Beiträge von Maria

    Hallo Xenica,

    das ist eine gute Frage, die du da stellst.

    Ich wusste was Alkohol mit einem Menschen anrichten kann. Ich habe es als Heranwachsende hautnah erlebt, als Kind eines Alkoholikers. Trotzdem habe ich Alkohol zu meiner Problembewältigung eingesetzt oder auch nur so.

    Ich hielt mich aufgrund meiner Kindheitserfahrungen für schlauer, dass mir doch sowas nicht passieren kann. Trotzdem habe ich immer schon viel getrunken. Ich bin selbst dafür verantwortlich Alkoholikerin zu sein, da bin ich mir recht sicher. Ich habe das ausgereizt, weil ich stärker sein wollte und musste erkennen, dass es nicht so ist.

    Allerdings kann ich zu meiner Entschuldigung sagen, ich war darüber wie gefährlich Alkohol ist, nie informiert. Wie leicht ich durchsausen kann in der Spirale, das war mir nicht bewußt. Ich habe es in meinem Thread Wie sieht ein Alkoholiker aus... angesprochen. Heute informiere ich mein Umfeld aus meinen Kenntnissen heraus um aufzuklären, wie schnell das gehen kann.

    Ich fühle mich nicht mehr schuldig. Heute bin ich froh und dankbar, dass ich es anerkennen konnte.

    Maria

    Zitat

    hier wird viel zu wenig prävention und aufklärungsarbeit geleistet, damit müßte man schon an den schulen anfangen um die menschen zu sensibilisieren, ihnen klar zu machen das der umgang mit alkohol gefährlich ist.

    Nutzt ihr eure Kenntnisse zur Aufklärung in eurem Umfeld? Sprecht ihr mit euren Kindern drüber?
    Oder wenn euch auffällt, dass von Jemandem der Konsum schon sehr bedenklich ist? Werden sie angesprochen?

    Maria

    Danke Martin und Pierre.

    Zitat


    So lange ich noch getrunken habe sah ein Alkoholiker natürlich schlimmer aus als ich.

    Ich lese aus allen Beiträgen raus, das Bild einer/s Alkoholiker/in entspricht vor allem eines... verstecken, verheimlichen auf Teufel komm raus.

    Zitat

    bin dort mit Alkoholikern zusammen die in Bildung und Beruf wirklich nicht dem allgemeinen Bild des Alkoholikers entsprechen.

    Weil es ein allgemeines Bild von draußen zu sehen einfach nicht gibt.

    Und vor allem das halte ich wichtig nochmal deutlich hervorzuheben:

    Zitat

    So ging das immer weiter bis ich die Einsicht hatte und in die Entgiftung ging.
    Ab da fehlt mir die Erinnerung, ich wurde Wochen später wach, überall Schläuche in mir drin und zu nichts in der Lage.

    Zitat

    bin ich am vierten tag ohne jede vorwarnung mit einem krampfanfall auf der straße zusammengebrochen und ins delir gefallen. Die aerzte haben mich mit viel muehe mehrfach wieder ins leben zurueckholen muessen. mir fehlen mehrere tage meiner erinnerung, in denen ich im koma lag.

    Es kann ganz rasant gehen... aus sicher geglaubter Höhe bis ins Grab.

    Maria

    Danke schön MrHardcore.

    Ich dufte meinen Wendepunkt im Leben ja um einiges früher erkennen, doch könnte ich trotzdem fast jeden 2. Satz von dir kopieren, weil es bei mir genauso war und mir diese Dinge eben vorgegaukelt haben... ICH HABE DOCH KEIN SUCHTPROBLEM... ich trinke vlt. etwas zuviel... aber abhängig?

    Zitat

    ausserdem wollte ich ja nie so werden, wie mein vater. der, ja, der war alkoholiker...

    Das ist derjenige, den ich besonders hervorheben möchte. Denn zu all den anderen Gründen fühlte ich mich zusätzlich als Opfer, was es mir noch schwerer machte, genau hinzugucken.

