• Hallo miteinander,

    Sabine :

    Dank Dir für Deine Sorgen bezüglich meiner Partnerin. Ich hatte ja gar nicht erwähnt, wie sie eigentlich mit der Situation umgeht. Dazu sei nur kurz bemerkt, dass sie einer bevorstehenden Elternschaft deutlich kritischer gegenüberstand, als ich das tat. Insofern hat die Entwicklung ihr eine Entscheidung abgenommen, die sie im Falle einer Unterbrechung vielleicht später einmal bereuen hätte können. Vor diesem Hintergrund betrachtet geht es ihr sehr gut.

    Blizzard :

    Ich danke Dir für Dein Beileid und belasse die leicht sarkastische Nachbemerkung mit den Glückwünschen einmal unkommentiert. Vielmehr mag ich Dich noch einmal darauf hinweisen, dass wir keine endgültige Entscheidung getroffen hatten und mag auf die von Dir ins Feld gebrachte Verantwortung kurz eingehen:

    Du hast natürlich völlig Recht, dass Verantwortungsbewusstsein per se im Laufe eines Alkoholikerdaseins sicher keine besondere Förderung genießen durfte. Der Prozess des Trockenwerdens beinhaltet damit auch, sich mit diesem Thema ernsthaft auseinanderzusetzen. Ich für meinen Teil habe eben leider auch viel zu oft Verantwortung übernommen, die mich entweder fachlich, oder zeitlich völlig überfordert hat. Hier gilt es für mich, eben nicht nur die Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme zu rekultivieren, sondern vor Allem auch, mir meiner Fähigkeiten und Leistungspotentiale bewusst zu werden und deren Grenzen zu erkennen. Dies bedeutet natürlich nicht, dass ich nicht bereit bin, mich weiter zu entwickeln und meinen Handlungsspielraum stetig zu vergrößern, aber eben doch, dass ich gerade als Alkoholiker ein Auge darauf halten sollte, mich nicht zu überfordern. Du selbst hast in Deinem Thread Deine Unsicherheit bezüglich Deines möglichen, neuen Wirkungsbereichs in München beschrieben. Ich persönlich finde das auch gut, denn ein paar Gedanken und Zweifel im Vorfeld sind immer besser, als sich blauäugig in ein Abenteuer zu stürzen, welchem man bei genauerer Analyse von Anfang an nicht gewachsen ist.

    Verantwortung hat also auch etwas damit zu tun, sich mit sich selbst und den möglichen Konsequenzen eigener Entscheidungen ernsthaft auseinanderzusetzen und ich glaube, dass ich (wir!) das sehr gewissenhaft getan haben, ohne dass wir am Ende eine Entscheidung hätten fällen müssen.

    Die Tatsache, dass ich mich angesichts der Entwicklung (die für viele Paare mit Kinderwunsch verständlicherweise sehr traurig ist) erleichtert fühle, ist nicht gleichbedeutend mit der Aussage, dass ich mich der Verantwortung Vaterschaft aufgrund einer Alkohol bedingten Schädigung meiner Sozialkompetenzen so mal eben auf die Schnelle entziehen wollte.

    Ich hoffe, dass ich mit diesen Worten einen kleinen Beitrag dazu leisten konnte, nicht als das gefühlskalte Forumsmonster abgestempelt zu werden.

    Soweit

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Hallo zusammen,

    so, mal wieder einige Zeilen von meiner Wenigkeit. Habe ja hier kaum berichtet, nur in Spedi’s Thread ein wenig geschrieben, gelesen, reflektiert und natürlich auch angenommen :wink: . Das Thema passt auch ganz gut in meine Überlegungen, warum Alkoholismus bei allen Differenzierungsmöglichkeiten und individuellen Ausprägungen im Rahmen der Selbsthilfe eben sehr indifferent betrachtet wird und warum dies auch sinnvoll ist. Ob oder wann ich meine hobbypsychologischen Gedanken dazu hier mal zu Papier bringe, weiß ich allerdings noch nicht.

