Beiträge von klarerkopf

    Herbst 2005:

    Ich wache in einem Raum auf, liege in einem Bett, über mir (Infusions-?) Flaschen, die in meinen Körper geleitet werden, ein Arzt, der sich mit groß geöffneten Augen über mich gebeugt hat, um mir die Frage zu stellen:

    "Herr ...., wollten Sie sich umbringen?"

    Ich, unfähig mich zu rühren, geschweige denn eine vernünftige Antwort zu geben, war in eine Situation gekommen, die ich mir nie hätte träumen lassen.

    Ich, der "nie" Probleme mit dem Umgang mit Alk hatte, ich, der ja ohne weiteres zwischendurch wieder ein paar Tage auf dieses Zeug verzichten konnte, ich, der eigentlich "alles" im Griff hatte, ich, der (glücklicherweise) noch keinen Führerscheinentzug hatte, dessen Ehe noch "hielt", ich, der seine Welt noch rundherum in Ordnung sah.

    Ich, ich liege jetzt hier in der Intensivstation eines Spitals, bei der Einlieferung noch gemessene 3,71 Promille in der Birne.
    Meine Gedanken ließen sich in dieser Situation und in den darauffolgenden Tagen wie folgt beschreiben: "Wenn es jetzt noch einen Funken "Stolz" in mir gibt, kratze ich jetzt die Kurve".

    Auf Teufel komm raus, koste es, was es wolle.

    Diese geschilderte Situation ist das letzte Kapitel eines jahrelangen Alkoholmissbrauchs, verbunden mit jeder Menge Selbstbetrug, Selbstmitleid, Ausreden, oftmals vorgenommenen Neubeginn (So, und ab morgen....), usw.

    Die zwei Tage in dieser Intensivstation waren für mich die Hölle, erstens der Entzug, der zwar medikamentös begleitet wurde, für mich aber trotzdem die Hölle war, vor allem auch deswegen, weil jetzt meine "heile" Welt zusammengebrochen war, und ich nach aussen hin, so glaubte ich, Erklärungsbedarf hatte.

    Um es kürzer zu machen, dies war mein Tiefpunkt, und ich möchte nie, nie, nie mehr selbstverschuldet in der Intensivstation aufwachen, ich glaube auch nicht, dass ich das noch mal überleben würde.

    Ich war dann bereit, sämtliche mir gebotene, professionelle Hilfe anzunehmen, Psychotherapeut, stationäre Therapie, SHG, dieses Forum.

    Seit diesem Zeitpunkt verfolge ich einen geradlinigen Weg, dessen Ziel letztendlich immer heissen wird:

    "Ich trinke keinen Alkohol mehr"

    wohlwissend, dass, würde ich das erste Glas nicht stehen lassen, es meinen Tod bedeuten kann.

    Ich schätze mein wiedergewonnenes Leben mit allen Höhen und Tiefen sehr, und gehe aus diesem Grund auch von einem weiteren, suchtmittelfreien Leben aus (Rauchen hab ich 1991 aufgehört), ob es mein Leben lang so bleibt, weiß ich nicht, ich weiß aber, daß es sich lohnt, alles dafür zu geben.

    Mit "alles dafür zu geben" meine ich eben auch, daran zu arbeiten, daß es so bleibt, denn, die Zeit heilt alle Wunden, so lässt sie, glaube ich, einem auch sehr leicht die Einzelheiten des "Tiefpunktes" vergessen, mich an diese zu erinnern, ist Teil "meiner" Trockenheitsarbeit, noch ein sehr wichtiger Teil ist das Schätzen und Dankbarsein für das jetzige Leben, verbunden mit einer guten Portion Umsicht und Wachsein zu diesem Thema, für mich in jeder Situation des Lebens, wohlwissend, dass das aber nicht in einen Zwang ausarten sollte.


    Abschließend noch:

    Es mag verrückt klingen, ich bin im Nachhinein dieser Situation, bei der ich an der "Kippe" stand, dankbar, die letzten Jahre vorher hatte ich immer schon im Hinterkopf, daß ich mir mit dem Alk immer mehr Probleme aufhalste, wusste aber keinen Weg, dem ganzen zu entrinnen, besser, ich wußte nicht, wie ich da wieder raus komme.

