Beiträge von Plejaden

    Hallo zusammen,

    heute war ein geruhsamer Tag. Bin früh zur Uni um zu lesen, habe die Bücher durchgekriegt, die ich vor dem WoEn gelesen haben wollte. Danach bin ich nach Hause, konnte aber nur zwei Stunden am Computer arbeiten weil meine Schultern mir Probleme bereitet haben :? . Habe dann noch eine Stunde an meinen Geschichten geschrieben und danach bin ich mit meinem Freund und zwei Bekannten in ein Restaurant essen gegangen. Habe da zugesagt, weil die beiden Bekannten keinen Alkohol trinken und mein Freund ja erst recht nicht. Da ich überdies schonmal dort war weiß ich, dass man dort nicht mit Absackern oder Aperitifs belästigt wird. War ein richtig schöner und lustiger Abend :D

    Ansonsten werde ich wohl auf JoeDoes und Zeppelines Ermutigung hin in der nächsten oder übernächsten Woche eine SHG aufsuchen, vielleicht auch eine zweite zum Vergleich. Der Kreuzbund hat ziemlich viele Termine, was erfreulich ist. Es stimmt natürlich, schwere Schicksale zeigen mir, wohin mein Weg führen wird.

    Überdies ist mir heute klar geworden, dass ich den Austausch hier nicht mehr missen möchte. Ich habe gemerkt, wie schnell sonst der Abstinenzwille schwinden würde. Ich denke, ich würde sehr schnell denken "War doch nicht so schlimm". Und die Beiträge eines Mitglieds hier haben mich sehr aufgeschreckt und nachdenklich gemacht. Genau davor habe ich einen Mordsrespekt: Dass ich einmal rückfällig werde, und dann nicht mehr die Kraft habe nochmal aufzuhören.

    Mir ist noch etwas aufgefallen: Ich habe immer gedacht, dass ich noch nicht soweit war, Alk in Form von Schnaps zu konsumieren, um möglichst schnell Alkohol einfüllen zu können. War auch Selbstbetrug, schließlich habe ich freudig erregt zwei, drei, vier Mal zugeschlagen, wenn mein Vater Pinnchen mit Kräuterlikör als Absacker verteilt hat. Das Zeug hat mir nie geschmeckt, ich hab es trotzdem getrunken. Jetzt wird mir auch klar warum.

    Ich schaue später nochmal rein. Morgen kann ich ja ausschlafen :twisted:

    Hallo JoeDoe,

    freut mich, dass ich dich ermutigen konnte ;) . Ja, du bist wirklich auf dem richtigen Weg. In einem Forum war ich auch vor einiger Zeit unterwegs, und es ist dort genauso wie du es auch erlebt hast - 90 % der Leute wollen sich nicht verändern und weiter entwickeln. Wer es doch tut, dem wird unterstellt, dass er doch gar kein "richtiger" Sozphobiker ist. Man kam sich vor wie in einem Laufrad :roll: . Hier ist es härter, aber auch konstruktiver.

    Das mit dem Thema zurechtlegen ist eine Superidee (und mit der ambulanten Suchtreha natürlich auch), so habe ich es auch immer gemacht. Inzwischen komme ich aber besser mit Gesprächspausen zurecht, weil ich immer mehr begreife, dass ich nicht allein für den Fortgang eines Gesprächs verantwortlich bin (zumindest bei zwei Personen).

    LG
    Plejaden

    Hallo du,

    Zitat von JoeDoe75

    Was nützt all die graue Theorie, wenn sie praktisch nicht angewandt als reine Option eigenen Verhaltens in den Tiefen meines Hirnes verstaubt?


    Genau, genau, genau! So habe ich es jahrelang auch gemacht: Mir Tonnen an theoretischem Wissen angelesen, von dem ich dachte es sei Rüstzeug gegen die Soz.Phobie. Nix ware es, es hat mich nur unwesentlich weiter gebracht.

    Zitat von JoeDoe75

    Ausprobieren! -> Reflektieren! -> Optimieren!


    Gerade das objektive Reflektieren ist wichtig. Ich kenne einige, die sich immer wieder in soziale Situationen stürzen und dabei nicht weiter kommen, weil sie das Geschehene nicht reflektieren. Sie nehmen nur mit "oh Gott, was habe ich Angst gehabt!". Und siehe da, beim nächsten Mal haben sie natürlich wieder genausoviel Angst... :roll:

    Zitat von JoeDoe75

    Aber ist es nicht vielleicht viel wichtiger, den eigenen Abstinenzwillen als Basis einer zufriedenen Trockenheit zu fördern, als auf der Tatsache zu verharren, eine Suchtproblematik erkannt zu haben?


    Ich denke den Abstinenzwillen zu fördern ist entscheidend, ja. Viele gehen jahrelang mit ihrer Diagnose hausieren, ohne sich auch nur einen Milimeter zu rühren. Schreiben nach Jahren noch dieselben Foren-Threads, mit denselben Problemen.
    Bezogen auf Soz.Phobie, meine ich.

    Ich denke, es ist der beste Schutz, wenn man sich klar macht, warum man eigentlich abstinent leben will. Sich die Vorteile klar macht, die man davon hat, und dass diese Vorteile die Vorteile eines nassen Lebens bei weitem überwiegen. Ja, dass die Vorteile des nassen Leben bei genauerer Betrachtung gar keine Vorteile sind, sondern nur Lügen.

