hallo,
es ist ein wenig zeit verstrichen. inzwischen kann ich mit meinem ex wieder reden, es sind keine mauern mehr zwischen uns. das erleichtert mich.
übrigens meinte meine therapeutin, dass das gefühlsleben sozusagen sich seine eigenen bahnen schlägt, wegen des erst die eine beziehung abschließen und dann eine neue anfangen. das kann so sein, muss aber nicht. naja.
letzte woche hatte sich mein derzeitiger freund auf diverse sms nicht gemeldet, das kann ich ja gar nicht leiden. ich hatte zunächst vermutet, dass es daran liegt, weil ich ihm bezogen auf seine bitte um finanzielle hilfe eine absage erteilt hatte.
er kam jedoch am wochenende vorbei, erneuerte auch seine anfrage, ich wieder nein. dann meinte er plötzlich, dass er umziehen müsse, zu seinem sohn, in eine andere stadt, eine wohnung könne er hier alleine nicht halten. ich weiß, dass es alles schwierig ist, wegen seines ungesicherten status.
teilweise hatte ich in der letzten zeit schon stark das gefühl, dass ich eine illusion lebe, je länger unsere beziehung geht, weil er de facto nichts machen kann. außer, ich springe für ihn ein. ein mehr oder weniger natürlicher reflex sagt bei mir da allerdings erst einmal nein.
auf der anderen seite war die gemeinsam verbrachte zeit doch recht schön, irgendwie bin ich auf den geschmack gekommen, was es heißt mit jemandem zusammen zu sein, nähe, zärtlichkeit zu erfahren, nicht alleine durch die gegend zu laufen. gerade gestern erst habe ich die zweisamkeit sehr genossen und heute erfahre ich, dass dies bald ein ende haben wird. natürlich könnte ich etwas für ihn tun bzw. einen schritt in die richtung engeres zusammenleben bzw. einstehen für den anderen, tun. es gibt mehrere faktoren, die mich davon abhalten: erst einmal bin ich ökonomisch nicht gerade risikofreudig, habe keine schulden etc, auch sonst keine existenziellen schwierigkeiten. das will ich mir erhalten. durch ihn sehe ich da zumindest gewisse gefährdungen, und wenn man einmal ja gesagt hat, dann sagt man auch zweimal ja. gut, es muss alles nicht so schlimm kommen, aber ich habe da einen sehr starken sicherheitsinstinkt.
zum zweiten hätte ich dadurch endgültig die trennung von meinem ex besiegelt. ich habe das gefühl, dass ich mir da ein hintertürchen offen lassen möchte. zum dritten ist unsere beziehung eine art geheimniskrämerei, ich erzähle davon im bekanntenkreis nicht, das macht mich selbst misstrauisch.
auf der anderen seite denke ich, dass ich mir in diesem fall die rosinen herauspicke, aber nicht bereit bin, auch dafür etwas zu tun, so nach dem motto, wenn es halt nicht mehr geht, lassen wir ihn fallen. da schleichen sich bei mir auch schuldgefühle ein.
hinzu kommt, dass ich bezogen auf das alleinsein eine absolute schwäche habe. ich habe das gefühl, es muss jemand da sein, in meinem leben.
ich habe jetzt noch einmal nachgedacht, letzte woche, als er sich nicht gemeldet hatte bzw. die sms-nachrichten sehr merkwürdig zurückhaltend gewesen sind, dachte ich ja, dass dies wegen meines neins war. irgendwann war ich zwar der meinung, dass ich überinterpretiert hatte, doch jetzt glaube ich das nicht mehr. denn seine reaktion auf mein zweites nein ist ähnlich gewesen. er ist mehr oder weniger sang- und klanglos abgezogen. das riecht mir ein wenig nach emotionaler erpressung.
grüße simmie