Hallo zusammen,
zurück aus der Sonne und wieder hinein ins trocknende Leben.
Am Donnerstag Abend hatt ich dann das "Vergnügen", eine der Konsequenzen meiner Alkoholkrankheit zu verspüren.
Dazu eine kleine Vorgeschichte: Meine Partnerin arbeitet mit einigen Kollegen in einem kleinen Büro im Schichtdienst - Man arbeitet dort also mal mit dem einen, mal mit dem anderen Kollegen zusammen. Eine Kollegin ist nun in den letzten Monaten auffällig geworden: gelegentliche Fahne, mangelnde Arbeitsleistung etc. Lange Rede, kurzer Sinn: Auflage des Arbeitgebers, sich therapeutisch behandeln zu lassen.
Nun hat es sich ereignet, dass genau diese Kollegin an meiner Gruppe teilgenommen hat. Und obwohl wir uns persönlich noch nicht begegnet sind, haben wir uns während der Vorstellungsrunde am Namen erkannt.
Nach einigen kurzen Themen kamen wir dann auf die intensivere Vorstellung der "Neuen". Und bereits der erste Satz ihrer Vorstellung hat einen tiefen Blick auf ihr Problembewusstsein werfen lassen: "Ich bin hier, um festzustellen, ob ich ein Alkoholproblem haben könnte.". Im weiteren Verlauf schilderte sie dann, dass sie definitiv nur ein eiziges Mal auffällig am Arbeitsplatz gewesen sein könnte und beschrieb die tiefsitzende Enttäuschung, die sie empfindet, weil ihre Kollegen sie nicht direkt angesprochen haben, sondern die Auffälligkeiten der Abteilungsleitung gemeldet hätten. Ferner beschrieb sie ihre seit der Zeit erfolgreich gelebte Abstinenz, also wie wenig ihr das Fehlen von Alkohol etwas ausmache ...
Vieles von dem, was sie dort von sich gegeben hat, ist unwahr: Sie wurde von ihren Kollegen gefragt, ob sie ein Problem hätte, und auch nicht "angeschwärzt" (Das hat die Abteilungsleitung selbst gerochen). Auch lebt sie zur Zeit nicht abstinent .... Nach Allem, was ich mittlerweile gelernt habe, sind das keine bös gemeinten Lügen, sondern einfach typische Selbstbetrügereien nach dem Motto: "Ich will die Wahrheit nicht sehen und rede mir die Welt schön". Eine Art strategische Informationsmanipulation, die eine Alkoholkrankheit verdecken sollen.
Während der Gruppe habe ich dazu geschwiegen und wollte eigentlich im Anschluss ein kleines Pläuschchen mit ihr halten, aber sie verschwand geschickt durch den Hinterausgang.
Nun empfinde ich das ganze als eine sehr unangenehme Situation: Zwar bin ich bemüht, mit meiner Krankheit recht offen umzugehen, aber am Arbeitsplatz meiner Partnerin hat diese Information eigentlich nichts zu suchen. Vor Allem nicht in den Händen einer uneinsichtigen, nassen Alkoholikerin. Ich habe einfach Angst, dass sie im Laufe der Zeit bei weiteren Auffälligkeiten mit dem Finger auf meine Partnerin zeigt und Dinge von sich gibt wie: "ICH habe mich noch im Griff und werde zur Therapie gezwungen, aber DER DA, der Freund von der Frau xxx, der ist ein ECHTER Säufer!".
Vielleicht mache ich mir da unberechtigte Sorgen über noch ungelegte Eier, aber ein gewisses Unwohlsein verspüre ich jetzt schon! Letztlich erwische ich mich bei dem Gedanken "Selbst Schuld!"
Heute arbeitet meine Partnerin wieder mit jener Kollegin zusammen. Ich hoffe, dass sich da keine unangenehme Situation aufbaut .....
hmmm, bin gespannt .....
Liebe Grüße
J.