Beiträge von JoeDoe

    Hallo Berny,

    Ich bin von 2 Jahren Trockenheit noch ein gutes Stück entfernt, ABER ich war schon mal auf dem Oktoberfest. Und ganz ehrlich: Mir erschliesst sich kein Sinn an der Teilnahme am weltgrößten Saufgelage, wenn man selbst dem Alkohol den Rücken gekehrt hat. Wenn Du Deine Kollegen nicht über Deine Krankheit informiert hast (was ich durchaus verstehe) und Dir bereits jetzt Gedanken bezüglich aufkommender Überredungsversuche machst, dann wäre ich an Deiner Stelle mehr als skeptisch.

    Nüchtern ist die Wies'n nichts anderes als eine biergeschwängerte Freakshow, die man auch auf jeder Bahnhofstreppe im Kleinformat erleben kann.

    Aber nur meine Meinung.

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo Lydia,

    also erstmal habe ich den Saft als Schuldigen eindeutig identifiziert :wink: ! Nun ist die Frage, warum er mir solche Probleme bereitet :?:

    Die Idee mit dem Zucker ist mir so gar nicht gekommen ... wenn ich jetzt so bedenke, dass ich eigentlich nie Süßes esse, dann kann da natürlich auch etwas dran sein ... wobei das coffeinhaltige Erfrischungsgetränk (dessen Name uns Allen bekannt ist) allerdings auch primär aus Zucker besteht und nicht diesen Effekt bewirkt .... hmmmm ....

    Die Idee mit dem Alkohol kam mir zum einen, weil diese Schlappheit wirklich sehr stark an die morgendlichen Beschwerden erinnert, die ich durch abendliches Biertrinken erlangt habe, zum anderen, weil ich zumeist "schwere" Säfte wie Banane oder Aprikose getrunken habe, die meines Wissens nach auch tatsächlich diejenigen sind, die einen relativ hohen Alkoholgehalt haben (bis zu 0,5%). Daher meine Vermutung, dass sich mein Körper durch den Abbauprozess an die Trinkerzeit erinnert und mit solchen Beschwerden reagiert.

    Zu der "anderen Sache": Ja, gelassen bin ich da schon einigermaßen. Letztlich war es ja auch nur eine Momentaufnahme meiner Denkaktivität, die sich manchmal unnötig umhertreibt. So what! Die Kollegin meiner Partnerin hat sich jetzt in einem "unverfänglichen" Gespräch nach meinem Nachnamen erkundigt :wink: Desweiteren habe ich natürlich auch mit meiner Partnerin über das dargestellte Szenario gesprochen und wir sind doch übereingekommen, dass wir beide in der Lage wären, über solchen theoretisch möglichen Anfeindungen stehen zu können. Es wäre unschön, aber nicht der Untergang der Welt und vor Allem: Es ist ja auch noch gar nichts passiert! Bin jedenfalls gespannt, ob sie am nächsten Gruppentreffen wieder teilnimmt!

    Da bedrückt mich die Sache mit dem Saft im Augenblick doch etwas mehr!

    Tee? Muss mal gucken, meine Partnerin trinkt auch viel Tee, aber nicht meine Geschmacksrichtungen ... vielleicht habe ich noch irgendwo eine Packung Earl Grey ... geh mal suchen :D !

    Oh, noch eine Antwort: kommal :
    1. Früchte wie oben beschrieben :wink:
    2. Lagerung: Supermarkt -> Kühlschrank -> Magen
    3. MHD völlig in Ordnung (da bin ich auch sehr empfindlich!)

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo zusammen,

    Es ist kalt, es regnet und das Wetter wird sich in den nächsten 6 Monaten auch sicher nicht signifikant verbessern. Diese Tatsache trägt leider nicht zu meinem Wohlbefinden bei, ebenso wie folgende, kleine Entdeckung:

    In den letzten Wochen habe ich im Rahmen der Beobachtungen meiner neuen körperlichen Rauschmittelfreiheit feststellen müssen, dass meine Gesamtverfassung sich zwar deutlich verbessert hat, ich aber dennoch von Tag zu Tag unter erheblichen Symptomen von Müdigkeit und Ermattung zu leiden hatte. Insbesondere das morgendliche Erwachen und die frühen Stunden des beginnenden Tages waren zum Teil massiv durch derartige Zustände gestört.

