Beiträge von Plejaden

    Hallo JoeDoe,

    ach so, jetzt verstehe ich. Mh, stimmt, ich habe etwa ein Jahr verstreichen lassen bevor ich den Anker geworfen habe. Ich wollte "es" zum einen nicht wahrhaben, war aber schon so süchtig, dass ich mir nicht mehr vorstellen konnte ohne Alk zu leben. Ich wusste ja, was die einzige Therapie gegen Alkoholkrankheit war... Also habe ich ein Jahr rumgeeiert, bevor ich an meinem Tiefpunkt angelangt war.

    Und gut, dass du mich nochmal dran erinnerst. Wir machen eine große Veränderung in unserem Leben durch, zu der wir uns selbst entschieden haben und die wir wollen ;) . Die letzten fast drei Monate (morgen ist es soweit) waren meine glücklichsten seit langem. Fast sicher die schönsten in meinem Leben. Wenn man von der fürchterlichen Woche direkt nach meiner Abstinenzentscheidung absieht...

    Mit dem Willen meinte ich auch eher, dass wir nun keine Kontrolle mehr über Länge und Menge des Konsums haben, wenn wir einmal angefangen haben zu trinken. Des ist futsch...

    LG
    Plejaden

    Hallo zusammen,

    der Tag heute begann mit einem Faux-Pas. Ich bin aus irgendeinem Grund schon um 7 Uhr aus dem Bett gefallen und hab leider nach ein paar Minuten (in denen ich mein Frühstück vorbereitet habe) genau da weiter gemacht, wo ich gestern aufgehört habe: Morrowind zu daddeln. Ich wurde dabei innerlich immer unzufriedener und unzufriedener, stopfte mein Frühstück nebenher in mich rein, bis ich mir irgendwann sagte: Stopp, was machst du hier eigentlich? Hab dann sofort gespeichert und die Konsole ausgeschaltet.

    Trotzdem, ein gewisses Gefühl der Unzufriedenheit wurde ich den ganzen Tag nicht los. Anstatt die Zeit sinnvoll zu nutzen (gemütlich frühstücken, in den Tag hinein finden, vielleicht schon was für die Uni machen) habe ich meine Zeit mit Videospielen verschwendet, und das zu einer Tageszeit, wo's gar nicht geht. Einen lehrsamen Effekt hatte das Ganze aber: Die neuen Tagesabläufe, Angewohnheiten sind bei weitem noch nicht verinnerlicht. Ich neige immer noch dazu in die alten Gewohnheiten zurückzufallen, die mir nicht gut tun und meinen Tag durcheinanderbringen. Ich muss gut auf mich acht geben, damit sich Altes nicht seinen Weg zurück in mein Leben schleicht.

    Folgerichtig wurde durch das Gedaddel mein halber Tagesplan durcheinander geworfen: Ich hab es natürlich nicht mehr zum Fahrradhändler geschafft - das tut mir persönlich am meisten weh, weil ich mich eigentlich richtig darauf gefreut habe :cry: . Dann habe ich es durch Busausfälle/-verspätungen erst drei Stunden (!) später als geplant geschafft bei der Uni aufzuschlagen. Immerhin, ich hab dann ein umso strafferes Programm durchgezogen und den Rest noch auf die Reihe gekriegt (Einkaufen, ein Kilo Batterien entsorgen, lesen).

    Trotzdem beunruhigt es mich, was mich da heute morgen geritten hat. Ich dachte sogar "Mal eben nen halbes Stündchen MW zocken..." und konnte es kaum erwarten, das Obst fürs Müsli zuende geschnibbelt zu haben. Eine halbe Stunde Morrowind ist ein Witz, in der Zeit komme ich grad mal von Balmora nach Ald'ruhn! Klarer Anfall von Selbstbetrug, es war klar, dass ich dann noch das erledigen würde und auch noch dies, und da noch die Räuberhöhle ausräumen und hier Blümchen pflücken...
    Ich denke, ich habe einfach meine Achtsamkeit in der letzten Woche schleifen lassen, weil alles so gut lief. Also das Warnzeichen ernstnehmen, aufstehen, weitermachen.

    Micha : Deine Zeilen machen mir Mut, wenn auch keinen Übermut ;) . Ich hoffe auch, dass meine Wunde mit der Zeit gut verheilt und weniger empfindlich wird.
    Aus dem Fahrrad ist ja leider nix geworden... Das werde ich morgen erledigen. Der einzige Vorteil daran ist, dass ich morgen Nachmittag wesentlich mehr Zeit haben werde. Ein schwacher Trost.

    LG
    Plejaden

    Hallo JoeDoe,

    ich habe mich auch mal mit dieser Willensfrage beschäftigt. Ich kann da nur für mich zunächst zu dem Schluss kommen, dass es keine Willensschwäche ist.

    Das klingt zunächst seltsam, denn wie ich geschrieben hatte, habe ich zwei Drogenpräventionen besucht und war mir auch Sozphobie-Technisch im Klaren darüber, dass ich aufpassen muss. Die Krux daran war nur, ich wusste nicht, wie es sich anfühlt, wenn ich süchtig werde. Von Kontrollverlust und dergleichen war nie die Rede. So habe ich erst bemerkt was mit mir nicht stimmte, als ich das erste Mal versuchte meinen Konsum einzuschränken - und an dem Punkt ist es bekanntermaßen meist schon zu spät. An dem Punkt war ich bereits krank und konnte mit dem Willen nichts mehr reißen.

    Vorher war für mich alles in Ordnung. Ich wusste, Alkohol macht süchtig. Aber zum einen hatte ich ein bestimmtes Bild von Alkoholsucht, dem ich nie entsprochen habe. Andererseits habe ich meinen Konsum immer an dem meines Umfeldes gemessen - und gemessen daran habe ich tatsächlich nicht viel getrunken. Ich hatte noch nichtmal so fürchterliche Abstürze wie mein Freund, der sich zweimal in eine Art Delirium gesoffen hatte. Ich habe mich sicher gefühlt.

    Soviel von mir! Einen schönen Start in die neue Woche wünsche ich.

    LG
    Plejaden

    Guten Abend,

    so, habe über die Info von gestern geschlafen und das Script zuende gelesen. Sehr informativ, aber auch sehr erschreckend. Darin werden auf medizinischer Ebene alle Grundbausteine bestätigt, die hier im Forum vermittelt werden. Das Suchtgedächtnis bleibt aktiv, egal wie lange man trocken ist. Es wird immer aktiviert, wenn man in Kontakt mit Alk kommt. Sich unter alktrinkenden Menschen zu bewegen ist so, als würde man ständig an einem Wundschorf herumknibbeln - irgendwann geht die Wunde wieder auf. Das Perfide: Die Alkoholiker-Wunde verheilt nie, und so hat man sein ganzes Leben lang Zeit daran herum zu knibbeln.
    Da diese Dinge auf jeden Süchtigen zutreffen, will ich mir spätestens jetzt nicht mehr einbilden, etwas besonderes zu sein. Herrgott, ich merke noch nichtmal was davon, und mein Suchtmonster arbeitet trotzdem :evil: .