    Ich war gänzlich unfähig dazu, und in dieser Situation, so meine Meinung, trifft es am genauesten zu, beim Alkoholismus von einer "Krankheit" zu sprechen.

    In diesem Sinne wünsche ich jedem, daß sein Vorhaben gelingt.

    lg

    klarerkopf

    Schönen Abend, einNeuer,

    Zitat

    Wie habt ihr es geschafft, vom „ich darf nicht“ zum „ich will nicht“ zu kommen?

    Wenn es zu dieser Sache eine Universalregel geben würde, wäre sehr vielen geholfen.
    In meiner ersten Therapiestunde mit meinem Therapeuten meinte ich auch, ja, das darf ich jetzt ja nicht mehr (Alk konsumieren).
    Worauf ich aufgeklärt wurde, daß ich gut daran täte, für mich daran zu arbeiten, daß es in Zukunft "ich will keinen Alk mehr oder ich brauche keinen Alk mehr" heißen sollte.

    War für mich damals in der Anfangsphase noch relativ Neuland, da ich aber wirklich vorhatte, mich von der Vergangenheit zu verabschieden, gingen mir diese Worte nicht mehr aus dem Sinn.

    Und da ich ja die ganze Geschichte von A bis Z (stationäre Therapie, nachher 2 - 3 Jahre reale SHG und nicht zu vergessen, dieses Forum) durchmachte, ich natürlich auch merkte, wie gut es mir "ohne" ging, wie leicht sich Dinge ohne vernebeltem Kopf "managen" ließen, setzte sich nach einiger Zeit ein "ich will das Leben, wie es vor meinem Tiefpunkt war, nicht mehr" oder auch "ich brauche keine Suchtmittel mehr, um den Alltag zu meistern" in meinem stets "klarenkopf" fest.

    Und ich bin dankbar dafür, daß sich diese Meinung in meinem Kopf festgesetzt hat. Über die Jahre (sind inzwischen 5 Jahre) hat sich das nicht geändert und ich geh davon aus, daß ich meine Meinung für mein weiteres Leben beibehalte.

    Für mich selbst denke ich mir

    "Dürfen tue ich alles auf der Welt, aber Alkohol trinken, das will ich nicht mehr"

    lg

    klarerkopf

    Liebe Leser,

    als ich vor fast 5 Jahren nach meinem Tiefpunkt mich entschloß, ein künftiges Leben ohne Alkohol führen zu wollen, meldete ich mich für eine stationäre Therapie. Ich hatte ca. eine Wartezeit von 4,5 Monaten.

    In diese Wartezeit fiel auch die Weihnachtsfeier unserer Firma. Und da ich eben vorhatte, keinen Alkohol mehr zu trinken, trank ich als ehemaliger Biertrinker eben alk-freies Bier. Damals wußte ich noch nicht, dass da auch geringe Mengen Alk drin sind, woher auch.

    Jedenfalls hatte ich nach dieser Feier und bedingt durch die mehrstündige Dauer dieser Feier ca. 3 Flaschen dieses "Alkoholfreien Bieres" konsumiert und ich konnte mir nicht erklären, ich war danach, wie man so schön sagt, dermaßen unrund, ja, ich wußte gar nicht richtig, wie mir geschieht. Dies war auch am darauffolgenden Tag so.

    Ich schwor mir damals, das nie, nie mehr zu tun, heute, bzw. während der stationären Therapie kam ich dann drauf, daß dies ganz einfach die Sucht nach mehr war. Diesen Zustand kann ich nicht beschreiben, er ist aber am ehesten vergleichbar mit meinen Trinkerzeiten, als ich halt nach 4 - 5 Flaschen Bier auch nicht aufhören konnte.

    Außerdem bin ich einer Meinung mit meinen Vorrednern, es ist ja Betrug an sich selber, Getränke zu sich zu nehmen, die optisch den Originalen um nichts nachstehen, rein, daß die Wirkung fehlt.

    Nie mehr rühr ich solche Kopien an ...

    und natürlich auch nicht deren Originale, ob ich dies mein Leben lang schaffe, weiß ich nicht, aber davon ausgehen, das tue ich ....

    Schönen Abend, Fliegender Stern

    Zitat

    Ab wann ist man Alkoholiker ?

