• Ich glaube so eine Art Sozio-Phobie hatte ich auch. Auf jeden Fall drückten sie sich äußerlich so aus. Angst unter Menschen zu gehen, phasenweise Angst auf die Straße zu gehen etc. Auf jeden Fall war die Angst immer mit anderen Menschen verbunden.

    Aber letztendlich ist die Angst ja in einem oder das Problem, was sich an einem äußeren Objekt festmacht, sei es Angst vor Plätzen, vor Enge oder sonst was.

    Ich hatte das Glück eine paar Jahre eine gute Psychotherapie zu machen. Dort kam ich an Gefühle ran, die eigentlich so gar nichts mit der äußeren Angst zu tun hatten, aber aus diesen Gefühlen ist die äußere Angst gewachsen. Als ich einige Dinge für mich abklären bzw. bearbeiten konnte verblasste auch immer mehr die äußere Angst, von der ich auch heute noch nicht ganz frei bin, die aber doch wesentlich abgeschwächter ist.

    Als ich noch trank, kam die Angst vor Menschen wieder verstärkt hoch. Wenn ich mich mit Leuten traf, musste ich mir erstmal Mut antrinken. Aber seitdem ich nicht mehr trinke, ist das wieder weg. Meine Feststellung: Alkohol verzerrt schon ganz schön die Gefühle.

    Und dann die Frage, ob ich mir eingestehe süchtig zu sein, kann schon, wie ihr befürchtet, eine Alibifunktion werden, so nach dem Motto, ist doch eh wurscht.

    Eigentlich stellt sich mir nicht die Frage, obwohl ich suchtabhängig getrunken habe. Ich weiß, ich will trocken bleiben und nicht mehr in diese Sucht oder dieses Trinkverhalten reinrutschen. Ich weiß genau, wenn ich wieder trinke, wird es sicherlich kein kultiviertes Gläschen Wein werden, sondern ich werde wieder genau an dem Punkt landen, an dem ich aufgehört habe, wenn nicht sogar schlimmer. Das habe ich immer wieder von Leuten aus meiner realen SHG, denen es so mit Rückfällen ergangen ist, gehört.

    An dem Punkt, wo ich aufgehört habe, war ich absolut unzufrieden und mein Leben lief nicht mehr so, wie es sollte. Also, da nicht wieder hin.

  • Hallo zusammen,

    ein langes Wochenende liegt hinter mir und ich mag gerne ein wenig berichten.

    aber zuerst Zeppeline , Plejaden , Brigitte :
    Ja, das ist schon irgendwie spannend mit dem soz.phobischen Erleben, das ich so bei mir beobachtet habe, aber das sich scheinbar mithilfe kleiner Tricks auch recht einfach überlisten lässt! Wahrscheinlich hat es auch etwas damit zu tun, dass ich lerne, mit meinen Problemen etwas selbstbewusster umzugehen. Dieses offene Sprechen in der Gruppe hat bei mir jedenfalls auch einen dicken Knoten gelöst und langsam gewinne ich auch immer mehr Spaß an dieser Sache (wenn man dazu Spaß sagen kann/darf). Und weil ich mir diese irre Hoffnung in solchen Situationen genommen habe, dass ich mit ein paar Bier doch wesentlich lockerer sein könnte, schwindet auch der Gedanke, Hilfe in Form von Alkohol zu benötigen. Ich kann mich also ganz auf mich konzentrieren und Stück für Stück an meiner Selbstsicherheit arbeiten :D !

    Anderes Thema:
    Nun ist es passiert! Das erste gesellschaftliche Großereignis seit meiner Abstinenzentscheidung im Juli! Die Hochzeit eines guten Freundes und bevor jetzt die Alarmglocken überall schrillen: Der Gute ist auch Alkoholiker, aber seit einigen Jahren trocken und dementsprechend sind auch die Feierlichkeiten gestaltet worden 8) !

    Insgesamt eine schöne Veranstaltung und ich habe bei mir auch deutliche Veränderungen beim Wohlfühlfaktor gegenüber Feierlichkeiten meiner nassen Zeit verspürt: Früher hätte ich mich mit einem gewissen Unwohlsein durch die Formalitäten eines solchen Festes geschlagen und sehnsüchtig auf die ersten Drinks gewartet :? . Nun wollte ich jedoch nichts trinken und es hätte auch nicht einmal etwas gegeben! Der Alkohol war also fern und auch der Gedanke daran blockierte nicht meinen Geist. Und obwohl mir gut die Hälfte der Gäste nicht bekannt waren, muß ich ehrlich gestehen: Das war die erste Hochzeit, die mir wirklich Spaß gemacht hat und an deren Ende ich nicht das Gefühl hatte 'Puh, geschafft!'.

    Na, wieder ein erfolgreiches Erleben nach dem Motto: Echten Spaß am Leben gibt's nur ohne Alkohol :D !

    In diesem Sinne.

