Hallo Nicole! Ja, wie sehe ich meinen Vater? In meiner Kindheit war er für mich immer der absolut Starke, den ich bewundert habe. Er hat alles gemeistert, was er sich vorgenommen hat und war mein absolutes Vorbild. Ich muss dazu sagen, dass die Ausfälle meiner Mutter sich da ja wirklich noch sehr in grenzen gehalten ahben. Sie waren einkalkulierbar, weil sie nur getrunken hat, wenn er Nachtschicht hatte, also ca. einmal in der Woche. Als ich dann in die Pubertät kam, haben wir eigentlich ständig gestritten, hatten pausenlose Auseinadersetzungen wegen dem typischen Kram. Auch das fand ich gut, ich dachte immer, wir seien ein "offenes" Haus, weil bei uns über alles geredet wird. Aber....
Über unser Thema haben wir nicht geredet. Als ich 15 oder 16 war, habe ich mal all meinen Mut zusammengenommen und habe ihn drauf angesprochen. Das war eigentlich unser einziges "echtes" Gespräch in all den Jahren. Es war ein gutes Gespräch, dachte ich damals, aber das war es nicht. Denn geändert hat sich gar ncihts. Er hat meine Mutter immer gestützt und gegen uns Kinder gemauert. Niemals hat er den Mund aufgemacht, niemals hat er ihr auch nur mit Trennung gedroht, niemals... Er hat es nicht einmal versucht, und das ist es, was ihn z.B. von dir unterscheidet.
Und warum? Weil er es ja so bequem hatte und hat mir ihr. Sie funktioniert ja. Er geht z.B. nicht einmal allein auf die Bank!!! Sie muss alles regeln.
So eine Situation macht es für die Kidner natürlich völlig unmöglich, irgendwas zu ändern. Wie auch, wenn der Partenr das alles toleriert und unterstützt. Im Dezember hat er zum ersten Mal über seine Ängste gesprochen. Wir wussten z.B. nicht, dass er nur deswegen in Frührente gegangen ist (mit 58), weil er sie abends nicht mehr allein lassen wollte und konnte.
Und wie sehe ich ihn momentan? Schwach, erschreckend schwach. Ein Mensch, der durch sein Verhalten die Sucht meiner Mutter gefördert hat. Der dadurch so viel Leid über mich gebracht hat - und natürlich meine Schwester. Aber o.k. - gesoffen hat sie, und nicht er. Aber trotzdem.... Deshalb bin ich ja auch immer so fassungslos, wieso sich soundsoviele Menschen mit Kindern nicht von ihren alkoholabhängigen Partner lösen können. Am liebsten würde ich die alle schütteln!!!!
So, das reicht jetzt mal fürs Erste.... Liebe Grüße, tini