Schritte für die nächsten Wochen

  • Hallo kommal,

    mh, da hast du Recht, ich hab auch schonmal so im Hinterstübchen darüber nachgedacht. Vielleicht wieder so eine Art Hintertür? Versuch, die Krankheit zu verharmlosen? Es soll ab heute auf jeden Fall Suchtmonster heißen. Und Monster bitte nicht im Sinne dieses kuscheligen Viechs aus der Monster AG...

    Zeppeline : Ist ja eigentlich auch egal wie lange du grübelst ;) , bei mir kommen solche Ideen auch eher geistesblitzmäßig, plötzlich ist die Lösung da. Wie lange das dauert, ist unterschiedlich.

    Ich wollte die Sache von gestern nochmal schnell genauer spezifizieren: Durch diese neue (aber eigentlich ziemlich alte) Einstellung ist es völlig egal geworden, ob es noch einen Weg zurück zum Alkohol gibt oder nicht. Selbst wenn jemand mein Gehirn scannt und mir sagt "Ach, Frau Plejaden, Ihr Suchtgedächtnis ist weg! Sie können wieder Alkohol trinken!" ist es gleichgültig. Weil der Weg ohne Alkohol der Weg ist, wie ich mir mein Leben in Zukunft vorstelle. Aus diesem Grund habe ich bis ich 20 Jahre alt war auch keinen Alk getrunken - ich wollte einfach nicht.

    Trotzdem werde ich die Trockenheitsarbeit nicht vernachlässigen, denn schließlich ist jetzt (im Gegensatz zu früher) das Suchtmonster da. Und es wird für den Rest meines Lebens da bleiben.

    Bis heute Abend!

    Plejaden

  • Hallo Plejaden,

    ich finde es immer wieder erstaunlich, wie häufig man sich hier im Forum in den Geschichten und Emotionen wiedererkennen kann. Dein Suchtmonster und mein Hirnkobold haben bestimmt nebeneinander gesessen, als sie die Dämonenschulbank gedrückt haben :wink: . Aber nun mal ein Ende mit der Scherzerei, ist ja ein ernstes Thema!

    Dieses 'Was wäre wenn'-Denken ist im Bezug auf Alkohol sicher nicht ganz ungefährlich. Was mir in anderen Situationen hilft, über meinen Schatten zu springen um eingefahrene, hinderliche Verhaltensweisen zu überwinden, was mich ermuntert, neue Wege zu gehen und zu fernen Ufern aufzubrechen, das ist natürlich beim Thema Trinken denkbar unangebracht! Optimistisches Denken ist da fehl am Platze!

    Aber schön, dass Du darauf mit einem so ganzheitlichen Kapitulationsgefühl hast antworten können. Ich wünsche Dir, dass Dich dieses Gefühl auch weiterhin begleitet (sollte der Kollege im Kopf sich mal wieder ungefragt zu Worte melden!).

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Hallo zusammen,

    heute war ein echt vollgestopfter Tag :? . Habe versucht zwei Vermieter zu kontaktieren, den einen habe ich erreicht, für den soll ich ein Formular ausfüllen. Habe ich gemacht und für morgen postfertig gemacht. Den anderen habe ich nicht erreicht :( .
    Danach war ich joggen und siehe - es ging noch besser als am Dienstag! Weniger schön war natürlich, dass es anfing zu regnen wie blöde... Ist wohl mein Nemesis.

    Als ich wieder heim gekommen bin, war leider nix mit "ab unter die warme Dusche". Ich hab mich mit der Rückkehr meiner Eltern voll vertan, dachte ja die würden heute Abend wieder kommen, nun, falsch gedacht. So musste ich schnell alles wieder in Ordnung bringen (Küche aufräumen, Vorratskeller in Ausgangszustand versetzen...) bevor es unter die Dusche ging... Hasskappe. Zum Glück bin ich weg gekommen, bevor sie wieder da waren.

    Auf zur Uni, hieß die Devise, aber vorher einkaufen. Als ich das große Kaufhaus betrat dachte ich, mich trifft der Schlag: Eine berühmte Kräuterlikör-Firma hat im Foyer ein riesiges, knallorangenes Zelt aufgebaut und verteilte munter irgendein Gesöff in stylischen Tassen an die Leute! Die ganze Halle hatte nach diesem Punsch-Zeug gestunken, das dort ausgeschenkt wurde! Ich bin rückwärts wieder raus. Werde dort erst wieder einkaufen gehen, wenn dieser Stand weg ist. Ich hoffe der steht da jetzt nicht bis Weihnachten!
    Leicht angesäuert bin ich also zur Uni gestiefelt, musste dort arbeiten und noch einige organisatorische Sachen klären. Habe immerhin mein Buch durchgearbeitet gekriegt. Danach ging es zu der erwähnten Info-Stunde des Kreuzbunds.

