen einer Bauchvenen-Thrombose gewesen. Sie wurde eine Stunde lang reanimiert...

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    Wenn dein Mann seine Söhne sehen möchte, muss er sich ja auch selbst darum kümmern, denke ich mal. Es war sehr nett von dir das zu organisieren, aber es hat ihn anscheinend nicht großartig interessiert. Ich finde, du hast da völlig richtig gehandelt.

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    Jetzt bin ich mal dran m it leben ........ ich habe schon angefangen .. ich gehe wieder stundenweise arbeiten ... habe tiermedizin studiert .... hab mich zu zwei fortbildungen angemeldet und suche mir gerade neue Freunde mit denen ich mich mit den Hunden treffen kann .... ich werde diesen Weg weiter gehen .. ganz langsam .. schritt für schritt ......

    Das finde ich super :D !

    Mein Sohn lebt zur Zeit auch nicht in Berlin sondern in Bonn. Dort hat er eine gute Arbeit. Aber Bonn ist so weit weg und er fehlt mir. Gerade war er aber 2 Wochen hier, mein Exmann ist ja verstorben und mein Sohn hat sich da um viele Dinge kümmern müssen. Es war ein gutes Gefühl ihn in der Nähe zu wissen und wir haben uns auch öfter gesehen. Mein Verhältnis zu ihm hat sich durch den Tod meiner Tochter verändert, ist intensiver geworden und Zeit mit ihm ist noch kostbarer. Auch mein Sohn hat sich verändert, er ist näher an mich ran gerückt und ruft doch öfter an und so, das hatte er vorher nicht so gemacht.

    Ich wünsche dir eine gute Woche und liebe Grüße
    Aurora

    Liebe Tati,

    und das ist dann auch nochmal klar, warum du so wütend bist! Dein Sohn durfte nur knapp 20 Jahre lang leben... und dein Mann lebt noch und es scheint ihm nicht wert zu sein, etwas daraus zu machen. Er darf leben, dein Sohn nicht.

    Das macht wütend! Als meine Tochter und der Kleine damals gestorben waren hatte ich solche Wut auch, Lange hatte ich die! Die beiden sind seit 6 1/2 Jahren tot und ich merke erst seit diesem Sommer ungefähr, dass diese Wut weg ist. Wenn ich zum Beispiel Eltern mit ihren Kindern gesehen haben, die genervt waren oder so, dann hätte ich sie anschreien können, dass sie dankbar sein sollen, dass sie ihre Kinder noch hätten. Ich war neidisch, wenn ich Mütter mit ihren großen Töchtern zusammen gesehen habe und dieser Neid hat mich auch wütend darauf gemacht. Wenn ich schwangere Frauen gesehen habe mit einer Zigarette oder mit mehreren Kindern dann dachte ich voller Wut, warum dürfen die ein Kind nach dem anderen bekommen und meine Tochter musste beim 2. Kind sterben... All sowas.

    Da kommen ja mehrere Sachen bei dir zusammen. Du siehst, wie dein Mann sein Leben weg wirft während dein Junge noch so viel vor sich hatte und nicht leben durfte, obwohl er so dafür gekämpft hat. Dass du da wütend bist kann ich echt gut verstehen.

    Es ist schön, dass du die Zeit mit deinem Sohn so intensiv genutzt hast und immer für ihn da warst, dass du ihn respektiert hast. Und er dich auch, so wie ich das lese. Diese 20 Jahre durftest du ihn haben! Das kann dir niemand mehr weg nehmen. Das ist gelebte gemeinsame Zeit! Ich durfte diese Zeit sogar 29 Jahre lang mit meiner Tochter haben! Dafür bin ich sehr dankbar. Auch ich war immer für sie da und heute bin ich froh um jede Minute.

    Jetzt stellt sich da eine andere Frage...

    Du musstest die eigene leidvolle Erfahrung machen, dass ein Leben schnell zu Ende sein kann. Auch deines kann ja plötzlich zu Ende sein! Warum sollst du dir denn nun deine eigene Lebenszeit mit einem Menschen verderben, der dir nicht gut tut? Der dich kaputt macht und wütend. Meinst du nicht, dass du mehr verdienst? Du hast deinen Sohn voller Aufopferung gepflegt und das war schön so, für euch beide. Nun brauchst du aber nicht einen neuen Pflegefall in Form eines Abhängigen, der seine Sucht in vollen Zügen auslebt.

    Jetzt bist du dran mit Leben!