    Liebe Grüße

    J. (der gestern übrigens nicht gefährdet war, weil er schon seit langem über hochreaktive Antikörper gegen Karneval verfügt, die ihm gestern hier im Epizentrum des Schwachsinns gute Dienste geleistet haben :D )

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Hallo Joe,

    mir ist auch aufgefallen, dass ich die meisten Fortschritte mache, seit ich selbstbewusster mit der Soz.Phobie umgehe. Ich erzähle zwar niemandem davon (die meisten verstehen es eh nicht - ist nich böse gemeint, ist einfach so), aber gebe z.B. öfters zu Angst vor Vorträgen zu haben, mich in bestimmten Situationen unwohl zu fühlen usw. Und siehe - den meisten anderen geht es genauso!
    Seit ich nicht mehr krampfhaft versuche, meine Ängste 100%ig perfekt zu vertuschen, lebe ich viel entspannter.

    "Echten Spaß am Leben gibt's nur ohne Alkohol" - kann ich nur entschieden unterstreichen. Echt, ungekünstelt, unverstärkt. Bei alkoholischem "Spaß" hatte ich auch immer das Gefühl, ich sei hysterisch, das Lachen steckte irgendwie im Kopf und mir war immer eher danach, auf der Stelle umzukippen und zu pennen...

    "der gestern übrigens nicht gefährdet war, weil er schon seit langem über hochreaktive Antikörper gegen Karneval verfügt, die ihm gestern hier im Epizentrum des Schwachsinns gute Dienste geleistet haben"
    Die werden dir noch gute Dienste leisten, denn der "Spaß" ist ja noch lange nicht vorbei :roll: .

    LG
    Plejaden

  • Hallo zusammen,

    Plejaden :
    Das mit dem selbstbewussten Umgang mit meinen Problemen bezieht sich in erster Linie natürlich auf mich selbst: Wenn ich mir meiner Schwächen eher bewusst bin und nicht in der irrigen Annahme, alles perfekt meistern zu können, in eine Situation gehe, dann kann ich darin auch nicht so tief fallen oder ins Stocken kommen. Letzteres hat bei mir früher dazu geführt, dass ich mir für das nächste mal eine noch höher gekünstelte Selbstsicherheit vorgenommen habe und das hat bei Schwierigkeiten natürlich die Falldistanz und die folgende Enttäuschung immer weiter vergrößert. Selbstverstärkender Prozess :? ! Also versuche ich in Zukunft so an die Sache zu gehen, wie Du geschrieben hast: Mehr Entspannung durch einen unverkrampften Umgang mit sich und der Umwelt ;D . Kann klappt's auch mit dem Nachbarn :wink: .

    Ansonsten bin ich gerade ein wenig am herumdrucksen: Wollte diese Woche eigentlich die beiden Projekte fertigstellen, die ich seit ein paar Wochen bearbeite, aber irgendwie kann ich mich da nicht wirklich aufraffen! Im Prinzip sind beide auch schon so gut wie abgeschlossen, es fehlen allerdings noch die letzten Schliffe. Und genau diese finale Feinarbeit ist für mich immer wieder der Moment, in dem ich meine eigene Arbeit hinterfrage und am Ende zu der Überzeugung gelange, dass alles, was ich geleistet habe. eigentlich doch nur grober Mist geworden ist :roll: . Das ist insofern schon mal recht abwegig, da ich von beiden Auftraggebern bereits sehr positiver Rückmeldungen bekommen habe! Aber dennoch bin ich mit meiner Leistung nicht zufrieden :cry: !

    Und wie der aufmerksame Leser sicher bemerkt hat: Diese Einschätzung des eigenen Werkes ist jetzt keine sonderliche Überraschung für mich! Immer wieder tendiere ich leider zu dieser mich selbst geringschätzenden Sichtweise - und das eben vor allem im Bezug auf Arbeitsleistung :? . Da könnten ganze Kompanien danksagend an mir vorüberziehen, Briefe aus aller Welt mich lobend den Briefkasten verstopfen und ich mit Orden und Preisen überschüttet werden ... Ich find immer noch ein Haar ... oder besser zwei ... oder Büschel ... ganze Haarschöpfe bedecken die Oberflächen der von mir gekochten Suppen!

    Hmmmm .... eines ist jedenfalls positiv: Früher hätte ich in solchen Momenten auch schon mal zu einem strategischen Ablenkungsgetränk gegriffen - auch die frühe Stunde hätte mich nicht geschreckt, eine Flasche aufzumachen :roll: ! Gestern und heute jedenfalls ist mir das Gefühl des Suchtdrucks so fern wie der Mond der Erde! Und das allein stimmt mich doch wieder ein wenig heiter :) .

    Liebe Grüße

    J. (der sich zum Zerstreuen der Gedanken jetzt die Hunde schnappt und für ein Weilchen im Wald veschwindet :D )

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Hallo JoeDoe,

    ups, da habe ich dich wohl falsch verstanden :oops: .

