Beiträge von Aurora

    Hallo,

    sorra hat einen Themenvorschlag! Ich denke, das Thema ist für Alkoholiker genau so interessant wie für Angehörige.
    Beide Seiten können da ihre Erfahrungen und Erlebnisse diskutieren.

    Hallo,

    ich habe einen Themenvorschlag: Wieviel bringen Interventionen (der Titel muss nicht eins zu eins so lauten...)

    Über die Überwindung der Alkoholkrankheit, gibt es verschiedene Ansätze.
    In Europa ist es weitverbreitet, dass der Alkoholkranke aus einem bedeutsamen Moment heraus, sich eigeninitiativ Hilfe holt.
    In den USA ist die konfrontative Intervention beliebt, die einen anderen Ansatz verfolgt.

    Ich fände es spannend, welche Ansichten es über diese Methode im Forum gibt und zu diskutieren, wie effektiv diese ist.
    Vielleicht kann man eine kurze Begriffserklärung hinzufügen, falls es nicht jeder kennt.
    Ich habe hier einen gut zusammengefassten Artikel darüber vom Kölner Stadt-Anzeiger herausgesucht, der gut erklärt und einen Fall in Deutschland beschreibt: https://beispiel.rocks/www.ksta.de/ratgeber/gesundheit ... sa-4030654

    Alles Liebe,
    sorra

    Hallo sorra, danke für dieses Thema und ich hoffe, der Titel des Threads ist okay so.

    Viele Grüße
    Aurora

    Liebe Aiko,

    ich freue mich auch, wieder von dir zu hören. Hui, und nun geht die Kleine schon zur Schule, meene Jüte. Wo ist bloß die Zeit hin :shock: . Das war mir jetzt gar nicht bewusst.

    Ich wünsche dir und deiner Tochter einen schönen Urlaub!

    Liebe Grüße
    Aurora

    Liebe Mulle,

    es ist gut, dass du alles mal so aufschreibst. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass das auch erleichtert und sortiert. Ich habe im geschlossenen Bereich ein Tagebuch, das hat weit über 600 Seiten...

    Wieso, warum, weshalb... das sind so die üblichen Fragen. Auf die, wenn es eine Antwort gäbe, wieder nur Fragen folgen würden.

    Der Verlauf, den du über deinen Vater schilderst, habe ich so ähnlich mit meinem Exmann erlebt. Er hat schon immer maßlos getrunken, aber es beschränkte sich eher auf Feiern, auf das Wochenende. Unter der Woche hat er zwar auch regelmäßig abends sein "Feierabendbierchen" getrunken, war aber nicht tagtäglich voll bis oben hin. Das wurde aber schon immer öfter immer ein wenig mehr im Laufe der Jahre. Also aus einem "Feierabendbierchen" wurden 2, dann 3 usw. Zum Essen musste es immer Bier sein usw.

    Es hat sich also langsam gesteigert, Sucht kommt nicht von heute auf morgen...

    Richtig schlimm wurde es, als mein Exmann nicht mehr arbeiten ging, er wurde irgendwann mit Anfang 50 in Rente geschickt. Da fing es immer früher immer stärker an.

    Und ich glaube, so in etwa ist einfach der Krankheitsverlauf. Das hat nicht wirklich etwas mit dem Umfeld zu tun sondern mit der Krankheit Alkoholismus, Sucht.

    Zitat

    Wieso hat er sich da nicht wachrütteln lassen und ist ik therapie?dann hätte er ein längeres leben mit seiner Freundin gehabt. Nein er versaute sich auch das ,und lebte meines wissens mach zum schluss in seinem schrebergarten.wollte auch kaum noch jemanden sehen,aß soweit ich weiss kaum bis garnix mehr.

    Ja! Das ist leider so. Mein Exmann und ich hatten ein gutes Leben, waren finanziell sehr gut situiert, hatten eine Eigentumswohnung, die auch bezahlt war, zwei gesunde Kinder, die keine Probleme machten und ihren Weg gingen, es schien alles perfekt... und doch...

    Im Prinzip habe ich nie einen Grund gesehen, warum er soff. Aber er war bzw ist abhängig.

    Zitat

    Er hat doch sicher schon vor monaten gewusst das wenn er so weiter macht ,er nicht mehr lange hat. Wie kann man das freiwillig wollen?