    Nun galt es für mich die Ursache dieser unwillkommenen Effekte zu eruieren und siehe da, nach einer zweiwöchigen Experimentalphase habe ich den Schuldigen letztlich identifizieren können:

    Es ist SAFT! :shock:

    Kein Scherz! Die abendlich Zufuhr von Saft lässt mich am nächsten Tag ziemlich alt aussehen. Ich fühle mich dann tatsächlich so ähnlich, als hätte ich am Abend zuvor einige Flaschen Bier getrunken. Um dieses Zusammenhang auch bestätigen zu können, habe ich an den Abenden der letzten zwei Wochen gezielt Saft getrunken, oder eben diesen genau vermieden. Im Ergebnis muss ich sagen, dass ich nach 1,5 Liter eines coffeinhaltigen Erfrischungsgetränkes zwar unter leichten Problemen beim Einschlafen leide, am nächsten Tag jedoch drei mal so fit bin, als hätte ich 0,75 Liter Saft getrunken.

    Nun stelle ich mir natürlich die Frage: Warum ist das so? Ich denke tatsächlich, dass mein Körper auf den Alkoholgehalt von Säften reagiert! Nun bekomme ich von den geringen Mengen keinerlei Rauschgefühle und auch nicht das Bedürfniss, ein "echtes" alkoholhaltiges Getränk zu mir zu nehmen, dennoch bemerke ich am nächsten Tag diese typische körperliche Leistungsminderung, die ich vom Alkohol gewohnt war.

    Um ehrlich zu sein, bestürzt mich diese Entdeckung ein wenig: Habe ich in der Welt der zermalmten Früchte doch einen adäquaten und leckeren Flüssigkeitsersatz für die nun fehlenden drei bis vier Liter Bier gefunden. Offensichtlich scheint mir diese Welt aber nicht so gut zu tun, wie ich es mir erhofft hatte. Schade!

    Wie ist das bei Euch?
    Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht?

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo Lydia,

    in der Tat hat diese Situation auch ein wenig mit meinen Ängsten zu tun. Nicht zuletzt, weil die gute Dame zum einen auf mich keinen problembewussten Eindruck gemacht hat und zum anderen, weil sie sich so heimlich verdrückt hat. Das hinterlässt bei mir eben einfach eine Menge Fragezeichen. Und leider beobachte ich bei mir immer wieder die Tendenz, mir selbst die schlimmstmöglichen Szenarien auszumalen. Das ist sicher unnötig und kraftraubend, aber eben auch nicht so leicht abzustellen .... Naja.

    Ein weiterer Punkt bei der Sache ist natürlich auch die Frage, wie ich in Zukunft mit meiner Erkrankung umgehen werde. Wie schon geschrieben, habe ich kein Problem, meine Krankheit im vertrauten Umfeld offen zuzugeben. Aber sie jedem auf die Nase binden halte ich doch auch für unangebracht. Ich gehe nicht auf's Amt und sage: "Guten Tag. Mein Name ist xxx, ich bin Alkoholiker und möchte gerne einen neuen Führerschein beantragen!".

    Und auch den Arbeitsplatz meiner Partnerin halte ich für einen Ort, an dem diese Information nichts zu suchen hat.

    Letztendlich ist mir aber auch klar, dass es durchaus vorkommen kann (und wohl sicher auch eines Tages wird), dass mein Alkoholismus auch bei Leuten public wird, die ich eben nicht persönlich eingeweiht habe.

    Und da hat kommal sicher recht: Der einzige Weg ist da ein selbstbewusster Umgang mit seinen Fehlern / Makeln / Krankheiten.

    Muss ich leider nur noch lernen ...

    Soweit

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo kommal,

    im Grunde genommen hast Du ja völlig recht.

    Nur mag ich auch zu bedenken geben, dass ein selbstbewusster und offensiver Umgang mit dem Thema Alkoholismus durchaus eine zweischneidige Angelegenheit werden kann: Immerhin sind wir keine krebskranken Kinder, die mit gesellschaftlichem Wohlwollen und tiefstem Mitgefühl bedacht werden, wir sind eben doch in einigen Augen nur willensschwache Säufer, die ihre Situation selbst zu verantworten haben.

