Da bin ich also wieder - immernoch nüchtern aber nicht mehr euphorisch.
Meine Reise zur Bestattung meiner Tante hatte einige Höhen und Tiefen.
Zuerst einmal habe ich meinem Bruder "reinen Wein" eingeschenkt über meinen Alkoholismus. Er war nicht wirklich schockiert, da wir Sylvester letztes Jahr zusammen verbracht haben und er meinen Absturz sehr wohl mitgekriegt hat, und sich dementsprechend seine Gedanken gemacht hat. Daß ich allerdings recht regelmäßig soviel getrunken habe wußte er nicht.
Generell fand er es gut, daß ich mir selbst in den Hintern getreten habe.
Bei meinem Cousin mitsamt Familie hab ich mich sehr gut aufgehoben gefühlt. Ich kannte sie bis dato noch nicht sehr gut. Wir sind zusammen viele alte Fotoalben durchgegangen. Sehr viel von meiner Oma, meiner Tante etc.
Auf so ziemlich 90 % aller Bilder waren sie am feiern, trinken, Party machen.
Erschreckend, denn bei so ziemlich allen dieser Leute war der Alkohol die Todesursache.
Die Bestattung meiner Tante selbst war wunderschön. Wir waren nur zu acht, fuhren auf´s Meer hinaus, der Bestatter hielt eine kleine Rede, dann wurde die Urne ins Meer gelassen. Es war alles so friedlich, nicht tieftraurig wie auf dem Friedhof.
Das schlimmste für mich an diesem Tag war allerdings meine Cousine. Ich wußte nicht, daß auch sie dem Teufel Alkohol verfallen war, nachdem ich sie in meinem Leben bisher nur zweimal gesehen habe.
Schon auf dem Schiff hatte sie vormittags auf nüchternem Magen drei Bier. Zum Mittagessen - wir waren beim Griechen - gab´s ja wie meistens den Ouzo hinterher. Wir sagten alle NEIN, aber meine Cousine meinte daraufhin zum Kellner, daß er ruhig für jeden Erwachsenen einen bringen soll.
Sie trank sie alle allein hintereinander weg.
Dementsprechend betrunken war sie am Nachmittag. Ich hab mich für ihr Auftreten auf offener Straße echt geschämt. Und nicht nur ich. Mein Cousin hat sich sehr oft entschuldigt bei uns. Normalerweise hält er sich von ihr fern, aber es war ja seiner Mutter´s Bestattung.
Was hat mir dieses WE nun gebracht?
Auf der einen Seite war ich sehr froh meiner Tante einen letzten Gruß mitzugeben. Diese Art von Bestattung, wie schon gesagt, war ein sehr schöner Abschied.
Noch dazu bin ich um einige "normale" Familienmitglieder reicher. Ich hatte die Chance meinen Cousin und seine Frau endlich mal besser kennen zu lernen und wir werden den Kontakt nun aufrecht erhalten.
Auf der anderen Seite wurde ich mit einem Alkoholismus konfrontiert, der durchaus in ein paar Jahren (oder auch früher?) meinem eigenen hätte entsprechen können. Tagsüber - ohne Rücksicht auf Verluste - vor meinem Kind bzw. vor allen Menschen. Diese Begegnung fand ich schrecklich und sie hat mich sehr unter Druck gesetzt. Ich wäre am liebsten davongelaufen.
Als ich gestern nach Hause kam, war mir verdammt nach einem Glas zumute. Vermutlich wäre es auch dabei nicht geblieben. Einfach nur, um meine Gedanken weg zu kriegen. Mein ganzer Körper war in einem tierischem Stresszustand.
Auch jetzt noch hätte ich Lust...
Ich lenke mich ab, so gut es geht. Arbeite an meiner Buchhaltung zuhause, trinke mir nen Wasserbauch und denke an meinen besoffenen Cousine.
Ich hoffe dieser Druck läßt nun bald wieder ab von mir und ich kann die nächsten Tage wieder mehr geniessen.
Liebe Grüße