    Mh, wie soll ich sagen, das Gespräch verlief nicht so in meinem Sinne. Ich war die einzige, die da war. Eine nette Frau hat mich begrüßt, ich hab ihr mein Alkoholproblem geschildert und dass ich gerne eine SHG besuchen würde. Sie hat mich einiges gefragt (wie alt ich bin, wieviel ich durchschnittlich getrunken hätte, seit wann ich trocken bin...), und meinte dann, dass ich wohl schon in eine SHG gehen könnte, es aber nicht nötig hätte. Ich würde, so sähe sie es, doch gut allein zurecht kommen. Als ich dann nochmal nachgehakt habe, meinte sie, die meisten Gruppen seien nicht in meiner Altersklasse, und es würden dort ausnahmslos "schwerere Schicksale" sein, die mich wohl nur runterziehen würden.
    Ich habe mir dann trotzdem einige Treffpunkte und Zeiten geben lassen und bin nach Hause gefahren. Mhhh....

    Zu Hause waren inzwischen meine Eltern aufgeschlagen, da sie anscheinend nicht alkoholisiert waren habe ich mich ein wenig mit ihnen beschäftigt. Dabei konnte ich einen weiteren Baustein in mein neues Leben einfügen: Ich habe meinem Vater gesagt, dass ich jetzt nur noch joggen werde und am Walking-Verein nicht mehr teilnehmen werde. Meine Mutter wird da jetzt an meiner Statt mitmachen. Juchuh! Das Walken hatte ja seinen Zweck erfüllt, und hat mich nur noch genervt (fast alle Leute jenseits der 60, mein Vater immer mit seinen Kalauern und falschen/gefährlichen Sporttipps...). Der Nachteil ist, ich muss mir neue Laufschuhe kaufen. Was für ein Opfer :mrgreen: .

    Dann habe ich zwei Stunden am Computer gearbeitet und ein bisschen gedaddelt (Ich muss das jetzt mal sagen: Morrowind ist dumm, wenn man keine Fackeln mehr benutzen kann, weil das Spiel sonst abschmiert. Die Dungeons sind so dunkel...) und nun schreibsel ich hier.

    Tja, was die SHG angeht bin ich jetzt am Überlegen. Ich tendiere momentan dazu, lieber hier einen Zugang zum geschützten Bereich zu beantragen (wenn ich darf). Als Finanzierungshilfe habe ich heute einen weiteren Schritt in meiner Lebensentrümpelung getan: Ich hab meine Mitgliedschaft in so einem komischen Tierschutzverein gekündigt. Das Geld ist für das Forum hier sicher besser angelegt.

    LG
    Plejaden

  • Hallo Plejaden,

    das mit der Info-Stunde bei der SHG tut mir echt ein wenig Leid. Da gibst Du Dir Mühe, beschäftigst Dich mit der Problematik -bevor es eben wirklich schlimm wird- und wirst dann mit solchen Einschätzungen konfrontiert :? . Das erinnert mich fast ein wenig an das Gespräch, welches ich vor einigen Tagen mit meinem Therapeuten hatte. Deshalb mag ich auch Deine Worte zitieren, die Du mir dazu in den Thread geschrieben hast: Lass Dich nicht beirren!

    Ich persönlich habe bisher jedenfalls die Erfahrung gemacht, auch von Gruppenmitgliedern etwas mitnehmen zu können, die vielleicht tatsächlich unter die Kategorie 'Schweres Schicksal' fallen. Dabei ist diese Definition 'Schweres Schicksal' natürlich immer auch eine Frage des eigenen Standpunktes. Wo jetzt Grenzen sind, bei deren Überschreitung man keinen Gewinn mehr aus solchen Gruppen ziehen kann, ist sicher ganz individuell. Bei Gewaltexzessen wäre bei mir sicher irgendwo der Punkt erreicht, an dem ich kaum noch in der Lage wäre, mich emotional auf mein Gegenüber einzulassen. Aber vielleicht würde ich auch da noch etwas mitnehmen? Von daher: Einfach mal vorbeischauen und einen eigenen Eindruck gewinnen!

    Und ansonsten natürlich diesem Forum treu bleiben :) !

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Hallo Plejaden,

    diese “Abfuhr” in Sachen Selbsthilfegruppe war sicherlich enttäuschend, aber ich möchte mich JoeDoe anschließen: erstens kann jede SHG hilfreich sein; in meiner Selbsthilfegruppe sitzen auch ein paar Leute, denen man das Etikett “schwerer Fall” verpassen könnte, aber es sind trockene Alkoholiker, die ihre Erfahrungen gesammelt haben und versuchen, ein zufriedenes trockenes Leben zu führen. Wenn ich weitergemacht hätte, hätte mein Tiefpunkt auch so ausgesehen, wie bei diesen Leuten. Wäre nur eine Frage der Zeit gewesen.

    Und zwotens ist dieses Forum hier doch tatsächlich eine ganz phantastische Selbsthilfegruppe. Ich betrachte es auch als prima Ergänzung meiner “realen” SHG. Von der profitiere ich bei jedem Treffen und es ist natürlich schön, anderen Leuten auch wirklich gegenüberzusitzen, aber die Unterstützung, die mir dieses Forum bietet, möchte ich auch nicht missen.

    Es ist egal, woher Du Deine Anregungen und Hilfen fürs trockene Leben hernimmst, Hauptsache, Du kannst sie annehmen und davon profitieren.