    LG
    Plejaden

    Hallo zusammen,

    heute war ein echt vollgestopfter Tag :? . Habe versucht zwei Vermieter zu kontaktieren, den einen habe ich erreicht, für den soll ich ein Formular ausfüllen. Habe ich gemacht und für morgen postfertig gemacht. Den anderen habe ich nicht erreicht :( .
    Danach war ich joggen und siehe - es ging noch besser als am Dienstag! Weniger schön war natürlich, dass es anfing zu regnen wie blöde... Ist wohl mein Nemesis.

    Als ich wieder heim gekommen bin, war leider nix mit "ab unter die warme Dusche". Ich hab mich mit der Rückkehr meiner Eltern voll vertan, dachte ja die würden heute Abend wieder kommen, nun, falsch gedacht. So musste ich schnell alles wieder in Ordnung bringen (Küche aufräumen, Vorratskeller in Ausgangszustand versetzen...) bevor es unter die Dusche ging... Hasskappe. Zum Glück bin ich weg gekommen, bevor sie wieder da waren.

    Auf zur Uni, hieß die Devise, aber vorher einkaufen. Als ich das große Kaufhaus betrat dachte ich, mich trifft der Schlag: Eine berühmte Kräuterlikör-Firma hat im Foyer ein riesiges, knallorangenes Zelt aufgebaut und verteilte munter irgendein Gesöff in stylischen Tassen an die Leute! Die ganze Halle hatte nach diesem Punsch-Zeug gestunken, das dort ausgeschenkt wurde! Ich bin rückwärts wieder raus. Werde dort erst wieder einkaufen gehen, wenn dieser Stand weg ist. Ich hoffe der steht da jetzt nicht bis Weihnachten!
    Leicht angesäuert bin ich also zur Uni gestiefelt, musste dort arbeiten und noch einige organisatorische Sachen klären. Habe immerhin mein Buch durchgearbeitet gekriegt. Danach ging es zu der erwähnten Info-Stunde des Kreuzbunds.

    Mh, wie soll ich sagen, das Gespräch verlief nicht so in meinem Sinne. Ich war die einzige, die da war. Eine nette Frau hat mich begrüßt, ich hab ihr mein Alkoholproblem geschildert und dass ich gerne eine SHG besuchen würde. Sie hat mich einiges gefragt (wie alt ich bin, wieviel ich durchschnittlich getrunken hätte, seit wann ich trocken bin...), und meinte dann, dass ich wohl schon in eine SHG gehen könnte, es aber nicht nötig hätte. Ich würde, so sähe sie es, doch gut allein zurecht kommen. Als ich dann nochmal nachgehakt habe, meinte sie, die meisten Gruppen seien nicht in meiner Altersklasse, und es würden dort ausnahmslos "schwerere Schicksale" sein, die mich wohl nur runterziehen würden.
    Ich habe mir dann trotzdem einige Treffpunkte und Zeiten geben lassen und bin nach Hause gefahren. Mhhh....

    Zu Hause waren inzwischen meine Eltern aufgeschlagen, da sie anscheinend nicht alkoholisiert waren habe ich mich ein wenig mit ihnen beschäftigt. Dabei konnte ich einen weiteren Baustein in mein neues Leben einfügen: Ich habe meinem Vater gesagt, dass ich jetzt nur noch joggen werde und am Walking-Verein nicht mehr teilnehmen werde. Meine Mutter wird da jetzt an meiner Statt mitmachen. Juchuh! Das Walken hatte ja seinen Zweck erfüllt, und hat mich nur noch genervt (fast alle Leute jenseits der 60, mein Vater immer mit seinen Kalauern und falschen/gefährlichen Sporttipps...). Der Nachteil ist, ich muss mir neue Laufschuhe kaufen. Was für ein Opfer :mrgreen: .

    Dann habe ich zwei Stunden am Computer gearbeitet und ein bisschen gedaddelt (Ich muss das jetzt mal sagen: Morrowind ist dumm, wenn man keine Fackeln mehr benutzen kann, weil das Spiel sonst abschmiert. Die Dungeons sind so dunkel...) und nun schreibsel ich hier.

    Tja, was die SHG angeht bin ich jetzt am Überlegen. Ich tendiere momentan dazu, lieber hier einen Zugang zum geschützten Bereich zu beantragen (wenn ich darf). Als Finanzierungshilfe habe ich heute einen weiteren Schritt in meiner Lebensentrümpelung getan: Ich hab meine Mitgliedschaft in so einem komischen Tierschutzverein gekündigt. Das Geld ist für das Forum hier sicher besser angelegt.

    LG
    Plejaden

    Hallo kommal,

    mh, da hast du Recht, ich hab auch schonmal so im Hinterstübchen darüber nachgedacht. Vielleicht wieder so eine Art Hintertür? Versuch, die Krankheit zu verharmlosen? Es soll ab heute auf jeden Fall Suchtmonster heißen. Und Monster bitte nicht im Sinne dieses kuscheligen Viechs aus der Monster AG...

    Zeppeline : Ist ja eigentlich auch egal wie lange du grübelst ;) , bei mir kommen solche Ideen auch eher geistesblitzmäßig, plötzlich ist die Lösung da. Wie lange das dauert, ist unterschiedlich.

