Beiträge von liv

    Hey Mina,

    Deine Zeilen empfinde ich, als Aussenstehende, schon als total erdrückend, schon fast etwas erpresserisch :oops: .

    Was möchtest Du denn? Du möchtest ihn doch irgendwann physisch und psychisch gesund an Deiner Seite haben, nehme ich an. Er ist alkoholkrank und das ist, wie das Wort schon sagt eine Krankheit. Es ist eine Krankheit die ungestoppt tödlich endet. Und "leider" (oder gottseidank) ist es eine Krankheit, die man nicht durch die Einnahme einiger Tabletten und zwei/drei Therapiestunden beseitigen und dann einfach weiter so leben kann wie bisher, einfach ohne Alkohol. Trockenheit erfordert eine ganz massive Umstellung des Lebens, der Taten, Gewohnheiten und Gedanken. Und das geht nicht nebenbei. Sonst bräuchte er ja auch keine Therapie. Er ist da nicht in den Ferien, wo er mit seinen "neuen Freunden" herumplauscht und feiert. Er ist da um schlicht und einfach sein Leben zu retten. Soviel Druck von aussen, würde mich persönlich eher verjagen, als binden, um`s ganz direkt zu sagen :oops: .

    Für mich ist der Weg in die Trockenheit, ein Weg, der mich zwingt, endlich mal auf mich selber zu achten. All die Jahre habe ich getan was andere erwarteten, was anderen gut tat, was andere wollten. Ich bin erst dabei zu lernen, dass ich SO nicht trocken werden kann. Mir das Recht herauszunehmen, auf mich selber zu achten, fällt mir tausendmal schwerer, als wenn ich einfach so handeln würde, dass die anderen zufrieden sind und ich meine Ruhe habe. Fertig der "Weg des geringsten Widerstandes". Er ist jetzt doch da in der Therapie und das einzig Sinnvolle, was er da machen kann, ist für sich (und somit auch für Dich und Euch drei) seinen Weg in die Trockenheit zu gehen. Was bringt es Dir, wenn er seinen Alltag da in der Therapie nur nach den Telefonaten mit Dir ausrichtet, anstatt sich intensiv mit sich und seiner Krankheit auseinanderzusetzen?

    Bei Dir empfinde ich (was ja nicht viel zu bedeuten hat) ganz, ganz viel Eifersucht ... und Besitzansprüche.

    Ich bin etwas hilf- und sprachlos gerade :oops: . Ich denke, es wird Dir viel bringen, wenn Du Dich mal querfeld durch`s Forum liest. Dich auf das Thema Alkoholismus und Co-Abhängigkeit total einlässt. Ohne den Druck, Deinen Partner in jeder Minute krampfhaft an Dich binden zu wollen. Ich merk schon, dass mich das Thema überfordert. Vielleicht finden sich ja noch Co`s, die da besser draufeingehen können ... .

    Liebe Grüsse, liv

    Liebe Ulrike,

    natürlich war Dein Verhalten nicht falsch ... es war sogar sehr richtig und sehr angenehm für uns.

    Weisst Du, manchmal erschrecke ich mich selber, wenn mir plötzlich wieder klar wird woher ich komme :lol: . In meinem Alltag vergesse ich das oft und dann kommt`s oft so schlagartig. So als würde ich mich an eine Geschichte oder einen Film, den ich mal gesehen habe, erinnern. Es erscheint mir manchmal fast absurd und so fern.

    Was ich hier schreiben kann, ist nur, dass ich weiss, wenn ich das bis hierhin geschafft habe, können das alle anderen auch schaffen. Mich hat das ganze Umfeld schon aufgegeben und ich mich selber noch viel mehr. Ich war/bin nicht stärker oder klüger als andere Süchtige (ob Drogen oder Alkohol), als ich den ersten Schritt getan habe. Aber ich hab ihn getan, das ist der Punkt. Bei den Drogen kann ich nicht mal mehr genau sagen, in welchem Jahr(!) ich damit aufgehört habe (geschweige denn an welchem Tag!). Es war kein denkwürdiges Datum, das ich mir vorgenommen und mir schon im Voraus im Kalender eingekreist habe. Erst als ich begriffen hatte, dass ich mir meinen Entzug nicht vornehmen, sondern ihn machen muss, ging`s vorwärts. Jahrelang war ich mir sicher, dass das aufhören morgen viel einfacher ist als heute. Ich hab geplant und eingeteilt - und alles nur mit dem Sinn, das aufhören weiter rauszuschieben. Und weisst Du, was das verrückteste daran ist? Ich hab`s selber geglaubt!! :shock: Ich hab wirklich geglaubt, dass ich morgen/nächsten Montag/in zwei Wochen/im neuen Jahr .... aufhöre. Und war dann selber wohl am meisten von mir enttäuscht.