    So, war ein harter Tag heute, und er ist noch längst nicht zuende, daher erstmal herzliche Grüße,
    genieß das Wochenende,

    Zeppeline

  • Hallo zusammen,

    heute war ein geruhsamer Tag. Bin früh zur Uni um zu lesen, habe die Bücher durchgekriegt, die ich vor dem WoEn gelesen haben wollte. Danach bin ich nach Hause, konnte aber nur zwei Stunden am Computer arbeiten weil meine Schultern mir Probleme bereitet haben :? . Habe dann noch eine Stunde an meinen Geschichten geschrieben und danach bin ich mit meinem Freund und zwei Bekannten in ein Restaurant essen gegangen. Habe da zugesagt, weil die beiden Bekannten keinen Alkohol trinken und mein Freund ja erst recht nicht. Da ich überdies schonmal dort war weiß ich, dass man dort nicht mit Absackern oder Aperitifs belästigt wird. War ein richtig schöner und lustiger Abend :D

    Ansonsten werde ich wohl auf JoeDoes und Zeppelines Ermutigung hin in der nächsten oder übernächsten Woche eine SHG aufsuchen, vielleicht auch eine zweite zum Vergleich. Der Kreuzbund hat ziemlich viele Termine, was erfreulich ist. Es stimmt natürlich, schwere Schicksale zeigen mir, wohin mein Weg führen wird.

    Überdies ist mir heute klar geworden, dass ich den Austausch hier nicht mehr missen möchte. Ich habe gemerkt, wie schnell sonst der Abstinenzwille schwinden würde. Ich denke, ich würde sehr schnell denken "War doch nicht so schlimm". Und die Beiträge eines Mitglieds hier haben mich sehr aufgeschreckt und nachdenklich gemacht. Genau davor habe ich einen Mordsrespekt: Dass ich einmal rückfällig werde, und dann nicht mehr die Kraft habe nochmal aufzuhören.

    Mir ist noch etwas aufgefallen: Ich habe immer gedacht, dass ich noch nicht soweit war, Alk in Form von Schnaps zu konsumieren, um möglichst schnell Alkohol einfüllen zu können. War auch Selbstbetrug, schließlich habe ich freudig erregt zwei, drei, vier Mal zugeschlagen, wenn mein Vater Pinnchen mit Kräuterlikör als Absacker verteilt hat. Das Zeug hat mir nie geschmeckt, ich hab es trotzdem getrunken. Jetzt wird mir auch klar warum.

    Ich schaue später nochmal rein. Morgen kann ich ja ausschlafen :twisted:

  • So, für mich fällt doch schon jetzt die Klappe. Bin irgendwie total müde, und ehe ich vor dem TV wegdämmere gehe ich lieber ins Bett.

    Morgen wird ein anstrengender Tag: Werde mir die Laufschuhe kaufen und habe vor das volle Programm durchzuziehen, mitsamt Laufbandanalyse und ausführlicher Beratung. Werde dem Verkäufer auch klipp und klar sagen, dass ich 150 Euro auszugeben gedenke, nicht mehr, aber gerne weniger. Ich bin wild entschlossen, das Etablissement ohne Einkauf zu verlassen, wenn ich nicht bekomme, was mir zusagt.
    Wenn ich das überlebt habe, werde ich eine Freundin besuchen fahren, die ich lange nicht mehr gesehen hab. Ist für mich schon ein Ausbund an wilder, sozialer Aktivität.

    Nacht zusammen!
    Plejaden

  • Hallo zusammen,

    heute war ja der erwähnt anstrengende Tag. Ich habe es tatsächlich geschafft in die Stadt zu fahren und eine Laufband-Analyse von meinem Laufstil machen zu lassen. Dabei habe ich mich ziemlich geschämt, weil ich so statt normalen Beinen Fettstampfer habe, und das hat man ziemlich deutlich auf dem Video gesehen (vor allem, dass meine Fußgelenke äußerlich nicht vorhanden zu sein scheinen) :oops: . Naja, ich knicke beim Laufen nach innen ein und habe jetzt Schuhe bekommen, die meinen Fuß unterstützen. Mit 120 Euro lagen sie noch im Limit und waren sogar billiger als die Schuhe, die ich mir vor Jaahren mal gekauft habe und die jetzt ausgelatscht sind. Ich bin ja mal gespannt auf morgen ;) .
    Allerdings war der Verkäufer nur seeehr aufgesetzt freundlich, man hat deutlich gemerkt, dass ihn das alles angekotzt hat. Weil ich sehr sensibel für solche Sachen bin, habe ich mich nicht so umfangreich beraten lassen, wie ich vorgehabt hatte, sondern nur das "Minimalprogramm" durchgezogen.
    Immerhin, dass der Mann so käsig drauf war nehme ich mir nicht mehr zu Herzen :D . Jetzt muss ich nur noch abgebrühter werden: "Ich sehe, dass dir das alles auf den Sack geht, aber das ist mir egal."

    Der Sache mit meinen Füßen werde ich aber nachgehen, da ich in den letzten Wochen manchmal starke Schmerzen habe. Ist, als würde mir jemand ein Messer zwischen die Knochen schieben. Fußgymnastik werde ich dann wohl schonmal anfangen...