    Ich wollte die Sache von gestern nochmal schnell genauer spezifizieren: Durch diese neue (aber eigentlich ziemlich alte) Einstellung ist es völlig egal geworden, ob es noch einen Weg zurück zum Alkohol gibt oder nicht. Selbst wenn jemand mein Gehirn scannt und mir sagt "Ach, Frau Plejaden, Ihr Suchtgedächtnis ist weg! Sie können wieder Alkohol trinken!" ist es gleichgültig. Weil der Weg ohne Alkohol der Weg ist, wie ich mir mein Leben in Zukunft vorstelle. Aus diesem Grund habe ich bis ich 20 Jahre alt war auch keinen Alk getrunken - ich wollte einfach nicht.

    Trotzdem werde ich die Trockenheitsarbeit nicht vernachlässigen, denn schließlich ist jetzt (im Gegensatz zu früher) das Suchtmonster da. Und es wird für den Rest meines Lebens da bleiben.

    Bis heute Abend!

    Plejaden

    Hallo,

    ich hatte heute einen anstrengenden Tag in der Uni, bis 18 Uhr plus eine Stunde Heimfahrt. Immerhin habe ich fast geschafft das eine Buch durchzuarbeiten und ich mache bei der Arbeit gerade etwas, was mich auch im Studium sehr viel weiter bringt.
    Dann habe ich meine Aktion "lieber alte Geräte reparieren, anstatt für teuer Geld neue zu kaufen, weil zuviel Angst sich mit Problem zu beschäftigen" fortgesetzt. Nachdem ich ja letztens mein iBook wieder reaktiviert habe (was sich tausendfach ausgezahlt hat) war jetzt mein MiniDisc-Player dran. Der Akku ist seit zwei Jahren (!!) zum Teufel, und ich habe es bisher nicht geschafft, mich damit auseinander zu setzen. Gestern habe ich mich noch hingesetzt und geschaut, was da zu machen ist und, siehe da - ich musste nur nen popeligen AA-Akku kaufen und jetzt funzt das Ding wieder. Unglaublich :roll: .

    Dann hatte ich im Bus heute eine unglaubliche Erkenntnis. Ich habe mich wieder mit dem Thema Rückfall auseinander gesetzt. Es folgt ein innerer Monolog, macht euch keine Sorgen um meine geistige Gesundheit, sowas scheint normal zu sein (ääääh... ja.). Ich habe über eine Aussage nachgedacht, die ich vor ein paar Tagen hier getätigt habe - dass ich keinen Rückfall brauche, um auf den geraden Weg zu kommen. Da meldete sich Suchti plötzlich, Verzichtsgedanken kamen: Ich könne es doch mal probieren, einfach ausprobieren, bestimmt ist jetzt alles wieder in Ordnung. Darauf habe ich dagegen gehalten, nein, das wolle ich nicht, auf keinen Fall. Darauf hat Suchti zu einem Killerspruch angesetzt: Was denn sei, wenn wirklich alles in Ordnung sei? Wie ich das herausfinden wolle, wenn ich nichts mehr trinken würde? Wenn das alles umsonst sei, und die Abstinenz völlig unnötig? Wie gesagt. Killerspruch. Der hat gesessen. Ich habe geschwankt, wirklich.
    Doch dann kam mir eine Erkenntnis, von ganz tief unten. Kennt ihr das Gefühl? Wenn ihr merkt, dass ihr genau das richtige tut und denkt, etwas, das gut und wahr ist und völlig im Einklang mit dem ist, was ihr glaubt und fühlt ? Das war so ein Gedanke. Er sagte schlicht: Ich will ohne Alkohol leben. Weil es ein Traum von mir ist, den ich seit Jahren geträumt habe. Und nun ist dieser Traum wahr geworden.

    Danach war Suchti still. Es war eine Befreiung.

    Mehr dazu morgen, sonst wirds wieder zu lang :roll: .

    LG
    Plejaden (immer noch ein bisschen erschüttert)

    Zitat

    dieses merkwürdige Gefühl, mangels Alkoholzufuhr auf Spaß verzichten zu müssen, habe ich auch; und das obwohl die Erfahrung inzwischen gezeigt hat, daß ich überhaupt kein Problem habe, ohne das Zeug fröhlich zu sein.... Sobald ich das Zeug in der Nähe habe, springt der Motor an, und es braucht schon einige gedankliche Energie, um ihn wieder zum Stoppen zu bringen.


    Genau so geht es mir auch. Die Verzichtsgedanken kommen zum einen vom Suchtgedächtnis, aber zum anderen werden sie auch durch das Umfeld suggeriert. Wie ich mal geschrieben hab, hab ich bis zu meinem 20. Lebensjahr keinen Alk getrunken, und habe mir dabei genug Sprüche gefangen. Spielverderber. Spaßbremse. Langweilerin. Die Werbung zielt in eine ähnliche Richtung. Aber ich bin ohne Alkohol auch lustig. Ich BRAUCHE keinen Alkohol, um lustig zu sein und Spaß zu haben. Wenn ich verkrampft bin und Alk zur "Lockerung" bräuchte, dann habe ich an diesem Ort und bei diesen Menschen nichts verloren. Was soll ich an Orten tun, die mir Angst machen? Freiwillig? In meiner Freizeit?
    Nichts ;) .

    Zitat

    Ich hab nochmal nachgedacht, warum sich die meisten von uns gerade am Anfang so fürchterlich schwertun, das zu kapieren. Wahrscheinlich liegt es daran, daß wir meinen, etwas durch Willenskraft und Konfrontation besiegen zu müssen. Klappt aber nicht, wenn man mit einem Suchtgedächtnis ausgestattet ist.