    Ansonsten war heute mein großer Tag: Zum ersten Mal seit Jahren fahrrad fahren - und es war fürchterlich. Wackelig saß ich auf dem Ding, und als ich das erste Mal bergab fuhr habe ich recht sparsam geguckt. Ich zog die Bremse durch und wenig passierte :shock: . Zum Glück ward es beim zweiten Versuch besser, anscheinend war Staub auf den Felgen gewesen...
    Naja, danach habe ich mich abgestrampelt, nach wenigen Metern schmerzten meine Oberschenkel, nach einigen hundert wurde mir schlecht. Tapfer habe ich mein Pensum durchgezogen, auf der Rückfahrt (ging überwiegend bergab) war es sogar richtig schön. Leider fingen da aber fiese Rückenschmerzen an, die Sitzposition auf dem Rad ist eher sportlich. Vor 10 Jahren war das noch ok für mich gewesen, aber jetzt...
    Fazit: Morgen gehe ich zum Fahrradhändler und lasse mir einen neuen Vorbau samt Lenker installieren. Ist billiger als ein neues Fahrrad zu kaufen...
    Heute habe ich dann noch das gute Wetter genutzt und ein bisschen am Radl rumgewienert, leider bin ich von hartnäckigem Schodder im weiten Umkreis der Kette in meinem Elan gebremst worden. Mal sehen ob der Rad-Fachmann morgen nen Tipp parat hat.

    Ansonsten war der Chat heute sehr informativ. Für mich habe ich mitgenommen: Hilfe annehmen, Hilfe steht mir zu. Wenn mir Hilfe nicht sofort einleuchtet oder passt, erstmal drüber nachdenken und dann, wenn ich ein gutes Gefühl dabei habe, annehmen und umsetzen.

    LG
    Plejaden

    Relativ kurz, sehr aktuell, gerade gelesen: Thema "Jemand trinkt in meiner Nähe Alkohol und das ist mir egal" Ich habe (für mich) zu verschiedenen Anlässen betont, dass ich das Gefühl habe, dass mich in solchen Situationen das Thema Alk trotzdem irgendwie umtreibt.

    Jetzt habe ich gerade eine Bestätigung lesen dürfen: In einem Computertomographen kann man dem Gehirn beim "Arbeiten" zusehen, und somit auch die Aktivierung des Suchtgedächtnisses sehen. Erschreckend (und von mir irgendwie erwartet): Das Suchtgedächtnis wird IMMER aktiviert, selbst wenn der Betroffene wahrheitsgemäß sagt "Das Getränk berührt mich nicht, ist mir egal". Uaah. Darüber muss ich erstmal schlafen...

    Quelle: "..und täglich grüßt das Suchtgedächtnis" - Vortrag von Dr. Arnulf Vosshagen, ltd. Psychologe der Fachklinik Kamillushaus, Essen

    Guten Abend zusammen,

    heute war ein gemütlicher Tag. Morgens in aller Frühe Brötchen geholt, dabei die frische Luft und die noch stillen Straßen genossen. Als meine Eltern dann zum Walken aufgebrochen bin, habe ich angefangen mein Fahrrad für morgen fertig zu machen - und habe voll versagt.
    Man muss dazu sagen, es steht seit Jahren eingemotten im Keller herum, zum Glück rumgedreht. Ich habe es gepeilt gekriegt, es aus seinem Grab aus Gerümpel zu befreien, musste dabei feststellen, dass mein Vater den Lenker beim "Einmotten" um 90° verdreht hat. Gut, ich voller Selbstbewusstsein, kein Prob. Reifen waren auch platt, das kann ich. Ja ja. Nach 15 Min. die entnervte Kapitulation: Ich fand die Feststellschraube für den Lenker nicht, die Reifen wurden trotz hingebungsvollem Pumpen nicht praller. Ich wollte das doch ohne meine Eltern schaffen :cry: ! Ich total stinkig wieder in meine Wohnung gestapft und meinem Freund davon berichtet. Und siehe da: Er entpuppte sich als Fahrrad-Ass. In fünf Minuten waren die Reifen aufgepumpt, der Lenker eingestellt und ich auf meiner ersten Proberunde unterwegs. Seeehr wackelig, sehr sehr wackelig, aber ging. Mein Vater war total baff als der das Ding reaktiviert in der Garage stehen sah, hat es noch einer gründlichen Nachprüfung unterzogen und für gut befunden. Tja, dann geht es morgen wohl los. Irgendwie hab ich Bammel. Ich konnte noch nie gut Fahrrad fahren...

    Zwotens, ich wollte etwas zum Thema "verstecken" schreiben. Auch ein Punkt, den ich auf Fragebögen mit "Nein" angekreuzt habe. Von wegen. Ich habe selten Alkohol gebunkert (wozu auch?), meistens waren es Rotweinflaschen, wenn ich sie alleine trinken wollte und nicht mit meinem Freund teilen wollte. Sehr regelmäßig habe ich die leeren Flaschen versteckt. Situation: Ich hab mir oben einen gesoffen und habe gehört, wie mein Freund nach Hause kam. Schwupps, Flasche versteckt. Wenns ging, noch den Rest runtergekippt, wenn es nicht mehr ging, die halbvolle Pulle irgendwo verstaut. Sobald mein Freund abgelenkt war (Klo, PC etc.) bin ich dann hingeschlichen und habe den Rest vernichtet.
    Meine Gefühle dabei? Ein Gemisch aus Trotz und Angst. Trotz: Ich lasse mir nichts vorschreiben! Angst, weil unsere Beziehung damals schlecht war und er mich immer sehr unfair behandelt hat (oder eben nicht? war ich unfair in meinem besoffen Kopf), wenn er gemerkt hat, dass ich getrunken habe. Er sollte also nicht merken, dass ich getrunken habe.

    Das Fass des Selbstbetrugs öffnet sich immer weiter. Ob es ein Boden hat?

    LG
    Plejaden

    Hallo,

    heute war ein geruhsamer Tag. Ich bin recht früh zur Uni, hab drei Stunden in der Bibliothek gelesen, hab einen Termin mit einem Prof ausgemacht, danach ging es zügig zurück nach Hause. Der Bus war auf beiden Fahrten zum Glück nicht so voll wie gestern...
    Hier habe ich dann versehentlich meinen Freund aus dem Bett geklingelt, nach dem Mittagessen ging es probeweise zum Joggen. Keine gute Idee, jetzt tun meine Füße mehr weh als je zuvor. Andererseits, hätte ich es nicht gemacht, hätte ich jetzt ein schlechtes Gewissen und ich muss Sport machen, weil ich sonst wieder Probs mit meinen Schultern kriege (und dazu gleich mit den Armen). Gut, versuche ich es wohl bis zum Arzttermin am Donnerstag lieber mit Fahrradfahren...