    Danach (also nach dem Schuhkauf) war ich noch bei der Freundin, wir haben uns zwei Stunden nett unterhalten. Sie hat eine selbstunsicher-vermeidende PS und hat deshalb inzwischen Ärger bei der Arbeit (ist damit natürlich keine motivierte, engagierte Karriermitarbeiterin). Aber es hat ihr sehr geholfen, dass sie sich mit jemandem darüber unterhalten konnte. Ich hab mich im Gegenzug bei ihr geoutet. Sie war überrascht, findet es aber gut, dass ich jetzt keinen Alkohol mehr trinke. Noch ein Pluspunkt auf der Liste der Leute, die mich unterstützen ;) .

    Mir ist gestern im Bett noch was aufgefallen. Viele Dinge werden mir erst jetzt klar, im Abstand zum Alkohol. Es ist, als hätte ich ein Faß voll Lügen und Selbstbetrug geöffnet. Dass ich tatsächlich gezielt Situationen gesucht habe, in denen Alk konsumiert wird; dass ich Schnaps getrunken habe, um schneller besoffen zu sein; dass ich gierig getrunken habe; dass ich eifersüchtig wurde und Angst hatte, jemand könnte den Alk vor mir austrinken; dass meine Gedanken um den Alk kreisten - all das hatte ich auf den Fragebögen verneint. Ich habe inzwischen auf der einen Seite Bammel davor, was mir das Faß noch alles offenbaren wird. Andererseits ist es erleichternd, weil die Lügen ans Licht kommen.

    Melde mich später nochmal :)

  • Servus Plejaden,

    Deine beginnende Ehrlichkeit Dir selbst gegenüber:

    Zitat

    Dass ich tatsächlich gezielt Situationen gesucht habe, in denen Alk konsumiert wird; dass ich Schnaps getrunken habe, um schneller besoffen zu sein; dass ich gierig getrunken habe; dass ich eifersüchtig wurde und Angst hatte, jemand könnte den Alk vor mir austrinken; dass meine Gedanken um den Alk kreisten - all das hatte ich auf den Fragebögen verneint.

    ist gut und unabdingbar für ein zufriedenes Leben.

    Wer weiss, eventuell erfährst Du auch mit der Zeit eine gewisse Erleichterung bei anderen Störungen (soz. Phobie), wenn die Dominanz des Alkohols erst mal weg ist. Mir ist ein Fall aus der SHG bekannt, da löste sich diese Phobie "in Luft auf" - war also in dem Fall auf den Alkoholmissbrauch zurückzuführen.

    Mach weiter so!

    LG
    Spedi

  • Ok, es ist ein bisschen viel später geworden...

    @Spedi: Ja, wie wichtig die Ehrlichkeit ist, wird mir dieser Tage immer klarer und klarer. Es war mir zwar auch schon vorher klar, aber ich war nicht in der Lage es umzusetzen. Ich habe mich ja nicht nur in Alkoholdingen belogen, sondern wesentlich umfassender. Damit soll jetzt Schluss sein.

    Ein besonders krasses Beispiel: Als ich arbeitslos war vor Jahren, spielten sich so 3-4mal die Woche bizarre Szenen ab. Ich ging einkaufen, kaufte allerhand Leckereien und Knabbereien mit der Begründung, dass die für Gäste seien. Noch am selben Tag habe ich diese Sachen dann aufgefressen (ein anderes Wort fällt mir nicht ein dafür), jetzt mit der Begründung, dass das Zeug sonst schlecht werden würde oder damit es weg ist und ich meine Diät beginnen könne. Hinterher hatte ich unendliche Schuldgefühle und da ich keine Bulimikerin bin, kamen auch die Pfunde - neue Schuldgefühle.

    Nochmal zurück zum Thema Alk: Gestern ist mir wieder etwas klar geworden. Das geht momentan Schlag auf Schlag, irgendwie. Es war mir ja immer peinlich vor Leuten zu trinken, die selbst keinen Alk getrunken haben. Das lag natürlich an meiner Integrität, die verletzt wurde, und das vor Zeugen! Allerdings ist mir jetzt klar geworden, dass es ein süchtiges Verhalten war: Mein Trinksystem sah vor, dass ich nur am Woen trinken durfte. Inzwischen brauchte ich mehr und öfters Alkohol, aber mein Trinksystem blieb dasselbe. So habe ich dann getrunken, obwohl es mir höchst unangenehm war (es war ja Besuch da, der nichts getrunken hat), denn die Alternative war noch unangenehmer: Die letzte Alk-Gelegenheit für den Rest der Woche verstreichen zu lassen.

    Oh mann...

    LG
    Plejaden

    PS: Drückt mir die Daumen, dass ich gleich beim Joggen nicht weggeweht werde...