    Lange habe ich auch nicht begriffen, dass ich mir Hilfe mit ins Boot holen soll. Ich dachte immer, es zeugt doch von grösserer Stärke, wenn ich es alleine hinbekomme :roll: . Ich war noch von der Sorte Mensch, die sagten, der einzige wahre (Drogen-)Entzug ist der kalte. Man muss so richtig leiden, damit man klüger wird daraus *blablabla*. Was für Müll! Das einzige, was das jeweils gebracht hat, war, dass ich früher oder später immer total "ausgeko.zt" auf die Szene gekrochen bin, um mir Linderung der Schmerzen zu besorgen. Glücklicherweise wurde mir irgendwann klar, dass es weitaus mutiger und klüger ist, sich Hilfe zu holen, um das Problem WIRKLICH anzugehen. Dieses "alleine-wischiwaschi" bringt nun wirklich gar nichts. Falscher Stolz hat mich wahrscheinlich Jahre gekostet, glücklicherweise nicht das Leben! Ich unterscheide da auch nicht gross zwischen illegalen Drogen/Tabletten und Alkohol. Ist für mich alles dieselbe Suppe und gilt für alles dasselbe. Selbstmitleid in Selbstinitiative umtauschen, Hintern hochkriegen, Hilfe holen, machen nicht nur denken!

    So, ich merke, heute bin ich etwas schräg :lol: .

    Liebe Ulrike, dieser Eintrag klingt jetzt so "rein an Dich gerichtet" ... soll er aber nicht sein ... sind nur so meine Gedanken, die ich hier niederschreibe ... . Nicht dass Du denkst, Du hast mich jetzt an der Backe :wink: .

    so ich verkrümel mich dann mal.

    gruss liv

    Hi Mina,

    ich bin zwar aus der Ecke der Selbstbetroffenen und habe wenig Ahnung in "Angehörigen-Fragen". Aber mein erster Gedanke, als ich Deine Zeilen las, war "lass den guten Mann doch mal kurz atmen" :wink: .

    Ich finde es sehr gesund, wenn er nicht alle 6 Stunden mit Dir telefonieren mag (kann? darf?). Er ist da in der Therapie, um zu lernen mit seiner Krankheit zu leben. Das ist für ihn lebenswichtig. Und das geht nicht so nebenher. Da muss er sich total reingeben. Mich würde da der Druck, für meinen Partner draussen jederzeit abrufbereit sein zu müssen, sehr ablenken und überfordern. Gib ihm doch die Zeit, dass er sich da mal ganz auf sich konzentieren kann ohne das dauernde Gefühl, dass er es Dir auch noch recht machen muss. Überall gleichzeitig sein zu müssen, ist so ein jonglieren, wo ich denke, das schadet ihm mehr, als dass es nützt. Ehrlich gesagt, wäre es mir damals wohl schon zuviel gewesen, wenn ich täglich 15 Minuten hätte Rede und Antwort stehen müssen.

    "Leine etwas locker lassen" ... würde ich da sagen. Gib ihm doch die Chance, dass er sich auf sein Hauptproblem konzentrieren kann. Das bringt doch schlussendlich auch Dir mehr, als wenn er da nur mit halbem Kopf dabei sein kann ... .

    Ich mein`s nicht böse, ganz bestimmt nicht!

    gruss liv

    Liebe Biene,

    ich habe mir ja vorgenommen, mir Gedanken zu Deinen Zeit-"Fragen" zu machen ... und habe gemerkt, ich weich dem total aus :lol: . Mit "Zeit" tu ich mich unsagbar schwer. Es ist für mein Hirn ein unfassbares Wort/Zustand/Ding (na was ist es denn eigentlich? hm). Ich erinnere mich an meine Lehrersemi-Zeit; schon da habe ich mich mal in einem Aufsatz versucht mir über "Zeit" klar zu werden ... und seither bin ich noch verwirrter :lol: .

    Ich frage mich, inwiefern gibt`s überhaupt Zeit? Gibt es das? Oder ist es nicht ein subjektives Empfinden des eigenen Lebens-Flusses ... . Läuft bei allen die Zeit gleich? Ich mache Dir jetzt einen Gefallen und höre hier an der Stelle auf, mir über Zeit "laut" Gedanken zu machen :lol: .

    Meine "Zeit" die ich mit Drogen und Alkohol verbracht habe, ist natürlich keine "sinnvoll genutzte" Zeit. Trotzdem ist es mein Lebensweg, ohne den ich heute nicht da wäre, wo ich bin. Und da gefällt es mir momentan sehr! Wäre mein Weg anders gewesen, hätte ich vielleicht nur einen Tag anders gelebt, als ich es getan habe, hätte ich vielleicht nicht genau diese Kinder, die ich habe. Ich hätte vielleicht andere, vielleicht einen ganzen Haufen mehr, aber eben nicht die zwei liebenswerten Lümmel, gegen die ich all die anscheinend "verlorenen" Jahre (und noch tausend mehr) niemals eintauschen würde.