    Wie schon die vorherigen Antworten besagen, wäre es in gewisser Weise eine Anmaßung (welch schönes Wort), jemanden als Alkoholiker zu bezeichnen.

    In meiner stationären Therapie und in der realen SHG wurde diese Frage und eine mögliche Antwort darauf natürlich auch behandelt.
    Und da kam mir am treffendsten vor, auf die Frage "Ab wann ist man Alkoholiker?" folgend zu antworten:

    Wenn man Alkohol als Mittel einsetzt.

    Das hat vielleicht keinen vollen Anspruch auf Richtigkeit, aber man kann sich seinen Reim drauf machen.

    Hab das die letzten Jahre sehr oft gesehen, dass jemand, der Alk als Mittel zum Zweck einsetzt, entweder die Grenze zur Krankheit des Alkoholismus schon überschritten hat, oder auf dem besten Wege dorthin ist.

    Als Mittel zum Zweck einzusetzen bedeutet für mich der Gedankengang:

    ich trinke das Zeug, damit .....

    ich trinke das Zeug, um .....

    etc.


    Liebe Grüße

    klarerkopf

    Schönen Abend, Silberkralle


    Zitat

    würde gern noch weitere meinungen lesen

    Meine Meinung dazu:
    Kommt auf die Situation an. Im Zuge eines "Erstgesprächs für eine zukünftige Partnerschaft" oute ich mich auf alle Fälle sofort, um eine unnötige "Herumeierei", wie es hier oft so vortrefflich beschrieben wird, zu vermeiden. Bei der erstbesten Gelegenheit, wo du Alkohol ablehnst, würde sich das sowieso herausstellen.
    Gut, ich schreibe hier zu diesem Thema leicht, bin schon über 15 Jahre glücklich, in der nassen Zeit nicht ganz so glücklich (lag natürlich an meinem Alk-konsum), verheiratet.
    In einem Bewerbungsgespräch sehe ich das etwas anders. Da gehe ich davon aus, die Stelle haben zu wollen, und da binde ich es dem Gegenüber vielleicht anfangs nicht auf die Nase, mein Problem mit dem Alkohol. Ich muss aber dazu sagen, dass ich schon lange kein Bewerbungsgespräch mehr hatte, d.h. ich schon jahrelang in einem Arbeitsverhältnis stehe.
    Auf meinem Arbeitsplatz ist 0,0 Promille Vorschrift, da mehrere Stunden am Tag im Auto, usw.
    Ich bin bei einem Bewerbungsgespräch der Meinung, sich nicht outen zu müssen, und zwar glaube ich, dass es auch Personalchefs oder Leute, die Mitarbeiter einstellen, gibt, die einen auf Grund des Outings nicht mehr vormerken. Hier muss jeder für sich entscheiden, trifft es mich finanziell oder wirtschaftlich hart, wenn ich mich oute und diese Stelle nicht bekomme oder kann ich damit leben und weitersuchen.
    Für mich ist das gerade in der jetzigen Wirtschaftslage ein zweischneidiges Schwert.
    Allerdings, sollte ich die Stelle bekommen, und wird mir von irgendeiner Seite im Zusammenhang mit dem Arbeitsplatz Alk angeboten, habe ich dann kein Problem mehr, mich zu outen. Sollte dies dann Folgen haben, dann wars die Stelle eh nicht wert.
    Ich bin nämlich der Meinung, dass man eine Arbeitsstelle erst mal bekommen sollte, dann sollten die Vorgesetzten, Abteilungsleiter, Chefs,... sich mal ein Bild von einem neuen Mítarbeiter und seiner Leistung machen, und wenn sie dann nach einem Outing negativ reagieren, sprich man entledigt sich von mir auf Grund meines Outings, dann habe ich in dieser Firma eh nichts zu suchen.

    Auch wenn ich jetzt verteufelt werde, dies ist meine persönliche (und vielleicht nicht nachahmendswerte) Meinung, nach 5 - jähriger Trockenheit und guter innerlicher Stabilität.

    Es gibt aber sicherlich auch Personalchefs, die einem das hoch anrechnen, wenn man gleich sein Alk-problem darlegt.