  • So, da bin ich wieder. Puh, heute ging joggen gar nicht gut. Habe auf den 2/1er-Rhythmus umgestellt (zwei Min. joggen, eine Min. gehen) und es war hart. Das lag vor allem am scharfen Gegenorkan, aber auch an meiner eigenen Dummheit - hab drei Minuten bevor ich losgezogen bin noch ne groooße Tasse Schwarzen Tee mit Milch gekippt. Gab Seitenstechen und leichte Übelkeit. Habs trotzdem durchgezogen und bin mächtig stolz! Die neuen Schuhe sind gewöhnungsbedürftig, aber zumindest gut gedämpft.

    Danach habe ich eine 3/4-Stunde meines Lebens damit vergeudet, die Xbox 360 am neuen HD-Fernseher im HD-Modus zum Laufen zu kriegen. Nach gefühlten 3.000maligem Umstecken, Neustarten, Herumklicken, tief fliegenden Fernbedienungen und großer Verzweiflung funktioniert es jetzt 8) . Zur Abwechslung lag das Problem mal nicht an Winzigweichs weißem Wunderwerk, sondern am Fernseher.

    Dann habe ich hier im Forum gestöbert, und zu meinem Unglück einen Beitrag gelesen, in dem es um die jüngst eröffneten Karnevalsfestivitäten ging. Holla, da war das Suchtmonster wieder :shock: . Sofort kamen Erinnerungen an Feten, Alk, Fröhlichkeit, in meinem Innern gröhlte es "Siehst du, der/die hat auch was getrunken und es ist alles in Ordnung, du kannst auch!"
    Nachdem ich jetzt ca. eineinhalb Liter Wasser gekippt habe, geht es wieder. Gleich mache ich mir noch einen Kaffee, dann gibt es noch mehr Wasser (ich weiß, Kaffee soll angeblich Saufdruck auslösen; ich kann mir nach dem Genuß von Kaffee allerdings nicht vorstellen, etwas anderes außer Wasser zu trinken).
    Nein, ich kann nicht. Ich bin ich. Die andere Person ist die andere Person. Selbst wenn zig Millionen andere Menschen können, ich kann nicht.

    Ich habe gerade, in diesem Moment, eine feuchtfröhliche Weihnachtsfeier abgesagt, mit der Begründung, Alkoholikerin zu sein.

    Puh. Ich bleib lieber noch ein bissi hier :? . Alles etwas viel im Moment.

  • Hallo zilli,

    ich bin auch noch ziemlich frisch, trotzdem willkommen im Forum ;) .

    Danke, es geht mir schon besser. Diese Vergleiche mit anderen sind immer Sch... marrn, ich bin ich und du bist du. Und danke für die Unterstreichung und die Kraft, das hat mich bestärkt ;) .

    Ich schicke dir auch viel Kraft für deinen Arztbesuch morgen!

  • So, es geht mir jetzt deutlich besser. Aber schon seltsam, wenn einen das Suchmonster einredet, man sei seit Jaaaahren schon überzeugter Karnevalist gewesen und habe Karneval ja immer so toll gefunden... und man in Wirklichkeit davon eigentlich nie was gehalten hat. Es ist somit klar, ich kann mir meine Frage, die ich vor einigen Wochen mal gestellt habe, selbst beantworten: Das Suchtgedächtnis sucht nach neuen Möglichkeiten und Gelegenheiten, wenn ihm die altbekannten entzogen werden.

    Konsequenz: Ich werde mich von allem fernhalten, was mit Alkoholkonsum zu tun hat, auch wenn es sich bei diesen Situationen nicht um altbekannte Saufgelegenheiten gehandelt hat. Ich bin nur noch dort wirklich entspannt sicher, wo es keinen Alkohol gibt.
    Klar, das hätte ich auch vorher schon getan, aber dadurch hat dieser Entschluss noch etwas... Nachdruck erhalten.

    Ansonsten wurde gerade im Chat das Verhältnis angesprochen, das ich zu meinen trinkenden Eltern habe. Ich weiß nicht, ob die beiden Alkoholiker sind oder nicht. Zumindest mein Vater ist sehr auf Alkohol bezogen, thematisiert ihn ständig, wenn er ihn konsumiert ("Ah, schmeckt das gut!" "Hab ich einen Brand...") und gibt auch kund, wann er nächstes Mal zu konsumieren gedenkt und was. Meine Mutter trinkt auch viel, aber eher beiläufig.
    Im Chat habe ich auch geschrieben, dass dieses Verhältnis wie eine Zeitreise ist: Früher habe ich den Konsum meiner Eltern immer sehr kritisch gesehen und fand es unangenehm, wenn sie betrunken waren. In diesem Zustand hat mein Vater dann auch meinem Bro und mir von frühester Kindheit an versucht Alk anzudrehen. Dieses unangenehme Gefühl verschwand, als ich selbst angefangen habe (zuviel) Alk zu konsumieren, doch nun kehrt es langsam zurück.
    Ich merke, dass vor allem mein Vater das Alkoholtrinken als einen seiner wenigen Zeitvertreibe sieht, außer viel zu exzessivem Sport. Ansonsten tut er den ganzen Tag lang nicht viel. Trinken tut er jedoch nur Abends. Meine Mutter hat relativ vielfältige Interessen (malen, ein Ehrenamt, Sport...).

