Hallo zusammen,
Andy :
Natürlich hast Du Recht mit Deiner Aussage:
Zitat
zumindest für jeden mit einer allgemeinen Schulbildung, nur eine einzige Antwort zulassen, Sucht ist Sucht
Und selbstverständlich auch mit Deinen weiteren Worten, allerdings ist Sucht letztendlich auch nur ein Oberbegriff wie z.B. Auto oder Baum
. All diese Dinge lassen sich sehr einfach und ohne Abstufungen betrachten:
Steht da ein Baum vor meinem Fenster? >>> Ja oder Nein?
Besitze ich ein Auto? >>> Ja oder Nein?
Bin ich süchtig? >>> Ja oder Nein?
Aus diesem (wie ich persönlich empfinde) doch sehr kleinen, erkenntnisreichen Momenten kann dann die Frage entstehen, ob ich mich verändern möchte, oder nicht. Möchte ich dies, so habe ich es beim Baum und beim Auto recht einfach: Fällen bzw. Verkaufen. Bei der Sucht steht mir aber eine durchaus intensiver Arbeit bevor, die eben auch mit der Aufarbeitung der Suchtgeschichte und der Etablierung einer zufriedenen, trockenen Lebensweise einhergeht. Und das muss man schon in erster Linie mit sich selbst ausmachen (wobei die Erfahrungen derer, die diesen Weg eben schon gegangen sind, unschätzbar wertvoll sind).
@Spedi:
Nun versuche ich Dir mal den Spagat zwischen Werbung und ‚Alkohol aus zweiter Hand’ zu erklären, wie ich ihn verstehe:
Die Tatsache, die eigene Sucht erkannt und vor dem Alkohol kapituliert zu haben, ist doch offensichtlich keine ausreichende Sicherheit für eine dauerhafte Trockenheit. Wäre dem so, dann wären doch auch Oktoberfestbesuche und Kneipentätigkeiten völlig frei von Gefahr. Sind sie aber nicht! Warum? Weil wir Menschen trotz unserer hoch entwickelten Sprache auch andere Wahrnehmungen von unserem Gegenüber haben, die uns mit Informationen versorgen. Beispiel: Du sitzt in der Bahn und in Deiner Nähe befindet sich ein kleines Grüppchen, welches sich ausgelassen unterhält, miteinander lacht etc. Die Information, die Du in diesem Augenblick bekommst, ist, dass sich diese Menschen offensichtlich wohl fühlen. Diese Information würde sich auch nicht verändern, wenn jede dieser Personen mit einer Büchse Bier in der Hand dort sitzen würde. Und genau das ist für uns Süchtige gefährlich, weil diese Information beinhaltet, dass man auch mit Alkohol Spaß haben kann.
Werbung funktioniert jetzt nach exakt dem gleichen Prinzip: Es werden Situationen gestellt, die per se als angenehm empfunden werden, und in denen ganz zufällig auch jeder fröhlich und ausgelassen sein Glas in der Hand hält.
Ich hoffe, dass habe ich jetzt einigermaßen verständlich erklärt?!
Eine ganz kleine Anmerkung sei mir aber noch erlaubt:
Lieber Spedi, Du hast hier in diesem Thread etwas missverständlich vom Leben nach der Sucht gesprochen und auf die Nachfrage von clare lediglich darauf hingewiesen, sie solle sich doch auf das Geschriebene konzentrieren und nichts in Deine Texte hineininterpretieren.
Dieser ganze Thread ist entstanden, weil Du meine Worte in Hartmut’s Nachbarthread offensichtlich ebenfalls etwas uminterpretiert hast. Ich zitiere noch einmal:
Zitat von JoeDoe
Wenn ich mich so durch die Grundbausteine lese, dann sehe ich prinzipiell auch, dass sich dort auch Interpretationsspielraum befindet, bzw. dass individuelle Aspekte eben auch die Umsetzung dieser Grundbausteine beeinflussen.
Dein Beitrag direkt darunter:
Zitat von Spedi
Und da ist sie wieder, die viel beschworene Individualität.
Die muss manchen Menschen ja schon wahnsinnig viel Wert sein, wenn da so oft so ein "Trara" darum gemacht wird...
Ich werd' doch mal einen eigenen Thread eröfnen...nur für das Thema "Individualität in der Sucht".
Ich finde es schade, wenn es über solche Fehlinterpretationen immer wieder zu recht sinnfreien Diskussionen kommt, ein kurzes Nachfragen hilft vielleicht etwas effektiver?
Trotzdem habe ich auch hier wieder viel mitnehmen können … Ich hoffe, ihr seht das ähnlich 
Liebe Grüße
J.