    Nun mag ich solchen Personen im privaten Bereich die Freundschaft aufkündigen können, im beruflichen Umfeld wird es da aber schwerer. Und wie schon erwähnt, es ist eben nicht MEIN Umfeld, sondern das meiner Partnerin. ICH kann für MICH in MEINEM Umfeld einen offenen Umgang kultivieren können, ich möchte dies aber nicht meiner Partnerin aufzwingen und auch nicht, dass sie durch dritte dazu genötigt wird.

    Sicher hast Du recht: Es gibt Millionen Alkoholiker, aber der Großteil der Menschen ist es eben nicht. Und das wir Menschen nicht alle lieb zueinander sind und uns gegenseitig mit bedingungslosem Verständnis begegnen, ist sicher auch für Dich keine Neuigkeit. Andere zu diskreditieren ist manchem ein probates Mittel, um von eigenen Schwächen und Unzulänglichkeiten abzulenken. Schade, aber so ist es nun mal.

    Ich verstecke mich nicht, aber auf die Stirn tätowieren werde ich mir meine Krankheit eben auch nicht. Ich stelle mich auch gern Vorurteilen und negativen Reaktionen, aber ich erwarte diese Stärke nicht von meiner Partnerin!

    Naja, jedenfalls war die Gruppenbegegnung heute kein Thema am Arbeitsplatz meiner Partnerin ...
    vielleicht wäre dieser von mir beschriebene worst case auch von gar keiner besonderen Dramatik ...
    vielleicht sehe ich auch Elefanten umherstampfen, wo eigentlich nur Mücken summen ...

    hmmmmm ....

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo zusammen,

    zurück aus der Sonne und wieder hinein ins trocknende Leben.

    Am Donnerstag Abend hatt ich dann das "Vergnügen", eine der Konsequenzen meiner Alkoholkrankheit zu verspüren.

    Dazu eine kleine Vorgeschichte: Meine Partnerin arbeitet mit einigen Kollegen in einem kleinen Büro im Schichtdienst - Man arbeitet dort also mal mit dem einen, mal mit dem anderen Kollegen zusammen. Eine Kollegin ist nun in den letzten Monaten auffällig geworden: gelegentliche Fahne, mangelnde Arbeitsleistung etc. Lange Rede, kurzer Sinn: Auflage des Arbeitgebers, sich therapeutisch behandeln zu lassen.

    Nun hat es sich ereignet, dass genau diese Kollegin an meiner Gruppe teilgenommen hat. Und obwohl wir uns persönlich noch nicht begegnet sind, haben wir uns während der Vorstellungsrunde am Namen erkannt.

    Nach einigen kurzen Themen kamen wir dann auf die intensivere Vorstellung der "Neuen". Und bereits der erste Satz ihrer Vorstellung hat einen tiefen Blick auf ihr Problembewusstsein werfen lassen: "Ich bin hier, um festzustellen, ob ich ein Alkoholproblem haben könnte.". Im weiteren Verlauf schilderte sie dann, dass sie definitiv nur ein eiziges Mal auffällig am Arbeitsplatz gewesen sein könnte und beschrieb die tiefsitzende Enttäuschung, die sie empfindet, weil ihre Kollegen sie nicht direkt angesprochen haben, sondern die Auffälligkeiten der Abteilungsleitung gemeldet hätten. Ferner beschrieb sie ihre seit der Zeit erfolgreich gelebte Abstinenz, also wie wenig ihr das Fehlen von Alkohol etwas ausmache ...

    Vieles von dem, was sie dort von sich gegeben hat, ist unwahr: Sie wurde von ihren Kollegen gefragt, ob sie ein Problem hätte, und auch nicht "angeschwärzt" (Das hat die Abteilungsleitung selbst gerochen). Auch lebt sie zur Zeit nicht abstinent .... Nach Allem, was ich mittlerweile gelernt habe, sind das keine bös gemeinten Lügen, sondern einfach typische Selbstbetrügereien nach dem Motto: "Ich will die Wahrheit nicht sehen und rede mir die Welt schön". Eine Art strategische Informationsmanipulation, die eine Alkoholkrankheit verdecken sollen.