    Ihr merkt, ich rede noch recht neutral und distanziert darüber. Ich habe es noch nicht an mich heran gelassen, vielleicht kommt das noch. Meine, von Gewalt und wenig Liebe geprägte Kindheit habe ich halbwegs verarbeitet, doch diese Alkthematik ist noch jungfräulich. Eine Baustelle nach der anderen.

    LG
    Plejaden

  • Hallo Plejaden,

    puh, fast schon Geisterstunde. Fürs Forum war dieses Wochenende wenig Zeit, aber als ich Deine letzten beiden Beiträge las, fühlte ich mich an mein eigenes Suchtmonster erinnert. Das hat gestern abend zugeschlagen, und ich weiß immer noch nicht so genau warum. Naja, es waren nicht nur ein paar schwierige Momente, sondern eher Stunden, aber ich habs ähnlich bekämpft (Wasser, Wasser, nochmal Wasser). Irgendwann war es weg, puh. Aber eigentlich wollte ich Dir nur kurz schreiben: super, gut gemacht!

    Und ab morgen häkele ich endlich wieder an meinem eigenen Thread, muß einiges nachgetragen werden :?

    Viele Grüße und ne schöne Woche,
    Zeppeline

  • Hallo Plejaden,

    Mensch, Mensch, Mensch, da hat sich wohl Dein Suchtmonster glatt mit dem Karnevalszombie verbündet :x ! Ist doch erschreckend, wie heftig sich unterbewusst das Trinkverlangen an die Oberfläche kämpft. Vielleicht liegt es daran, dass all diese Karnevalisten den Eindruck erwecken, dass sie den Spaß ihres Lebens erleben und Du -ausgerechnet DU- bist mal wieder nicht dabei! Aber wie ich gelesen habe, hast Du dem Druck ja durch sinnvolle Beschäftigung erfolgreich widerstehen können. Das ist doch positiv :D !

    Tja, der Alkoholkonsum Deiner Eltern und Dein Umgang damit für die Zukunft? Wenn ich das richtig verstanden habe, dann trinken Deine Eltern durchaus regelmäßig und auch mal ein Glas mehr, aber von den Geschichten, die so manchmal im Kinderbereich zu lesen sind, scheinen sie ja doch noch ein wenig entfernt zu sein, oder? Ich stelle mir letztlich die gleiche Frage, weil meine Eltern auch sehr regelmäßige Trinker waren und auch sind, wobei dort niemand ausfällig wird und gewisse Grenzen auch nicht überschritten werden. Hmmmm, dieses Thema ist auch gar nicht so einfach, neben der eigenen Trockenheit :roll: .

    Also Baustellen gibt es wirklich viele, aber hey: Wenn man diese fertig hat, dann gibt es schöne neue Straßen, Häuser und Gärten :D !

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Hallo zusammen,

    yeah, einen weiteren Montag rumgekriegt. Bin relativ spät zur Uni, bin dort meinen Pflichten nachgekommen und habs geschafft relativ gut in der Bibliothek zu arbeiten. Trotzdem war ich heute mal froh, wieder daheim zu sein, weil es doch etwas kalt wurde.

    Der Vermieter von Freitag war immer noch nicht zu erreichen, auf meine Email kam auch keine Antwort. Langsam weiß ich, warum die Wohnung schon einige Wochen da drin steht... Naja, ich hab jetzt vor Stufe 2 zu starten und mir wöchentlich die Zeitung mit den Kleinanzeigen zu kaufen. Da findet sich bestimmt auch so einiges Gutes.

    Dann ist mir heute etwas eingefallen, und an dieser Stelle fehlt der Smily, der mit dem Kopp vor die Wand haut: Wieso besuche ich eigentlich keine SHG, die in der Stadt liegt wo auch meine Uni ist? Dann ist es egal wo ich hinziehe, meine Eltern kriegen nichts davon mit (ich hab keine Lust mehr, mich von ihnen mit ihrem "Du übertreibst"-Gelaber ankäsen zu lassen) und ich kann evtl. auch eine Gruppe am Nachmittag besuchen. Mann mann, manchmal ist man wie vernagelt. Gut, Bürozeiten und Telefonnummern sind abgepinnt, morgen rufe ich da an.
    Jesus. Am Ende verliere ich noch meine Angst vorm Telefonieren :roll:

    Zeppeline :

    Zitat

    ..., fühlte ich mich an mein eigenes Suchtmonster erinnert. Das hat gestern abend zugeschlagen, und ich weiß immer noch nicht so genau warum. Naja, es waren nicht nur ein paar schwierige Momente, sondern eher Stunden, aber ich habs ähnlich bekämpft (Wasser, Wasser, nochmal Wasser).


    Das geht mir ähnlich. Ich meine mal irgendwo gelesen zu haben, Suchtdruck gehe nach so sechs Minuten weg, aber auf mich trifft das nicht zu. Zumindest fühle ich mich, wenn der akute Anfall vorbei ist, irgendwie "wackelig". Instabil. Das hält dann ein paar Stunden an.
    Du findest sicher noch heraus warum. Das ist auch wichtig, damit zukünftige Saufdrücke nicht mehr so unvermittelt kommen, bzw. um das ganz zu vermeiden. So hab ichs zumindest verstanden.

