Hey lottikarotti!
Ich finde es toll, dass du dich hier angemeldet hast, ich bin zwar selbst noch gar nicht lang hier, aber ich freue mich immer über neue Leute hier (klingt ironisch, wenn man bedenkt, um was es geht), denn ich weiß, wie sehr mir das Forum bisher schon geholfen hat.
Als ich deine Beiträge gelesen habe, ist mir aufgefallen, dass ich beim Lesen immer wieder "Hm-hm...", "Ja, klar..." vor mich hin gesagt hat. Egal, wie individuell jede einzelne Geschichte ist, aber es gibt doch immer wieder eindeutige Parallelen.
Es ist zwar löblich, dass du deinem Vater helfen willst, aber das kannst du leider nicht. Das haben die anderen ja auch schon gesagt. So hart es klingt und so hart es ist, aber ihr müsst deinen Vater mit seinem Problem allein lassen. Er will zwar zu dem Arzttermin gehen und redet mit euch, aber du weißt ja selbst, dass Alkoholiker die besten Lügner und Schauspieler sind, die es gibt. Wenn dein Vater wirklich trocken wird, dann nur, weil er es für sich will. Solange er es nur wegen euch oder der Drohungen macht (die im Endeffekt meist nicht konsequent durchgezogen werden, wie ich aus eigener Erfahrung weiß), solange wird er es wahrscheinlich nicht schaffen. Du musst deinem Vater nicht helfen, du kannst es gar nicht. Er ist der einzige, der sich helfen kann. Nur er trägt die Verantwortung für alles (wie du ja schon selbst eingesehen hast) und nur er kann die Konsequenzen daraus ziehen. Du musst ihm nicht länger zur Seite stehen, ja, du solltest es nicht mal. Du merkst doch selbst, wie fertig dich das alles macht. Irgendwer hat mal die Co-Abhängigkeit sehr treffend beschrieben. Man müsste sich das so vorstellen wie in einem Wirbelsturm. Alle Angehörigen wirbeln um den Alkoholiker herum, sorgen sich nur um ihn, ihr ganzes Leben dreht sich um ihn, und er selbst sitzt im ruhigen Zentrum. Wenn er sich für das Trinken entscheidet, dann lass ihn damit allein. Es tut dir selbst nicht gut, wenn du weiterhin seine Verstecke kontrollierst und dir Sorgen um ihn machst. Es ist sein Leben und nur er trägt die Verantwortung dafür. Es ist das Beste, wenn deine Mutter und du und jeder andere (ich weiß ja nicht, wie groß eure Familie ist) ihn allein lasst. Ich finde es sehr gut von dir, dass du deiner Mutter angeboten hast, dass sie bei dir wohnen kann. Damit hilfst du ihr. Aber vergess dich dabei auch selbst nicht. Und wenn sie die Chance nicht ergreift und bei deinem Vater bleiben will (ich kenne ja meine eigene Mutter...), dann ist das auch ihre Entscheidung, dann kannst du ihr nicht mehr helfen.
Du hast davon gesprochen, dass du sie auffangen willst, aber das kannst du gar nicht und das solltest du auch nicht. Du kannst sie unterstützen, wenn du willst, aber du kannst ihr nicht alles abnehmen. Du hast auch geschrieben, dass du eine Tochter hast, der du nicht das gleiche antun willst. Aber eine co-abhängige Mum ist leider auch keine richtige Mutter. Überleg mal... wie viele Gedanken machst du dir um deinen Vater und wie viele um deine Tochter? Ich will dir damit keinesfalls unterstellen, du seist eine schlechte Mutter oder so, ich kenn dich ja nicht mal. Aber ich weiß, dass ein Alkoholiker nun mal sehr viel Zeit und Gedanken in Anspruch nehmen kann. So viel, dass kaum etwas für andere bleibt.
Für uns Kinder ist es das Wichtigste, an allererster Stelle an uns selbst zu denken. Dein Vater ist Alkoholiker und das ist schlimm, deine Mutter ist co und auch das ist verdammt hart, aber du kannst ihnen leider nicht helfen. Das ist hart, aber wahr. Und wenn man das akzeptieren kann, kann man wieder anfangen, an sich zu denken und trotzdem mit den anderen besser umgehen.
Puh... jetzt habe ich einiges geschrieben und ich hoffe, ich knall dir das jetzt nicht alles so vor den Kopf und mach dich damit fertig oder so... Es gibt für uns nur so viel zu lernen und auch wenn ich selbst erst ganz am Anfang stehe, so weiß ich doch, wie sehr mir das Forum in etwas über einem Monat schon geholfen hat.
Ich wünsche dir, dass es dir genauso geht. Außerdem viel Kraft. Schön, dass du hier bist!