    Zitat von JoeDoe75

    Das mit dem selbstbewussten Umgang mit meinen Problemen bezieht sich in erster Linie natürlich auf mich selbst: Wenn ich mir meiner Schwächen eher bewusst bin und nicht in der irrigen Annahme, alles perfekt meistern zu können, in eine Situation gehe, dann kann ich darin auch nicht so tief fallen oder ins Stocken kommen. (..) Mehr Entspannung durch einen unverkrampften Umgang mit sich und der Umwelt ;D . Kann klappt's auch mit dem Nachbarn.

    Und genau diese finale Feinarbeit ist für mich immer wieder der Moment, in dem ich meine eigene Arbeit hinterfrage und am Ende zu der Überzeugung gelange, dass alles, was ich geleistet habe. eigentlich doch nur grober Mist geworden ist :roll: . Das ist insofern schon mal recht abwegig, da ich von beiden Auftraggebern bereits sehr positiver Rückmeldungen bekommen habe! Aber dennoch bin ich mit meiner Leistung nicht zufrieden :cry:


    Ja, du bist auch nur ein Mensch, surprise ;) . Mir fällt es auch schwer, mir meine Schwächen einzugestehen, aber letztendlich ist es wie eine Befreiung - ich muss nicht perfekt sein. Und wenn das jemand von mir verlangt (ist in der Vergangenheit ständig passiert, daher der Perfektionsdrang), dann hat er nen Knall.

    Ansonsten könnte es helfen, wenn du dir gezielt das Positive raussuchst. Das Negative siehst du dir ja leider turnusmäßig eh an, also brauchst du keine Angst haben, in blauäugigen Optimismus zu verfallen ;) . Bleib da hartnäckig mit dir selber und sei geduldig, deinen Rom-Spruch führe ich hier jetzt nicht nochmal auf :lol: . Schließlich hast du jahrelang Haare aus der Suppe gefischt, das ändert sich nicht von heut auf morgen...

    Mir war meine Arbeit auch zunächst nie genug, aber inzwischen kann ich es zumindest so sehen "ist der Kunde zufrieden, bin ich es auch". So ein hartes Fell muss man sich angewöhnen, wenn z.B. Gestaltungen für Kunden wie einen Schützenverein (komplett mit Edelweiß, Frakturaschrift und Wappen-Imperium) oder einem Hersteller von diesen Oma-Gehhilfen machen musste - wo der Auftrag lautete, machen Sie etwas Neues! Aber es soll bitte so sein, wie vorher. Und mal ganz abgesehen von den Werken, die die Kunden selbst mit einem beliebten Zeichenprogramm erstellt haben ("Ich habe 100 Schriften und 16 Mio. Farben, und die müssen alle auf diesen Flyer!").
    Schwieriger wird es, mir meine eigenen Gestaltungen schmackhaft zu machen, da kann ich mich nicht hinter Kundengeschmack verstecken. Aber das kriege ich auch noch hin ;) .

    LG
    Plejaden

  • Hallo Plejaden,

    Zitat

    Und mal ganz abgesehen von den Werken, die die Kunden selbst mit einem beliebten Zeichenprogramm erstellt haben ("Ich habe 100 Schriften und 16 Mio. Farben, und die müssen alle auf diesen Flyer!").


    Hihihi, und nun stell Dir einmal vor, der Kunde mag sein Material noch in einer kleinen multimedialen Präsentatation verarbeitet haben und entdeckt dann die manigfaltigen Überblendeffekte, die ihr überflüssiges Dasein in den diversen Schnittprogrammen fristen. Wenn der typographische Overkill im bunten Farbensee dann nach einer 'Roll mich ein und brösel weg'-Blende die Sicht auf das von der 11-jährigen Tochter selbstgedrehte Fimenvideo preis gibt :shock: , ja dann wird es Zeit mit spontaner Erblindung zu reagieren :wink: . Huh, bin ich böse heut!

    Aber im Ernst, das muss ich wirklich noch lernen: Hey, wenn Dir's gefällt, dann hab ich meinen Job gut gemacht!

    In diesem Sinne leg ich heut auch noch eine Nachtschicht ein, will langsam fertig werden!

    Ansonsten war heut ein eher mürber Tag: Geld wird knapp (Hab heute deswegen echt 9 (in Worten: NEUN!) Stunden auf meine leider immer noch betriebene Qualmerei verzichtet), Auto macht Zicken und dann scheint sich da evtl. noch etwas anderes anzukündigen, aber dazu mag ich hier jetzt noch nix schreiben.).

    Später vielleicht noch etwas mehr.

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Hallo zusammen,

    so, Projekt Nummer 1 habe ich erfolgreich fertiggestellt. Wurde heute für gut befunden, veröffentlicht und ordentlich vernetzt. Bin zwar immer noch nicht wirklich zufrieden mit meiner Arbeit, aber ich kann mich zumindest mit dem Wohlgefallen des Auftraggebers ein wenig trösten. Projekt Nummer 2 hab ich allerdings noch mal aufgeschoben *grmpf*. Das ärgert mich zwar, aber wenigstens habe ich nicht das Verlangen, diesen Ärger im Alkohol zu ertränken. Ich finde es unglaublich erstaunlich, dass ich wirklich über Jahre hinweg in solchen Situationen selbstverständlich zum Kühlschrank gewandert bin, um mich mit ein paar Bier abzulenken. Mir kommt dieses Verhalten heute so komplett sinnlos vor. Ich hoffe jedenfalls, dass mir diese Einschätzung weiter erhalten bleibt :D !