    Ich hab bei mir sogar das Gefühl, dass mein Suchtgedächtnis selbst mich an solche Orte "treiben" will. Es will unbedingt in die Nähe seines Suchtmittels kommen. Also scheint es sich zu denken "Na, schaffen wir dieses Körperdings, in dem ich stecke, erstmal da hin, danach sehen wir weiter. Die 'Komm-schon-nur-ein-Glas'-Methode hat doch schon oft genug geklappt!"
    Ne, nicht mit mir ;) . Selbst wenn Komm-schon-nur-ein-Glas nicht aktiviert wird, ist mir der von dir beschriebene Motor schon blöd genug. Ich beschäftige mich auf eine negative Weise damit, Alk wirbelt in meinen Gedanken umher, und das ist anstrengend und gefährlich.

    LG
    Plejaden

    Hallo JoeDoe,

    Zitat

    , dass viele meiner Probleme durchaus 'normal' sind, und letztlich nur das konsequente Sammeln von Erfahrungen einem Menschen die notwendige Selbstsicherheit in bestimmten Situationen verleihen kann.


    Da kann ich nur 100%ig zustimmen. Ich hab mit der Soz.Phobie jahrelang, eher jahrzehntelang rumgeeiert, hab mir gedacht "ach praktische Erfahrungen, das brauchst du nicht, das kannst du doch alles...". Das war die Angst. Ich hatte Angst davor, soziale Situationen zu üben. Schön, wie man sich selbst anlügen kann.
    Seit ich täglich Übungen mache, mich selbst erprobe, neue Verhaltensweisen ausprobiere, geht es steil bergauf. Ich sammele Erfahrungen und werde dadurch selbstsicherer.

    Zitat

    Nur diese abgeklärte Sichtweise aus der medizinischen Definitionen heraus, die öffnet meinem Hirnkobold natürlich diverse Türen, und ist in meiner Anfangsphase sicher kein guter Baustein für ein solides Fundament trockener Gedanken.


    Das Problem habe ich auch. Selbst medizinisch/psychologisch kompetente Menschen sagen mir, dass ich ja bald wieder mal ein Gläschen trinken könne, so schlimm war es doch nicht. Doch heute im Bus kam mir eine Erkenntnis, die mich in meinen Grundfesten erschüttert hat und mein Weltbild wieder ein bisschen gerade gerückt hat. Ich weiß noch nicht, ob ich hier im offenen Bereich davon schreiben mag; sagen wir soviel, der Hirnkobold hat eine herbe Niederlage eingesteckt.

    Lass dich nicht beirren! Mach das, was du willst, was du meinst, was gut für dich ist. Ich für mich persönlich weiß: Klar, es war noch nicht schlimm. Aber es wäre schlimm geworden. Es war bereits dabei immer schlimmer zu werden, fraß sich in mein Leben wie ein Geschwür, immer tiefer und tiefer. Fing an, Grenzen zu sprengen, sich zu verselbstständigen, die Kontrolle zu übernehmen und zog mir den Boden weg. Was wäre also passiert, hätte ich weiter getrunken?

    Die Antwort dürfte klar sein. Ich darf diese Antwort nie vergessen.

    LG
    Plejaden

    Noch was dazu, das ist mir gerade vor einer Sekunde auch klar geworden (Schoki holen hilft beim Nachdenken): Wenn ich meine Eltern, meist wenn ich Essen holen gehe, beim Trinken sehe, denke ich natürlich nicht daran meinem Vater seine Pulle vor der Nase wegzureißen und sie in einem Zug leer zu trinken. Aber ich merke, wie ich mich sofort anfange damit zu beschäftigen, gedanklich. "Ach, er trinkt wieder, was trinkt er denn, aha XY trinkt er, die wievielte Flasche es wohl für heute ist? Und Mutter trinkt Rotwein, diesmal aus dem schönen Glas, der riecht aber ziemlich sauer, aber wenn sie meint, ihr schmeckt das, ICH trinke ja zum Glück nichts mehr..." Und die Gedanken gehen weiter, wenn ich schon längst wieder oben in meinem sicheren Reich bin. Der Alkohol ist wieder in meinen Gedanken!

    Und das war er die letzten zwei Wochen nicht mehr.

    So einfach ist das.

    Heute war ein gut gefüllter Tag. Morgens früh zur Uni, habe zwei Stunden in der Bibliothek gelesen, dann zwei Stunden gearbeitet, Mittag gegessen, danach nach Hause. Hatte hier dann eine Stunde "Aufenthalt", bevor ich zu einem Arzttermin los musste. Von dort aus bin ich gleich joggen gegangen. Und, siehe da - es funktionierte besser als beim letzten Mal. Bisher hat sich jede Minute des monatelangen Walking-Vortrainings bewährt, ich habe was Herz (Puls) und Lunge angeht keine Probleme, ich kann sogar fast bis zum Ende der Laufeinheiten durch die Nase atmen. Und es war sogar zuerst super-schönes Wetter, ich habe jede Minute genossen, auch wenn es 200 m nach dem Wendepunkt angefangen hat zu regnen wie blöde.
    Zu Hause bin ich dann sofort unter die warme Dusche und danach in Decke eingewickelt auf die Couch. Hab noch ein bisschen Morrowind gespielt, bis mir das Spiel wieder abgestürzt ist. Immerhin, der Fehler ist reproduzierbar. Ein Trost.