    Zitat von JoeDoe75

    tja, warum hast Du angefangen zu trinken? Was hat Dich dazu gebracht? Weg von der freiwilligen Enthaltsamkeit und hin zu einer immer stärker werdenden Gier? (...) Ich denke, wenn man versteht, warum man etwas getan hat, dann hilft dieses Wissen, künftig diese Fehler nicht zu wiederholen. (Mein Gott, was für eine platte Weisheit *g*, aber bei aller Trivialität ist sie doch so wahr!).


    Mh darüber muss ich wirklich noch nachgrübeln. Das erschließt sich nicht ganz. Aber die Antwort darauf wird eines Tages einfach auftauchen - in letzter Zeit sind so viele Antworten aufgetaucht. Ich kann den Pfad nur soweit verfolgen:
    1. Ich wollte keinen Alkohol trinken, weil er mir nicht schmeckte und er nicht in mein Lebensbild passte. Im Gegenteil, ich wusste, dass er gefährlich ist.
    2. Der gesellschaftliche Druck von ALLEN Seiten stieg immer mehr. Da ich starke Minderwertigkeitsgefühle hatte, trank ich immer öfter mit, damit ich in Ruhe gelassen wurde. Ich verspürte die einschläfernde Wirkung des Alkohol und dass mir davon schwindelig wurde. Beides empfand ich als unangenehm.

    Hier verliert sich der Faden zum ersten Mal. Ich trank zwar mit, aber nippte bisweilen den ganzen Abend an einem Drink, weil ich es hasste Alkohol zu trinken und einfach in Ruhe gelassen werde wollte. Es war immer so ein pappsüßes Fruchtweinzeugs. Irgendwann habe ich dann angefangen Bier zu trinken. Ich weiß aber überhaupt nicht mehr wann und wieso. Das führte auf jeden Fall zu

    3. Es ging mir seelisch immer schlechter, ich war mit meinen Phobien dem Leben nicht gewachsen. Um Abends schlafen zu können, trank ich eine Flasche Bier.

    Dann wieder teilweiser Verlust des Fadens: Ich verlor immer mehr Freunde, weil ich aufgrund wachsender Depressionen und immer noch vorhandener Phobien die Freundschaften nicht mehr pflegen konnte. Meine Sozialkontakte begrenzten sich erst auf den Freundeskreis meines Freundes, dann schloss ich auch den immer mehr aus (naja... da waren aber auch Gestalten dabei... Junge Junge :roll: ). Irgendwann war ich allein. Das ging dann eine Zeitlang so weiter, bis ich irgendwann auf den Trichter kam (vor etwa eineinhalb Jahren!?), ich müsse mehr Zeit mit meiner Familie verbringen. Dies führte zum finalen Rettungsschuss:

    4. Ich begann mich zu meinen Eltern zu gesellen, trank dort immer mehr. Es wurde mir reichlich und viel angeboten. Ich begann mich regelmäßig abzuschießen. Zur Fussball-WM war dieses Verhalten schon voll ausgeprägt. Danach verlor ich zusehends die Kontrolle. Trank mehr und mehr. Der Rest ist Geschichte.

    Wie du siehst, ein paar schwarze Löcher. Aber die Antworten werden kommen, da bin ich mir sicher ;) .

    Zitat von JoeDoe75

    Ich empfinde diese Fragestellung allerdings auch als ziemlich irrelevant, ...


    Du wirst lachen, das ist mir heute morgen auch aufgefallen. Ich dachte mir "Äh ja, na und? Ist doch jetzt egal, was mal war. Solange ich nichts trinke, werde ich mir darum auch keine Gedanken machen müssen..."
    Wichtig ist nicht, in welcher Form ich abhängig war; wichtig ist nur, dass ich es war, und ich das Suchtmittel meiden muss.

    Zum letzten Punkt: Vor allen Dingen hast du dich umsonst unbeliebt gemacht, denn er kann das ganze Zeug schon bedienen ;) . Seine Mutter war das sehr... resolut. Nur das mit der Mülltrennung funktioniert nicht so richtig, aber er ist redlich bemüht. Ich habe ihm immerhin begebracht, nach Punkten Ausschau zu halten, auch wenn sie nicht grün sind, gehören sie in den gelben Sack. Und die grünen erst recht.

    Ich hatte heute noch einige interessante Gedanken zum Thema "Alk verstecken" in Petto, aber ich glaube darauf komme ich lieber morgen zu sprechen...

    LG
    Plejaden

    Gott, war das heute ein Mist. Unglaublich. Aber alles der Reihe nach. Ich war mit meinem Fuß beim Arzt. Dort wurde nichts verdächtiges festgestellt, außer ein leichte Senkfuß. Ich soll jetzt Einlagen bekommen, das soll nächste Woche gemacht werden. Da bin ich mal gespannt, ich hab schon die dollsten (Un)dinger über die Teile gehört...
    Naja, danach stürzte ich mich um 10 Uhr in das GDL-induzierte Verkehrschaos, kam aber gut durch. An der Uni zunächst schön gelesen, dann eine Stunde gearbeitet und anschließend noch ein Seminar bei den Physikern. Total interessant, auch wenn es zeitweilig etwas langatmig wurde, wegen Zwischenfragen von irgendwelchen Philosophen. Als ich dann zum Bus kam, dachte ich mein Schwein pfeift: Eine riesige Menschentraube drängte sich vor der Tür. Ich konnte noch einen Sitzplatz ergattern, aber es wollten sich soviele Leute reinquetschen, dass es fast nicht mehr passte :shock: . Willkommen liebe Bahnpendler, immer rein... Wie doof. Klar, sie können nix dafür, aber voll war's trotzdem.
    Naja, nach einer finnischen Quetsch-Dampfsauna endlich daheim angekommen, bin ich mit meinen Eltern einkaufen gefahren, habe endlich mal meine Datensicherungen umkopiert und gleich eine Neue gemacht und jetzt sitze ich hier und tippsele.

    Dann habe ich versucht, nochmal Erkenntnisse über den Anfang meiner Alkoholiker-Karriere zu gewinnen. Aber ich finde den Anfang nicht. Irgendwie bin ich von der strikten Anti-Alkoholikerin mutiert, und ich weiß nicht wie. Ich war gut gerüstet: Ich war mit der Schule auf zwei gut durchgeführten Drogenberatungen, habe mich auch wegen der SozPhobie eingehend mit dem Thema beschäftigt - und trotzdem hat's mich erwischt. Ich denke, das war aber auch mein Glück. Ich konnte einen Kater nie zelebrieren, so wie andere es tun (ich glaube, da geht es um das Motto "Je stärker der Kater, desto toller war der Abend"???). Für mich bedeutete ein Kater schon immer eine Niederlage. Zuviel gesoffen. Selbstzerstörung betrieben.
    Was mir aufgefallen ist: Ich wurde zwar Alkoholtoleranter, gleichzeitig aber habe ich auch von immer weniger Alk einen Kater/Entzugserscheinungen bekommen. Am Ende war da dieses Fass ohne Boden, ich konnte kippen ohne Ende, aber gleichzeitig reichten schon drei Flaschen Bier, um zumindest milde Symptome am nächsten Morgen zu bekommen. Waren das vielleicht Wegweiser für eine körperliche Abhängigkeit?