    JoeDoe :

    Zitat

    Mensch, Mensch, Mensch, da hat sich wohl Dein Suchtmonster glatt mit dem Karnevalszombie verbündet! Ist doch erschreckend, wie heftig sich unterbewusst das Trinkverlangen an die Oberfläche kämpft. Vielleicht liegt es daran, dass all diese Karnevalisten den Eindruck erwecken, dass sie den Spaß ihres Lebens erleben und Du -ausgerechnet DU- bist mal wieder nicht dabei!


    Mh, ich weiß ziemlich genau woran es lag, an diesem einen Beitrag hier im Forum. Ich las nur noch Rathaus? Kneipe? Schnaps? *klick*
    Aber klar, daran liegt es auch - die anderen haben Spaß und ich nicht. Klar, das ist nur Suchtmonster-Geschwafel, aber in dem Moment hats mich voll umgehauen... Und das, wo ich Karneval wirklich nicht abkann. Wenn ich schon "närrisch" und "jeck" höre, stellen sich mir die Nackenhaare auf... Ich habe ja die Einstellung, dass man jeden Tag fröhlich und gut gelaunt sein sollte, und nicht auf Kommando an ein paar Tagen aufgekratzt mit Pappnase durch die Städte hüpfen sollte - nur um an den restlichen Tagen im Jahr in der typisch deutschen mittelschweren Depression zu versinken (im Bus... jeden Tag... "Ja, schlimm Gisela, schlimm, wirklich... Und das mit die Renten, schlimm...").

    Zitat

    Wenn ich das richtig verstanden habe, dann trinken Deine Eltern durchaus regelmäßig und auch mal ein Glas mehr, aber von den Geschichten, die so manchmal im Kinderbereich zu lesen sind, scheinen sie ja doch noch ein wenig entfernt zu sein, oder?


    Ja, das auf jeden Fall. Es ist halt allgemein so, dass mein Vater seit einer schweren Operation im vorletzten Jahr irgendwie auch geistig abgebaut hat, und seitdem trinkt er noch mehr. Alkohol sieht er als einen der wenigen Späßchen, die ihm im Leben noch geblieben sind. Meine Mutter ist da irgendwie positiver.

    Ich freue mich auf jeden Fall auf mein Häuschen, mit Garten und den schönen Blumen - alle einheimisch, damit die Metterschlinge viel zu schlürfen haben :) .

    LG
    Plejaden

  • Hallo Plejaden,

    Zitat

    Ich freue mich auf jeden Fall auf mein Häuschen, mit Garten und den schönen Blumen - alle einheimisch, damit die Metterschlinge viel zu schlürfen haben .

    ...uund ich freue mich jeden Tag, von Dir zu lesen. Trotz deiner Probleme hast Du dir einen gewissen Optimismus und eine lebensbejahende Fröhlichkeit angeeignet oder zurückgewonnen. Ich wünsch Dir von ganzem Herzen, dass Du bald eine schöne Wohnung findest- ich weiß, wie wichtig das ist.

    Mach weiter so :!::)

    LG kommal

    unterwegs...

  • Viel Erfolg, Plejaden, bei der Häuslesuche! :):):)
    Ich weiß, man soll es mit den Smileys nicht übertreiben, aber das mußte jetzt sein. Schließlich ist das - :evil: - Monster weg, dank generalstabsmäßig geplanter Freizeitaktivitäten am Sonntag. Der Auslöser ist mir allerdings immer noch ein Rätsel. Hm.

    Viele Grüße,
    Zeppeline

  • Hallo Plejaden!

    Zitat

    Wenn ich schon "närrisch" und "jeck" höre, stellen sich mir die Nackenhaare auf


    Na, da solltest Du ja über die gleichen Antikörper wie ich verfügen :wink: ! Um so erstaunlicher dann eigentlich, dass der von Dir erwähnte Beitrag hier im Forum so eine Wirkung auf Dich gehabt hat :roll: . Naja, aber jetzt ist ja erstmal einige Wochen Ruhe, bevor es dann wieder richtig damit los geht. Ich bin jedenfalls jedes Jahr bemüht, so viele Kilometer wie möglich zwischen mich und dem Straßenkarneval zu bringen. Das hilft!

    Zitat

    Alkohol sieht er als einen der wenigen Späßchen, die ihm im Leben noch geblieben sind.


    Tja, da habe ich wohl einen ähnlich gelagerten Fall :roll: . Mein Vater ist zwar noch sehr aktiv und hat auch so seine Hobbies, aber zum gepflegten Rentner-Dasein gehört für ihn eben auch das ein oder andere Bier. Hmmm, da ich darunter grundsätzlich nicht zu leiden habe (wohne schon lange nicht mehr daheim und sehe meine Eltern vielleicht zwei mal im Jahr aufgrund der Entfernung), weiß ich eigentlich gar nicht so genau, wie ich künftig damit umgehen soll. Da man sich bei mir an die Regeln eines vernünftigen Miteinanders hält, sind da prinzipiell kaum Vorwürfe zu formulieren. Bei einer fremden Person kann man dann ja einfach getrennte Wege gehen, aber so ???