    Ich könnte mir jetzt, genau in diesem Moment, kein besseres Leben vorstellen. Es könnte leichter sein, bestimmt. Ich könnte reicher und schöner sein. Aber mir reicht gerade meine kleine, bescheidene Welt. Und so ein Gefühl des "zufrieden-seins" ... was will ich mehr. Ich kenne mich gut genug, um zu wissen, dass sich bei mir auch wieder grosse dunkle Löcher auftun und ich zweifle und hadere - aber genauso weiss ich, dass das nächste "zufrieden-sein" hinter dem dunklen Loch auf mich wartet.

    Hm, jaja, ich drehe gerade etwas ab und werde etwas schräg ... es sei mir bitte verziehen :wink: .

    Eigentlich wollte ich HEUTE nur darauf eingehen:

    Zitat

    Es dauert einige Zeit, bis ich lerne, meinem Gedächnis wieder vertrauen zu können. Manchmal vergesse ich es noch, dann rufe ich mich zurück.

    Darüber stolpere ich an jedem Arbeitstag mehrfach. Jedes mal, wenn ich merke, eine Mitarbeiterin (ganz schlimm bei der Chefin) holt zu einer Frage aus, werde ich unsicher. Ich traue meiner Erinnerung noch soo wenig. Ich bin dann total erleichtert und auch etwas erstaunt, wenn ich sicher eine Antwort geben kann. Ich habe es noch heute, dass ich nicht sofort antworten kann .. ich brauch immer einen ganz kurzen Moment, um meiner eigene Erinnerung zu glauben und meine Antwort klar geben zu können. Manchmal denke ich, die anderen müssen ja glauben, ich habe einen an der Waffel :lol: ... aber ich schätze, den anderen fällt das gar nicht so auf und wenn doch, ist`s halt meine Macke. Andere stotteren, ander sprechen schneller, als sie denken, wieder andere haben Blähungen, was soll`s bin ja auch nur ein Mensch :lol: .

    So jetzt genug geplappert.

    Gruss liv

    Hi Ulrike,

    der Feiertags-Chat ist ja, aus meiner Sicht, in erster Linie dazu da, dass man sich aussprechen kann und ein Gegenüber hat. Weihnachten sind ja erfahrungsgemäss für viele sehr schwierig, darum auch der Chat. Es sind da hauptsächlich auch "die Neuen", die etwas gelöchert werden :wink: ... sie sind nicht dazu da, sich schon um andere kümmern zu müssen. Daher ist der Chat auch moderiert ... . Also kein Grund, Dir Gedanken über Dein Verhalten da zu machen!

    Danke mir geht`s gerade sehr gut. Seit Weihnachten darf ich mal wieder ganz viel Dankbarkeit und Demut spüren. Einfach für mein Leben, das ich jetzt führen darf. Gerade diese Nacht habe ich wieder vom fixen, dem Leben auf der Strasse, der Heimlichkeit und Enttäuschung geträumt, ... da ist dann das aufwachen gleich doppelt so schön.

    Ich rutsche immer mal wieder in so ganz tiefe psychische Löcher und daher geniesse ich die andere Zeit wohl noch mehr und bin einfach dankbar für die innere Ruhe.

    Im Geschützten Bereich ist der Austausch ganz klar intensiver - das fällt mir erst jetzt so richtig auf, seit ich mich hier im offenen etwas mehr beteiligen möchte. Viele von uns führen dort Tagebücher ... da kann man sich ganz gut kennenlernen. Viele dort sind mir unterdessen sehr vertraut und das begünstigt einen intensiven Austausch natürlich sehr. Den Chat kannst Du dort rund um die Uhr besuchen ... doch ... zumindest ich, bin da eigentlich nie drin. Aber ich glaube so hin und wieder wird da abends schon geplauscht. Gut ist der Chat natürlich, wenn es jemandem schlecht geht ... da ist dann das direkte aussprechen im Chat oft sehr hilfreich. Für Notfälle haben wir einen SOS-Thread, wo man sich in Not melden kann und es ist fast immer jemand online, der dann in den Chat kommt. Uff, liest sich jetzt bestimmt wie Werbung :oops::lol: .

    So, ich düs dann mal weiter ... .

    Gruss liv

    Liebe Ulrike,

    bin zurzeit in der Mittagspause und daher nur an meinem Mini-Laptop. Der ist gut zum etwas lesen, aber schreiben tu ich von hier aus nicht so gerne...ist vielleicht eine Übungssache ... . Daher nur kurz :wink: .