    Es ist ja nicht freiwillig! Niemand ist freiwillig abhängig. Die Sucht ist irgendwann so stark, dass es einfach nicht anders geht. Und es schaffen ja auch nur wenige den Absprung. Leider. :( . Die Sucht beherrscht den Menschen vollständig. Mein Exmann hat es für etwas mehr als 4 Jahre geschafft, nicht zu trinken. Damals als ich mich getrennt hatte. Er hat sich dann aber entschlossen, wieder zu trinken. Er weiß ja, wie es auch funktioniert, das Aufhören, der Entzug. Er weiß, an wen er sich wenden könnte. Er macht es nicht. Vielleicht hat er aufgegeben. Keine Ahnung. Er sieht sehr schlecht aus, ich sehe ihn ja ab und an, er wohnt im selben Haus wie meine Eltern. Es ist seine Entscheidung.

    Und es war die Entscheidung deines Vaters. Warum er nicht seine Sucht stoppen wollte oder konnte weiß nur er. Du musst das so akzeptieren. Ich muss das für meinen Exmann auch. Akzeptieren. Mein Exmann hat dadurch auch viel verloren, er sieht seine Enkelin nicht mehr, der Sohn lebt eh nicht in Berlin und macht sich eher rar. Die Tochter ist nicht mehr da, aber als sie das noch war hatte auch sie sich abgewandt. Weil mit einem Betrunkenen kein Zusammenleben funktioniert.

    Warum er den Kontakt zu dir nicht gesucht hat, wer weiß? Aber auch das ist seine Entscheidung gewesen. Ich kann aber verstehen, dass es unglaublich schwierig ist für dich, das zu verstehen, dass da auch so viele Fragen in dir sind. Es kommt auch nicht darauf an, wie dein Vater auf deine Kontaktaufnahme reagiert hätte. Das weißt du ja nicht.

    Aber frag dich ganz ehrlich, wolltest du wirklich wieder mit ihm in Kontakt sein? Hättest du das wirklich gekonnt? Wolltest du das aus vollem Herzen? Hast du ihm vergeben, deinen Frieden gefunden mit seinen Taten an dir? Hättest du ihm unbeschwert gegenüber stehen können?

    Ich wünsche dir ein gutes Wochenende, ich werde auch ausfliegen, ich habe eine Fortbildung für mein Ehrenamt.

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo Mullemaus,

    3 Kinder, das ist schon auch eine Herausforderung! Aber Kinder sind auch soooo toll!
    Wir hatten am Wochenende unsere 3 Enkel zu Besuch, fast 10, 7 und 3 Jahre alt. Das war Halligalli, sag ich dir. Aber das ist Leben!

    Alle deine Kinder bekommen was mit! Kinder haben feine Antennen. Da kann es helfen offen zu reden, Kinder neigen dazu, sich selbst schnell die Schuld in die Schuhe zu schieben. Zu denken, dass sie was falsch machen oder so.

    Hast du schon mal kindgerecht mit ihnen geredet? Du musst ja nichts über den Missbrauch erzählen aber über deine Trauer und Zweifel zum Beispiel. Dass es dir gerade nicht gut geht und du deshalb oft traurig bist und in Gedanken woanders. Dass es nichts damit zu tun hat, dass du sie nicht mehr liebst sondern mit dir und deinen Gefühlen.

    Meine Tochter ist bei der Geburt ihres 2. Kindes zusammen mit dem Baby gestorben. Unsere Enkelin war da 3 Jahre alt. Und wir sind mit der Trauer und den Gefühlen ganz offen umgegangen. So war auch die Kleine offen und hat auch ihre eigenen Gefühle rauslassen können. Es war immer klar. Und das war unglaublich wichtig! Heute ist sie ein glückliches fast schon junges Mädchen. Sie werden ja so schnell groß...

    Selbstvorwürfe sind jetzt auch nicht so unnormal in solchen Zeiten, wie du sie gerade erlebst. Das ist ja ein ganzer Berg von Gefühlen, der da in dir ist. Ich hoffe, du kannst weinen, dir die Zeit auch dafür nehmen. Das ist wichtig! Mach dich bitte nicht fertig weil du so fühlst. Deine Gefühle gehören zu diesem Prozess dazu. Hast du schon mal an professionelle Begleitung gedacht? Eine Therapie? Ich meine, du hast da schon was zu verarbeiten. Schon alleine durch den Missbrauch und den Alkoholismus deines Vaters.

    Ich drück dich mal
    Aurora

    Liebe Mullemaus,

    ja, es ist okay, dass du jetzt hier deine Sorgen und Gedanken rein schreibst! So ist das gedacht und hier lesen dich auch mehr Leute.

    Ich hoffe, du hattest eine ruhige Nacht und konntest dich erholen. So psychische Dinge rauben unheimlich viel Energie, kaum zu glauben. Und du schreibst, du hast Kinder. Wie schön! Aber auch sie verbrauchen ja deine Energie. Wie viele Kinder hast du denn, wenn ich fragen darf?