    Während der Gruppe habe ich dazu geschwiegen und wollte eigentlich im Anschluss ein kleines Pläuschchen mit ihr halten, aber sie verschwand geschickt durch den Hinterausgang.

    Nun empfinde ich das ganze als eine sehr unangenehme Situation: Zwar bin ich bemüht, mit meiner Krankheit recht offen umzugehen, aber am Arbeitsplatz meiner Partnerin hat diese Information eigentlich nichts zu suchen. Vor Allem nicht in den Händen einer uneinsichtigen, nassen Alkoholikerin. Ich habe einfach Angst, dass sie im Laufe der Zeit bei weiteren Auffälligkeiten mit dem Finger auf meine Partnerin zeigt und Dinge von sich gibt wie: "ICH habe mich noch im Griff und werde zur Therapie gezwungen, aber DER DA, der Freund von der Frau xxx, der ist ein ECHTER Säufer!".

    Vielleicht mache ich mir da unberechtigte Sorgen über noch ungelegte Eier, aber ein gewisses Unwohlsein verspüre ich jetzt schon! Letztlich erwische ich mich bei dem Gedanken "Selbst Schuld!"

    Heute arbeitet meine Partnerin wieder mit jener Kollegin zusammen. Ich hoffe, dass sich da keine unangenehme Situation aufbaut .....

    hmmm, bin gespannt .....

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo Lydia,

    Zitat von phoenix75

    selbstvertrauen und selbstwert, ich denke die Baustellen haben wir hier alle mehr oder weniger oder?


    Da sprichst Du wohl etwas Wahres an. Leider kultiviert man die These, mit diesem Problem ganz allein auf der Welt zu sein: Hat man doch den Eindruck, dass (fast) alle anderen Menschen - so bescheuert manche von Ihnen auch wirken mögen - nicht unter Selbstzweifeln zu leiden haben und ihr Leben scheinbar in seeliger Zufriedenheit verbringen :roll: ! Mir geht es jedenfalls sehr häufig so. Nun ja, aber es hat ja auch keiner behauptet, dass die Abstinenz allein die Lösung aller Probleme darstellt.

    Werde mal Deine Tipps angooglen, nu muss ich aber erstmal raus: Die Sonne brüllt ihre herbstlichen Reserven vom Himmel und da mag ich auch gerne noch etwas von abbekommen :wink:

    Soweit.

    Liebe Grüße

    J.

    Kleiner Nachtrag für Lydia:

    Hab mal nach NLP gegooglet und muß schon sagen, dass sich das durchaus spannend anhört!

    Diese Grundannahme für menschliches Handeln fand ich besonders markant:

    "Ein Mensch funktioniert immer perfekt und trifft stets die beste Wahl auf der Grundlage der für ihn verfügbaren Informationen."

    Insbesondere, weil ich diesen Satz in abgewandelter Form aus dem Bereich der Hundeerziehung kenne :D .

    Nein, nein, ich will damit natürlich nicht sagen, das wir alle nur arme Hunde sind, ABER: Was bei Hunden funktioniert -nämlich die Korrektur von Verhalten durch das Erlernen von Verhaltensalternativen- das sollte beim Menschen doch auch möglich sein!

    Der wesentliche Unterschied besteht ja nur in der bewussten Wahrnehmung der Veränderung.

    In jedem Falle eine interessante Sache!

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo Lydia, Hallo Blizzard!

    Tja, diese innere Unlust ist sozusagen mein stets treuer Begleiter und Erzfeind in Personalunion!

    Den Schweinehund zu überwinden ist allerdings manchmal gar nicht so einfach, erweist er sich doch als geschickter Manipulator und lockt mit Brauwaren als Belohnung für mein Folgen. Daher erscheint es mir vor allem wichtig, ihn zu verstehen, damit ich seine Gedanken lesen und seine nächsten Schritte vorraussehen kann :wink:

    Im Ernst: Dieser Zustand der Apathie, diese latente Selbstaufgabe hat ja irgendwo auch Ursachen. Und da möchte ich erst einmal ein wenig Licht hinein bringen. Auch wenn die einzelnen Bausteine, die mein Verhalten begründen, vor mir liegen, so benötige ich wohl doch noch etwas Zeit, um sie zu einem stimmigen Bild zusammensetzen zu können. Hirnlego sozusagen!