    Ansonsten hat sich mein (unser) Leben wieder nach den letzten Wochen wieder normalisiert. Ich weiß nicht, ob es richtig war, das letzte Thema hier kurz anzuschneiden, aber es war eben doch sehr dominant präsent. Ich denke auch, dass es per se mit dem Potential versehen ist, in einen Rückfall hinein zu geraten. Vor diesem Hintergrund eben doch der kurze Bericht.

    Viel mehr gibt es eigentlich auch kaum zu berichten. Mir fällt in letzter Zeit nur auf, dass das Thema Alkohol zunehmend verblasst: Drehten sich meine Gedanken am Anfang meiner Abstinenz über viele Stunden am Tag darum, so dringt es heuer oft nur kurz oder gar nicht mehr an die Oberfläche. Ein Beispiel: Vor einigen Monaten haben sich meine Gedanken beim und nach dem Besuch des örtlichen Lebensmitteldiscounters über lange Zeit mit den dort wahrgenommenen Reizen beschäftigt – Der wirklich alkoholfreie Supermarkt ist ja noch nicht erfunden und wer mir den Kauf im Fachgeschäft empfiehlt, kann gerne meine Kontodaten für die Einrichtung eines Dauerauftrages bekommen :wink: . Jedenfalls bemerke ich, dass ich in letzter Zeit am Wein- oder Biersortiment vorbeigehe, ohne mich dabei gedanklich mit dem Thema beschäftigen zu müssen oder zu wollen. Ich betrachte diese Nichtbeachtung mittlerweile als selbstverständlich, weil es mir über den Tag hinweg mehr Freiraum lässt, mich thematisch mit anderen und nicht weniger wichtigen Dingen zu beschäftigen.

    Hmmm, im Prinzip genieße (und nutze) ich diesen Freiraum auch, bin mir aber dennoch ein wenig unsicher, ob oder in welchem Rahmen ich mich zu weit vom Thema Alkohol löse? Wie viel Zeit sollte man gedanklich investieren, wie viel Selbstverständlichkeit zulassen und genießen? Gar nicht so einfach!

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Hallo JoeDoe,

    Zitat

    mir jedenfalls tut mein momentaner umgang gut und ich fühle mich grad sehr "leicht". hoffe, dass diese leichtigkeit nicht in leichtsinnigkeit umschlägt.

    Ich denke das ist ein wichtiger Punkt. Es ist sicher nicht verkehrt sehr genau auf Hintertürchen und Rückfall in alte Verhaltensweisen zu achten. Dem Alkohol geistig wieder näher zu rücken passiert sicher schleichend und deshalb unbemerkt. Vielleicht ist es ein guter Gedanke, dir nochmal deine persönlichen Schwachpunkte vor Augen zu führen - wo kriegt dich das Suchtgedächtnis am Besten zu fassen?

    Allerdings kann ich nicht wirklich etwas dazu sagen, bin ja kein alter Hase ;) . Nur so meine Gedanken.

  • Hallo joya, Hallo Plejaden,

    Hmmm, also eine wirkliche Leichtigkeit habe ich bei mir (leider) zurzeit noch nicht feststellen können, denn dafür gibt es eben doch noch die ein oder andere Baustelle. Wenn sich also Momente der Entspannung oder der Lebensfreude ausbreiten wollen, dann ist da immer noch etwas im Hinterkopf am quengeln. Alte Verhaltens- oder Denkmuster (‚Jetzt trink ich mir erst mal ein Bier’) treten in dem Rahmen aber nicht mehr auf. Gleiches gilt halt auch für die immer wieder mal wahrgenommenen alkoholischen Reize (Werbung, Produkte im Einzelhandel etc.). Aus dieser Sicht heraus kann ich meine Trockenheit schon irgendwie als zufrieden bezeichnen, aber ich mache mir eben auch Gedanken darüber, wie sich dieses Empfinden entwickeln könnte, wenn sich in meinem Leben eine allgemeine Zufriedenheit einstellt.

    Die Beschäftigung mit dem Alkoholismus sollte ja eine durchaus längerfristige Angelegenheit sein. Da mir wirklich beeindruckende Erfahrungen wie ein DT oder andere schmerzvolle Erlebnisse fehlen, mache ich mir jetzt Gedanken, welches Maß in diesem Zusammenhang sinnvoll bzw. sicher ist, damit ich eben nicht eines Tages leichtsinnig werde.