    JoeDoe :

    Zitat

    Ansonsten wirst Du ein Spielball der Einflüsse der Dich umgebenden Menschen


    Tatsächlich bin ich das bisher immer gewesen. Mein ganzes Leben lang. Eigentlich konnte jeder mit mir machen was er wollte, mir einreden was er wollte. Beispiel (abstrakt): Ich weiß, dass es rote und grüne Äpfel gibt. Ganz klar. Ich rede mit jemandem darüber und der sagt "Hä, was? Es gibt doch nur gelbe Äpfel, und sonst nichts!" Darauf ich sofort: "Ja, natürlich, stimmt! Das mit den grünen und roten Äpfeln habe ich auch nur mal so gehört..." Das SAGE ich dann nicht nur sondern GLAUBE es in diesem Moment auch. Innerer Monolog: Wie konntest du nur so blöd sein und denken, es gäbe rote und grüne Äpfel? Es gibt nur gelbe, er hat Recht!
    Bin ich einmal aus der Situation raus, der Typ weg und ich wieder alleine, lichtet sich der Nebel wieder und ich merke, dass ich mir wieder was habe einreden lassen. Das meine ich mit "brainwashed".

    Das hat sehr weitreichende Konsequenzen, ich habe Schuldgefühle und werde auch nicht ernst genommen, weil ich mich benehme wie das berühmte Fähnchen im Wind. Es kratzt an meiner Integrität, weil selbst meine fundamentalsten Gedanken und Meinungen davon betroffen sind.

    Ach ja: ich finde Snooker am Abend einfach sehr beruhigend. Das grüne Tuch, die Ruhe, die wohlüberlegten Züge... gut um mich auf den Schlaf vorzubereiten ;) . Ein Fernseh-Betthupferl sozusagen.

    Zuletzt: Gerade habe ich aufgrund eines Threads wieder über Verzichtsgedanken nachgedacht. Ich bin inzwischen zu der Überzeugung gekommen, dass der Spaß ("Die anderen haben Spaß und ich nicht") nur ein vorgeschobener Grund ist. In Wirklichkeit will mein Körper, mein Suchtgedächtnis nur an Alkohol kommen, egal wie. Ich merke das immer wieder, wenn ich durch meine Eltern mit Alkoholkonsum konfrontiert werde: Oberflächlich macht es mir nichts aus, aber tief unten brodelt es fürchterlich. Ich kann ehrlich nicht verstehen, wie sich Leute freiwillig immer wieder Alkohol konsumierenden Menschen aussetzen und meinen, es mache ihnen nichts aus. Für mich waren die letzten zwei Wochen (meine Eltern sind in Urlaub) die schönsten seit Monaten. Ich habe bemerkt, wie sehr ich mich weiterentwickelt habe, weil ich nicht ständig mit herumstehenden (offenen und frei verfügbaren) Weinflaschen und Bierpullen konfrontiert werde. Wie entspannend es war, nicht immer "Nein, nicht trinken, nicht trinken..." denken zu müssen. Wie ich so überhaupt auf die wahren Gründe hinter meinen Verzichtsgedanken kommen konnte.


    LG
    Plejaden

    PS: Ist schon wieder lang geworden. Sorry :roll: .

    Hallo Zeppeline,

    wir kennen uns ja auch noch aus dem Chat ;) .

    Ich finde deinen Ansatz mit den Verzichtsgedanken bezüglich der Weihnachtsmärkte - und anderer Weihnachtsfestivitäten - sehr wichtig. Ich habe für mich festgestellt: Solange ich das Gefühl habe, auf etwas zu Verzichten, kann ich nicht zufrieden trocken sein. Das funktioniert nicht. Bisher hat es immer gut funktioniert, etwas anderes zu machen, was genauso viel Spaß macht - das kann lecker kochen sein, Weihnachtsdeko basteln (ok, das geht bei mir erst Ende November los...), Kekse backen, eine Teatime zelebrieren...

    Daneben ist mir wichtig zu ergründen: Verzichte ich WIRKLICH auf etwas? Wenn ja, auf was meine ich denn zu verzichten? Vordergründig kommt die prompte Antwort: Auf den Spaß, den der Alk oder Feten mit Alk gebracht haben! Spaß, Spaß, Spaß! Aber inzwischen wird mir immer klarer: Es geht mitnichten um Spaß. Mein Suchtgedächtnis will nur wieder an Alk kommen, das ist alles. Ich bin süchtig, und deshalb will ich meinen Suchtstoff. Trinken hat mir schon seit Monaten keinen Spaß mehr gemacht.

    LG
    Plejaden

    Hallo Blizzard,

    eigentlich wollte ich dir zu deinem Entschluss gratulieren, über den Ärmelkanal zu pilgern, dass du den Mut aufgebracht hast - aber jetzt (etwas verspätet :oops: ):

    Heeeerzlichen Glückwunsch!!

    Ich drück dir die Daumen, dass alles gut läuft und dir die Arbeit Spaß macht. Freu mich richtig für dich!

    LG
    Plejaden

    Hallo zusammen,

    hab heute zwar nicht soviel geschafft gekriegt, wie ich mir vorgenommen hatte, aber immerhin habe ich zwei Stunden etwas zu meinem Prüfungsthema gelesen. Irgendwie ist der Montag immer verkorkst bei mir :roll: . Jetzt gucke ich für den Rest des Abends Snooker und trinke dabei einen leckeren Yogi-Schoko-Tee...