    Ansonsten halte ich es so, wie ich es die letzten Jahre gemacht habe:

    Arbeitskollegen, Familie, Freunde, Leute, mit denen ich viel zu tun habe - die wissen um mein Problem und ich hänge mir zwar keine Tafel um, dessen Aufschrift mein Problem beschreibt, aber Menschen, die mir für mein weiteres alkoholfreies Leben gefährlich werden könnten, weihe ich sofort in mein Problem ein.

    Lieber Matthias, wollte dir schon öfters mal antworten, deine Schreibweise mit dem Bergmannsgruss gefällt mir, hier hatte ich mal Gelegenheit.


    lg

    klarerkopf

    Liebe Backmaus,

    auch ich wünsche dir, dass 2010 dir das bringen möge, das du dir wünscht.

    Hab dich als freundliche, lustige Teilnehmerin hier, verbunden mit einer Art zu schreiben, die man immer gerne liest, kennengelernt.
    Und wenn mich meine Menschenkenntnis nicht täuscht, hast du diese angenehmen Charakterzüge auch im realen Leben, nicht nur "online".


    Alles Gute für das neue Jahr

    klarerkopf

    Hallo Elli,

    da wir ziemlich gleich alt sind, und der Beginn des Trinkens auch in meine Pubertät fällt, haben wir auch etwa gleich lang getrunken. 2, 3 Jahre auf oder ab ist ja auch schon egal.


    Zitat

    Und ganz oft freue ich mich morgens über meinen klaren Kopf.


    Das ist auch eine Sache, über die ich mich täglich freue, vor allem um diese Jahrezeit, Silvester etc.
    Bin damals oft "1000 Tode" gestorben, wenn ich morgens aufwachte, über diesen Zustand und den Geruch aus dem Mund brauche ich hier ja nichts zu schreiben, jedenfalls habe ich damals aufgehört zu zählen, wie oft ich mir geschworen habe, an jeweils diesem Tag, als ich so aufwachte, nichts zu trinken.
    Was war vormittag oder spätestens zu Mittag?
    Na ja, ein Reparaturbier und dann ist die Welt wieder in Ordnung. Den weiteren Tagesverlauf brauche ich hier ebenfalls nicht zu schildern. Und irgendwann hab ich es zwischendurch (nach Druck der Ehepartnerin) halt wieder ein paar Tage ohne geschafft. Diese Phasen wurden immer seltener und kürzer, was für mich mit steigender Angst verbunden war.
    Im Nachhinein bin ich unendlich froh, dass ich meinen Tiefpunkt hatte, ihn auch erkannt habe, und dass das ganze in dieser Weise verlaufen ist.
    Wer weiss, wo ich jetzt stünde? Das frag ich mich des öfteren.
    Bei der ganzen Geschichte habe ich noch alles, ich hab meinen Führerschein damals nie abgeben müssen, die Arbeit hab ich noch und die Ehe ist auch noch (wieder) in Ordnung. Nicht zu vergessen, für die beiden Buben, 17 u. 18 J., bin ich auch wieder ein Vorbild.
    Dies ist für mich auch einer der treibenden Gründe, die Finger von diesem Sch...zeug zu lassen.

    Ich hab so in etwa 27 - 29 Jahre getrunken, Anfangszeit weniger, Mitte zwanzig hab ich recht wenig getrunken, da hatte ich einen Job, der mich arbeitsmäßig und zeitmäßig voll ausfüllte, da hatte ich anscheinend noch zu wenig Jahre gesammelt, um richtig drauf zu sein, schlimm wurde es die letzten, ich sag mal, ca. 12 Jahre.

    Das erste Jahr, in dem ich nicht mehr trank, war ich relativ unsicher, ich habe Veranstaltungen etc. soweit es ging vermieden. Und im zweiten hat sich dann so ca. in der 2. Hälfte eine relative Sicherheit für meine Abstinenz eingestellt. Ich muss aber auch sagen, ich war der regelmässigste Besucher in unserer SHG, vor allem wollte ich auf keinen Fall wieder dort landen, wo ich war. Danach wurde ich diesem Thema gegenüber immer gelassener, hatte aber auch immer im Hinterkopf, so wie ich es in der SHG gelernt hatte, nur ja nicht übermütig werden. Jetzt habe ich genau 4 Jahre und 3 Monate suchtfreies Leben hinter mir und bin sehr dankbar dafür, ob ich es mein Leben lang schaffe, weiss ich nicht, aber ich geh davon aus.