    Ich drück Dir jedenfalls bei der Wohnungssuche weiterhin die Daumen! Und natürlich auch für Deine Telefoniererei viel Erfolg!

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Hallo zusammen,

    heute war ein ruhiger Tag. War eine Stunde in der Bibliothek lesen, danach zwei Stunden arbeiten. Bin dort gut zu Rande gekommen. Gegen Mittag bin ich gleich heim, weil ich heute eigentlich noch joggen wollte, aber mein Fuß tut immer noch ziemlich weh. Also hab ich es lieber sein gelassen, bin ja kein Profi-Sportler der Geld dafür kriegt sich seine Knochen kaputt zu machen. Am Donnerstag werde ich damit mal zum Arzt gehen... Immerhin, ich habe mit Fußgymnastik angefangen und habe mir eigens dafür einen Kieselstein eingesammelt, den ich mit meiner Vorliebe für niedliche Namen und nach einem meiner Lieblingskünstler "Füssli" getauft hab. Wie süß.

    Habe dann noch zwei Anrufe getätigt, einmal bei einem anderen Arzt angerufen und Ergebnisse abgefragt (bin voll gesund!) und dann wegen der SHG. War ein kurzes, aber nettes Gespräch, ich habe ein paar Termine bekommen wann sich die Gruppen treffen und werde jetzt mal darüber meditieren, zu welchem Termin ich da auflaufen werde. Bin richtig erleichtert :lol: .

    Dann ist mir heute etwas eingefallen, was ich mir auch unbedingt in Erinnerung behalten sollte: Wie stark diese "du kannst doch nicht einfach nie wieder Alkohol trinken, das geht doch nicht!"-Gefühle waren. Die totale Verzweiflung, die mich erfasst hat, wenn ich an ein Leben ohne Alk gedacht habe. Ich erinnere mich noch deutlich, wie ich meiner Schwägerin in spe mal beobachtet habe: Sie hat seit über eineinhalb Jahren keinen Alkohol getrunken, wegen Schwangerschaft und Stillzeit. Ich habe total ungläubig gedacht: Wie hält sie das nur aus? Ich könnte das nicht.
    Und hier wird es lügnerisch. Denn der nächste Schritt blieb immer aus. Monatelang. Immer wieder, obwohl er irgendwie immer gegen meine Schläfen gedrückt hat. Ich bin süchtig, deshalb würde ich es nicht aushalten nicht mehr zu trinken. Das Lügengebäude scheint sich immer höher aufzutürmen, mit jedem Tag den ich trocken bin. Ich bin froh, es verlassen zu haben, aber ich werde es nicht abreißen, sondern als mahnende Ruine in meinem Herzen stehen lassen. Mein persönlicher Ground Zero. Sonst käme ich noch auf die Idee, ein Neues an Stelle des Alten zu bauen...

    kommal :

    Zitat

    Trotz deiner Probleme hast Du dir einen gewissen Optimismus und eine lebensbejahende Fröhlichkeit angeeignet oder zurückgewonnen.


    Das war und ist mir immer wichtig, Fröhlichkeit. Ich bin lange genug traurig, ängstlich und depressiv gewesen, ich habe meine Mutter gesehen, wie sie es war. Das möchte ich nicht. Durch meine Therapie konnte ich mir diese Fröhlichkeit in den letzten Jahren erarbeiten, und das Leben gefällt mir viel besser so. Vorher hatte ich einen hartnäckigen Zweckpessimismus, der schützt zwar vor Verletzungen, aber damit kann man überhaupt nicht glücklich werden...

    JoeDoe :

    Zitat

    Um so erstaunlicher dann eigentlich, dass der von Dir erwähnte Beitrag hier im Forum so eine Wirkung auf Dich gehabt hat


    Das wundert mich auch. Vielleicht war es die Erwähnung der "Trias der (Un)Glückseligkeit", die mein Suchtmonster aktiviert haben: Spaß, Gesellschaft, Alkohol. Erschreckend, das dieses Muster immer noch fest sitzt. Andererseits, ich arbeite ja erst seit zwei Monaten daran...

    Zitat

    Hmmm, da ich darunter grundsätzlich nicht zu leiden habe (wohne schon lange nicht mehr daheim und sehe meine Eltern vielleicht zwei mal im Jahr aufgrund der Entfernung), weiß ich eigentlich gar nicht so genau, wie ich künftig damit umgehen soll.


    Hast du dich denn schon bei ihm geoutet, oder steht dir das noch bevor *das nicht im Kopf hat*? Es ist halt immer die Frage, wie akzeptiert er es, wie geht er damit um; besteht er darauf, in deiner Gegenwart etwas zu trinken, bietet er dir am Ende noch was an...
    Ich denke, sobald ich nicht mehr hier wohne, werde ich es wie mein Bro handhaben (vor zwei Jahren ausgezogen) und werde hier nur noch sporadisch vorbei schauen und immer nur Vormittags/Nachmittags unter der Woche - da wird nicht getrunken.

    LG
    Plejaden

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