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo,

    liebe Gotti, das ist wohl wahr. Omas sind die Mamas mit Sahnehäubchen, gewissermaßen. Wir dürfen die Enkel betüddeln und viiiiel erlauben, was sie sonst nicht unbedingt dürfen. Also länger wach bleiben oder in den Berg aus Federkissen springen oder so :lol: , noch einen Schokokuss naschen oder heimlich einen Schluck Brause trinken.

    Und wenn es ernst wird, wenn der Alltag kommt, dann dürfen wir uns zurück lehnen. Das haben wir hinter uns und das ist von der Natur auch gut gedacht, dass es irgendwann eben nicht mehr möglich ist, schwanger zu werden. Das ganze Gedöns mit Befruchtungen 65 jähriger Damen oder so, das finde ich echt gesagt pervers... Und alte Väter sind auch nicht das gelbe vom Ei...

    Ich wünsch dir einen angenehmen Tag!

    Aurora

    Hallo SasiHasi,

    hui, das ging ja schnell, schon hast du hier dein Fädchen eröffnet! Klasse!

    Zitat

    Andererseits habe ich ein schlechtes gewissen beim Gedanken ihn "fallen zu lassen", da er auch relativ depressiv ist und nüchtern wirklich total liebevoll sein kann und wir auch schöne Zeiten miteinander hatten. Ich habe Angst, dass er komplett untergeht und noch viel mehr trinkt, wenn ich mich trenne. Und ich möchte ihn einfach nicht traurig machen, da es mit paradoxerweise auch schlecht geht, wenn er traurig ist.

    Puh, ja das kenne ich... ging mir auch so.

    Irgendwie hatte ich Mitleid mit meinem Exmann damals. Ich habe gedacht, ich könne ihn doch echt nicht im Stich lassen, was sollte er nur ohne mich anfangen. Und depressiv war er ja auch.

    Dieses Depressive kommt oft von der Alkoholsucht, ist einfach ein Symptom der Krankheit. Das wusste ich damals aber nicht. Und meine Gefühle, ihn nicht im Stich lassen zu können weil er ja dann so richtig abrutschen würde - das waren meine Symptome der Coabhängigkeit. Ich musst begreifen lernen, dass ich gar nicht diese Macht und Wichtigkeit hatte und habe. Es liegt nicht in meiner oder deiner Hand, ob er trinkt oder nicht. Das ist rein seine Entscheidung. Er hat ja auch schon vorher getrunken, oder?

    Ich war damals dann schon mit meinem jetzigen Mann zusammen und hatte noch ein schlechtes Gewissen. Weil mein Ex ja nun alleine war und bestimmt sehr traurig. Aber auch das ist ein Killer-Gedanke. Denn - mein Ex und auch dein Freund jetzt sind ja erwachsen! Sie dürfen traurig sein aber sie haben auch die Möglichkeit, etwas dagegen zu tun! Warum denkst du du müsstest dein Leben, deine neue Liebe opfern? Nur damit er nicht traurig ist... Hallo! Das hört und fühlt sich verdammt falsch an. Er hört ja auch nicht mit seiner Sauferei auf, nur weil du traurig darüber bist, Migräneanfälle und Erbrechen hast. Oder?...

    Ich habe den Absprung geschafft weil ich nicht mehr konnte. Psychisch und physisch war ich am Ende und wollte nicht mehr leben. Aber ein winziger Funken in mir wollte es doch. Und so habe ich mein letztes Bisschen an Selbstachtung zusammen gerafft und bin gegangen.

    Zitat

    Aber ich möchte mich von ihm trennen, verstehe aber nicht, warum ein Teil von mir nicht loslassen kann.

    Ist das Verantwortung, die gar nicht deine ist? Ist es Mitleid? Angst? Schuldgefühl?

    Zitat

    Ich wünsche mir eine Partnerschaft in der Alkohol keine Rolle spielt und in der man über Kinderwunsch sprechen und Zukunftspläne machen kann. Eine Beziehung aus beidseitiger Liebe statt Abhängigkeit von einander.

    Das ist ein legitimer Wunsch, den du hast. Und es ist dein gutes Recht, das auch zu leben! Denn es ist dein
    Leben und du hast nur eins...

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo BetaPi,

    super, jetzt hast du dein Thema auch hier eingestellt und ich hoffe, dass du einen guten Austausch hast!