    Mein Verhalten, das ich mir jetzt so angewöhnt habe, wenn ich bei diversen Anlässen anwesend bin, wo (etwas mehr) getrunken wird (Geburtstage, Weihnachtsfeiern, etc.), ist folgend:

    Wenn ich von vornherein weiss, dass mehr getrunken wird, sage ich meine Teilnahme ab, wenn sichs im Zuge der Veranstaltung herausstellt, meistens ist es so, vertschüss ich mich vorzeitig und wünsche noch einen schönen Abend, und freue mich dann gleich wíeder um so mehr, dass ich am nächsten Tag mit einer nüchternen Birne erwachen werde.

    Ich wünsche dir für den weiteren Verlauf deines neuen Lebens alles Gute, bleib deinem Vorhaben treu und du wirst staunen, was dir das Leben noch Positives bringen wird, wenn du es weiter bewusst lebst.


    Schöne Grüsse aus Ö

    klarerkopf

    Hallo Elli,

    Glückwunsch zum ersten Jahrestag.

    Ich erinnere mich noch, dies war für mich damals der erste Meilenstein, wo ich mir sagen konnte, so, jetzt hast du alle Jahreszeiten und alle Feierlichkeiten ohne Alk durchgemacht, dies ist jetzt der Grundstock fürs weitere abstinente Leben. :P

    Hatte im ersten Jahr auch so meine Wehwehchen inclusive einer ziemlichen Unsicherheit, die sich dann aber im Laufe des zweiten Jahres legte, und sich inzwischen (nach 4 Jahren) in eine solides, zufriedenes Leben ohne Alkohol wandelte.

    Meine Hilfen dabei:
    - reale SHG
    - Forum
    - regelmässig Dinge tun, die man gern macht
    - von Zeit zu Zeit sich belohnen
    - es sich gut gehen lassen
    - regelmässig Bewegung, Musik hören und geniessen, laufen, Yoga :P
    - die Vergangenheit nicht vergessen
    - .........


    Alles Gute

    klarerkopf

    Schönen Abend, Ulrike

    ich antworte dir hier nochmals auf deine Antwort in einem fremden Thread.

    Da du heute geschrieben hast, deine Schwägerin fragte deinen Bruder, ob seine Mutter ihn jemals in den Arm genommen hat, kannst du dir vielleicht ja auch vorstellen, warum sie fragte.
    Sie hat es wahrscheinlich an seinem Verhalten gemerkt, denn wenn man so aufwächst, dann, meine ich, gibt man das auch so weiter.
    Ich hatte und habe da auch so meine Problemchen mit meiner Frau. Sie sagt mir auch des öfteren, ich könnte es öfters zeigen, daß ich sie gern habe, sie in den Arm nehmen.

    Und wenn das in der eigenen Kindheit nicht so üblich war, tut man sich damit schwerer.

    Weißt du, ich habe einen Bekannten, der hat auch seine Probleme in dieser Richtung. Und war auch wie ich der Älteste, wurde auch immer mit "brav" gelobt und er wollte sich dieses "brav" auch unbewusst in seiner Firma erarbeiten, geendet hat das ganze in einem Burn-out.
    Im Zuge der Aufarbeitung dieses Zusammenbruchs war er dann draufgekommen, daß unter anderem auch diese Art von Lob mit Schuld an seinem Dilemma war.
    Das heißt, seine Mutterliebe glaubte er zu bekommen, wenn er alles brav zur Zufriedenheit aller erledigte, "fraß" dann mehr und mehr in sich hinein, weil ein aufmüpfiges Kind ist ja nicht brav und hat diese Verhaltensweise dann in seine späteren Jahre und natürlich in die Firma und die Arbeitswelt mitgenommen. Und irgendwann hast du dann den Punkt, wo du "lechzend" nach Lob zusammenbrichst, sprich ein Burn-out hast.

    Auch habe ich eine Bekannte in der realen SHG, die waren glaube ich 13 Kinder und die hat auch das Fehlen des in-den-Arm-nehmens seitens ihrer Mutter beklagt, sie hat gesagt, als ihre Mutter im Sterben lag, hat sie, eben meine Bekannte, von sich aus noch mal die Mutter in den Arm genommen und dann ist diese friedlich entschlafen.
    Im Nachhinein denke ich mir, ist das sicherlich eine Möglichkeit, um mit sich selbst ins Reine zu kommen. Ich glaube nämlich sehr wohl, daß dies einer Mutter bewusst ist, dass ihre Kinder darunter leiden, sie aber von sich aus nicht anders kann, oder vielleicht halt nur mal "ausnahmsweise".