    JoeDoe : Ich will dir gar nicht lang antworten, um dich nicht vom Arbeiten abzuhalten ;) . Schön, dass deine Eltern so drauf sind (hoffentlich?), das erleichtert das Verhältnis ungemein. Und ja, es soll auch seine Wohnung werden. Er hat nur keinen Bock auszuziehen - bei Mutti unterm Dach wohnt es sich doch toll *hier einen Kotz-Smily denken*.

    LG
    Plejaden

    Hallo JoeDoe,

    ups, da habe ich dich wohl falsch verstanden :oops: .

    Zitat von JoeDoe75

    Das mit dem selbstbewussten Umgang mit meinen Problemen bezieht sich in erster Linie natürlich auf mich selbst: Wenn ich mir meiner Schwächen eher bewusst bin und nicht in der irrigen Annahme, alles perfekt meistern zu können, in eine Situation gehe, dann kann ich darin auch nicht so tief fallen oder ins Stocken kommen. (..) Mehr Entspannung durch einen unverkrampften Umgang mit sich und der Umwelt ;D . Kann klappt's auch mit dem Nachbarn.

    Und genau diese finale Feinarbeit ist für mich immer wieder der Moment, in dem ich meine eigene Arbeit hinterfrage und am Ende zu der Überzeugung gelange, dass alles, was ich geleistet habe. eigentlich doch nur grober Mist geworden ist :roll: . Das ist insofern schon mal recht abwegig, da ich von beiden Auftraggebern bereits sehr positiver Rückmeldungen bekommen habe! Aber dennoch bin ich mit meiner Leistung nicht zufrieden :cry:


    Ja, du bist auch nur ein Mensch, surprise ;) . Mir fällt es auch schwer, mir meine Schwächen einzugestehen, aber letztendlich ist es wie eine Befreiung - ich muss nicht perfekt sein. Und wenn das jemand von mir verlangt (ist in der Vergangenheit ständig passiert, daher der Perfektionsdrang), dann hat er nen Knall.

    Ansonsten könnte es helfen, wenn du dir gezielt das Positive raussuchst. Das Negative siehst du dir ja leider turnusmäßig eh an, also brauchst du keine Angst haben, in blauäugigen Optimismus zu verfallen ;) . Bleib da hartnäckig mit dir selber und sei geduldig, deinen Rom-Spruch führe ich hier jetzt nicht nochmal auf :lol: . Schließlich hast du jahrelang Haare aus der Suppe gefischt, das ändert sich nicht von heut auf morgen...

    Mir war meine Arbeit auch zunächst nie genug, aber inzwischen kann ich es zumindest so sehen "ist der Kunde zufrieden, bin ich es auch". So ein hartes Fell muss man sich angewöhnen, wenn z.B. Gestaltungen für Kunden wie einen Schützenverein (komplett mit Edelweiß, Frakturaschrift und Wappen-Imperium) oder einem Hersteller von diesen Oma-Gehhilfen machen musste - wo der Auftrag lautete, machen Sie etwas Neues! Aber es soll bitte so sein, wie vorher. Und mal ganz abgesehen von den Werken, die die Kunden selbst mit einem beliebten Zeichenprogramm erstellt haben ("Ich habe 100 Schriften und 16 Mio. Farben, und die müssen alle auf diesen Flyer!").
    Schwieriger wird es, mir meine eigenen Gestaltungen schmackhaft zu machen, da kann ich mich nicht hinter Kundengeschmack verstecken. Aber das kriege ich auch noch hin ;) .

    LG
    Plejaden

    Heute war's wieder laaaang... schon um 8 Uhr zur Uni, Vorlesung, danach eine Stunde gearbeitet, dann zwei Stunden gelesen und Abends nochmal zu einem Seminar... arghs.
    Zu Hause nochmal die Immobilienbörsen abgeklappert, festgestellt, dass die Wohnung weg ist wo die Hausverwaltung bis heute nicht ans Telefon gegangen ist. Da hatte wohl jemand telepathische Kräfte oder so...
    Naja, für zwei weitere Wohnungen habe ich die Nummern notiert. Meinem Freund hab ich nochmal den Kopf gewaschen, er wollte sich ja kümmern, hat er wieder nicht gemacht. Wie gut, dass ich inzwischen selbstständig suche. Morgen kaufe ich mir dann eine Zeitung, mal sehen ob da was Schönes drin steht. Ebenfalls morgen werde ich zum Arzt gehen, das mit meinem Fuß geht gar nicht...

    Eben ging es in einem anderen Thread ums Erinnern, in meinem vorherigen auch. Ich merke, wie die Erinnerungen verblassen, wie alles nur noch wie ein böser Traum erscheint. Deshalb will ich mich erinnern: Wie ich mindestens einmal pro Woche (gerne öfters) um 5 Uhr aus dem Bett gewankt bin, weil ich wegen Schwindelanfällen, Kopfschmerzen und Übelkeit nicht mehr schlafen konnte (war nie jemand, der seinen Rausch ausschlafen konnte). Wie ich dann entweder betete, dass ich es schaffe wieder hochzukommen, bevor ich zur Uni gehen musste, oder wie ich für den Rest des freien Tages auf der Couch lag und TV geguckt habe, mit unendlichen Schuldgefühlen, Schwindel, Kopfschmerz, Übelkeit. Wie ich mehrere Male in diesem Zustand zu meiner Therapie geeiert bin. Wie ich es einmal nicht geschafft habe zur Uni zu gehen.
    Ich habe mich damals schlecht gefühlt. Ich habe gejammert und war voller Selbstmitleid und habe geschworen, dass das jetzt das letzte Mal sein würde, dass ich meine Lektion gelernt hätte. Jede Woche aufs Neue. Und was war? Sobald ich nur ein Glas getrunken hatte, machte es *klick* und ich dachte "Toll, wie gut ich mich fühle! Heute gönne ich mir einen, morgen wird es mir zwar schlecht gehen, aber dann werde ich an den Spaß denken, den ich heute gehabt habe!"
    Nie habe ich an den Spaß gedacht. Und das Trinken an sich war schon der Horror, ich konnte nicht mehr genießen. Der "Spaß" war eine Lüge, und das wusste ich natürlich tief drinnen. Trotzdem habe ich mir immer neue Flaschen geholt, hab mir immer neu einschenken lassen. Hinterher, gegen Ende, war das roboterhaft, ohne nachzudenken, mit einer fürchterlichen Leere der Gedanken. Einfach nur Alk geholt, einfach nur weitersaufen. Spaß, anyone?