    Das Thema "alkoholfreies Bier" ist so 'ne Sache. Für mich liest es sich so, als hätte deine Mutter nicht wirklich verstanden, worum es bei einem abstinenten, trockenen Leben geht. Da müssen auch bestimmte Dinge geändert werden, Dinge, die der Saufzeit so ähnlich sind. Und Biertrinken ist nun mal eine starke Erinnerung an Saufzeiten, sag ich mal. Alkoholfreies Bier gibt es eh nicht wirklich in meinen Augen, aber selbst wenn, so ist schon einfach das Öffnen solcher Flasche, der Geruch und Geschmack usw ein so starker Trigger, dass daraus nichts Gutes werden kann.

    Solange deine Mutter das aber nicht selbst einsieht wirst du gegen eine Wand reden. Leider...

    Was kannst du aber nun für dich selbst tun? Hast du eine Idee was für dich gut sein kann, um mal die Gedanken an deine Eltern für eine Zeit lang los zu werden und dein Leben zu leben?

    Viele Grüße
    Aurora

    Hallo,

    liebe la vie, ja, das stimmt! Danke für diese Gedanken, ich finde sie sehr schön und kann viel damit anfangen.
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    Das Wochenende ist überstanden! Es war eine wunderschöne Trauungszeremonie und eine tolle Stimmung! Am Anfang war ich unglaublich traurig, eine Welle der Trauer hat mich überrollt. Aber dann konnte ich mich gut einlassen. Wir durften ganz vorne in der Kirche sitzen, bei den Kindern. Die Kinder hatten auch den Auftrag sich an uns zu wenden, wenn sie etwas gebraucht hätten.

    Danach haben wir uns ein tolles Restwochenende gemacht und hatten viel Spaß zusammen :D . Am Sonntag Abend war ich aber dann froh, als sie wieder weg waren und Ruhe eingekehrt ist... :lol:

    Aurora

    Liebe Gotti,

    ich kann mir deine guten Gefühle sehr gut vorstellen! Ich habe sie ja auch gehabt, am Anfang nach der Trennung war das richtig überwältigend. Und noch immer ist es großes Wohlbehagen.

    Du hast viele liebe Menschen um dich, die dich und deine Geschichte kennen, ähnliche Erfahrungen haben. Da hast du ja schon bestimmt regelmäßige Zusammentreffen auch. Oder es ist jemand einfach mal so zum Quatschen da. Oder du genießt die Ruhe um dich herum.

    Ich habe seit, ich glaub so 3 Jahren, meine Liebe zur Handarbeit wieder entdeckt. So lange hatte ich dafür keinen Nerv. Ich habe mich jetzt mal an meine alte Leidenschaft "Filethäkeln" wieder heran gewagt, das ist so toll und macht viel Spaß. Auch sowas ist ja was für dunkle Abende, ein Tee dazu und eine Kerze und gute Musik machen daraus ein Fest. Hätt ich auch nie gedacht, dass mich sowas mal so unglaublich zufrieden macht.

    Ich wünsche dir kuschelige Herbstabende und schicke liebe Grüße
    Aurora

    Hallo,

    liebe la vie, ja, wer weiß was in seinem Kopf so vorgeht.
    Ich akzeptiere das, was er aus seinem Leben macht, total. Es ist der einzig richtige Weg! Aber ich bin enttäuscht, dass ich da so ausgeklammert werde auf einmal. Das löst in mir Gefühle von Minderwertigkeit aus. So nach dem Motto: ich hab jetzt was besseres und brauche dich nicht mehr.

    Ich weiß, dass das Quatsch ist. Aber es triggert alte Dinge, Muster in mir an. Ich habe solche Situationen ja schon tatsächlich erlebt. Ich kann das einfach gerade nicht einordnen, dass es diesmal wohl anders gemeint ist. Es fällt mir so schwer alles. Ich akzeptiere das alles aber es hört nicht auf weh zu tun. Es tut aber gut, darüber zu "reden", also es aufzuschreiben und Rückmeldungen zu bekommen. Ich mache das ja auch viel ausführlicher im geschlossenen Bereich und habe dadurch schon sehr viele gute Denkanstöße aber auch mal Tutsitutsi bekommen. Manchmal hilft ja auch einfach ein: ich nehm dich einfach mal in den Arm...

    Und auch im realen Leben rede ich da sehr viel darüber. Das ist meine Art Dinge zu verarbeiten. Bestimmt auch nervig oft für mein Umfeld...

    Gestern Abend habe ich mich gefreut denn der Exschwieso hat schöne Hochzeitsfotos geschickt. Damit habe ich gar nicht gerechnet.

    Am Wochenende haben wir dann nun nach der kirchlichen Trauung die drei Kinderlein, das wird was. Wir werden viel Spaß haben glaube ich :D .