    Nur muß sie dann meiner Meinung nach auch in Kauf nehmen, daß auch ich den nötigen "Abstand" ihr gegenüber halte, was durchaus auch mal so beschrieben werden kann:
    "Ich kann mit ihr nicht mehr, oder bei uns in Ö, ich werde mit ihr nicht warm".
    Ich finde, es ist traurig, wenn man so über seine Mutter denken muss, aber mir geht es besser so, obwohl es halt auch manchmal nagt.

    lg

    klarerkopf

    Einen schönen guten Abend,

    bis 15 Uhr hat mich der innere Schweinehund heute im Griff gehabt, dann habe ich´s ihm gezeigt.

    Eine runde Sache:

    - 10 km laufen bei - 10° C :oops:

    Hab mich danach enteisen müssen.

    Aber eines zeigt mir das Besiegen des inneren Schweinehundes immer wieder:

    -Bewegung ist für mich ein unverzichtbarer Teil an der Trockenheitsarbeit gewesen und wird es immer sein. Es muß nicht immer laufen sein, tut auch walken, spazierengehen, Rad fahren,..
    Wenn ich mich bewege, bin ich.
    Bin eins mit mir, und der Seele tuts auch gut.

    Auf Bewegung, Körperarbeit, Kneippen etc. wurde auch in meiner stationären Therapie sehr viel Wert gelegt, damit man nach jahrelangem Alkkonsum sich wieder anfängt zu spüren. Sehr klug!

    Und als ich heute so dahinlief, stellte sich wieder ein Gefühl der Dankbarkeit ein, zum einen:


    - daß ich damals meine Situation als Tiefpunkt erkannt habe und die entsprechenden Konsequenzen zog

    - daß ich mir eine zufriedene Abstinenz erarbeitet (von nichts kommt nichts) habe

    - und daß ich eben in der Lage bin, mein Leben so zu führen, wie ich es jetzt mache, die Schönheiten des Lebens, der Natur zu genießen

    Freilich, übermütig soll man nicht werden, und vergessen soll man auch nicht, und ob mein weiteres Leben abstinent und zufrieden verläuft, weiß ich nicht, aber ausgehen davon, das tu ich!

    Noch einen schönen WE-Ausklang :D

    klarerkopf

    Schönen guten Morgen, Ruthga


    Zitat

    .......das war ein Fehler

    :) voll deiner Meinung, und daraus kann man lernen, wie du jetzt bewiesen hast.


    Zitat

    leider habe ich aufgehört bei der Stelle im Restaurant. Nicht wegen der Arbeit sondern wegen der Entfernung. Es sind über 40 km eine Strecke.

    Wie ich dir schon geschrieben habe, war ich auch vor Jahren im Gastgewerbe tätig, und es war auch bei mir so, es hat mit dem Arbeitsplatz alles "passen" müssen, der Beruf ist ja schwer genug (Nachtarbeit, Wochenendarbeit, etc.), und wenn es da verschiedene Dinge gegeben hatte (Arbeitsklima, weite Anfahrtsstrecke, ...), so habe ich das Arbeitsverhältnis nach einiger Zeit beendet, so wie du auch geschrieben hast.
    In einem Betrieb war ich nur 4 Tage, hat eben nicht gepasst.


    Zitat

    War auf dem Arbeitsamt und habe mich arbeitslos gemeldet, das erste mal im Leben. Die Angestellte meinte, dass ich mir keine Sorgen machen müsste, sie hätte noch nie solch einen Lebenslauf gesehen, lückenlos und vorallem so vielseitig.

    :wink: Na, das ist ja ein guter Grundstock, auf den man bauen kann.
    Wenn einem das am Arbeitsamt gesagt wird, kannst du sicherlich einigermaßen getrost und gelassen in die Zukunft blicken.


    Zitat

    Das erste mal seit ich arbeite habe ich das erste mal frei über Weihnachten...