    Vielen Dank nochmals für deine offenen Worte.

    Danke doro.

    Zitat

    ich war besoffen sehr viel bequemer für ihn

    Das kenn ich leider ja auch so :? Aber nicht nur für ihn ;) frei und eigenständig denkende Menschen halten einen Spiegel hoch... damit kann nicht jeder umgehen... das wäre aber nu` ein anderes Thema.
    Oder vielleicht doch nicht?
    Vielleicht hindert das Umfeld so sogar den Alkoholabhängigen rauszutreten , weil auch das Umfeld vergleicht. Und bevor es selbst bei sich gucken muss, eher dem Alkoholabhängigen sagt... ach quatsch... du redest dir eine Sucht nur ein??? Du siehst ja gar nicht wie ein(e) Säufer/Säuferin aus.

    Zitat

    ich frag mich: kann ich was dagegen tun?

    Klar... wenn ich bei mir anfange und das Bild der Realität anpasse :) und nicht andersrum mich dem Bild ;-)..

    Anfangen muss ich bei mir, denn wenn ich mich ändern kann... ist das schon `ne Menge.

    Wisst ihr eigentlich, dass die größen Frauenzeitschriften und das Bild wie eine Frau zu sein hat, von Frauen gemacht wird? Da fängt es doch schon an :roll:

    Das Bild mag eine Co-Abhängigkeit fördern. Doch ich darf doch auch raustreten !!!

    Liebe Grüße
    Maria

    Ja danke schön Tina.

    Zitat

    Das was mit meinem Konsum nicht stimmte wußte ich schon länger, nur wahrhaben wollte ich es nicht.

    So ging es mir nämlich auch. Ich wußte es, aber habe ganz bewußt mich nicht damit auseinander gesetzt... gar nicht hingeguckt. Karsten hat ja an anderer Stelle einen Thread : Gespräche ausweichen... genauso war es bei mir. Sobald das Thema auf Alkohol kam... hab ich das Weite gesucht... als ich noch trank. Heute ist es anders und stelle bei meinen Gesprächspartnern entweder eine Bereitschaft fest oder totale Ablehnung.

    Was mir jedoch hier im offenen Bereich häufiger auffällt ist - und das würde mich halt mal interessieren - es wird ja erst hingeguckt, scheinbar was gesehen und aufeinmal und ganz plötzlich wieder weg geguckt.

    Also angefangen hinzuschauen, weil ja was im argen liegt, dann wohl das gesehen, was nicht gesehen werden will und dann nochmal die Augen extra zu... unter dem Vorwand... es ist doch alles halb so schlimm... denn es ja zum Verlauf der Krankheit dazu gehört. Es fängt schleichend an, entwickelt eine eigene Dynamik und der eigene Zugriff wird immer geringer.

    Regelmäßig Alkohol trinken zu müssen und die Kontrolle hinsichtlich der Menge zu verlieren... ist nunmal nicht halb so schlimm... auch wenn das zum normalen Alltag der trinkenden Gesellschaft gehört... und scheinbar alle so machen.

    Und ich denke, wenn wir dieses Bild ein wenig ins Recht Licht rücken könnten, dass eben nicht jeder Alkoholiker oder nicht jede Alkoholikerin erst auf der Intensivstation landen muss um erkennen zu können, dass ein Suchtproblem vorliegen kann, ist vlt. der Mut eher da, hinzusehen und anzunehmen.

    Maria

    Hallo.

    Häufiger lese ich, dass sich hier Menschen anmelden, überzeugt davon, dass ihr Alkoholkonsum vollkommen aus dem Ruder gelaufen ist und ihnen große Sorgen bereitet. Sie sehen die ersten Anzeichen, doch haben dann nicht mehr den Mut weiter und vor allem genau hinzusehen.