    Aurora

    Hallo Gotti,

    ich danke dir herzlich für deine Worte! :D

    Ich gönne den beiden jungen Leuten alles Glück der Welt! Meine Enkelin ist aufgelebt, seit sie wieder eine Mama hat. Absolut. Es tut ihr gut. Auch die beiden Kinder der Frau sind in diesem Familienverband sehr gut aufgehoben, alle verstehen sich bestens. Das ist echt toll. Ein Gewinn. Und der Schwieso war Witwer, sie Witwe, sie haben ja ein ähnliches Schicksal. Ich denke, das ist eine gute Ebene. Da ist "ich verstehe".

    Für mich kam der cut plötzlich und unerwartet, nachdem die beiden schon ein halbes Jahr zusammen waren. Ich spüre sehr große Trauer darüber. Und an solchen besonderen Tagen ist es auch besonders schlimm. Inzwischen wird es wieder besser, ein Glück.

    Danke, dass du da warst!

    Aurora

    Hallo,

    gestern haben mein Ex-Schwiegersohn und seine Lebenspartnerin geheiratet. Für beide ist es ja die zweite Ehe, sie ist auch Witwe.

    Ich finde das toll und freue mich für beide, aber trotzdem ist da auch viel Trauer in mir. Um meine Tochter. Um meinen kleinen Enkel. Manchmal überspült es mich geradezu. Immer noch. Bzw. gerade wieder besonders. Das ist ja aber auch ganz klar. Was mir aber wirklich weh tut ist, dass wir da so von ausgeschlossen werden. Der Ex-Schwieso möchte nichts mehr mit uns zu tun haben, sag ich mal so. Außer wenn es um die Kinder geht. Auch für die beiden Kinder seiner Frau sind wir inzwischen Oma und Opa. Am gemeinsamen Leben nehmen wir aber nicht teil, wir dürfen öfter die Kinder sehen aber mehr auch nicht. Das tut mir weh... Ich hatte ja zum Exschwieso immer ein gutes Verhältnis, ich kenne ihn seit er 14 war. Er ist bei uns ein und aus gegangen, war Familienmitglied. Wir waren seine Familie, er unsere, auch nach dem Tod seiner Frau, meiner Tochter.

    Plötzlich ist das alles nichts mehr. Das heißt, es ist ja nicht plötzlich, es geht jetzt seit ca 1 Jahr so. Ich werde mal besser damit fertig, mal reißt es mich total runter. Wir hatten ja keinen Streit oder so, das könnte ich noch verstehen, wir haben uns immer bestens verstanden. Und dann der cut, von einem zum anderen Tag.

    Es ist unheimlich schwierig für mich, da eine Akzeptanz zu bekommen. Ich fühle mich abgewertet, so nach dem Motto: ich hab jetzt was besseres, euch brauche ich nicht mehr. Ich fühle große Trauer um diesen Verlust auch. Dann wieder denke ich, ich lebe jetzt mein Leben, meine Enkelin und auch die beiden neuen Enkel lieben uns und kommen gerne her. Das ist ja nicht nichts. Im Gegenteil. Ich sehe auch, dass wir da auch ausgenutzt werden, denn die Kinder kommen immer dann, wenn die Eltern was vor haben... aber gut, wir freuen uns, dass sie überhaupt kommen dürfen.

    Es ist also gerade eine sehr anstrengende Zeit für mich. Emotional. Ich rudere wirklich manchmal richtig rum und drehe mich im Kreis. Boah. Aber ich weiß, dass es auch wieder bessere Zeiten gibt. Der Schmerz ist auch schon viel weniger geworden. Nur weg ist er nicht. Noch nicht. Was ich aber merke ist, dass ich auf den Exschwieso keine Lust mehr habe. So wie er sich verhalten hat, verhält, das möchte ich nicht in meinem Leben haben. Ich brauche solche Menschen nicht mehr. Über diese Gedanken, Gefühle, bin ich echt froh, sie erleichtern mir die Ablösung sehr. Mit der Frau habe ich losen Kontakt, sie meldet sich schon ab und an und wir telefonieren auch mal und sie ist nett.

    Was will ich also mehr? Ich merke, wie das alles eben alte Muster in mir auslöst. Selbstwert. Bzw. Minderwert. Ich komme mir so vor bzw. lässt es diese alten Gefühle aufleben. Oh man... Ich arbeite daran. Ich bin auf dem guten Weg. Aber es dauert eben bei mir, so lange es dauert. Aber es wird nicht unendlich dauern. Das weiß ich.

    Aurora

    Hallo Ziele,

    was du da schilderst kenne ich auch. Wie oft und oft habe ich das hier schon geschrieben oder zu Menschen gesagt... "ich kenne das auch, ich kann es gut verstehen".