    Und eben diese freie Zeit verbunden mit allem "Weihnachtlichem" ist jetzt angesagt zu genießen, neue Energie zu schöpfen, und mit der Vergangenheit "abzuschließen".


    Zitat

    Anscheinend geht es ihm noch nicht dreckig genug. Erst wenn er alleine ist wird er anscheinend wach werden.
    Insolvenz steht ins Haus und ihm bleibt ein Freund.

    Hier werden die Dinge ihren Lauf nehmen, man kann ihn sowieso nicht beeinflussen, wenn es dir möchlich ist, denk an die schönen Dinge des Lebens, du wirst sowieso von Zeit zu Zeit hören, welchen Weg er gegangen ist.


    Und vor allem, schreib einfach hier im Forum, das hilft. Ich lese immer gerne von dir, hab mích schon gefragt, ob du so im Stress bist.


    Einen schönen Gruß aus Ö

    klarerkopf

    Hallo Rene,

    interessant, deine Schilderungen aus dem "De la Tour", meiner ehemaligen Therapiestation.

    Auch ich hab damals die Erfahrung gemacht, daß es eben auch Patienten gibt, deren Geist und Gedanken noch vom Alkkonsum vergiftet waren.
    Wie sonst kann man ein interessantes Angebot, wie ihr es geboten habt, abschlagen.
    Natürlich ist auch die Körperarbeit, wie eben wandern, auch Teil der Genesung. Habe auch alles mitgemacht, damals in Treffen.
    Ich war schon ein paar Wochen vor Beginn der Therapie in Treffen trocken, so konnte ich bereits mit klaren Gedanken die Therapie dort beginnen, und natürlich habe ich solche Angebote, wie ihr sie anbietet, gerne angenommen.
    Aber, es gibt eben verschieden denkende Patienten, und vor allem Patienten, die oft nicht aus freiem Willen diese Therapie machten (nach Druck des Arbeitgebers, Ehegatten, etc.), und diese sagten sich, habe ich selbst erlebt, "na, das ist mir jetzt zu langweilig, ich mach was anderes", statt solche Angebote anzunehmen und dies gleichzeitig als Hilfe zum Einstieg in ein alkfreies Leben zu sehen.
    Dies ist aber bestimmt in jeder LZ-Therapie so, ich möchte kein schlechtes Licht aufs De la Tour werfen, für mich war dort der Einstieg in mein jetziges glückliches, suchtfreies Leben und ich konnte dort sehr viel für mich mitnehmen und für mein weiteres Leben lernen,

    :arrow: weil ich es so wollte !

    Ich kann mich an eine bestimmte Situation damals erinnern, da kam eben auch jemand, der schon einige Jahre trocken war, in unsere Gruppendiskussion am Vormittag und hat uns in dieser Stunde versucht zu schildern, welchen Weg er gegangen ist, um eben dieses suchtfreie Leben leben zu können.
    U. a. hat er uns auch geraten, wie man es hier in diesem Forum empfiehlt, nicht nur nichts zu trinken, sondern sein Leben auch zu ändern (Hobbies, etc.). Für mich damals Neuland, inzwischen weiß ich, daß es für ein alkfreies Leben unverzichtbar ist.
    Er meinte dann, daß bei Nichtänderung der Gewohnheiten der Rückfall vorhersehbar ist, wie hier auch schon des öfteren geschrieben wurde.

    Jedenfalls, ich dachte, ich bin im falschen Film, fingen da einige aus unserer Gruppe mit ihm zu streiten an, sie waren eben der Meinung, "nur Nichttrinken" reicht. Es hat dann noch einige Ratschläge seinerseits in dieser Gruppenstunde gegeben, aber das Problem dabei war, so sehe ich das heute,

    daß diese Leute nicht "annehmen" konnten (noch nicht),

    und wenn dieser Mensch, der eigentlich nur anderen in ihrem Schlamassel helfen wollte, dann die Motivation verliert, wie auch du das geschrieben hast, verstehe ich das vollkommen.

    Aber, glaub mir eines, Rene, einige wenige dieser damaligen Gruppe incl. meiner Wenigkeit konnten bedingungslos annehmen, und haben sich gesagt, aha, das eine oder andere, das uns dieser Mann mit seiner Erfahrung gesagt hat, ist für mich wichtig und das kann ich auf meinem weiteren Weg gut gebrauchen.