    Tja, so manch einer denkt jetzt wahrscheinlich: ‚Was für ne bescheuerte Frage?’. Das ändert natürlich nichts daran, dass sie durch meinen Schädel wuselt :wink: .

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Servus JoeDoe!

    Bin dir dankbar, dass du hier deine Gedanken bzgl. Alkoholpräsenz vorbringst.
    So ähnlich geht es mir auch. Was am Anfang meiner Trockenheit noch ganz dominant vorhanden war, nämlich die Sensibilität gegenüber allem was mit Alkohol zusammenhängt (Werbung, Supermarkt, trinkende Menschen ,etc.) verblaßt allmählich. Mir ist der Alkohol mittlerweile gleichgültig. Ich kann sowieso nicht verhindern, dass ich in meinem Leben wenn auch nur am Rande damit in Berührung komme, auch wenn ich das so gut als möglich zu verhindern suche.
    Bitte aber nicht mißverstehen: die Gleichgültigkeit gegenüber Alkohol bezieht sich auf Situationen die ich nicht ändern kann. Ich bin sehr wohl achtsam mir gegenüber und begebe mich nicht leichtfertig in Situationen die mir gefährlich werden könnten.

    Außerdem suche ich die Auseinandersetzung mit dem Thema Alkohol auch bewußt, teils hier in diesem Forum, teils in meiner realen SHG die ich regelmäßig 1x wöchentlich aufsuche um nur ja nicht zu vergessen was ich bin und immer bleiben werde: ALKOHOLIKER !

    LG
    Andreas

    carpe diem

  • Hallo Andreas,

    Zitat von andreas57

    Außerdem suche ich die Auseinandersetzung mit dem Thema Alkohol auch bewusst …


    Genau das meine ich :wink: ! Wie viel bewusste Auseinandersetzung ist wichtig, damit ich auch in Zukunft nicht auf die Idee komme, es mal wieder versuchen zu können oder zu wollen. Denn das genau das durchaus passieren kann, habe ich hier und auch im RL nun schon diverse Male miterleben können.

    Ich versuche diesen Zustand der zufriedenen Trockenheit manchmal mit meiner Cannabis-Abstinenz zu vergleichen. Denn Cannabis habe ich auch über Jahre und teilweise sehr intensiv konsumiert. Nun mag ich natürlich keine Äpfel mit Birnen vergleichen, aber ich empfinde diese Abstinenz als höchstzufrieden und auch völlig frei von Verzichtsgedanken – und das alles ohne einen überwachten Entzug, ohne Therapie, ohne SHG oder anderen Hilfestellungen und vor Allem: ganz ohne mich mit dem Thema weiter beschäftigen zu wollen oder zu müssen. Ein ganz entscheidender Unterschied ist selbstverständlich, dass z.B. bei Familientreffen anlässlich Oma’s 80sten Geburtages keine Joints und keine Pfeifen die Runde machen und auch im Firmenleben der Abschluss eines wichtigen Auftrags nicht mit einem qualmenden Eimer gefeiert wird. Der Alkohol hat da doch eine ganz andere Präsenz im Alltag und von daher macht diese dauerhafte Auseinandersetzung mit dem Thema natürlich auch Sinn.

    Tja, und in welchem zeitlichen Rahmen diese Auseinandersetzung dann letztlich erfolgt, muss ich wohl ganz für mich allein herausfinden. Die Hauptsache ist dann doch, dass meine thematische Beschäftigung ausreicht ….

    Zitat von andreas57

    ... um nur ja nicht zu vergessen was ich bin und immer bleiben werde: ALKOHOLIKER !


    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Ich habe mir nochmal Gedanken gemacht: Für mich ist es wichtig hier möglichst jeden Abend zu schreiben. Das sind dann die Minuten in denen ich mich jeden Tag mit dem Alkohol auseinander setze. Dann habe ich noch SHG, dort sehe ich jede Woche plastisch vor mir, was sich Menschen des Alkohols wegen antun.

    Klar, vor ein paar Monaten habe ich mich noch den ganzen Tag mit Alkohol beschäftigt. Inzwischen merke ich jedoch, wie sich die Trockenheit normalisiert. Die Grundbausteine habe ich "drauf", achte jedoch immer darauf, dass ich an keiner Stelle mal fünf gerade sein lasse.