    Es ist immer wieder auch ähnlich. Welche Menschen da in solchen Beziehungen landen. Da liegen schon bestimmte Persönlichkeitsstrukturen zugrunde. Ich finde es gut, dass dir jetzt vieles da klar wird, das war bei mir damals auch so und das hat mir viel geholfen, hilft mir noch, da was zu verändern. Verändern zu können. Diese Prägungen, Muster, die wir in uns haben, laufen immer ab wie auf Knopfdruck. Mein Therapeut hat mir das mal erklärt. Das kann sogar sichtbar gemacht werden bei Untersuchungen. EEG oder so. Es gibt eben diese gut ausgebauten Nervenbahnen im Gehirn. Und wenn ein bestimmter Reiz kommt dann läuft das automatisch ab. Das ist für ganz viele Dinge sehr lebenswichtig, dass unser Kopp so funktioniert. Aber es hat eben auch mal Nachteile...

    Zitat


    Und bitte...zerfleische dich nicht über das, was du getan ist.

    Dieser Satz von Yvonne ist sehr, sehr wichtig! Mach dir das immer wieder klar! Die Vergangenheit kannst du nicht mehr verändern. Du kannst aber auf dich achten und verändern, dass dir das nicht immer wieder passiert. Und da bist du auf einem guten Weg, denn du denkst darüber nach. Machst dir bewusst. Was du getan hast das hast du ja gemacht weil du es für das beste gehalten hast. Zu dieser Zeit wusstest du es nicht anders und du hast gehandelt, wie es dir möglich war. Das ist kein Grund zur Selbstzerfleischung. Die bringt dich ja nicht weiter...

    Zitat

    Welche Eigenschaften hast du? Was macht dich aus??? Was siehst du im Spiegel?

    Das ist doch mal eine Idee. Einfach aufschreiben, was für Vorzüge du hast, was dich ausmacht. Das ist manchmal spannend. Es kann auch sehr spannend sein mal eine nahestehende Person zu fragen, was sie an dir mag, schätzt. Selbst- und Fremdwahrnehmung gehen manchmal Meilen auseinander. Das erfahre ich gerade auch wieder.

    Ich wünsch dir einen schönen Tag
    Aurora

    Hallo Yvonne,

    so war das bei mir damals auch. Diese Gefühle waren dann endlich bald auch weg. Es ist ja auch nicht wirklich angenehm als tickende Wutbombe durch die Gegend zu laufen. Ich fand das jedenfalls schon sehr anstrengend und unfrei für mich damals. Aber es hat mir auch ermöglicht den Absprung zu schaffen.

    Na klar kommen auch immer wieder Zeiten da steigt einem alles wieder hoch. Aber das wird auch anders im Laufe der Zeit. Manchmal bin ich heute noch traurig, ja, es ist eher eine Art Traurigkeit darüber, was ich alles habe mit mir machen lassen, was ich selbst gemacht habe. Aber gut, die Vergangenheit ist eben nicht mehr zu ändern, aber ich kann mein Heute leben und mein Morgen gestalten. Soweit das möglich ist, das Leben meint es ja manchmal anders :? .

    Viele Grüße
    Aurora

    Hallo,

    liebe Penta, ja, ich denke das Zusammenleben mit einem coabhängigen Menschen kann sehr anstrengend und beengend sein! Wobei es immer sehr schwierig ist den Begriff "Co-Abhängigkeit" zu definieren. Bzw. ab wann es wirklich zwanghaft und unfrei ist. Denn im Zusammenleben ist diese Verhaltensweise ja sehr wichtig. Fürsorge, füreinander da sein, sich unterstützen usw. Ich glaube bis zu einem gewissen Grad ist es für alle Menschen praktisch, einen Co zu haben. Denn Cos können das Leben auch sehr bequem für ihre Mitmenschen machen... :wink: . Schlimm wird es wenn es zur Selbstaufopferung wird. Wenn es übergriffig wird. Wenn ich mich für dermaßen unersetzlich, wichtig und perfekt halte.

    Mein Mann wehrt sich übrigens ziemlich gegen meine Co-Auswüchse, also die, die in Richtung Selbstaufgabe gehen. Die ich ja immer noch auch habe und die auch zutage kommen wenn ich nicht aufpasse. Die "kleinen" Co-Dinge allerdings findet er klasse :wink: . Er hat die übrigens auch voll drauf, manchmal viel schlimmer als ich. Und da wehre ich mich dann sehr!