    Denn wenn ich die Mechanismen, die meinen Schweinehund am Leben erhalten, kenne und gezielt bekämpfe, dann wird sich wohl auch die Unlust ganz von allein legen.

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo zusammen!

    Nun ist schon wieder eine Woche seit meinem letzten Post vergangen ... hmmm ... eigentlich hatte ich mir vorgenommen, hier etwas regelmäßiger zu schreiben, aber irgendwie bin in den letzten Tagen nicht so wirklich in der Lage gewesen, meine Gedanken sinnbringend in Worte zu fassen. Nun ja!

    Jedenfalls mag ich doch kurz vermelden, dass ich heuer bereits seit zwei Monaten dem Alkohol entsage *kleinerTusch!*. Das ist jedenfalls die längste nüchterene Zeit, die ich seit 1990 verlebt habe! Insofern sicher ein Grund, sich ein wenig im Stolze der erbrachten Konsequenz zu sonnen, ABER: Ich bemerke doch, dass ich diesen neuen Lebensweg eher rational als emotional bewerte. Statt einem hell kreischenden "Boah, wie geil haste denn das geschafft!" wandert durch mein Hirn mehr eine ruhige Stimme, die Sätze formuliert wie "Du bist auf dem richtigen Weg, weiter so!".

    Letztendlich ist mir das Datum oder die Dauer meiner Nüchternheit auch gar nicht so wichtig, viel mehr wert erscheint mir die Entscheidung, ÜBERHAUPT etwas gegen meinen immer weiter drohenden Niedergang unternommen zu haben. Aber auch hier überwiegt die kühle Überlegung, als das bloße Gefühl. Vielleicht liegt es daran, dass mir die so häufig erwähnten Tiefpunkterfahrungen fehlen.

    Tiefpunkterfahrungen und deren Wichtigkeit erscheinen mir da als ein sehr interessanter Punkt in der Bewertung meines Suchtverhaltens. Denn bei genauerer Betrachtung habe ich es in den letzten Jahren doch einige Male geschafft, in der letzten Minute die Notbremse zu ziehen, um eben nicht in eine Situation zu geraten, die sich als Tiefpunkt hätte entpuppen können. Ich sehe mein Verhalten häufig als eine Kombination aus bewusstem Fehlverhalten und gesundem Lebenswillen.

    Insofern haben mir die letzten Wochen doch eines ganz klar gemacht: Ich habe die Wahl: Bewusst immer weiter an die Tiefpunkterfahrung herantasten um dann eines Tages die Kurve nicht zu bekommen und dem Willen zur Veränderung einen echten emotionalen Charakter verleihen, ODER: Dem Lebenswillen mal eine echte Chance geben sich zu entwickeln, und auftretende Schwierigkeiten als Herausforderungen und nicht als unüberwindbare Barrieren zu betrachten!

    Nun ja, das mal so die Gedanken zum zwei-monatigem Jubiläum.

    Ansonsten habe ich mich jetzt erstmal mit ein paar Aufgaben beglückt: Zwei kleine Projekte für Bekannte - aber schon im Umfang von gut 200 Stunden Arbeit. Allerdings ohne Zeitdruck - Sehr wichtig!

    Termin beim Psychologen wurde leider krankheitsbedingt verschoben. Ich kann damit aber ganz gut umgehen - Langsam gewöhne ich mich daran, dass man im Leben auch manchmal ein wenig Geduld haben muss. Aber Do. ist ja wieder meine Gruppe und Freitag hab ich wieder ein Gespräch mit meiner Suchtberaterin (da wollte ich dann mal gucken, ob man die ambulante Sucht-Reha nicht etwas früher in Angriff nehmen kann...).

    Soweit erstmal.

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo Blizzard,

    na, das hört sich doch richtig gut an bei Dir!

    Struktur im Tagesablauf und sinnvolle(!) Beschäftigung ist wichtig. Insbesondere dann, wenn man wie Du (und ich) zur Zeit ohne Beschäftigung ist.