    Dann habe ich mir heute -angeregt durch einige Eindrücke aus meiner Gruppe von gestern abend- ein paar Gedanken zum Thema Alkoholismus gemacht. Genauer gesagt zu der Frage: Krankheit oder Willensschwäche? Mir ist natürlich schon klar, dass man den Abusus grundsätzlich als Krankheit definiert, aber auf der anderen Seite beginnt doch jede erfolgreiche Abstinenz primär mit dem eigenen Willen eines Alkoholikers. Gerade auch im Co- und Kinderbereich kann man diese Aussage immer wieder finden: 'Du kannst nicht helfen, er/sie muss es selber WOLLEN!'. Dazu gesellen sich dann natürlich auch solche Meinungen, die besagen, dass eine wirklich zufriedene Trockenheit nicht auf einem 'Ich darf nicht', sondern auf einem 'Ich will nicht' aufgebaut werden sollte. Das macht mich ein wenig ratlos :roll: .

    Einen Reim macht es vielleicht so: Alkoholismus ist eine krankhafte Willensschwäche. Und diese Form von Krankheit kann man nur erfolgreich durch den systematischen Aufbau einer Willensstärke bekämpfen.

    Macht das Sinn? Ich jedenfalls will nicht mehr Trinken :wink: !

    Liebe Grüße

    J. (der immer noch nix über das ihm vielleicht bald drohende Ungemach berichten mag)

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Alkohol ist eine Krankheit. Festgelegt von der WHO, ich glaube 1965.

    Ich muss gestehen, dass ich auch heute noch, nach etlichen Monaten Trockenheit, Schwierigkeiten habe, das zu akzeptieren. Ich - für mich - denke auch immer, es war mein schwacher Wille, der mich dahin gebracht hat und alleine meine Entscheidung zu saufen.

    Aber der Alkohol macht ja was mit uns, er hat uns süchtig gemacht. Andere können trinken und auch viel auch und werden trotzdem nicht süchtig. So erkläre ich mir das als Krankheit. Zu einer besseren Erklärung für mich bin ich auch nicht gekommen und lasse es dabei jetzt auch stehen.

    Mit der Zeit verblasst auch die Frage und ist nicht mehr so relevant. Was zählt ist, dass ich nicht mehr trinke.

    Die Frage nach der Schuld ist nicht mehr wichtig. Es ist halt passiert, es war nicht gut und jetzt versuche ich es besser zu machen.

  • Moin Joe,

    Zitat

    Dazu gesellen sich dann natürlich auch solche Meinungen, die besagen, dass eine wirklich zufriedene Trockenheit nicht auf einem 'Ich darf nicht', sondern auf einem 'Ich will nicht' aufgebaut werden sollte. Das macht mich ein wenig ratlos

    Aus dem besagten "ich darf nicht"und "ich will nicht"entsteht nach einer gewissen Zeit,ein "ich brauche den Alkohol nicht"zum Leben!

    Dürfen tust Du alles,wer will dich daran hindern?
    Wollen werden solltest Du schon,aber was ist,wenn dein Wille schwach wird?Du wieder zur Flasche greifst?

    Alles,kann nicht nur über den Willen entschieden werden,je mehr die geistige Loslösung vom Suchtmittel stattfindet,wird aus dem "ich darf nicht"und "ich will nicht",ein," ich brauche es nicht"!!Und wenn dieser Punkt erreicht ist,dann gilt es sich jeden Tag,nur auf's neue zu überprüfen!!

    Bewusst Leben,aber immer,mit dem Gedanken,daß wir eine tödliche Krankheit in uns tragen.

    Gruß Andi

  • Hallo Joe,

    die Sache mit dem "eigener Wille - ja oder nein" ist sehr interessant und wird, wie du vielleicht weißt, auch schon seit Jahrhunderten in der Philosophie, Psychiatrie, Biologie und jüngstens in der relativ jungen Disziplin der Neurochirurgie kontrovers diskutiert.

    Genauso wie der Mensch selbst, ist auch der Alkoholismus eine sehr komplexe "Angelegenheit". Wir Menschen (und auch die von uns begründeten Wissenschaften) neigen immer zum "Reduktionsprinzip" - wir wollen also alle Dinge die uns begegnen, alle Verhaltenseigenschaften eines Menschen auf möglichst wenige, eindeutig verifizierbare Ursachen reduzieren. Dieser Reduktionismus gipfelt dann jedes Mal in der berühmten Phrase "nichts als" - und in eine ähnliche Kerbe schlägt die fatalistische "er/sie konnte nicht anders als immer weiterzutrinken, weil....".

