Heute war's wieder laaaang... schon um 8 Uhr zur Uni, Vorlesung, danach eine Stunde gearbeitet, dann zwei Stunden gelesen und Abends nochmal zu einem Seminar... arghs.
Zu Hause nochmal die Immobilienbörsen abgeklappert, festgestellt, dass die Wohnung weg ist wo die Hausverwaltung bis heute nicht ans Telefon gegangen ist. Da hatte wohl jemand telepathische Kräfte oder so...
Naja, für zwei weitere Wohnungen habe ich die Nummern notiert. Meinem Freund hab ich nochmal den Kopf gewaschen, er wollte sich ja kümmern, hat er wieder nicht gemacht. Wie gut, dass ich inzwischen selbstständig suche. Morgen kaufe ich mir dann eine Zeitung, mal sehen ob da was Schönes drin steht. Ebenfalls morgen werde ich zum Arzt gehen, das mit meinem Fuß geht gar nicht...
Eben ging es in einem anderen Thread ums Erinnern, in meinem vorherigen auch. Ich merke, wie die Erinnerungen verblassen, wie alles nur noch wie ein böser Traum erscheint. Deshalb will ich mich erinnern: Wie ich mindestens einmal pro Woche (gerne öfters) um 5 Uhr aus dem Bett gewankt bin, weil ich wegen Schwindelanfällen, Kopfschmerzen und Übelkeit nicht mehr schlafen konnte (war nie jemand, der seinen Rausch ausschlafen konnte). Wie ich dann entweder betete, dass ich es schaffe wieder hochzukommen, bevor ich zur Uni gehen musste, oder wie ich für den Rest des freien Tages auf der Couch lag und TV geguckt habe, mit unendlichen Schuldgefühlen, Schwindel, Kopfschmerz, Übelkeit. Wie ich mehrere Male in diesem Zustand zu meiner Therapie geeiert bin. Wie ich es einmal nicht geschafft habe zur Uni zu gehen.
Ich habe mich damals schlecht gefühlt. Ich habe gejammert und war voller Selbstmitleid und habe geschworen, dass das jetzt das letzte Mal sein würde, dass ich meine Lektion gelernt hätte. Jede Woche aufs Neue. Und was war? Sobald ich nur ein Glas getrunken hatte, machte es *klick* und ich dachte "Toll, wie gut ich mich fühle! Heute gönne ich mir einen, morgen wird es mir zwar schlecht gehen, aber dann werde ich an den Spaß denken, den ich heute gehabt habe!"
Nie habe ich an den Spaß gedacht. Und das Trinken an sich war schon der Horror, ich konnte nicht mehr genießen. Der "Spaß" war eine Lüge, und das wusste ich natürlich tief drinnen. Trotzdem habe ich mir immer neue Flaschen geholt, hab mir immer neu einschenken lassen. Hinterher, gegen Ende, war das roboterhaft, ohne nachzudenken, mit einer fürchterlichen Leere der Gedanken. Einfach nur Alk geholt, einfach nur weitersaufen. Spaß, anyone?
Das sind meine Erinnerungen. Und es wird immer wieder so werden, sobald ich anfange zu trinken.
Zitat von JoeDoe75
Und es hat sicher auch etwas mit eventuell mangelnden Verhaltensalternativen zu tun. [...] Solange diese aber nicht sitzen, hat man in solchen Situationen auch nichts verloren! Und überleg mal: Du hast nur etwas gelesen!
Ja, ich hab nur etwas gelesen. Das ist wirklich beunruhigend. Und ich weiß nicht, ob ich jemals wieder in solche Situationen will... Ich hab mich dem früher ein paar Mal ausgesetzt (als Übung gegen SozPhobie), und hab mich ohne Alk nie wohlgefühlt. Wieso sollte ich mir etwas antun, was ich eigentlich gar nicht will?
Zitat von JoeDoe75
Nun ja, ich habe schon erzählt, dass ich keinen Alkohol mehr trinke, dass ich mein Verhalten diesbezüglich immer kritischer einschätze, dass ich im Rahmen dieser Entscheidung auch den Weg einer klinischen Entgiftung gegangen bin, dass ich zur Suchtberatung gehe, etc ... allerdings: Das berühmte Wort Alkoholiker habe ich tatsächlich nicht verwendet.
Ja, so wie du habe ich es auch zuerst versucht. Alles erklärt, ganz direkt gesagt "ich will nie wieder Alkohol trinken", was ich zu tun gedenke, was ich schon getan habe, aber nicht gleich das Wort "Alkoholiker" genannt, sonst hätten sie sich darauf fixiert. Das Resultat war, dass meine Eltern alle Hintertürchen ausprobiert haben, die man sich so vorstellen kann ("Beim Grillen ein Bierchen..." "Aber ein Kräuterlikör XY, das ist doch Medizin und kein Alk" "Aber an Papas Geburtstag, nur zum Anstoßen"), bis ich zugeben musste "Ich habe ein Alkoholproblem, und deshalb will ich keinen Alkohol mehr trinken." Und selbst jetzt verstehen sie es nicht, weil sie die "normale" Einstellung zum Alkoholismus haben (man muss sich zusammenreißen, dann gehts wieder, zu besonderen Anlässen ein Gläschen ist doch ok, richtige Alkoholiker leben unter Brücken...).
Ich drück dir mal die Daumen, dass dein Vater das besser versteht und akzeptiert
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Zitat von JoeDoe75
Wie soll man reflektieren und die frisch beschrittenen Pfade auf Fallen und Hintertürchen prüfen, wenn nicht mit einer wachen Erinnerung?
Gar nicht. Meine Thera hat es mal so erklärt: Das alte Verhalten ist wie ein ausgetretener Pfad. Man kann lernen, einen neuen, besseren Pfad anzulegen, aber der alte Pfad wird immer da bleiben. Er wird mit der Zeit überwuchern und weniger tief werden. Aber dennoch ist er da. Und wenn man nicht aufpasst, wandelt man schneller wieder darauf, als einem lieb ist.
Die Phase, in der zwei Pfade da sind, kann durchaus ambivalente Gefühle erzeugen. Ich hatte vor eineinhalb Jahren eine Phase von ca. zwei Monaten, wo ich mir irgendwie "aussuchen" konnte wie ich an Situationen herangehen wollte und wie ich sie empfinden würde: Sozphobisch-ängstlich oder selbstbewusster. Das war schon extrem seltsam. Zwischendurch hat dann die selbstbewusste Einstellung überwogen, bevor der Alk wieder alles zunichte gemacht hat... Jetzt bin ich wieder selbstbewusst
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LG
Plejaden