    Ich finde es toll, Dich hier anzutreffen. Es freut mich, Dich im Feiertags-Chat kennengelernt zu haben.

    Vielen Dank für Deine lieben Worte ... . Ich melde mich dann wohl Mittwoch oder Donnerstag ausführlicher.

    Bis bald!

    gruss liv

    Liebe Biene,

    finde ich ja klasse, dass Du Dich auch entschieden hast, hier im Offenen einen Thread zu führen. Macht Sinn! :D

    Deine Fragen nehme ich genauer unter die Lupe, wenn ich wieder frei habe und nicht von diesem kleinen Mini-Laptop aus schreiben muss :lol: .

    Ich grüss Dich lieb, liv

    Hi Du oller, verwaister Thread :lol: ,

    ich hol Dich aus zwei Gründen mal wieder hoch.

    Der erste ist, dass ich häufig im Feiertags-Chat war und mir da auffiel, dass mich ja die meisten Neuen gar nicht lesen können, wenn ich mich bloss im Geschützten Bereich verkrieche und diesen alten Thread habe ich ca. auf Seite 18 gefunden ... das findet ja sonst keiner :wink: . Es stimmt für mich nicht, wenn ich mich im Chat mit Leuten auseinandersetze, mich für sie interessiere und mich dann danach wieder im Geschützten verschanze und für sie somit weg bin... ist dann so ein halbfertiges Ding.

    Der zweite Grund ist, dass ich denke, mein Weg könnte auch andere, die noch am Anfang stehen, motivieren. Ich habe mich ja anfangs wirklich nicht leicht getan mit dem Trockenbleiben. Hab mit mir gehadert ohne Ende. Mein Weg ist sehr holprig und steinig. Damit habe ich mich aber langsam abgefunden. Aber lange habe ich mich geärgert und gefragt, warum gerade ICH immer wieder in Gedankenspiralen und Suchtdruck verfalle. Ich habe an mir gezweifelt, meine Trockenarbeit in Frage gestellt und manchmal sogar den anderen unbewusst unterstellt, sie seien nicht ehrlich ... weil sie schreiben, sie hätten null Suchtdruck und Verzichtsgefühl. Unterdessen akzeptiere ich, dass bei mir Suchtdruck auch nach der ganzen Zeit ohne Alkohol immer mal wieder hochkommt. Ich lerne auch langsam Strategieen damit umzugehen.

    Trotzdem hatte ich im letzten April, nach zweijähriger Abstinenz, einen eintägigen Rückfall, der mich aber ganz schon wachgerüttelt hat und durch den mir klar wurde, dass ich mein Denken ändern muss. Ich muss MEINEN Weg gehen, MEINE Stolpersteine erkennen und umgehen lernen. Ich muss mich nicht mehr damit ablenken, mich über die Tatsache zu ärgern, dass es mir oft schwerer fällt, trocken zu bleiben, als andere. Im Forum habe ich tolle, virtuelle Weggefährten gefunden und ich bin dankbar, dass ich sie hier kennenlernen durfte.

    Vor bald zwei Jahren fand ich einen Praktikumsplatz für ein halbes Jahr. Noch nie vorher habe ich so lange am Stück gearbeitet. Danach konnte ich noch um ein halbes Jahr verlängern. Und anschliessend bekam ich eine Festanstellung. Im nächsten Sommer kann ich meine Ausbildung an einer Höheren Fachschule für Sozialpädagogik beginnen. Vor drei Jahren hätte ich mir nicht träumen lassen, dass noch solch tolle Chancen im Leben auf mich warten. Meine Kinder sind zwar nicht sehr pflegeleicht, aber trocken kann ich das anders handhaben.

    Ich wünsche allen hier, dass ihnen das trockene Leben auch so tolle Geschenke bereithält.

    Liebe Grüsse, liv

    Hi Heio,

    na dann herzlich willkommen hier im offenen Bereich. Ich hoffe, Du findest hier guten Austausch. Das viele Lesen und Schreiben hier im Forum hat mir, vor allem am Anfang (aber auch heute noch), sehr geholfen.

    Liebe Grüsse, simi

    Hi Jane,

    das finde ich jetzt so richtig klasse, dass Du Dich wieder meldest. Erstens natürlich, weil das was Du schreibst sehr erfreulich ist und zweitens ist es nicht selbstverständlich, dass man über sich und seine anfängliche Ansicht schmunzeln und dazu stehen kann. Das beides find ich total stark.

    Ich kann bis heute meine alten Threads noch nicht angucken. Wenn ich so zurückdenke ... ich glaube, ich war auch teilweise sehr bockig :lol: .

    Ich wünsche Dir auf Deinem weiteren Weg alles Gute und hoffe, hier wieder von Dir zu lesen.

    Gruss simi