    Wenn dann gezielte Nachfragen oder Vorschläge kommen, heißt es schnell... soooo schlimm ist es noch nicht. Ob ich wirklich Alkoholiker bin, weiß ich gar nicht. Eher hab ich eine Problem mit Alkohol aber gleich abhängig?

    Die Ängste, die zur Anmeldung geführt haben und der Mut, der aufgebracht wurde, sich hier zu öffnen, wird dann scheinbar vergessen. Es wird angefangen sich zu vergleichen mit den Menschen, die aufgrund ihres Suchtverlauf's viel tiefer runter mussten.

    Und scheinbar der Entschluß gefasst, bei dem/der war's viel schlimmer... ich muss mir wohl was eingebildet haben. Der Konsum wird verharmlost... die Kontrollverluste und alles was war zur Seite geschoben.
    Oder geschrieben... ich habe gedacht... ich könnte mal ein Glas versuchen.

    Ich lese jedoch auch von vielen Menschen, die nach außen hin noch (gut) funktioniert haben und überhaupt nicht auffällig waren. Das Bild, welches in den Köpfen vieler vorherrscht, gar nicht erfüllt haben. Und trotzdem für sich erkannt haben: Wenn ich so weiter mache, saufe ich mich ins Grab.

    Grade Frauen versuchen ja auf Teufel komm' raus ihre Sucht zu verheimlichen. Und nach bei einem Outing (so war´s im übrigen bei mir selbst auch) mit Fragen kontrontiert wird... wie du bist Alkoholikerin?? Übertreibst du da nicht ein bisschen? Also quasi noch überzeugen muss, suchtkrank zu sein.

    Worauf ich hinaus möchte: Alkoholismus hat viele Gesichter... doch der Verlauf ist jedoch vorgegeben. Wenn ich die natürliche Grenze versoffen habe, dann geht es doch unweigerlich nur nach unten.

    Ich würde gerne erfahren wollen: Wie war`s oder wie ist es bei Euch. Was hat bei Euch zu der Erkenntnis geführt, dass nur die Abstinenz den weiteren Verlauf in der Spirale stoppt und ihr eben doch in der Lage seit, annehmen zu können, abhängig zu sein? Heute sagen zu können: Ja... ich bin Alkoholiker/in, obwohl ich nicht Hab und Gut versaufen musste.

    Was mich zusätzlich noch interessieren würde, wäre von den Menschen, die sehr viel tiefer runter mussten. Habt ihr nicht gemerkt, dass es immer tiefer geht oder habt ihr das mit dem eben oben genannten verharmlost... bei mir isses noch nicht so schlimm. In der Hoffnung, das "Problem" geht wieder weg. Oder kamen so Gedanken gar nicht auf und ihr habt einfach nur getrunken bis ihr auf der Intensivstation wach geworden seid?

    Maria

    Zitat von HansHa


    Aber bei mir war der Tiefpunkt weiter im Keller angeordnet. Ich konnte weder geistig noch körperlich weiter und habe das im besoffenen Zustand (nüchtern gab es nicht mehr) gesehen und mir helfen lassen.
    Ehe ich mit dem Selbstbetrug aufgehört habe, musste ziemlich viel passieren.

    Hallo Hans,

    das stimmt... der Tiefpunkt ist oftmals sehr viel weiter tief unten angelegt, als es bei mir der Fall war. Ich bin heute sehr dankbar, dass ich - bevor ich tief im Keller war- , handlungsfähig werden konnte und meinen damaligen Status als Chance zur Wende begreifen konnte. Da spielten meine eigenen Kindheitserfahrungen mit: mein Vater ist an seiner Sucht elendig verreckt.

    Aber egal wo man gestanden hat in der Spirale abwärts, die Suchtgesetze sind für alle gleich. Da gibt es kein Verstecken hinter "bei mir isses noch nicht so schlimm". Auch wenn ich nach außen hin noch gut funktioniert habe, innerlich war ich schon lange auf dem Abstellgleis.

    Maria

    Zitat

    Es geschehen hier anscheinend wahre Wunder.