    Apropos TV: Das habe ich inzwischen in den Griff gekriegt. Ich gucke inzwischen nur noch gezielt Sendungen, die ich schauen möchte, zappen tue ich nicht mehr. Wenn ich keine Lust auf TV habe lasse ich auch Sendungen sausen, die ich gerne gucken würde und mache lieber das worauf ich Lust habe. TV ist in der Priorität um einige Dutzend Plätze nach unten gerutscht.

    Dann habe ich mir noch Gedanken darum gemacht, dass am Donnerstag meien Eltern wieder kommen werden. Das war früher auch eine Saufgelegenheit, ob man es nun glaubt oder nicht: Ich bin runter gestürmt wenn sie kamen, habe mit stoisch erzwungener Geduld ihren Abenteuern gelauscht, bis dann endlich der erlösende Satz verlautbart wurde: "Auf die gute Heimkehr trinken wir ein Weinchen!"
    Dieser Gefahr bin ich auch diesmal wieder ausgesetzt. Ich werde gehen und sie begrüßen und dann verschwinden noch BEVOR zum Alkfassen geblasen wird. Von ihren Abenteuern können sie mir auch Freitag morgen beim Frühstück erzählen, das wird eine trockenere Angelegenheit...

    Vaan : Mh ich hab immer was zu erzählen, weil ich mir angewöhnt habe mich und mein Leben sehr bewusst zu reflektieren. Das sollte mir früher mal helfen, ein Gespräch am Laufen zu halten (hatte in Gesprächen große Angst vor Redepausen -> Soziale Phobie). Jetzt brauche ich diese Krücke nicht mehr, finde es aber auch so ganz praktisch.

    panther : Ja, ich muss mir immer wieder klar machen, dass die Krankheit knallhart und gnadenlos ist. Wenn ich sie nicht stoppe, saufe ich mich tot. Ich habe die Krankheit zwar zu einem sehr frühen Zeitpunkt zum Stoppen gebracht, aber nichts destotrotz ist mein Weg vorgezeichnet, sollte ich wieder anfangen zu trinken. Mein erster Rückfall kann mein letzter sein, mit einer Entgültigkeit, die sich nicht um meine Einwände schert.

    Ich habe in meinem Leben bisher allgemein Probleme gehabt für mich einzustehen, Grenzen zu ziehen, mir eine eigene Meinung zu erlauben. Ich lasse mich leicht von anderen überrumpeln und "brainwashen", wie ich es nenne. Das hat immer Züge von Selbstzerstörung, ich habe ALLES getan um anderen Menschen zu gefallen. Näher möchte ich hier im offenen Bereich nicht darauf eingehen.
    Wenn ich wirklich zufrieden leben will, dann muss ich das abstellen. Ich merke, dass dieses zerstörerische Verhalten keineswegs überwunden ist. Es hat etwas damit zu tun, dass ich mir selbst vertrauen kann, dass ich das Vertrauen darauf haben kann, mich selbst zu beschützen. Durch die Abstinenz habe ich einen Schritt dorthin getan. Jetzt muss ich mich weiter beschützen, vor Meinungen und Urteilen (Verurteilungen) von Menschen, die keine Ahnung von mir haben.


    LG
    Plejaden

    P.S. Den Spruch sollte ich mir in Zukunft mal an die Stirn tackern: Wenn man keine Ahnung hat - einfach mal die Klappe halten :mrgreen: .

    Heute war ein sehr ruhiger Tag. Morgens wurden Brötchen geholt, gemütlich gefrühstückt, danach habe ich ein bisschen geputzt und aufgeräumt und anschließend gedaddelt.

    Im Moment mache ich mir wieder Gedanken bezüglich des Thread-Titels. Was sind meine Schritte für die nächsten Wochen? Klar, weiter nach einer Wohnung suchen. Dann möchte ich Donnerstag zu einer Info-Veranstaltung einer SHG des Kreuzbundes. Ich möchte erst eine reale SHG besuchen um mich entgültig zu entscheiden, ob ich das Forum hier als SHG nutzen möchte oder eine reale SHG mir eher liegt.
    Ansonsten habe ich jetzt einige Freiheiten bezüglich der Tagesplanung. Ich habe die meisten Altlasten aufgearbeitet, und habe jetzt wesentlich weitere Terminräume. Ich möchte als grobe Planung versuchen, mir die Wochenenden künftig von Uni-Arbeit freizuhalten wenn es geht, und dafür mehr unter der Woche zu tun. Dann möchte ich noch zwei kleine Bausteine einfügen, nämlich regelmäßige Rückengymnastik und das AT. Es wird wohl ein bisschen frickelig und einige Konsequenz erfordern, das regelmäßig in meinen Tagesplan einzubauen, aber ich bin da zuversichtlich. Schritt für Schritt.

    Dann sind mir gerade im Chat noch einige Denkanstöße gegeben worden. Ich möchte in Zukunft konsequenter und offener mit meiner Alkoholkrankheit umgehen. Das hatte ich zwar schon vorher einmal gesagt, aber in den letzten Tagen ist der Entschluss dazu noch fester geworden. Das beziehe ich auf mein Leben allgemein, aber akut vor allem auf die anstehenden Weihnachtstage und Sylvester. Ich habe das Gefühl, die Bereitschaft zu Konsequenz steigt in dem Maße, wie ich bereit bin meine Krankheit anzunehmen. Das scheint irgendwie gekoppelt zu sein.