    Ich hatte mal eine Kollegin, die aus meinen letzten Reformhaus Jahren. Die war schlimm. Sie hat mich regelrecht entmündigt. Und das ist für mich genau so unerträglich gewesen wie das Zusammenleben mit einem Abhängigen. In mir kamen da sogar ähnliche Gefühle hoch. Ich musste mich wieder anstrengen um alles richtig zu machen. Ich musste fast schreien um gehört zu werden. Ich habe bis zur Erschöpfung dafür gekämpft gesehen und anerkannt zu werden. Das hat meinem zarten Pflänzchen Selbstbewusstsein damals sehr geschadet.

    Oder meine damalige Schwiegermutter. Der "Pabba", wie sie ihn nannte, also meinen Schwiegervater, der konnte in ihrer Gegenwart nicht mehr sprechen. Weil sie das immer für ihn getan hatte, ihm immer über den Mund gefahren war und ihn zum Kind degradiert hatte. Auch das ist ja ein Verhalten, wie es die Coabhängigkeit ist.

    Ich gebe dir also Recht. Auch Coabhängige sind für ein glückliches Zusammenleben "ungeeignet", wenn sie sich in tiefster Zwanghaltung befinden. Wobei der Begriff "Co-Anhängigkeit" in meinen Augen nur Sinn macht wenn ich mit einem anderen Abhängigen zusammen lebe. Die Verhaltensmuster passen aber auch in Beziehungen ohne den Gegen-Abhängigen... also Alkoholiker in unserem Fall.

    Es ist auf alle Fälle wichtig für uns Cos, an unseren alten Prägungen zu arbeiten. Sie zu erkennen und neue Muster zu erlernen, um die alten unschädlich zu machen. Denn ein Leben in diesem Verhaltenszwang ist ebenso unfrei und zerstörerisch wie das Leben in stofflicher Sucht. Für mich als Co genau so wie für mein Umfeld.

    Danke für deinen Beitrag, liebe Penta. Das macht noch mal viel klar, finde ich! Ich wünsche dir ein schönes Wochenende.

    Ich werde gleich von meinen Mädels heimgesucht, meinen beiden Enkelinnen. :D .

    Aurora

    Hallo,

    liebe la vie, nun antworte ich dir endlich... :oops: . Ich glaube auch, dass sich im Kopf eines Abhängigen alles um seine Suchtbefriedigung dreht. So haben es Alkoholiker erzählt. Und so war auch mein Leben mit dem Alkoholabhängigen damals. Er hat nur um seinen Suff gekreist und ich auch. Er, weil er schnellstmöglich seinen Druck befriedigen musste, ich, weil ich ihn davon weg bringen wollte. Und ihm dafür alles aus dem Weg geräumt habe, immer in der Hoffnung, es wäre endlich mal richtig was ich mache, damit er endlich keinen Grund zum Trinken mehr hatte. Denn er hat mir ja ununterbrochen erzählt, es wäre alles meine Schuld. Ich habe das geglaubt denn ich wusste es nicht anders. Das habe ich aber erst begriffen, als ich mich mit Abhängigkeiten beschäftigt habe, also kurz vor und vor allem nach der Trennung.

    Ich finde es nach wie vor bedauerlich, dass sich mein Exmann wohl zu Tode säuft. Aber inzwischen akzeptiere ich das. Es ist sein Leben.

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    Mein Fädchen heißt "Liebe und Hass" und so waren meine Gefühle damals. Wobei - als ich hier im Forum anfing war da keine Liebe mehr. Da war nur noch Hass. Hässlicher Hass. Welch böses Wort, welch böses Gefühl... aber so war es nun mal.

    Ich hatte so viel Hass in mir gehabt, in den letzten Monaten des Zusammenlebens mit meinem Ex. Manchmal hatte ich echt Gedanken ihn abzustechen. Es ist unglaublich, wie tief diese Gefühle waren. Er hatte mein Leben versaut, mich angelogen und betrogen, mir meine Selbstachtung geraubt. Mich klein gemacht und krank. Er hat mich ausgelacht, verächtlich behandelt, beschimpft und missbraucht. Körperlich und seelisch. Ich habe noch heute mit Folgen dieser Zeit zu tun.

    Dass ich da auch Anteile hatte an dieser Suchtbeziehung war mir erst mal nicht klar. Ich hatte vorher nie etwas über "Co-Abhängigkeit" gehört. Ich hatte an meinen Tanten gesehen, wie sie im Laufe der Jahrzehnte mit ihren abhängigen Männern kaputt gingen. So wollte ich nicht enden. Im Fokus stand immer der Alkoholiker. Entweder als "das arme Schwein" oder "der willenlose Säufer", "er ist zu bemitleiden" und "lass ihn bloß nicht im Stich". Ich wurde angehalten, von Leuten aus meiner Familie und Freunden, meinen Ex zu unterstützen, ihm zu helfen, für ihn da zu sein. Wie ich mich dabei fühlte war unwichtig. Zwar hieß es schon mal: "wie hältst du das nur aus?". Aber Hilfe irgend welcher Art bekam ich nicht.

