Hallo,
jetzt sitz ich mal wieder hier und weiß nicht, wie ich anfangen soll. Ist manchmal ganz schön schwer...
Ich bin nach wie vor nüchtern - das mal vorab gesagt
Heute vor vier Wochen hatte ich meinen letzten Vollrausch. Auf der einen Seite weiß ich, daß es ein klitzekleiner Schritt ist, im Gegensatz zu meinem restlichen Leben (hoffe ich zumindest stark). Andererseits - zu meinen nassen Zeiten hätte ich mir vier Wochen Nüchternheit nicht mal ansatzweise vorstellenkönnen. Von soher bin ich doch recht zufrieden mit mir und sehe den nächsten vier Wochen positiv gegenüber.
Die Erlebnisse der ersten Wochen waren auch eher positiv als negativ. Ich mußte so manch Hürde überklettern und hatte auch so manches Mal echt Bammel davor. Einer meiner Sprüche, die ich ja so liebe
, und den ich recht oft mir gegenüber anwende, wenn es gilt, unangenehme Situationen zu meistern, heißt: "Hilft alles nix, da mußt jetzt durch, hilft beim Erwachsen werden". Sicher wissen ja noch viele von Euch, daß es ja so ca. ab dem 14. Lebensjahr gilt, so erwachsen wie möglich zu sein. Seit vielen Jahren bin ich allerdings der Meinung (obwohl mir sehr bewußt ist, daß ich inzwischen wirklich erwachsen geworden bin), daß das Erwachsensein ja gar nicht sooo erstrebenswert ist.
Aber ich hab eben auch gelernt, daß es nicht viel hilft, vor seinen Problemen wegzulaufen - sie holen einen früher oder später immer wieder ein. Meine Mama war mir da ein leider gutes Beispiel: wir sind bis zu meinem 18. sicherlich 15 x umgezogen. Deutschland, Frankreich, USA...
Okay - ich bin ja auch gerne auf dieser Welt unterwegs, aber nicht unbedingt, weil ich immer wegrennen will...
Sorry, jetzt hab ich meine Gedanken ein wenig schweifen lassen...
Zurück zu den letzten vier Wochen: ich merke immer mehr, daß ich keine Lust mehr darauf habe, mich an Plätzen aufzuhalten, wo doch eher das Trinken an erster Stelle steht. Siehe unser Betriebsfest gestern. Eine meiner Kolleginnen (absoluter Nichttrinker) fragte mich gestern recht erstaunt, warum ich denn nicht kommen wollte. Ich sage ihr auch, daß mir das nix bringt, trinken tu ich nicht mehr, vollfressen auch nicht, und die Kollegen, die mich gerne mögen, tun das auch wieder am Montag.
Akzeptanz voll da.
Vielleicht gibt mir das auch recht viel Rückhalt. Ich habe mich ja in den letzten Wochen immer dann geoutet, wenn ich das für nötig gehalten habe. Bei guten Freunden, nahestenden Kollegen, engerem Familienkreis.
Auch meine Freundin, mit der ich bisher oft einen gehoben hatte, ist seitdem nüchtern - sagt sie jedenfalls. Ob´s stimmt, weiß ich nicht genau, da wir uns nach wie vor kaum sehen. Wir haben uns sicherlich auch gegenseitig oft zum trinken animiert, und der Abstand hilft mir.
Auch habe ich angefangen meinen Allerwertesten hoch zu kriegen und schaff es nun doch, öfter nach der Arbeit noch mit meinem Zwerg bzw. mit beiden Männern Unternehmungen anzustellen. Zeitweise "langweile" ich mich dann dort noch ein wenig, bzw. fehlt mir die echte gute Laune. Aber ich bin sicher, daß auch das eine Frage der Zeit ist.
Ein Thema gibt es allerdings, wo ich nicht genau weiß, wie ich denken soll. Gestern hatte ich eine längere Diskussion mit meinem Freund über die Krankheit Alkoholismus. Wie schon erwähnt, ist seine Meinung: sie trinkt, also hat sie ein Problem - sie trinkt nicht mehr, also ist alles in Ordnung.
Seiner Meinung nach ist das keine Krankheit, sondern hat nur mit Willensstärke zu tun. Und Mitleid krieg ich auf keinen Fall - wollt ich übrigens auch nie 

Auch in punkto Alkohol im Haus hab ich mich nur zu 90 % durchsetzen können. Sprich - es ist alles raus bis auf sein geliebtes Bier. Er sieht nicht ein, daß er unter meiner Dummheit (nicht Krankheit) mitleiden soll. Er hätte ja schließlich kein Problem damit. Ich konnte ihn zumindest soweit überreden, daß er sein Bier alleine kaufen geht und auch im Keller im Schrank verschließt, so daß ich´s nicht sehe und auch nicht rankomme. Er trinkt nicht mal täglich sein Bier und verzichtet auch beim Weggehen/ Essen etc. komplett drauf. Aber an manchem Abend will er es einfach. Für mich dann der Zeitpunkt, an dem ich in die Wanne gehe, bzw. mich zurück ziehe oder gleich früher ins Bett gehe. Seinen letzten Vollrausch hatte er übrigens vor ca. 4,5 Jahren - zur Geburt seines Sohnes.
Ich versteh ihn auch irgendwie. Aber deswegen sollte ich ihn verlassen??? Ihn, der mir doch in den letzten Jahren vieles meiner Sch... verziehen hat ? Den Mann, der der allerbeste Papa überhaupt ist? Der ewige Geduld mit mir hatte und auch immeroch hat? Seid mir nicht böse, aber das geht nicht und das will ich auch nicht. Logisch hatten auch wir unser verflixtes siebtes Jahr, welche langjährige Beziehung läuft schon immer rund. Und - zugegeben - ich bin die schwierigere Person in unserer Parnerschaft.
So - das sind nun meine Gedanken zu den letzten Wochen. Bin ja mal gespannt, was sich in den nächsten Wochen so ereignet.
Viele sonnige Grüße an alle!!!