    So, ich werde den Abend noch gemütlich ausklingen lassen. Eine schöne Woche wünsche ich!

    LG
    Plejaden

    So, heute war wieder ein guter Tag. Morgens früh raus, gemütlich mit meinem Freund gefrühstückt, zwei Stunden für die Uni gearbeitet, danach zum ersten Mal seit Jahren joggen gewesen. Puh, das war schon ein anderes Kaliber als walken. Zum Glück habe ich mich gerade durch das Walken darauf vorbereitet... ist ingesamt aber gut gelaufen, im wahrsten Sinne des Wortes. War nach 45 Min. fertig, davon 18 Min. laufen/gehen im Zwei-Minuten-Takt. Danach habe ich mich geduscht und mir lecker Essen gekocht, anschließend ein bisschen gedaddelt.

    Irgendwie machen mir Aufgaben inzwischen viel mehr Spaß, einfach aufgrund der Tatsache, dass danach ein gutes Gefühl eintritt. Ich habe gestern in einem anderen Thread von Lust-Orientiertheit gelesen - das hatte ich auch, ich habe die letzten Jahre echt immer nur das gemacht, worauf ich Lust hatte, und habe alles andere einfach gar nicht gemacht. Wie das endete, habe ich ja schon öfters erwähnt.
    Klar, mir macht Uni-PC-Arbeit, aufräumen, putzen etc. immer noch keinen Spaß, aber inzwischen ist das alles wesentlich enger mit dem "guten Gefühl danach" verknüpft, so dass ich diese unangenehmen Aufgaben allein deshalb mache. Es geht in die richtige Richtung.

    Ich habe mir auch wegen eines anderen Sachverhalts Gedanken gemacht - ich hatte bisher immer das (fast unbewusste) Gefühl, ich sei alkoholtrinkenden Menschen gegenüber im Nachteil. Im Nachteil in dem Sinne, dass ich eine Spaßbremse bin, mir nichts gönne, als trauriger Tropf in der Ecke herumsitze etc. Woher kommt das? Heute ist mir aufgefallen, dass es kein Wunder ist: Ich habe es selbst erlebt, unter Alkoholeinfluss erlebt man seine Gefühle, sich selbst viel extremer. Man freut sich extremer, man hat extremer Spaß, gleichzeitig sind auch alle negativen Gefühle extremer. Extrem ist in diesem Zusammenhang durchaus negativ im Sinne von "Kontrollverlust" gemeint.
    Da die alkoholisierten Menschen also alles, ihre ganze Umwelt viel extremer wahrnehmen, und sich auch extremer benehmen, kann jemand der nicht betrunken ist nur irgendwie fad erscheinen. Blaß. Leblos. Sie denken also tatsächlich völlig ernsthaft und aufrichtig, dass sie mir etwas etwas Gutes tun, indem sie mich überreden Alkohol zu trinken.

    Letztendlich führt dies alles jedoch nur wieder zu dem bekannten Schluss - unter alkoholisierten Menschen habe ich nichts zu suchen. Dort ist Alkohol greifbar, und somit eine Gefahr. Weiterhin werde ich nicht verstanden - wegen der extremen Gefühle - und man gibt sich auch keine Mühe mich zu verstehen, und wenn doch, dann in penetranter Art und Weise - extrem eben.

    LG
    Plejaden

    P.S.: Ja ja, ich weiß - ich bin wieder zu empathisch. Andere Menschen verstehen zu wollen ist so eine Art Hobby. Vielleicht hätte ich Psychologie studieren sollen.

    Hallo JoeDoe,

    ich mache so ähnliche Erfahrungen wie du, aber ehrlich gesagt, bei mir habe ich tatsächlich nichts anderes erwartet. Ich habe bis zu meinem 21 Lebensjahr fast gar keinen Alkohol getrunken, weil er mir überhaupt nicht geschmeckt hat. Kein kleines Bisschen.
    Ich denke, dass es das Belohnungszentrum ist, was dem Geschmack irgendwann signalisiert "He, das schmeckt doch toll!". Tatsächlich schmeckte mir selbst der ekeligste Wein mit jedem Glas immer besser (überspitzt ausgedrückt). Bis ich irgendwann völlig nebelig-seelig da saß und nur noch dachte "Oh wie lecker! Ich will nie aufhören, das zu trinken! Noch ein Glas! Noch mehr! Mehr! Mehr!"

    Außerdem habe ich einige Rückfall-Geschichten gelesen, in denen geschrieben wurde, dass den Leuten das erste Glas seit Jahren überhaupt gar nicht geschmeckt hat. Nichts vom ersehnten erfrischend-prickelnden Genuss. Das sollte zu denken geben. Man "hyped" sich das Zeug hoch, dabei ist es eigentlich nur das Suchtgedächtnis...

    LG
    Plejaden

    Hallo zusammen,

    gestern habe ich mich nicht gemeldet, weil ich mir einen computerfreien Tag gegönnt habe. Keine Hausarbeiten, keine Referate, kein Internet... Musste mal sein. Aber nun bin ich wieder da.