    Aber so einfach darf man es sich nicht machen. Der Mensch ist neben seiner physischen und psychischen Determiniertheit, Begrenztheit immer auch geistiges Wesen. D.h. er kann sich immer für oder gegen etwas entscheiden - sich so oder so zu den Dingen einstellen, die rund um ihn herum passieren. Durch diese, dem Menschen eigene (Tiere haben keine geistige Dimension) Willensfreiheit, erhält er die "Würde", weil er für seine Taten zutiefst und zuletzt verantwortlich ist.

    Meine Meinung.

    Herzlichst,

    Blizzard

    Erst unter den Hammerschlägen des Schicksals, in der Weißglut des Leidens an ihm, gewinnt das Leben Form und Gestalt. (V.E. Frankl)

  • Hallo JoeDoe,


    'Krankheit' und 'mit dem Willen bekämpfbar' bzw. 'nicht völlig fatalistisch hinzunehmen' schließen sich für mich nicht gegenseitig aus. Ich persönlich finde den Willen zur Gesundheit auch bei einer Magenverstimmung oder einer Erkältung wichtig.

    Aber eine in unserem modernen Gesundheitssystem allgemein sehr weit verbreitete Einstellung ist ja, bei Krankheit zum Arzt oder in die Klinik zu gehen und zu sagen: "Hier habt ihr mich, nu' macht mal."

    Das entspricht im Kleinen schon nicht meiner Idee von Eigenverantwortung und bei einer Krankheit, die Körper und Geist gleichzeitig so massiv angreift wie der Alkoholismus wird deutlich, dass wirkliche Gesundung das Ziehen aller zur Verfügung stehenden Register erfordert. Für mich ist 'Trockenwerden' ganz eindeutig ein ganzheitliches Konzept, dass Körper und Geist miteinander versöhnt.


    Für mich ist das morgendliche Aufstehen ein Symbol für unterschiedliche Motivationen, etwas zu tun:

    a) Ich stehe auf, weil ich es mir gestern vorgenommen habe, peitsche mich mit dem Willen aus dem Bett (ich muss; sehe keine Alternative).
    b) Ich stehe auf, weil ich akut pinkeln muss (ich muss; ich scheue die Alternative 8) ).
    c) Ich stehe auf, weil ich mich auf den Tag freue (ich will; ich bevorzuge das Aufstehen bewusst gegenüber dem möglichen Liegenbleiben)


    Ich persönlich meide a) so gut wie es geht, nehme b) als unvermeidlich hin und arbeite an c).


    Gruß .Micha

    Das Schönste kommt noch

  • Hallo zusammen,

    wieder mal ein Wochenende erfolgreich hinter mich gebracht! Ohne festen Job werden die Sams- und Sonntage wirklich zu den 'arbeitsreichsten' Tagen der Woche. Verkehrte Welt :wink: !

    Zurück zur Willensfrage:

    Meine Fragestellung war ja schon ein wenig provokant und nicht sonderlich differenziert. Aber ich denke, dass man über diese Art der Fragen und die darauf folgenden Antworten am effektivsten die eigene Meinung zum Thema beleuchten und auch hinterfragen kann, daher ein Dank an alle, die dazu etwas geschrieben haben :D .

    Aber im Einzelnen:

    Mir ist natürlich bekannt, dass Alkoholismus eine anerkannte Krankheit ist. Ich gehe jetzt einmal davon aus, dass sich im Rahmen dieses Anerkennungsprozesses eine Menge intelligenter Menschen intensivst mit diesem Thema auseinandergesetzt haben. Es gibt also wenig Anlass, an dieser Definition zu zweifeln, wenn man sich selbst gerade einmal einige Monate damit beschäftigt. Aus meiner persönlichen Erfahrung heraus kann ich dem auch etwas abgewinnen: Immerhin habe ich über Jahre hinweg getrunken. Dabei habe ich mir zwar noch nicht körperlich geschadet, habe mir aber in meiner Entwicklung stets selbst im Weg gestanden. Dieses mich selbst einschnürende Verhalten ist mir jedoch nur selten wirklich bewusst geworden und insofern kann ich meinen Konsum und die daraus resultierenden Folgen auch nicht als aktiv durch den eigenen Willen gesteuert erklären! So gesehen war ich also krank.

    Dennoch gab es diese Momente, in denen ich mir der Schädlichkeit meiner Trinkgewohnheiten bewusst wurde. In diesen Momenten konnte ich ganz klar sehen, dass ich mit meiner Lebensgestaltung nicht zufrieden bin und mit dem 'Stimmungskompensator' Alkohol auch keine Chance haben werde, an dieser Situation etwas zu ändern. Genau an dieser Stelle kommt für mich jetzt der Wille ins Spiel: Ändere ich mein Leben und suche mir gegebenenfalls auch Hilfe, oder verharre ich in den alten Verhaltensmustern, die mir ja offensichtlich bei der Erlangung einer zufriedenen Lebenssituation nicht hilfreich zur Hand gehen?