    Das ist der nächste Schritt in die Trockenheit: Meine Energie darauf legen, mir ein Ziel im Leben zu suchen. Mir kreativ neue Möglichkeiten zu überlegen, alte Verhaltensweisen durch Neue zu ersetzen. Zum Beispiel den Entspannungseffekt des Alkohols durch AT zu ersetzen und mich dabei genauso entspannt zu fühlen.

  • Zitat

    Dann habe ich noch SHG, dort sehe ich jede Woche plastisch vor mir, was sich Menschen des Alkohols wegen antun.

    Sorry, das war etwas lax formuliert: "Dann habe ich noch SHG, dort sehe ich jede Woche plastisch vor mir, was Menschen ihrem Körper und ihrer Seele des Alkohols wegen angetan haben."

    Sie sind ja schließlich trocken ;) . Zeitfehler Plejaden, sechs, setzen.

  • Hallo Plejaden,

    genau das:

    Zitat

    ... Meine Energie darauf legen, mir ein Ziel im Leben zu suchen.


    mache ich ja auf der beruflichen Ebene auch zurzeit.

    Hier jetzt der gefährliche Punkt: Ich finde mein Ziel und gehe vollkommen darin auf, meine restliche freie Zeit geht für meine Hobbys drauf und die Beschäftigung mit meiner Krankheit fällt unter den Tisch. Irgendwann sind die negativen Erinnerungen verblasst und nach ein zwei unbedachten Situationen, in denen andere mit Alkohol Spaß zu haben scheinen, ist er wieder da: Der Gedanke, auch mal wieder zum Glas greifen zu wollen. Wahrscheinlich wäre ich nicht der Erste, der so durch die Ignoranz der eigenen Krankheit in einen Rückfall hineinstürzt :?:

    Wie schon mal vermutet: Manch ein Lanzeitler denkt sich wohl: ‚Was für bekloppte Gedanken’, aber mir fällt eben auf, dass ich mich immer weniger mit dem Thema beschäftige. Einerseits finde ich das gut, denn das ganze kann sich ja nicht um eine lebenslange Vollzeitbeschäftigung handeln (Ich meine jetzt diese aktive Auseinandersetzung, nicht den Alkoholismus an sich), andererseits sehe ich natürlich auch die oben beschriebene Gefahr.

    Hmmm, mal gucken. Ich fühle mich jetzt jedenfalls sehr sicher und mit meiner Abstinenz auch hochzufrieden :D .

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Zitat von JoeDoe

    Hier jetzt der gefährliche Punkt: Ich finde mein Ziel und gehe vollkommen darin auf, meine restliche freie Zeit geht für meine Hobbys drauf und die Beschäftigung mit meiner Krankheit fällt unter den Tisch. Irgendwann sind die negativen Erinnerungen verblasst und nach ein zwei unbedachten Situationen, in denen andere mit Alkohol Spaß zu haben scheinen, ist er wieder da: Der Gedanke, auch mal wieder zum Glas greifen zu wollen. Wahrscheinlich wäre ich nicht der Erste, der so durch die Ignoranz der eigenen Krankheit in einen Rückfall hineinstürzt :?:

    Hallo Joe,

    manchmal kommen mir die selben Gedanken wie bei Dir und das gibt mir auch Grund nachzudenken.
    Durch mein Projekt mit dem af-Lokal habe ich ja nun in den letzten Wochen die verschiedensten Kontakte zu Suchtberatungsstellen und SHG gehabt. Heute war ich, bin gerade zurück, nochmal bei einer SHG. Der Mentor hatte mir zugesagt, mir noch Info´s über ähnliche Projekte zusammen zu tragen. Hat er auch prompt gemacht und ich bin hocherfreut. Ich habe mir dann noch die Zeit genommen und über eine Stunde mit ihm gesprochen. Auf dem Rückweg in mein Büro ging mir das Gespräch aber nicht aus dem Kopf und vor allem mein Feeling dabei. Ich habe bis jetzt nicht viel von SHG gehalten. Weil sich wohl auch in meinem Kopf der Stereotyp des Alkoholikers in einer SHG an irgendeinem Nervende festgeklammert hat, den ich noch von meinem ersten und bisher einzigen Kontakt mit einer SHG im Jahre 1981 hatte. Aber auch, weil es mir eigentlich an der Zeit dazu fehlt. Da mir das persönliche Gespräch mit diesem Mann aber wirklich sehr gut getan hat, ich die Mitglieder der Gruppe schon bei meinem ersten Besuch kennen gelernt habe und mir die Gedanken bzgl. des langsamen Vergessens auch ein mulmiges Gefühl in der Magengegend hinterlassen, habe ich mich entschlossen, mir wenigstens einmal im Monat die Zeit dafür einfach weg zu nehmen, ganz zwanglos dahin zu gehen und 1,5h einfach mal dort unter zu tauchen und dabei aufzuatmen. Hilft bestimmt nicht nur gegen das Vergessen und ist vielleicht auch eine Alternative für Dich ?

    LG, Andy

  • Hi Andy,

    na ja, andere SHG sind natürlich von Grund auf böse :twisted: .

    Nein, kleiner Scherz, aber ich halte mich diesbezüglich an die Regeln und berichte hier nicht über meine Aktivität auf diesem Gebiet. Dazu nur ganz kurz mein kleiner, allgemeiner Eindruck: Die Gruppen, die ich bisher kennen gelernt habe, waren in ihrer Geradlinigkeit und Stringenz Meilen von diesem Forum entfernt und so manches mal habe ich mir nach den Treffen gedacht, dass ich mir diese Auseinandersetzung auch hätte schenken können :? .

    Vielleicht bin ich durch meinen Aufenthalt hier zu sehr verwöhnt worden, aber das sich da draußen so manches Herumgeeier und Mit-dem-Feuer-Gespiele herumtreibt und dies teilweise noch nicht mal im Ansatz kritisiert wird, das erkenne selbst ich mit meiner jungen Trockenheit. Hmmm, aber ich gucke natürlich weiter!

    Soweit mal bis hier.

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Hallo JoeDoe,

    Zitat

    Die Gruppen, die ich bisher kennen gelernt habe, waren in ihrer Geradlinigkeit und Stringenz Meilen von diesem Forum entfernt und so manches mal habe ich mir nach den Treffen gedacht, dass ich mir diese Auseinandersetzung auch hätte schenken können.

    Genauso geht es mir in meiner SHG auch. So ist einer dort ein großer Karnevalsliebhaber :roll: . Da jedoch meine stringente Einstellung akzeptiert wird, ist das nicht weiter schlimm.

    Ich bin auf jeden Fall froh, zuerst hier im Forum gelandet zu sein. Ich weiß nicht ob ich nur mit Hilfe der SHG trocken geblieben wäre.

  • Hallo miteinander,

    Heute ist irgendwie ein wirklich mistiger Tag!

    Habe zum Monatsende mal wieder einen Blick auf unsere Finanzlage geworfen und offenbar hat der allseits thematisierte Klimawandel mit seinem Anstieg der Meeresspiegel seinen Weg bisher nicht in mein Portemonnaie gefunden: Denn dort herrscht weiterhin finsterste Ebbe :cry:. Dazu gesellt sich die Tatsache, dass sich die Absagen auf meine Bewerbungen in ihrer Summe bald der Dreistelligkeit nähern und ich mich wohl langsam darauf einstellen sollte, mit einem spitzen Stock bewaffnet die lokalen Parkanlagen von Papierschnipseln zu befreien - in der steten Hoffnung, mit ein paar erbeuteten Pfandflaschen eine kleine Rücklage für mein Alter bilden zu können.

    Ich muss gestehen, mich überfällt ein wenig das altbekannte IAS-Syndrom. Ich halte mich bei meiner Stellensuche schon für sehr bemüht und wüsste nicht, wie ich mich und meine Arbeitsleistung jetzt noch besser anbieten könnte (So sieht das bedauerlicherweise auch mein Bewerbungscoach, was mich langsam auch ein wenig an dessen Kompetenz zweifeln lässt).

    Na ja, aber was soll’s. Es sind noch ein paar unbeantwortete Schreiben draußen und die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt :wink: .