    Diese seltsamen Gefühle, den Alkohol betreffend, die ich gestern hatte, sind heute nicht mehr da. Aber ich bin jetzt ein Stück schlauer - vor außergewöhnlichen Feiertagen muss ich wohl auf der Hut sein. Den Wochenrhythmus mit Wochenende scheine ich ja inzwischen gut im Griff zu haben, aber außerplanmäßige Feiertage scheinen ein Problem zu sein. Gut zu wissen, nächstes Mal bin ich vorgewarnt. Auch (oder gerade?) weil der nächste Feiertag Weihnachten sein wird.

    Dann fiel mir heute Mittag noch eine Sache ein, über die ich sinniert habe. Im März (also bevor ich aufgehört habe Alkohol zu trinken) war ich mit meinem Freund in einer Disko. Ich wollte ja aus meinem selbstgeschaufelten SozPhobie-Loch heraus, da dachte ich, ich müsse auf diese Weise unter Leute gehen. Es ging noch ein befreundetes Pärchen mit, man muss mir wohl angesehen haben, dass ich mich total unwohl gefühlt habe, denn der Typ meinte irgendwann zu mir: "Hier, ich geb dir nen Bier aus, dann wirst du lockerer." Ich hab es abgelehnt, weil die SozPhobie es mir "verboten" hat etwas zu trinken.
    Heute denke ich nochmal darüber nach und komme zu dem Schluss - ich habe gar kein Verlangen mehr, an so einen Ort zu gehen. Es wird erwartet, dass man sich besäuft. Ich müsste etwas trinken, weil ich mich dort dermaßen unwohl fühle, dass ich es anders kaum aushalte.
    Wieso sollte ich mir in meiner Freizeit, der Zeit meiner Erholung, so etwas antun? Ich will das nicht mehr, deswegen ist meine Diskozeit vorbei. Bevor sie richtig angefangen hat. Zum Glück.

    Schönen Abend noch und eine gute Nacht!
    Plejaden

    So, da bin ich nochmal. Ich bin jetzt etwas gesammelter und kann ein Thema angehen, das heute in meinem Kopf aufgetaucht ist.

    Irgendwie hat sich Suchti nun doch zurück geschlichen, wenn auch nicht in Form von Saufdruck. Mein Bauchgefühl (Suchti?) sagt mir heute den ganzen Tag, dass ich ja bald wieder was trinken könne, ich habe es ja jetzt wieder unter Kontrolle. Das könne ja nicht ewig so weitergehen. Schließlich sei es normal Alkohol zu trinken, alle anderen tun es, also könne ich es doch auch wieder tun.

    Mein Kopf ist natürlich dagegen. Es ist trotzdem seltsam, das solche Gedanken heute auftauchen. Ich denke, das hängt mit dem freien Tag morgen zusammen, normalerweise hätte ich mir dann heute die Kante gegeben, mein "Trinkplan" hätte das zugelassen. Wenn ich es mir recht überlege, dann bin ich mir fast sicher.

    Ich sage mir auf jeden Fall schon den ganzen Tag: Doch, es wird ewig so weitergehen. Es ist normal KEINEN Alkohol zu trinken, denn Alkohol ist ein Gift. Und es ist nicht normal, sich selbst zu vergiften. Mal ganz davon abgesehen: Es gibt für mich keine Normalität im Umgang mit dem Alkohol mehr. Ich habe den Point of no return überschritten. Alkohol und normal schließen sich bei mir aus. Entweder gibt es den Absturz, Peinlichkeit, Schuldgefühle (wenn ich mich nicht stoppe) oder Frustration und Enttäuschung (wenn ich mich stoppe).

    Ich möchte es nochmal schreiben: Ein Leben ohne Alkohol bedeutet für mich ein klares, selbstbestimmtes Leben, ein Leben, das ich mir seit Jahren gewünscht habe, ein Leben ohne Gewissensbisse und Verzweiflung. Soviel Gewinn, indem ich nur eines weglasse. Konkurrenzlos.

    Bis morgen!
    Plejaden

    Juchuh, endlich ein paar Tage frei! Heute habe ich mein Referat gehalten und es ist gut gelaufen! Jetzt habe ich mir erstmal bis Montag frei verordnet, werde mich mehr um den Haushalt kümmern, mal das lesen, was ICH will, meine Gestaltung am Computer weiter machen, solange ICH will... Werde trotzdem versuchen, einen halbwegs geregelten Tagesablauf. Das muss ja nun auch sein.

    Werde heute abend nochmal reinschauen, bis denne :) . Meine Gedanken hängen noch ziemlich am Referatsthema, ich muss mich erst noch ein wenig runterkriegen...

    Hallo Lunatic,

    Zitat

    Ich habe mal gehört, dass die meisten alkoholischen Getränke im Film eh gemogelt sind, weil Ersatzstoffe wie roter Farbstoff oder Apfelsaft realistischer aussehen.


    Das stimmt tatsächlich. Es geht noch weiter: Vieles von dem Essen, dass man zumindest in der Werbung sieht, ist eigentlich gar nicht mehr genießbar. Da wird Trockeneis über das Menü gekippt, damit es schön dampft, Tropfen an Gläsern sind aus Glycerin, weil das zähflüssiger ist als Wasser etc... Foodstyling nennt sich das.

    Den Gedanken kann man noch weiter führen: Ihren eigenen Schauspielern geben die Werbemacher und Konzerne keinen richtigen Alkohol zu trinken, aus gutem Grund. Aber als Verbraucher soll man das Zeugs dann trinken? Neeeee....

    LG
    Plejaden