    Das von Dir beschriebene Gefühl mit der Decke habe ich in den letzten Wochen auch leidvoll durchleben müssen. Auch der Begriff "Hyperreflexion" kommt mir bekannt vor: Zuviel Denken lähmt und bringt einen nicht voran ("Glück entzieht sich uns genau in dem Maße, in dem wir es indentieren" :wink: )

    Daher finde ich es gut, dass Du Dich aktiv aus diesem leicht apathischen Zustand herrausbewegst und etwas für Dich und Deine Zukunft unternimmst.

    In diesem Sinne.

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo Lydia,

    also da hast Du ja eine Truppe erwischt: Eingeschlafen ist bei uns noch keiner :wink: .

    Und Unterschiede gibt es natürlich auch: "Meine" Gruppe z.B. ist ein Angebot der Suchtklinik. Im Prinzip gibt es dort keine vorgeschriebene Prozedur bezüglich der Redezeit oder Reihenfolge. Wer etwas auf dem Herzen hat, der spricht es eben einfach an! Das hat folgenden "Nachteil": Wenn ich etwas besprechen möchte, dann muss ich mich natürlich auch trauen, mein Thema offensiv vorzubringen. Der "Vorteil" ist dann: Von den anderen Gruppenteilnehmern kommt sofort Feedback in Form von Meinungen und Rückfragen. Die AA-Meetings laufen ganz anders ab. Da ist es wohl am Besten, sich die verschiedenen Gruppen anzuschauen, und zu gucken, wo man sich am besten aufgehoben fühlt.

    Zum Thema LZT kann ich Dir jetzt eigentlich gar nicht viel sagen: Mir wurde sie nach einem Gespräch in der Suchtklinik angeboten und ich habe mich dann auch auf die Warteliste setzen lassen. Mittlerweile habe ich mich allerdings gegen die LZT entschieden. Was man dort macht und was man dabei lernt, hängt -so zumindest meine Info- in allererster Linie von Dir ab: Es gibt gruppen- und einzeltherapeutische Sitzungen, Ergotherapien (Sport und "Beschäftigung") und vor Allem: Eine Menge Zeit, in der Du Dich fern ab vom Alltag mit Dir und Deinen Problemen auseinandersetzen kannst.

    Aber wie schon erwähnt: Beim Thema LZT habe ich auch nur theoretisches Wissen!

    Soweit.

    Liebe Grüße

    J.

    Na bitte, hat doch geklappt!

    Schön, dass Du es geschafft hast. Und es war ja auch gar nicht so schlimm, oder :wink: ?

    Beim nächsten Treffen wirst auch gleich viel entspannter sein und auch mehr Selbstbewustsein haben. So gehts es vorwärts! Und wie Du schon herausgefunden hast, haben wir "Großstädter" ja den Vorteil, dass es wirklich eine Menge Gruppen gibt. Wenn man mit den Leuten nicht klarkommt, oder glaubt, in der Gruppe unterzugehen, dann gibt es immer noch genügend Alternativen.

    Soweit, ich wünsch Dir einen schönen Freitag.

    Liebe Grüße

    J.

    Also, liebe phoenix, nicht verzagen und den eingeschlagenen Weg tapfer weiter beschreiten!

    Eigentlich ist ja auch schon alles gesagt: Wenn Du das Gefühl hast, nicht weiterzukommen, informier Dich doch ruhig über eine LZT, oder eine ambulante Maßnahme. Oder wechsel Deine TH. Es gibt so vieles.

    Ich jedenfalls würde mich freuen, am Donnerstag abend oder am Freitag über Deinen Besuch bei der SHG zu lesen. Und ich bin sicher, ich bin hier auch nicht der einzige, denn am Ende haben wir doch alle das gleiche Ziel! (Der eine eben mit viel Feingefühl, der andere eben sehr direkt ... wie im echten Leben :wink: )

    In diesem Sinne.

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo Annika, (entschuldige bitte phoenix),

    das war auch nicht grundsätzlich kritisch gemeint. Ich habe hier auch sehr, sehr viel gelesen, gelernt und auch viele Anregungen hier bekommen. Dieses Forum ist definitiv eine absolut klasse Sache! Und der geschützte Bereich ist da sicher noch um einiges intensiver.

    Aber: Phoenix bemängelte Feedback und das bezieht sich sicher auf die Antworten, die sie hier im Forum bekommt.