    ( Plejaden :

    Zitat

    Ich bin auf jeden Fall froh, zuerst hier im Forum gelandet zu sein. Ich weiß nicht ob ich nur mit Hilfe der SHG trocken geblieben wäre.

    Das sehe ich bei mir sehr ähnlich!)

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Hallo Joe,

    nur Mut, wer sich ehrlich und aufrichtig bemüht, wird irgendwann Erfolg haben - anders gehts gar nicht! Irgendwann wird sich irgendwo ein Türchen auftun.

    Wünsche dir alles Gute!

    Herzlichst,

    Blizzard

    Erst unter den Hammerschlägen des Schicksals, in der Weißglut des Leidens an ihm, gewinnt das Leben Form und Gestalt. (V.E. Frankl)

  • Hallo Blizzard,

    dank Dir für die Wünsche!

    Habe gerade auch schon wieder 2 'Ansprechpartner' gefunden, die in den nächsten Tagen Post von mir erhalten werden ... bleibe also am Ball!

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Hallo miteinander!

    Kurz vor dem Ende, nur noch wenige kleine Handgriffe, Finetuning sozusagen.

    Dann: Programmabsturz (unbekannter Fehler, na wie geil ist das denn?).

    Der Blick auf die Datei enthüllt schockierendes: Zuletzt geändert um 11:17.

    Schei##, ### ##### ## ##### ## ##### ##### ## # ##### ###!!! #### #### #### ###### ### #### ########## ## ### ##? ### ## #######!!! ###### #### #####.

    Ich hab's lieber gleich selbst zensiert und schick mich jetzt in die Ecke um über das regelmäßige Speichern von Arbeitsdateien zu sinnieren!

    Aber sonst geht's mir gut :wink:.

    LG

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Hallo miteinander,

    hier mal ein kleines Hallo von meiner Seite - war die Tage sehr beschäftigt und habe meine Gedanken aus der kleinen Diskussion mit Spedi noch nicht vernünftig sortieren können. Da ich mich ja in meiner Erstabstinenz befinde, kann ich natürlich nicht auf negative Erfahrungen (Rückfälle) auf dem eigenen Weg zurückblicken und es bleibt mir somit nur, dass von Euch Berichtete zu reflektieren. Aber ich werde meine Gedanken zum Thema Kapitulation, Reizminimierung und den (von mir empfundenen) kausalen Zusammenhängen sicher nachholen … Ist kein Versprechen, ist eine Drohung :wink:.

    Ansonsten genieß ich das herrliche Wetter. Gestern bin ich erstmalig seit meiner Abstinenz zu Sommerzeiten durch die Schildergasse gewandert (Info: mit ca. 13.000 Menschen pro Stunde Deutschlands höchst frequentierte Fußgängerstraße). Auffälligerweise ist dort niemand mit einem Bier herumgelaufen und auch in den Straßencafes hatten die meisten Gäste alkoholfreie Kaltgetränke oder Eisbecher vor sich stehen. Hmmm, ich kann mich erinnern, dass ich früher im Gefühl der absoluten Selbstverständlichkeit da auch mit einer Büchse Bier in der Hand durchmarschiert bin. Da war ich schon ein echter Individualist, oder? :wink:

    Whatever! Werde jetzt mal kurz meinen Rechner zerlegen (halbjährliche Staubinspektion – wer Hunde hat, der weiß: JA, das ist nötig!) und danach ein wenig zusammen mit den Tieren das gute Wetter genießen, bevor ich mich nach Mittag wieder an die Arbeitsplatzsuche begebe.

    Wünsche Euch einen schönen, trockenen Tag :D .

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Hallo zusammen!

    So, die Staubinspektion hat wie erwartet einen ¾ Hund im Inneren meines Rechners zu Tage gebracht, welcher von mir fachmännisch mit Druckluft und Staubsauger daraus entfernt wurde. Man glaubt kaum, was sich da so in ein paar Monaten alles sammelt :roll: !