    Das sind meine Erinnerungen. Und es wird immer wieder so werden, sobald ich anfange zu trinken.

    Zitat von JoeDoe75

    Und es hat sicher auch etwas mit eventuell mangelnden Verhaltensalternativen zu tun. [...] Solange diese aber nicht sitzen, hat man in solchen Situationen auch nichts verloren! Und überleg mal: Du hast nur etwas gelesen!


    Ja, ich hab nur etwas gelesen. Das ist wirklich beunruhigend. Und ich weiß nicht, ob ich jemals wieder in solche Situationen will... Ich hab mich dem früher ein paar Mal ausgesetzt (als Übung gegen SozPhobie), und hab mich ohne Alk nie wohlgefühlt. Wieso sollte ich mir etwas antun, was ich eigentlich gar nicht will?

    Zitat von JoeDoe75

    Nun ja, ich habe schon erzählt, dass ich keinen Alkohol mehr trinke, dass ich mein Verhalten diesbezüglich immer kritischer einschätze, dass ich im Rahmen dieser Entscheidung auch den Weg einer klinischen Entgiftung gegangen bin, dass ich zur Suchtberatung gehe, etc ... allerdings: Das berühmte Wort Alkoholiker habe ich tatsächlich nicht verwendet.


    Ja, so wie du habe ich es auch zuerst versucht. Alles erklärt, ganz direkt gesagt "ich will nie wieder Alkohol trinken", was ich zu tun gedenke, was ich schon getan habe, aber nicht gleich das Wort "Alkoholiker" genannt, sonst hätten sie sich darauf fixiert. Das Resultat war, dass meine Eltern alle Hintertürchen ausprobiert haben, die man sich so vorstellen kann ("Beim Grillen ein Bierchen..." "Aber ein Kräuterlikör XY, das ist doch Medizin und kein Alk" "Aber an Papas Geburtstag, nur zum Anstoßen"), bis ich zugeben musste "Ich habe ein Alkoholproblem, und deshalb will ich keinen Alkohol mehr trinken." Und selbst jetzt verstehen sie es nicht, weil sie die "normale" Einstellung zum Alkoholismus haben (man muss sich zusammenreißen, dann gehts wieder, zu besonderen Anlässen ein Gläschen ist doch ok, richtige Alkoholiker leben unter Brücken...).
    Ich drück dir mal die Daumen, dass dein Vater das besser versteht und akzeptiert ;) .


    Zitat von JoeDoe75

    Wie soll man reflektieren und die frisch beschrittenen Pfade auf Fallen und Hintertürchen prüfen, wenn nicht mit einer wachen Erinnerung?


    Gar nicht. Meine Thera hat es mal so erklärt: Das alte Verhalten ist wie ein ausgetretener Pfad. Man kann lernen, einen neuen, besseren Pfad anzulegen, aber der alte Pfad wird immer da bleiben. Er wird mit der Zeit überwuchern und weniger tief werden. Aber dennoch ist er da. Und wenn man nicht aufpasst, wandelt man schneller wieder darauf, als einem lieb ist.

    Die Phase, in der zwei Pfade da sind, kann durchaus ambivalente Gefühle erzeugen. Ich hatte vor eineinhalb Jahren eine Phase von ca. zwei Monaten, wo ich mir irgendwie "aussuchen" konnte wie ich an Situationen herangehen wollte und wie ich sie empfinden würde: Sozphobisch-ängstlich oder selbstbewusster. Das war schon extrem seltsam. Zwischendurch hat dann die selbstbewusste Einstellung überwogen, bevor der Alk wieder alles zunichte gemacht hat... Jetzt bin ich wieder selbstbewusst 8) .

    LG
    Plejaden

    Hallo Zeppeline,

    freut mich, wieder etwas von dir zu lesen :) .

    Zitat von Zeppeline

    Etwas gespenstisch finde ich auch die Geschwindigkeit, mit der ich Dinge vergesse, die früher massiv meinen alkoholischen Alltag geprägt haben.


    Genau darum finde ich es auch so wichtig mich hier im Forum auszutauschen. Und deswegen sagen die Erfahrenen auch immer, dass man diesen Austausch nie vernachlässigen sollte. Das Suchtmonster ist geduldig, unendlich geduldig. Es ist ihm egal, ob nun Monate, Jahre oder Jahrzehnte vergangen sind. Erinnern bedeutet, in Sicherheit zu sein.

    Bei mir war es übrigens genauso: Ich bin immer weniger auf Alkohol fixiert, nehme Werbung nicht mehr so krass wahr, sehe den Leuten nicht mehr beim Einkaufen zu... ;)

    LG
    Plejaden

    Hallo zusammen,

    heute war ein ruhiger Tag. War eine Stunde in der Bibliothek lesen, danach zwei Stunden arbeiten. Bin dort gut zu Rande gekommen. Gegen Mittag bin ich gleich heim, weil ich heute eigentlich noch joggen wollte, aber mein Fuß tut immer noch ziemlich weh. Also hab ich es lieber sein gelassen, bin ja kein Profi-Sportler der Geld dafür kriegt sich seine Knochen kaputt zu machen. Am Donnerstag werde ich damit mal zum Arzt gehen... Immerhin, ich habe mit Fußgymnastik angefangen und habe mir eigens dafür einen Kieselstein eingesammelt, den ich mit meiner Vorliebe für niedliche Namen und nach einem meiner Lieblingskünstler "Füssli" getauft hab. Wie süß.

    Habe dann noch zwei Anrufe getätigt, einmal bei einem anderen Arzt angerufen und Ergebnisse abgefragt (bin voll gesund!) und dann wegen der SHG. War ein kurzes, aber nettes Gespräch, ich habe ein paar Termine bekommen wann sich die Gruppen treffen und werde jetzt mal darüber meditieren, zu welchem Termin ich da auflaufen werde. Bin richtig erleichtert :lol: .

    Dann ist mir heute etwas eingefallen, was ich mir auch unbedingt in Erinnerung behalten sollte: Wie stark diese "du kannst doch nicht einfach nie wieder Alkohol trinken, das geht doch nicht!"-Gefühle waren. Die totale Verzweiflung, die mich erfasst hat, wenn ich an ein Leben ohne Alk gedacht habe. Ich erinnere mich noch deutlich, wie ich meiner Schwägerin in spe mal beobachtet habe: Sie hat seit über eineinhalb Jahren keinen Alkohol getrunken, wegen Schwangerschaft und Stillzeit. Ich habe total ungläubig gedacht: Wie hält sie das nur aus? Ich könnte das nicht.
    Und hier wird es lügnerisch. Denn der nächste Schritt blieb immer aus. Monatelang. Immer wieder, obwohl er irgendwie immer gegen meine Schläfen gedrückt hat. Ich bin süchtig, deshalb würde ich es nicht aushalten nicht mehr zu trinken. Das Lügengebäude scheint sich immer höher aufzutürmen, mit jedem Tag den ich trocken bin. Ich bin froh, es verlassen zu haben, aber ich werde es nicht abreißen, sondern als mahnende Ruine in meinem Herzen stehen lassen. Mein persönlicher Ground Zero. Sonst käme ich noch auf die Idee, ein Neues an Stelle des Alten zu bauen...

    kommal :

    Zitat

    Trotz deiner Probleme hast Du dir einen gewissen Optimismus und eine lebensbejahende Fröhlichkeit angeeignet oder zurückgewonnen.