    Liebe Grüße
    Aurora

    Liebe Tati,

    ich kann mir sehr gut vorstellen, wie das in dir brodelt. Das war bei mir auch nicht anders, mein Fädchen von damals, als ich hier angekommen bin, heißt auch "Liebe und Hass". Ich hatte das in mir, Hass. Und war erschrocken über meine ganzen "bösen" Gefühle und Handlungen gegenüber meinem Exmann. Ich habe Dinge gemacht, da habe ich mich entsetzlich geschämt für hinterher, denn das war nicht "ich". Bzw. war ich es ja doch, denn diese Gefühle gehören zum menschlichen Gefühlsleben auch dazu. Aber ich habe sie vorher noch nie so intensiv gefühlt und exzessiv ausgelebt. Schon alleine wie mein Exmann auf dem Sofa gesessen hat hat mich explodieren lassen... Ganz schlimm.

    Ich hatte gerade vor einiger Zeit auch wieder so viel Wut in mir. Auf meine Brüder im Zusammenhang mit der Pflege meiner Eltern. Um die sie sich in meinen Augen zu wenig kümmerten. Aber - ich habe auch nichts getan, um sie mit in's Boot zu holen. Und da ist es mir ganz deutlich geworden, wie das so mit dieser Wut ist und dass das auch genau zu meiner damaligen Wut passt!

    Ich war wütend auf mich! Zuallererst auf mich. Denn mein Exmann damals hat sich genau das erlaubt, was ich mir nicht erlaubt habe. Nämlich so zu leben, wie er es für sich als gut befand. Er hat ja nicht gesagt, dass ich nicht ausgehen darf, er hat nicht gefordert, Schränke nach leeren Flaschen zu durchsuchen. Er hat nicht verlangt, dass ich ihn bewache. Ich habe mir diese Dinge selbst vorgeschrieben, meine Freiheit selbst aufgegeben.

    Diese Wut hatte aber auch noch weitere Gründe. Es war die Wut dass ich nicht schaffte, ihn vom Suff weg zu bekommen. Wut also auch auf mich und meine vermeintliche Unfähigkeit, meine Machtlosigkeit. Durch die er meine Träume einer heilen Familie kaputt machte.

    Und Wut darauf, dass er mich immer wieder enttäuschte. Er machte dicke Versprechungen mit dem Saufen aufzuhören - und eine Stunde später saß er besoffen auf dem Sofa. Wut also, dass ich vermeintlich nicht gehört und gesehen wurde, dass ich nicht wichtig für ihn war.

    Wut auf mich, dass ich nicht schaffte, mich zu lösen davon, dass meine Schuldgefühle, meine Verantwortungsgefühle und meine Angst mich irgendwie da fesselten. Wut darauf, dass er mich in diese Lage brachte, immer und immer wieder.

    Soooo viel Wut...

    Und dann, liebe Tati, vergiss nicht, dass du dein Kind verloren hast. Auch Trauer macht Wut! Ob die da jetzt aber mit dabei ist weiß ich nicht. Aber du darfst das nicht unterschätzen. Du bist in einem psychischen Ausnahmezustand durch den Tod deines Sohnes! Ich sag dir das aus leidvoller eigener Erfahrung :( . Es ist so wichtig dass du Zeit hast, endlich deinen Schmerz zu fühlen und deine Trauer zu durchleben. Dir ist das schlimmste passiert, was einer Mutter passieren kann... Du Liebe, ich nehme dich einfach in den Arm. Wie alt durfte dein Sohn werden, magst du das sagen?

    Du hast also doppelte Päckchen zu tragen. Auf der einen Seite macht dich der Verlust deines Sohnes schwach und verletzlich und hilflos.Auf der anderen Seite willst du stark sein und Kraft haben, dich zu trennen. Ein weiterer Verlust! Mach dir das bewusst! Eine Trennung, auch wenn dieser Mann dich kaputt macht, ist ein weiterer Verlust. Eines Menschen, eines Lebenstraumes. Vielleicht bist du darauf auch noch wütend, auf dein Schicksal... Es ist doch alles voller Verlust gerade bei dir... und Verlust tut weh, unendlich weh, macht Schmerz und Wut...

    Hast du therapeutische Hilfe? Das ist für einen Menschen alleine ja kaum zu tragen gerade. Es ist gut, dass du hier bist und nun wenigstens mit dem ganzen Schlimmen mit deinem Mann nicht mehr alleine bist. Das kann dir gut helfen, dich zu sortieren.

    Ich mag dich einfach nur mal drücken und dir viele Kraftpäckchen schicken.

    Aurora