    Na ja, ich wollte noch mal einige Gedanken zum Thema Kapitulation loswerden und an den Individualitätsthread von Spedi anschliessen. Dabei mag ich von vorn herein noch einmal kurz meinen Eindruck schildern, dass sich der sprachliche Austausch unter trockenen Alkoholikern offenbar nicht immer eines allgemein verständlichen (und somit für den Otto-Normal-Menschen auch nachvollziehbaren) Ausdruckes bedient.

    Ein Beispiel:

    Der seit langen Jahren trocken lebende Alkoholiker sagt zum frisch Entgifteten: Du musst vor dem Alkohol kapitulieren, sonst holt er Dich eines Tages wieder ein!

    Prima! Viele Betroffene werden jetzt sagen: Jupp, das is genau so!, aber viele, viele andere Menschen, die nämlich ohne Alkoholabhängigkeit durch ihr Leben wandern, werden sich denken: Watt dat denn für’n Blödsinn!

    So, nun bin ich in der schönen Situation, mich selbst als Alkoholiker zu definieren, aber die spezielle Semantik unserer Gemeinschaft vielleicht noch nicht vollends begriffen zu haben (nennt mich ruhig dumm, ich steh dazu :wink:!).

    Also versuche ich mal mein eigenes Kapitulationsverständnis hier kurz zu umreißen und hoffe, dass sich vielleicht der ein oder andere Gedanke dazu in meinen Thread verirrt.

    Beginnen möchte ich mal mit der klassischen Kapitulation. Diese findet man primär in kriegerischen Auseinandersetzungen, in denen die unterlegene Partei zwecks Verlustminimierung die Kampfhandlungen einstellt und sich dem Diktat des Gegners unterwirft. Diesen Vorgang könnte man jetzt weiter differenzieren, aber im Grunde genommen bleiben wir immer bei einem militärischen Akt und befinden uns nicht in der Kneipe nebenan. Auch meine immer weiter verblassenden Erinnerungen an Bierflaschen und –Kästen beinhalten keine kleine Panzerbrigaden oder Infanterieeinheiten, die mit erbarmungsloser Kampfeslust über mich hergefallen sind! Alkohol ist dumm, war dumm und bleibt dumm. Ein Molekül ist nicht in der Lage, kriegerische Handlungen zu vollführen und wird es auch niemals sein!

    Aber was bedeutet denn Kapitulation dann im Bezug auf Alkohol? Für mich steht in diesem Zusammenhang die Erkenntnis, dass sich mein Trinkverhalten zu einem selbstverstärkenden Prozess entwickelt hat, den ich nicht mehr kontrollieren kann. Ich trinke, weil es mir schlecht geht und mir geht es schlecht, weil ich getrunken habe, na da trinke ich doch lieber noch mal einen …

    Die einfache Lösung: Prozessabbruch durch Trinkstopp. Klingt gut, aber offensichtlich handelt es sich dabei um keine besonders erfolgreiche Strategie, wie ich so oft zu lesen und zu hören bekomme. Warum ist das so? Warum reicht dieses Ich trinke jetzt nicht mehr nicht aus, um erfolgreich und anhaltende Abstinenz zu etablieren? Hier kommt sicher zum Tragen, dass dieser selbstverstärkende Prozess des abhängigen Trinkens nicht schwupp-di-pupp aufgetaucht ist, sondern ein mehr oder weniger langer Weg war, an dessen Anfang die Wirkung des Alkohols noch als positiv empfunden wurde. Ich kann von mir jedenfalls sagen, dass es so war – das Rauscherleben empfand ich positiv, denn sonst hätte ich ja nicht immer wieder zur Flasche gegriffen. Es mag sein, dass ich damit ein wenig weit theoretisiere, aber ich glaube, dieses positive Erleben der ersten Zeit ist das, was die Abhängigkeit und vor allem die Dauerhaftigkeit derselben ausmacht: Tief unten und fest eingebrannt in meinem Hirn sitzt diese Information, die ich weder durch Willen noch durch ein Neuronalradiergummi aus dem Spezialversand wieder löschen kann.

    Nun, wie komme ich da wieder heraus? Die Zeiten, in denen ich mich ganz entspannt und voller Freude auf meinen kleinen Rausch am Wochenende noch gefreut habe, die sind doch längst vergangen! Die Realität zeigt mir doch schon seit Jahren, dass mir mein Trinken um ein vielfaches mehr schadet, als dass es mir Spaß bereitet. Warum will ich als Abhängiger so lange Zeit nicht wahrhaben, dass ich mir mit meinem Verhalten der treueste Totengräber bin?