    Das war und ist mir immer wichtig, Fröhlichkeit. Ich bin lange genug traurig, ängstlich und depressiv gewesen, ich habe meine Mutter gesehen, wie sie es war. Das möchte ich nicht. Durch meine Therapie konnte ich mir diese Fröhlichkeit in den letzten Jahren erarbeiten, und das Leben gefällt mir viel besser so. Vorher hatte ich einen hartnäckigen Zweckpessimismus, der schützt zwar vor Verletzungen, aber damit kann man überhaupt nicht glücklich werden...

    JoeDoe :

    Zitat

    Um so erstaunlicher dann eigentlich, dass der von Dir erwähnte Beitrag hier im Forum so eine Wirkung auf Dich gehabt hat


    Das wundert mich auch. Vielleicht war es die Erwähnung der "Trias der (Un)Glückseligkeit", die mein Suchtmonster aktiviert haben: Spaß, Gesellschaft, Alkohol. Erschreckend, das dieses Muster immer noch fest sitzt. Andererseits, ich arbeite ja erst seit zwei Monaten daran...

    Zitat

    Hmmm, da ich darunter grundsätzlich nicht zu leiden habe (wohne schon lange nicht mehr daheim und sehe meine Eltern vielleicht zwei mal im Jahr aufgrund der Entfernung), weiß ich eigentlich gar nicht so genau, wie ich künftig damit umgehen soll.


    Hast du dich denn schon bei ihm geoutet, oder steht dir das noch bevor *das nicht im Kopf hat*? Es ist halt immer die Frage, wie akzeptiert er es, wie geht er damit um; besteht er darauf, in deiner Gegenwart etwas zu trinken, bietet er dir am Ende noch was an...
    Ich denke, sobald ich nicht mehr hier wohne, werde ich es wie mein Bro handhaben (vor zwei Jahren ausgezogen) und werde hier nur noch sporadisch vorbei schauen und immer nur Vormittags/Nachmittags unter der Woche - da wird nicht getrunken.

    LG
    Plejaden

    Hallo zusammen,

    yeah, einen weiteren Montag rumgekriegt. Bin relativ spät zur Uni, bin dort meinen Pflichten nachgekommen und habs geschafft relativ gut in der Bibliothek zu arbeiten. Trotzdem war ich heute mal froh, wieder daheim zu sein, weil es doch etwas kalt wurde.

    Der Vermieter von Freitag war immer noch nicht zu erreichen, auf meine Email kam auch keine Antwort. Langsam weiß ich, warum die Wohnung schon einige Wochen da drin steht... Naja, ich hab jetzt vor Stufe 2 zu starten und mir wöchentlich die Zeitung mit den Kleinanzeigen zu kaufen. Da findet sich bestimmt auch so einiges Gutes.

    Dann ist mir heute etwas eingefallen, und an dieser Stelle fehlt der Smily, der mit dem Kopp vor die Wand haut: Wieso besuche ich eigentlich keine SHG, die in der Stadt liegt wo auch meine Uni ist? Dann ist es egal wo ich hinziehe, meine Eltern kriegen nichts davon mit (ich hab keine Lust mehr, mich von ihnen mit ihrem "Du übertreibst"-Gelaber ankäsen zu lassen) und ich kann evtl. auch eine Gruppe am Nachmittag besuchen. Mann mann, manchmal ist man wie vernagelt. Gut, Bürozeiten und Telefonnummern sind abgepinnt, morgen rufe ich da an.
    Jesus. Am Ende verliere ich noch meine Angst vorm Telefonieren :roll:

    Zeppeline :

    Zitat

    ..., fühlte ich mich an mein eigenes Suchtmonster erinnert. Das hat gestern abend zugeschlagen, und ich weiß immer noch nicht so genau warum. Naja, es waren nicht nur ein paar schwierige Momente, sondern eher Stunden, aber ich habs ähnlich bekämpft (Wasser, Wasser, nochmal Wasser).


    Das geht mir ähnlich. Ich meine mal irgendwo gelesen zu haben, Suchtdruck gehe nach so sechs Minuten weg, aber auf mich trifft das nicht zu. Zumindest fühle ich mich, wenn der akute Anfall vorbei ist, irgendwie "wackelig". Instabil. Das hält dann ein paar Stunden an.
    Du findest sicher noch heraus warum. Das ist auch wichtig, damit zukünftige Saufdrücke nicht mehr so unvermittelt kommen, bzw. um das ganz zu vermeiden. So hab ichs zumindest verstanden.

    JoeDoe :

    Zitat

    Mensch, Mensch, Mensch, da hat sich wohl Dein Suchtmonster glatt mit dem Karnevalszombie verbündet! Ist doch erschreckend, wie heftig sich unterbewusst das Trinkverlangen an die Oberfläche kämpft. Vielleicht liegt es daran, dass all diese Karnevalisten den Eindruck erwecken, dass sie den Spaß ihres Lebens erleben und Du -ausgerechnet DU- bist mal wieder nicht dabei!


    Mh, ich weiß ziemlich genau woran es lag, an diesem einen Beitrag hier im Forum. Ich las nur noch Rathaus? Kneipe? Schnaps? *klick*
    Aber klar, daran liegt es auch - die anderen haben Spaß und ich nicht. Klar, das ist nur Suchtmonster-Geschwafel, aber in dem Moment hats mich voll umgehauen... Und das, wo ich Karneval wirklich nicht abkann. Wenn ich schon "närrisch" und "jeck" höre, stellen sich mir die Nackenhaare auf... Ich habe ja die Einstellung, dass man jeden Tag fröhlich und gut gelaunt sein sollte, und nicht auf Kommando an ein paar Tagen aufgekratzt mit Pappnase durch die Städte hüpfen sollte - nur um an den restlichen Tagen im Jahr in der typisch deutschen mittelschweren Depression zu versinken (im Bus... jeden Tag... "Ja, schlimm Gisela, schlimm, wirklich... Und das mit die Renten, schlimm...").

    Zitat

    Wenn ich das richtig verstanden habe, dann trinken Deine Eltern durchaus regelmäßig und auch mal ein Glas mehr, aber von den Geschichten, die so manchmal im Kinderbereich zu lesen sind, scheinen sie ja doch noch ein wenig entfernt zu sein, oder?