    Vielleicht liegt in diesen Momenten auch die Notwendigkeit einer Tiefpunkterfahrung begründet: Erst wenn die Bewältigung eigener Probleme leichter erscheint, als das Leben mit den Folgen der Trunksucht weiter zu beschreiten, ist der Alkoholiker bereit, sich der Thematik offen zu stellen und kann sich bewusst (also aus eigenem Willen heraus!) vom Alkohol entfernen?

    Unter der 'Bewältigung eigener Probleme' ist dann natürlich ein ganz individueller Prozess zu verstehen. Dabei gilt es eben nicht nur zu lernen, wie ich künftig dem Alkohol fern bleibe, sondern eben auch die Mechanismen und charakterlichen Eigenarten zu verstehen, die mich immer wieder an den Alkohol heranbringen, ohne dass ich dabei bewusst ans Trinken denke. Hier bekommt der eigene Wille natürlich schnell Probleme: Wenn mein größtes Hobby das Knobeln in der Kneipe ist, dann werde ich über den Willen dauerhaft wohl keine zufriedene Abstinenz erreichen!

    Ich denke also schon, dass es am Ende eine Frage des eigenen Willens ist, sich vom Alkohol abzuwenden. Es hängt jedoch von der Festigkeit dieses Willens und der Bereitschaft, sich selbst auch ganzheitlich zu hinterfragen, ab, ob dieses Unterfangen am Ende von Erfolg gekrönt wird!

    Micha's Beispiel mit dem morgendlichen Aufstehen finde ich da sehr treffend. Wenn ich nicht darauf achte, positiv in die Zukunft blickend und die eigene Zufriedenheit anstrebend mein Leben zu gestalten, dann wache ich eines morgens auf, denk mir '####egal!' und mach ins Bett :wink: .

    Allen eine schöne Woche!

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Hallo JoeDoe,

    ich habe mich auch mal mit dieser Willensfrage beschäftigt. Ich kann da nur für mich zunächst zu dem Schluss kommen, dass es keine Willensschwäche ist.

    Das klingt zunächst seltsam, denn wie ich geschrieben hatte, habe ich zwei Drogenpräventionen besucht und war mir auch Sozphobie-Technisch im Klaren darüber, dass ich aufpassen muss. Die Krux daran war nur, ich wusste nicht, wie es sich anfühlt, wenn ich süchtig werde. Von Kontrollverlust und dergleichen war nie die Rede. So habe ich erst bemerkt was mit mir nicht stimmte, als ich das erste Mal versuchte meinen Konsum einzuschränken - und an dem Punkt ist es bekanntermaßen meist schon zu spät. An dem Punkt war ich bereits krank und konnte mit dem Willen nichts mehr reißen.

    Vorher war für mich alles in Ordnung. Ich wusste, Alkohol macht süchtig. Aber zum einen hatte ich ein bestimmtes Bild von Alkoholsucht, dem ich nie entsprochen habe. Andererseits habe ich meinen Konsum immer an dem meines Umfeldes gemessen - und gemessen daran habe ich tatsächlich nicht viel getrunken. Ich hatte noch nichtmal so fürchterliche Abstürze wie mein Freund, der sich zweimal in eine Art Delirium gesoffen hatte. Ich habe mich sicher gefühlt.

    Soviel von mir! Einen schönen Start in die neue Woche wünsche ich.

    LG
    Plejaden

  • Hallo Plejaden,

    ich glaube, da sprechen wir jetzt über zwei unterschiedliche Sachverhalte: Der Weg in die Sucht hinein ist ganz sicher keine Form der Willensschwäche! Wie Du ja beschrieben hast und auch am eigenen Leib erfahren musstest, konnten Dir selbst Präventivmaßmahmen nicht das notwendige Wissen (oder eben auch Gefühl) vermitteln, welches Dich über den Willen gesteuert vor einem Abrutschen in ein kritisches/abhängiges Trinkverhalten hätte bewahren können.

    Mir geht es eigentlich eher um die Zeit, die zwischen dem Erkennen der Problematik und dem Einleiten der ersten Gegenmaßnahmen verstreicht. Ich kann von mir schon sagen, dass ich seit gut acht Jahren mit der ganz klaren Erkenntnis, ein deutlich ausgeprägtes Alkoholproblem zu haben, herumlaufe, mich aber über diesen gesamten Zeitraum nie wirklich bemüht habe, etwas dagegen zu unternehmen! Jetzt könnte ich an dieser Stelle seitenweise Begründungen liefern, warum ich nichts getan und einfach weitergetrunken habe. Aberwitzige Geschichten sind dabei: Von Einsamkeit, Herzschmerz und einer tiefen Enttäuschung über die Ungerechtigkeiten dieser Welt handeln all die Gedanken, die ich mir selbst zurechtgelegt habe, um mir abends meine Dosis zu verpassen. Ich kann mir das allerdings auch sparen und ganz klar sagen: In dieser Zeit habe ich nicht den Willen gehabt, mich mit meinen Problemen auseinanderzusetzen!