    Ein Forum ist rein technisch gesehen einem echten Gespräch in seiner Wirkung unterlegen: Ich formuliere meine Gedanken und Gefühle und dann dauert es eben, bis ich eine Antwort erhalte. Dabei ist dann nicht garantiert, ob ich mich gedanklich bereits weiter bewegt habe, oder ob mein Text beim gegenüber auch genau so angekommen ist, wie ich ihn gemint habe. Das ist eben etwas schwieriger. Für diejenigen, die sich überhaupt nicht trauen, den ersten Schritt zu machen, ist es aber als anonyme Plattform ein absolut geniales Instrument.

    Ich glaube, für phoenix ist es jetzt aber auch wichtig, nicht nur in diesem Forum zu verharren, sondern auch den Mut aufzubringen, sich mit ihrer Problematik in einer echten SHG zu beschäftigen. Ich glaube, das wird ihr mehr helfen, als sinnlos zu diskutieren!

    Am Ende, liebe Annika, bin ich natürlich auch mit meinen Gefühlen hier dabei, ABER: ich kann Dich nur lesen, ich kann Dich nicht sehen, kann Deine Stimme nicht hören, etc. Und manchmal ist es wichtig, auch mit diesen Sinnen sein gegenüber wahrzunehmen.

    Das wollte ich eigentlich nur damit sagen, war keine Kritik am Forum! (welches ich, wie gesagt, absolut Klasse finde!).

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo phoenix,

    keine Ursache ...

    Nur noch so ein paar Randgedanken für Dich: Stell doch einfach mal Deine anderen Baustellen etwas nach hinten. Egal was Dir im Augenblick alles an Problemen und Störungen durch den Kopf geistert: Lerne erst einmal, Dich mit Deinem Alkoholproblem auseinanderzusetzen! Das gleiche muß ich gerade auch erst lernen. Manchmal ist es schmerzhaft, aber am Ende tut es gut und vor Allem: Es gibt Selbstvertrauen im Umgang mit dem eigenen, beschädigtem Ich!

    Ich möchte auch gerne "weiter", meine anderen Probleme so schnell wie möglich in Angriff nehmen, aber mal ganz ehrlich: So lange, wie ich im Trinken auch nur den Ansatz einer Problemlösungsstrategie sehe (und das tue ich zuweilen leider tief in mir), so lange wird das Werkeln auf anderen Baustellen wenig Sinn ergeben: Denn dann habe ich immer noch den Gedanken an Flucht, und Flucht geht gar nicht!!!

    Deshalb solltest Du zusehen, dass Du am Donnerstag bei dieser Gruppe erscheinst! Und wenn es eng wird, dann sag Deinen Geschäftstermin lieber ab! Denn das ist wichtig. Wichtig für Dich!

    Dieses Forum wird Dir sonst nicht weiter helfen können. Hier kannst Du einen Rat bekommen oder die Erfahrungen Anderer kennenlernen. Du kannst die Thematik Alkohol für Dich lebendig halten und versuchen Dir Anregungen für Deinen Weg zu holen, aber helfen musst Du Dir am Ende selbst.

    Und glaube mir eines: In 90 Minuten Gruppe im "real life" bekommst Du mehr Feedback und mehr Anregungen, als Du das hier im Forum bekommst ... einfach deshalb, weil Du da mit allen Sinnen dabei bist!

    Darum: Geh da hin! Es bringt Dich weiter!

    Liebe Grüße (... von jemandem, der auch etwas von soz.Phob. und Depressionen versteht)

    J.

    Hallo phoenix,

    Zitat von phoenix75


    Aber ich kann das halt auch nicht trennen - die Alkoholkrankheit und meinen ganzen anderen "Kram".

    Oh ja, wie mir dieses Denken doch bekannt vorkommt :wink: . Da sind noch so viele Themen neben der "Trinkerei", die man gerne aufarbeiten möchte oder muss, und irgendwie verliert man sich dabei manchmal in den Windungen seines eigenen Gehirns und sitzt am Ende völlig resigniert und demotiviert vor einer Tasse Kaffee und weiss einfach nicht mehr weiter!