    Ja, das auf jeden Fall. Es ist halt allgemein so, dass mein Vater seit einer schweren Operation im vorletzten Jahr irgendwie auch geistig abgebaut hat, und seitdem trinkt er noch mehr. Alkohol sieht er als einen der wenigen Späßchen, die ihm im Leben noch geblieben sind. Meine Mutter ist da irgendwie positiver.

    Ich freue mich auf jeden Fall auf mein Häuschen, mit Garten und den schönen Blumen - alle einheimisch, damit die Metterschlinge viel zu schlürfen haben :) .

    LG
    Plejaden

    Hallo Joe,

    mir ist auch aufgefallen, dass ich die meisten Fortschritte mache, seit ich selbstbewusster mit der Soz.Phobie umgehe. Ich erzähle zwar niemandem davon (die meisten verstehen es eh nicht - ist nich böse gemeint, ist einfach so), aber gebe z.B. öfters zu Angst vor Vorträgen zu haben, mich in bestimmten Situationen unwohl zu fühlen usw. Und siehe - den meisten anderen geht es genauso!
    Seit ich nicht mehr krampfhaft versuche, meine Ängste 100%ig perfekt zu vertuschen, lebe ich viel entspannter.

    "Echten Spaß am Leben gibt's nur ohne Alkohol" - kann ich nur entschieden unterstreichen. Echt, ungekünstelt, unverstärkt. Bei alkoholischem "Spaß" hatte ich auch immer das Gefühl, ich sei hysterisch, das Lachen steckte irgendwie im Kopf und mir war immer eher danach, auf der Stelle umzukippen und zu pennen...

    "der gestern übrigens nicht gefährdet war, weil er schon seit langem über hochreaktive Antikörper gegen Karneval verfügt, die ihm gestern hier im Epizentrum des Schwachsinns gute Dienste geleistet haben"
    Die werden dir noch gute Dienste leisten, denn der "Spaß" ist ja noch lange nicht vorbei :roll: .

    LG
    Plejaden

    So, es geht mir jetzt deutlich besser. Aber schon seltsam, wenn einen das Suchmonster einredet, man sei seit Jaaaahren schon überzeugter Karnevalist gewesen und habe Karneval ja immer so toll gefunden... und man in Wirklichkeit davon eigentlich nie was gehalten hat. Es ist somit klar, ich kann mir meine Frage, die ich vor einigen Wochen mal gestellt habe, selbst beantworten: Das Suchtgedächtnis sucht nach neuen Möglichkeiten und Gelegenheiten, wenn ihm die altbekannten entzogen werden.

    Konsequenz: Ich werde mich von allem fernhalten, was mit Alkoholkonsum zu tun hat, auch wenn es sich bei diesen Situationen nicht um altbekannte Saufgelegenheiten gehandelt hat. Ich bin nur noch dort wirklich entspannt sicher, wo es keinen Alkohol gibt.
    Klar, das hätte ich auch vorher schon getan, aber dadurch hat dieser Entschluss noch etwas... Nachdruck erhalten.

    Ansonsten wurde gerade im Chat das Verhältnis angesprochen, das ich zu meinen trinkenden Eltern habe. Ich weiß nicht, ob die beiden Alkoholiker sind oder nicht. Zumindest mein Vater ist sehr auf Alkohol bezogen, thematisiert ihn ständig, wenn er ihn konsumiert ("Ah, schmeckt das gut!" "Hab ich einen Brand...") und gibt auch kund, wann er nächstes Mal zu konsumieren gedenkt und was. Meine Mutter trinkt auch viel, aber eher beiläufig.
    Im Chat habe ich auch geschrieben, dass dieses Verhältnis wie eine Zeitreise ist: Früher habe ich den Konsum meiner Eltern immer sehr kritisch gesehen und fand es unangenehm, wenn sie betrunken waren. In diesem Zustand hat mein Vater dann auch meinem Bro und mir von frühester Kindheit an versucht Alk anzudrehen. Dieses unangenehme Gefühl verschwand, als ich selbst angefangen habe (zuviel) Alk zu konsumieren, doch nun kehrt es langsam zurück.
    Ich merke, dass vor allem mein Vater das Alkoholtrinken als einen seiner wenigen Zeitvertreibe sieht, außer viel zu exzessivem Sport. Ansonsten tut er den ganzen Tag lang nicht viel. Trinken tut er jedoch nur Abends. Meine Mutter hat relativ vielfältige Interessen (malen, ein Ehrenamt, Sport...).

    Ihr merkt, ich rede noch recht neutral und distanziert darüber. Ich habe es noch nicht an mich heran gelassen, vielleicht kommt das noch. Meine, von Gewalt und wenig Liebe geprägte Kindheit habe ich halbwegs verarbeitet, doch diese Alkthematik ist noch jungfräulich. Eine Baustelle nach der anderen.

    LG
    Plejaden

    Hallo zilli,

    ich bin auch noch ziemlich frisch, trotzdem willkommen im Forum ;) .

    Danke, es geht mir schon besser. Diese Vergleiche mit anderen sind immer Sch... marrn, ich bin ich und du bist du. Und danke für die Unterstreichung und die Kraft, das hat mich bestärkt ;) .

    Ich schicke dir auch viel Kraft für deinen Arztbesuch morgen!

    So, da bin ich wieder. Puh, heute ging joggen gar nicht gut. Habe auf den 2/1er-Rhythmus umgestellt (zwei Min. joggen, eine Min. gehen) und es war hart. Das lag vor allem am scharfen Gegenorkan, aber auch an meiner eigenen Dummheit - hab drei Minuten bevor ich losgezogen bin noch ne groooße Tasse Schwarzen Tee mit Milch gekippt. Gab Seitenstechen und leichte Übelkeit. Habs trotzdem durchgezogen und bin mächtig stolz! Die neuen Schuhe sind gewöhnungsbedürftig, aber zumindest gut gedämpft.

    Danach habe ich eine 3/4-Stunde meines Lebens damit vergeudet, die Xbox 360 am neuen HD-Fernseher im HD-Modus zum Laufen zu kriegen. Nach gefühlten 3.000maligem Umstecken, Neustarten, Herumklicken, tief fliegenden Fernbedienungen und großer Verzweiflung funktioniert es jetzt 8) . Zur Abwechslung lag das Problem mal nicht an Winzigweichs weißem Wunderwerk, sondern am Fernseher.

    Dann habe ich hier im Forum gestöbert, und zu meinem Unglück einen Beitrag gelesen, in dem es um die jüngst eröffneten Karnevalsfestivitäten ging. Holla, da war das Suchtmonster wieder :shock: . Sofort kamen Erinnerungen an Feten, Alk, Fröhlichkeit, in meinem Innern gröhlte es "Siehst du, der/die hat auch was getrunken und es ist alles in Ordnung, du kannst auch!"
    Nachdem ich jetzt ca. eineinhalb Liter Wasser gekippt habe, geht es wieder. Gleich mache ich mir noch einen Kaffee, dann gibt es noch mehr Wasser (ich weiß, Kaffee soll angeblich Saufdruck auslösen; ich kann mir nach dem Genuß von Kaffee allerdings nicht vorstellen, etwas anderes außer Wasser zu trinken).
    Nein, ich kann nicht. Ich bin ich. Die andere Person ist die andere Person. Selbst wenn zig Millionen andere Menschen können, ich kann nicht.