    Zitat

    ... und an dem Punkt ist es bekanntermaßen meist schon zu spät. An dem Punkt war ich bereits krank und konnte mit dem Willen nichts mehr reißen.


    Na, das sehe ich etwas anders: Immerhin haben wir uns der Problematik jetzt angenommen und unternehmen etwas gegen diese, unsere Krankheit. Ich finde, dass wir doch ganz schön kräftig reißen. Und das tun wir eben doch in erster Linie, weil wir es wollen :wink: .

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Hallo JoeDoe,

    ach so, jetzt verstehe ich. Mh, stimmt, ich habe etwa ein Jahr verstreichen lassen bevor ich den Anker geworfen habe. Ich wollte "es" zum einen nicht wahrhaben, war aber schon so süchtig, dass ich mir nicht mehr vorstellen konnte ohne Alk zu leben. Ich wusste ja, was die einzige Therapie gegen Alkoholkrankheit war... Also habe ich ein Jahr rumgeeiert, bevor ich an meinem Tiefpunkt angelangt war.

    Und gut, dass du mich nochmal dran erinnerst. Wir machen eine große Veränderung in unserem Leben durch, zu der wir uns selbst entschieden haben und die wir wollen ;) . Die letzten fast drei Monate (morgen ist es soweit) waren meine glücklichsten seit langem. Fast sicher die schönsten in meinem Leben. Wenn man von der fürchterlichen Woche direkt nach meiner Abstinenzentscheidung absieht...

    Mit dem Willen meinte ich auch eher, dass wir nun keine Kontrolle mehr über Länge und Menge des Konsums haben, wenn wir einmal angefangen haben zu trinken. Des ist futsch...

    LG
    Plejaden

  • Hallo zusammen,

    Mal ein paar abschließende Gedanken zum Thema Wille!

    Für mich ergibt sich der Wille eines Menschen aus der Reflexion der eigenen Erfahrung und des angesammelten Wissens. Aus diesem Reflexionsprozess heraus ergeben sich dann Zielvorstellungen und Handlungsalternativen, die sich für die eigene Zufriedenheit als dienlich erweisen könnten. Nun spielt die Fehlbarkeit des eigenen Denkens eine wichtige Rolle: Zielvorstellungen können durch fehlende oder falsche Informationen falsch definiert werden und Handlungsalternativen können durch unterschiedliche Faktoren nicht umgesetzt werden. In beiden Fällen wären die Handlungen eines Menschen in Bezug auf die Erlangung seiner Zufriedenheit -und sei der Wille dabei noch so fest verankert- letztlich zum Scheitern verdammt und münden in dem Gefühl der Frustration und der Selbstaufgabe.

    Nun kann man bei Alkoholikern häufig Geschichten lesen oder hören, wie der aus festem Willen aufgenommene Kampf gegen das Suchtmittel immer wieder verloren wurde! Allein die Formulierung 'Ich kämpfe gegen den Alkohol' wirft doch per se einige Fragen auf: Ich unterstelle einmal, dass eine derart primitive chemische Verbindung wie Ethanol über keinen eigenen Willen verfügt! Ein Boxer kämpft im Ring gegen seinen Gegner, am Arbeitsplatz kämpfen Kollegen um eine Beförderung, aber wer kämpft den gegen ein Molekül? Natürlich hat der jahrelange Konsum in uns Veränderungen hervorgerufen. Am Ende stand dann die Abhängigkeit, die Sucht. Nun kann man sich natürlich die Frage stellen, wie es soweit kommen konnte, wieso man sich der Gefahr nie bewusst geworden ist, warum man nicht den Willen gehabt hat, einen anderen Weg zu gehen? In einem stimmen wir jedoch aber alle überein: Keiner von uns wurde von einer Bande alkoholischer Getränke überfallen, gefesselt und ertränkt! Das Glas haben wir alle stets selbst zum Mund geführt. Wenn ich an dieser Stelle also einen Kampf beginne, dann sollte ich mir auch der Tatsache bewusst sein, dass mein Gegner nicht der Alkohol ist – an dieser Stelle erkläre ich mich selbst zum Gegner!

    Dieser Kampf kann selbstverständlich nie gewonnen werden! Jede Maßnahme, jede Strategie, jeder Schachzug: In jedem Augenblick ist mein Gegner über meine Handlungen informiert, kennt jeden Gedanken und weiß alles, aber auch wirklich alles, über mein geplantes Vorgehen. Ich versuche mich selbst zu betrügen und unterschätze dabei meinen eigenen Willen, der sich tief im Unterbewusstsein immer noch mit der Zufuhr des Suchtmittels beschäftigt.