    Das tun sich wohl nicht.

    Aber was mir nu` echt zu Denken gibt ist dies hier:

    Zitat von cduck

    Ich glaube diese Frage, habe ich schon durch meine Anwesenheit hier im Forum beantwortet.

    Zitat von cduck

    Ja, ich bin Alkoholiker

    Soweit so gut... aber dann...?????

    Zitat von kossi


    Entweder Du bist Abhängig oder nicht.

    Zitat von cduck

    Tja, und genau das ist eben nicht so leicht zu beantworten. Ich habe Alkohol wegen der beruhigenden Wirkung getrunken, und dabei festgestellt, dass ich dazu mehr Alkohol trinken muss, als auf Dauer gut sein kann. Deshalb der Entschluss keinen Alkohol mehr zu trinken.

    Worauf möchtest du eigentlich hinaus, cduck?

    Einen Alkoholiker light gibt es nicht (aber ein Thema gibt es im Forum dazu).

    Maria

    Hallo cduck,

    dein Verhalten kenne ich aus meinen selbsauferlegten Trinkpausen, um mir zu beweisen... ICH bin doch keine Alkoholikerin.

    Eines Tages habe ich nüchtern ;) alle Fakten zusammengezählt und da kam eins bei raus. Ich bin Alkoholikerin.

    Schöne Grüße
    Maria

    Hallo cduck,

    ich erzähle von mir, woran ich es selbst gemerkt habe, dass mein Konsum krankhaft wurde. Was mich veranlasst hat, genau hinzusehen und mich zu informieren. Und dass ich darüber festgestellt habe, suchtkrank zu sein.

    Liebe Grüße
    Maria

    Nein Xenica.

    Das steht natürlich. Und im Verlauf steht... wer macht eigentlich eine Therapie usw. usf.

    Aber nicht... JA ich sehe mich selbst als Alkoholikerin.

    Oder Nein... ich sehe mich nicht als Alkoholikerin, sondern aufgrund meiner Persönlichkeitsstörung habe ich Probleme mit Alkohol. Und deswegen mache ich die Entwöhnung.

    Das ist ein Unterschied.

    Und eben wieder:

    Zitat

    Wie kann jemand eine Therapie machen, ohne Krankheitseinsicht?

    Jemand?

    Oder Du?

    Ein echtes JA war das immer noch nicht.

    Aber was mich nun interessiert. Wo liegt dein eigentliches Problem? Worum geht es dir in deinen Beiträge? Was möchtest du mitteilen?

    Ich kann dir von mir sagen, weil mich deine Beiträge zweifeln lassen, ob du wirklich annehmen kannst und es für dich akzeptiert hast, Alkolikerin zu sein.... deswegen frag` ich nach.

    Denn einige Aussagen lesen sich für mich ebenso so an, wie Mr Hardcore es sieht, als schwammig und bloss nicht festlegend.

    Was passiert denn wenn du dich festlegst?

    Maria

    Xenica... nur gehts in diesem Forum um Alkoholismus - an erster Stelle.

    Und darum, dass sich Betroffene untereinander austauschen und sich gegenseitig stützen oder auf mögliche Gefahren hinweisen.

    Die Natur dieses Forums liegt nicht darin, Gefühle oder Gedanken zu bewerten.

    Sondern genau darum:

    Zitat

    Wieso wird diese Einteilung gemacht in nasses Denken oder trockenes Denken?

    Um Wege daraus zu zeigen.

    Maria

    Zitat

    ...auf viele neue Verhaltensweisen habe ich bestanden und bestehe immer noch darauf, um sie so weit wie möglich zu automatisieren.

    Hallo Hans,

    danke für diese Aussage. Denn ich denke manchmal, ob ich nicht übertreibe und zu akribisch bin? Aber habe bei mir festgestellt, um zu verinnerlichen und mich eben - dauerhaft - zu stabilisieren, hilft mir eben genau das was du beschreibst.

    Maria