    Ich habe gerade, in diesem Moment, eine feuchtfröhliche Weihnachtsfeier abgesagt, mit der Begründung, Alkoholikerin zu sein.

    Puh. Ich bleib lieber noch ein bissi hier :? . Alles etwas viel im Moment.

    Ok, es ist ein bisschen viel später geworden...

    @Spedi: Ja, wie wichtig die Ehrlichkeit ist, wird mir dieser Tage immer klarer und klarer. Es war mir zwar auch schon vorher klar, aber ich war nicht in der Lage es umzusetzen. Ich habe mich ja nicht nur in Alkoholdingen belogen, sondern wesentlich umfassender. Damit soll jetzt Schluss sein.

    Ein besonders krasses Beispiel: Als ich arbeitslos war vor Jahren, spielten sich so 3-4mal die Woche bizarre Szenen ab. Ich ging einkaufen, kaufte allerhand Leckereien und Knabbereien mit der Begründung, dass die für Gäste seien. Noch am selben Tag habe ich diese Sachen dann aufgefressen (ein anderes Wort fällt mir nicht ein dafür), jetzt mit der Begründung, dass das Zeug sonst schlecht werden würde oder damit es weg ist und ich meine Diät beginnen könne. Hinterher hatte ich unendliche Schuldgefühle und da ich keine Bulimikerin bin, kamen auch die Pfunde - neue Schuldgefühle.

    Nochmal zurück zum Thema Alk: Gestern ist mir wieder etwas klar geworden. Das geht momentan Schlag auf Schlag, irgendwie. Es war mir ja immer peinlich vor Leuten zu trinken, die selbst keinen Alk getrunken haben. Das lag natürlich an meiner Integrität, die verletzt wurde, und das vor Zeugen! Allerdings ist mir jetzt klar geworden, dass es ein süchtiges Verhalten war: Mein Trinksystem sah vor, dass ich nur am Woen trinken durfte. Inzwischen brauchte ich mehr und öfters Alkohol, aber mein Trinksystem blieb dasselbe. So habe ich dann getrunken, obwohl es mir höchst unangenehm war (es war ja Besuch da, der nichts getrunken hat), denn die Alternative war noch unangenehmer: Die letzte Alk-Gelegenheit für den Rest der Woche verstreichen zu lassen.

    Oh mann...

    LG
    Plejaden

    PS: Drückt mir die Daumen, dass ich gleich beim Joggen nicht weggeweht werde...

    Hallo zusammen,

    heute war ja der erwähnt anstrengende Tag. Ich habe es tatsächlich geschafft in die Stadt zu fahren und eine Laufband-Analyse von meinem Laufstil machen zu lassen. Dabei habe ich mich ziemlich geschämt, weil ich so statt normalen Beinen Fettstampfer habe, und das hat man ziemlich deutlich auf dem Video gesehen (vor allem, dass meine Fußgelenke äußerlich nicht vorhanden zu sein scheinen) :oops: . Naja, ich knicke beim Laufen nach innen ein und habe jetzt Schuhe bekommen, die meinen Fuß unterstützen. Mit 120 Euro lagen sie noch im Limit und waren sogar billiger als die Schuhe, die ich mir vor Jaahren mal gekauft habe und die jetzt ausgelatscht sind. Ich bin ja mal gespannt auf morgen ;) .
    Allerdings war der Verkäufer nur seeehr aufgesetzt freundlich, man hat deutlich gemerkt, dass ihn das alles angekotzt hat. Weil ich sehr sensibel für solche Sachen bin, habe ich mich nicht so umfangreich beraten lassen, wie ich vorgehabt hatte, sondern nur das "Minimalprogramm" durchgezogen.
    Immerhin, dass der Mann so käsig drauf war nehme ich mir nicht mehr zu Herzen :D . Jetzt muss ich nur noch abgebrühter werden: "Ich sehe, dass dir das alles auf den Sack geht, aber das ist mir egal."

    Der Sache mit meinen Füßen werde ich aber nachgehen, da ich in den letzten Wochen manchmal starke Schmerzen habe. Ist, als würde mir jemand ein Messer zwischen die Knochen schieben. Fußgymnastik werde ich dann wohl schonmal anfangen...

    Danach (also nach dem Schuhkauf) war ich noch bei der Freundin, wir haben uns zwei Stunden nett unterhalten. Sie hat eine selbstunsicher-vermeidende PS und hat deshalb inzwischen Ärger bei der Arbeit (ist damit natürlich keine motivierte, engagierte Karriermitarbeiterin). Aber es hat ihr sehr geholfen, dass sie sich mit jemandem darüber unterhalten konnte. Ich hab mich im Gegenzug bei ihr geoutet. Sie war überrascht, findet es aber gut, dass ich jetzt keinen Alkohol mehr trinke. Noch ein Pluspunkt auf der Liste der Leute, die mich unterstützen ;) .

    Mir ist gestern im Bett noch was aufgefallen. Viele Dinge werden mir erst jetzt klar, im Abstand zum Alkohol. Es ist, als hätte ich ein Faß voll Lügen und Selbstbetrug geöffnet. Dass ich tatsächlich gezielt Situationen gesucht habe, in denen Alk konsumiert wird; dass ich Schnaps getrunken habe, um schneller besoffen zu sein; dass ich gierig getrunken habe; dass ich eifersüchtig wurde und Angst hatte, jemand könnte den Alk vor mir austrinken; dass meine Gedanken um den Alk kreisten - all das hatte ich auf den Fragebögen verneint. Ich habe inzwischen auf der einen Seite Bammel davor, was mir das Faß noch alles offenbaren wird. Andererseits ist es erleichternd, weil die Lügen ans Licht kommen.

    Melde mich später nochmal :)

    So, für mich fällt doch schon jetzt die Klappe. Bin irgendwie total müde, und ehe ich vor dem TV wegdämmere gehe ich lieber ins Bett.

    Morgen wird ein anstrengender Tag: Werde mir die Laufschuhe kaufen und habe vor das volle Programm durchzuziehen, mitsamt Laufbandanalyse und ausführlicher Beratung. Werde dem Verkäufer auch klipp und klar sagen, dass ich 150 Euro auszugeben gedenke, nicht mehr, aber gerne weniger. Ich bin wild entschlossen, das Etablissement ohne Einkauf zu verlassen, wenn ich nicht bekomme, was mir zusagt.
    Wenn ich das überlebt habe, werde ich eine Freundin besuchen fahren, die ich lange nicht mehr gesehen hab. Ist für mich schon ein Ausbund an wilder, sozialer Aktivität.

    Nacht zusammen!
    Plejaden