    Mit dem Willen zum Kampf ist also nichts zu gewinnen: Selbst wenn ich es schaffe, über einige Jahre dem Durst zu widerstehen, so tue ich es mit der berühmten Faust in der Tasche. Ich löse mich nicht und stehe ständig unter Spannung, weil an jeder Ecke die Versuchung lockt und ich mich stets bereithalten muss, den Kampf gegen mich selbst weiterzuführen.

    Der richtige Wille kann also nur entstehen, wenn ich auch die richtigen Informationen habe, die mich nicht auf eine falsche Fährte führen. Wenn ich meine Abhängigkeit begreife, meine Schwäche respektiere und auch akzeptiere, dass ich die Kontrolle über das Suchtmittel dauerhaft verloren habe, dann kann ich auch ganz bewusst einen Willen entwickeln, der mich auf meinem Weg in die Zufriedenheit ohne Alkohol unterstützt. Die einzige, aber wichtige Voraussetzung dafür ist die Akzeptanz der eigenen Machtlosigkeit, der Respekt vor der eigenen Schwäche, die Kapitulation.

    Wenn ich diese Kapitulation verinnerlicht habe, dann klappt’s auch mit dem Willen :wink: !

    Soweit mal meine Gedanken zum Thema Wille. Ich hoffe doch, dass ich nicht allzu derben Unfug in meinem Gehirn produziert habe :wink: .

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Hallo JoeDoe,

    von derbem Unfung kann da aus meiner Sicht überhaupt keine Rede sein.

    Ich finde die Idee, dass ich mit einem Molekül gekämpft haben soll eben so amüsant, wie ich die Schlussfolgerung, dass ich letztlich den Kampf natürlich gegen mich selbst geführt habe, bestechend gut analysiert finde.

    Das ist, was man nur nüchtern schafft: die richtigen Informationen über diese "primitive chemische Verbindung" zu bekommen, ich meine, sie wirklich zu begreifen. Der Wille ist aus meiner Sicht besonders am Anfang sehr wichtig, um die Initialzündung des Trockenwerdens in Gang zu setzen. Je mehr richtige Infos und Erfahrungen ich dann im Laufe der Zeit zu trockenem Leben bekomme, umso mehr schrumpft das notwendige Maß an Willenskraft auf die Größe, die ich brauche, nicht vor einen Zug zu springen.

    Ich lese deine Text gleich nochmal ... du denkst sehr komplex , weitermachen ... :wink:


    Gruß .Micha

    Das Schönste kommt noch

  • Hallo JoeDoe,

    super, das ist wunderbar zusammengefaßt und analysiert! Vor einer Weile dachte ich noch, die Zusammenhänge seien gar nicht so wichtig, ausschlaggebend sei nur der feste Wille, nix mehr zu trinken.

    Daß es so einfach nicht ist, habe ich erst so nach und nach begriffen, aber nie in der Klarheit, in der Du es hier geschildert hast. War mehr so ein Sammelsurium von Gedankenfetzen, die frei im Raum umherschwebten.

    Wobei mein persönlicher Favorit in Deinem Text dann allerdings doch die Bande alkoholischer Getränke ist, die mich - ganz gegen meinen Willen latürnich! - überfallen, gefesselt und ertränkt hat. :lol:

    Herzliche Grüße,
    Zeppeline

  • Ich kann mich auch nur anschließen, super zusammen gefasst. Vor allem der Kampf, der letztendlich gegen sich selbst geführt wird, ist gut geschildert. Vielleicht ist Hilfe von außen auch deshalb so wichtig: Ich kenne mich selbst und meine eigenen Taktiken, wie du sehr schön beschrieben hast. Aber jemand anders kann natürlich Sachen aufzeigen, an die man selbst gar nicht gedacht hat. Fällt es oftmals deshalb so schwer, Hilfen und Ratschläge zu akzeptieren? Mh...

    Was neben dem Kampf gegen sich selbst ebenfalls paradox ist: Man pusht sich selbst, wirkt wie ein Tatmensch, bläst zum Angriff. Aber guckt man genauer hin, dann tut man genau das nicht, was am meisten Mut erfordern würde: Wirklich etwas zu ändern. Denn man ist ja nur deshalb gezwungen zu kämpfen und mit der Faust in der Tasche rumzulaufen, weil man eigentlich nichts ändern will. Man will noch in dieselben Kneipen gehen, mit den denselben Leuten verkehren, dieselben Parties besuchen, seine innere Einstellung bewahren... Und es ist ja alles in Ordnung so, denn man kämpft ja gegen den Alkohol!
    So zumindest habe ich es empfunden. Und so kann's nicht gehen.

    LG
    Plejaden

  • Toll, wie das geschrieben worden ist und wie wahr das ist. Ich bin gerade dabei eben diese Fäuste in meiner Tasche zu öffnen und stoße gerade hier auf dem Dorf auf sehr viel unverständnis wenn ich sage
    ich möchte nicht mit auf die Party weil dort getrunken wird. Es bleiben nur die wirklichen Freunde übrig aber nur so kann ich den Kampf gegen mich selber gewinnen...

    LG Biene 1967

Unserer Selbsthilfegruppe beitreten!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!