    Als ich mich dann endlich trennen konnte hatte ich auch keine Unterstützung. Mein Exmann aber bekam Anerkennung, Unterstützung und Tutsitutsi, er machte ja eine Entgiftung und trank erst mal nicht. Wieder war es so, dass er im Mittelpunkt stand und ich sollte mich rein fügen. Ihn unterstützen, ihm zur Seite stehen und wieder "lieb" zu ihm sein. Dass ich das nicht konnte und wollte verstanden viele nicht. Vor allem Ex verstand es nicht...

    Und ich war wütend. Ich war voller Zorn. Immer hatte ich alles gegeben, die Familie zusammen gehalten, die Kinder so gut wie alleine großgezogen. Ich hatte ihn Jahrzehnte lang versorgt und betuddelt, auch während seiner schweren Krankheit Ende der 80ger Jahre habe ich ihn täglich stundenlang im Krankenhaus besucht, ihn aufgebaut, gefüttert und begleitet.

    Und wofür? Um mich von ihn als Bekloppte betiteln zu lassen, um angelogen zu werden. Um mich behandeln zu lassen wie der letzte Dreck.

    So und nicht anders empfand ich das damals. In der Zeit der Trennung. In den letzten Ehejahren und bis nach der Trennung. In mir war Wut und Traurigkeit, Hass und Ärger.

    Nach der Trennung kam ich dann endlich zur Ruhe und diese starken negativen Gefühle haben sich verändert. Durch den Abstand und de Austausch hier im Forum. Durch Informationen und Erkennen. Ich hatte Alkoholiker immer nur nass gekannt, und ich kannte viele. In meiner Familie wimmelte es nur so davon. Für mich waren das willenlose Säufer. So sah ich auch meinen Exmann irgendwann.

    Was da wirklich dran hängt, was das bedeutet diese Krankheit zu haben, das wusste ich erst mal nicht. Das habe ich hier erfahren. Im Zusammensein mit Alkoholikern, die trocken wurden. Mein 2. Mann ist ja auch einer von hier, auch "so einer". Ich habe heute eine völlig andere Sicht auf alles und erkenne auch meine eigenen Anteile an meiner Beziehung, an meinen Beziehungen generell damals.

    Das weiß ich also heute, nachdem meine große Wut endlich nach und nach besser wurde wurde auch mein Blick wieder klarer. Aber ich habe auch diese negativen Gefühle damals gebraucht. Anscheinend. Um überhaupt in Bewegung zu kommen. Hätte ich resigniert würde ich noch heute neben meinem besoffenen Ex hocken...

    Mir wurden während der Ehe mit dem Ex meine Wahrnehmungen und Gefühle ausgeredet und verdreht. Ich wurde als verkehrt hingestellt, als Spinnerin bezeichnet und als überkandiedelt. Das war fatal. Ich wusste irgendwann nicht mehr wo vorne und hinten ist. Ich fühlte mich sehr schuldig und schlecht weil ich diese schlimmen Gefühle : Hass, Wut, hatte. Denn - ich bildete mir doch alles nur ein :shock: . Oder doch nicht? Oder wie oder was...

    Das Zusammenleben mit einem abhängigen Menschen ist im Prinzip nicht möglich. Also nicht auf einer normalen und glücklichen Ebene. Ist meine Meinung. Es ruft irgendwann schlimme Dinge hervor. Natürlich gibt es diese schlimmen Beziehungen auch mit nicht abhängigen Menschen. Aber hier reden wir nun mal davon. Denn hier sind die Coabhängigen. Und wir haben diese schlimmen Gefühle, meistens. Erst mal. Denn unsere Träume sind zerplatzt. Wir haben immer nur helfen und alles richtig machen wollen. Und wurden doch übel behandelt . Wir sind am Ende unserer Kräfte.

    Ja, wir haben uns das ja selbst ausgesucht, nicht wahr... Na ja, wir sind da langsam rein gerutscht, so, wie der Trinker langsam in die Sucht rutscht. Der Alkoholiker hat sich seine Krankheit nicht ausgesucht. Ich zumindest hab es mir auch nicht ausgesucht als Co zu leben. Was da an Verhaltensmustern und Prägungen sind, das war mir nicht klar. Nachher ist man immer schlauer...

    Ich geh jetzt in's Bett. Gute Nacht allerseits

    Aurora