    Ich bin selbst ja auch noch nicht so lange auf meinem Weg zur Trockenheit, aber zu der realen SHG mag ich Dir einfach ein paar ermunternde Worte sagen:

    Als ich vor 3 Wochen das erste mal zur Gruppe gefahren bin, hatte ich auch eine Menge Bammel, war verwirrt und ja: Auch ich habe mich strategisch verfahren :wink: ! Und in mir war auch dieser unglaubliche Drang, wieder nach Hause zu fahren, mich zu verstecken! Mein Problem ist ja auch so unglaublich individuell, so wahnsinnig komplex, so absolut unlösbar ... Was soll ich denn da auch in dieser Gruppe? Aber trotzdem habe ich mich gezwungen, da rein zu gehen, mit all meiner Angst und all meiner Unsicherheit. Denn eines ist ja auch ganz klar gewesen: Hätte ich mich stattdessen vor die Glotze gesetzt oder etwas anderes getan, hätte ich mir auch nicht geholfen!

    Und soll ich Dir etwas sagen: Ich habe mich danach richtig gut gefühlt! Meine Probleme hat dort keiner gelöst und ich habe während meiner Vorstellung auch richtigen Gegenwind gespürt, ABER: ich habe mich mit zumindest einem meiner Problem auseinandergesetzt und das Gefühl bekommen, dass ich mit diesem(!) Problem nicht allein auf dieser Welt bin. Für mich war dieses Erlebnis ein weiterer Baustein für die Akzeptanz meiner Krankheit und hat mich im Umgang mit dieser ein Stückchen weiter bestärkt. Und Alles weitere wird sich auch noch lösen: Nur irgendwo muss man anfangen

    Ich wünsche Dir ein ähnliches Erleben und die Kraft, am nächsten Meeting der SHG teilnehmen zu können. ES WIRD DIR HELFEN!

    Liebe Grüße

    J.

    Hallo doro,

    ich danke Dir für den "Beistand". Manchmal komme ich mir auch so vor, als ob ich mich mit "Händen und Füßen" wehren würde. Dabei würde ich die LZT eigentlich schon gerne wahrnehmen ... wenn einige Umstände eben nicht wären! Ist halt manchmal schwer, die eigene Entscheidung zu bewerben und gegebenfalls zu verteidigen (gesunder Egoismus :wink: ).

    Ambulant kann ich über die Caritas eine Sucht-Reha-Therapie in Angriff nehmen. Das dauert allerdings noch ein Weilchen (Kostenübernahme und Warteliste: etwa 2-3 Monate).

    Desweiteren werde ich auch noch einen Termin bei einem "freien" Psychologen wahrnehmen und dort mal prüfen, ob ich eventuell auch einen ganz eigenen therapeutischen Weg einschlagen könnte/sollte.

    Und parallel besuche ich natürlich auch weiter die Gruppe in der Suchtklinik und ab Oktober kann ich auch noch bei den Caritas-Gruppen mitmachen. In den letzteren werden auch Vor-Entgiftungs-Patienten zwecks Orientierung dabei sein ... bin mal gespannt.

    Soweit ...

    Liebe Grüße

    J.

    Kleiner Nachtrag:

    Hab meinen Beitrag grad noch mal gelesen, deshalb nur um Missverständnisse zu vermeiden: Ich fühle mich natürlich weder von Dir, liebe Brigitte, noch von irgend jemand anderem angegriffen (Wegen dem Gefühl, mich verteidigen zu müssen).

    Ich erlebe eben die Mitglieder in der Gruppe, die bereits eine LZT hinter sich gebracht haben und ihren Weg dann auch erfolgreich weiter gegangen sind, als sehr von den Möglichkeiten dieser Therapie überzeugt. Am Ende hat es bei ihnen ja auch "funktioniert" (in dem Sinn, dass sie effektiv an sich und ihrer Sucht haben arbeiten können).

    Dabei komme ich mir dann irgendwie doof oder ignorant vor, wenn ich die mir angebotene LZT nicht wahrnehmen möchte (unabhängig von den Gründen). :roll: Manchmal erwische ich mich dann sogar bei der Vorstellung, dass manch ein erfahrener Trockener insgeheim schon auf das Datum meines Rückfalls wettet :cry:

    hmmmm ..... wird schon!

    Liebe Grüße

    J.