    Mein Stichwort an dieser Stelle ist: Reizüberflutung! Ob in der Werbung, im Biergarten, der Kneipe an der Ecke, im Zappelschuppen (für die jüngeren von uns), oder bei Tante Kunigundes Geburtstag: Überall können wir Menschen sehen, die auf uns den Eindruck machen, als hätten sie Spaß am Konsum alkoholischer Getränke. Und sicher haben manche sogar ihr ganzes Freizeitverhalten so ausgerichtet, dass sie andere Aktivitäten überhaupt nicht mehr gesehen haben, sondern nur noch trinkende Menschen.

    Ich glaube also, dass aus dieser nicht mehr zu löschenden und tief im Unterbewussten positiv bewerteten Rauscherfahrung der ersten Jahre (wir können es auch Suchtgedächtnis nennen :wink:) und der Wirkung von gut gelaunten Menschen, die Alkohol trinken, die größte Gefahr besteht, sich gedanklich wieder in die Nähe des Alkohol zu bewegen und irgendwann wieder mit einem Trinkwunsch da zu sitzen :?.

    Was bedeutet die Kapitulation jetzt für mich?

    Für mich bedeutet das, dass ich zunächst einmal anerkenne, dass ich diese Prägung meines Gehirns nie wieder löschen kann, und dass sich dieser Teil in meinem Hirn IMMER wieder melden wird, wenn ich mich in trinkende Gesellschaft begebe. So gesehen bedeutet Kapitulation für mich, dass ich mich Reizsituationen, die für andere Menschen unbedenklich erscheinen, zu meiner eigenen Sicherheit nicht mehr aussetzen werde, weil ich ein alkoholfreies Leben leben möchte, und das auch ganz gerne ohne die störende Intervention meines Suchtgedächtnisses. (Die Fragestellung, ob das Suchtgedächtnis eines jeden einzelnen jetzt exakt immer auf die gleichen Reize in der gleichen Weise reagiert, also schon wie ein Computerprogramm algorithmische Züge trägt, ist dann wieder eine ganz andere ...)

    Hmmm, das ist meine von Dämonen und Goblins befreite Sicht auf meine Abhängigkeit und den Grundlagen, damit alkoholfrei in Frieden leben zu können. Keine Ahnung, ob das passt, oder totaler Unfug ist?

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Hallo Joe,

    ich wollte Dir nur kurz mitteilen, dass Deine Sichtweise der Dinge die da so vorgehen, so ganz und garnicht individuell ist :wink:.
    Nur die trinkende Gesellschaft betreffend mache ich ein paar kleine Unterschiede. Fröhlich feiernde trinkende Gesellschaften meide ich prinzipiell, aber bei der trinkenden Gesellschaft, die morgens 06.00 Uhr bereits schon vorm Kiosk steht, bzw. abends am Spätverkauf, ect., und dann mit gläsernen Utensilien im Arm im Freien (manchmal auch tagsüber) nächtigt, schaue ich schon mal genauer hin. Das bestärkt mich dann jedesmal in der Unfehlbarkeit meines jetzigen Daseins.

    LG, Andy

  • Hallo Andy,

    messerscharf erkannt :wink:! Die Individualitätsthematik habe ich hier auch nicht weiterführen wollen, sondern vielmehr auf die von Spedi vorgebrachten Eindrücke eingehen, in denen er mich noch sehr nah am Alkohol wähnte und auch Verzichtsgedanken anspach.

    Vor diesem Hintergrund habe ich mein kleines Kapitulationsverständnis hier mal zu Papier gebracht und hegte auch die Hoffnung, dass Spedi dazu vielleicht etwas sagen würde, nun, hat er aber nicht. Er wird wissen, warum.

    Ich wollte dieses Thema durchaus ernsthaft von LZT kritisch beleuchtet haben, da ich mich am Anfang befinde und bisher keine negative Erfahrungen machen musste.

    Aber vielleicht kommt ja noch etwas, mal sehen.

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

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