    Und siehe da, genau diese treffe ich alle Jahre dort beim Jahrestreffen, das es dort gibt. Bedingung für die Teilnahme an diesem Jahrestreffen ist, daß man ein suchtfreies Leben seit der LZT führt.

    Ich hab jetzt vielleicht etwas verwirrend geschrieben, lange Rede - kurzer Sinn:

    Wenn du auch nur 20 statt 60 Alkis helfen konntest, diesen 20 warst du wichtiger als alle anderen gleichzeitigen Aktivitäten, sie werden sich gerne und lang an dich erinnern. :wink:


    lg

    klarerkopf

    Liebe Mary69,

    danke für deine Geschichte, sie ist sehr ähnlich meiner.

    Zitat

    Ich konnte nicht mehr, ich wollte nicht mehr, ich wusste nicht, was zu tun. So legte ich mich wieder ins Bett und trank weiter. Ich schlief ein und wachte wieder auf. Und immer als ich wach wurde trank ich weiter. Gott sei Dank war die Flasche irgendwann leer und kein Nachschub mehr da, sonst hätte ich mich vielleicht totgesoffen an dem Tag.

    Genauso war es bei mir in meinen letzten Stunden meines "Trinkerdaseins", und für diesen Zustand trifft nur eine Beschreibung zu, es ist die Hölle.

    Und ich hab mir eins geschworen:

    Nie, nie, nie werde ich diese letzten Stunden meines "Saufens" vergessen, zusammen mit dem anschließenden Aufenthalt in der Intensivstation und dem wieder runterkommen von knapp 4 Promille auf 0, ergaben diese Vorkommnisse meinen persönlichen Tiefpunkt.
    So geschehen im Herbst 2005.
    Diese Hilflosigkeit gegenüber dem "Trinken müssen", die man da hat, möchte ich in meinem Leben nicht mehr erleben.

    Grund genug, das jetzige Leben mit ständig "klarem kopf" weiter zu führen - und diese Dinge irgendwo im Hinterkopf abzuspeichern und ab und zu mal hervorzukramen.

    Freu mich auf deine nächsten Beiträge.


    lg

    klarerkopf

    Schönen Abend, Rene und Silberkralle


    zu diesem Punkt "kontrolliertes Trinken":

    In meiner SHG, die ich nach der stationären Therapie besuchte, wurde dieses Thema auch behandelt.
    Ich hab das damals so mitbekommen, daß das nur etwas für solche Alk-konsumenten ist, die noch nicht so tief in der Sch.... stecken, die sich selbst sagen, auf Grund meines erhöhten Konsums sollte ich mir irgendwie mal Gedanken machen.
    Dabei wird der Konsum dann penibel mitgeschrieben und sollte wöchentlich, monatlich, ... eine gewisse Menge nicht übersteigen.

    A B E R :
    Dieses Programm "kontrolliertes Trinken" können wir uns, die wir schon Therapien machten und SHGs besuchen, getrost abschminken.
    Ich frage mich, was hat so etwas überhaupt in einer SHG verloren, dessen Teilnehmer alles angehende trockene Alkoholiker sind?
    Gut, es wurde eben besprochen, daß solche Programme existieren, aber es wurde uns natürlich klipp und klar gesagt, daß wir uns das eben getrost abschminken können. Denn wir sind alle in einer Stufe, wo wir Hilfe suchen und annehmen, u. a. weil uns die Vergangenheit gelehrt hat, daß wir keinen kontrollierten Umgang mit Alkohol mehr führen, leben oder haben können!
    Einerseits war es ja auch gut, uns aufzuklären, daß solche Programme existieren, aber gleichzeitig ist es die Pflicht desjenigen (Therapeuten), uns darauf hinzuweisen, daß für solche Dinge der Zug für uns schon lange abgefahren ist. Der Eine oder Andere hat sicherlich für sich im Hinterkopf gehabt, aha, na das könnt ich ja .....
    Ich für meinen Teil habe mich nach meinem Tiefpunkt ohne wenn und aber für eine alk-freie Zukunft entschieden, was für mich bedeutet, weder kontrolliert noch sonst irgendwie, sondern einfach ohne Alkohol zu leben und wie ihr mir sicherlich bestätigen werdet, habe ich mit dieser einzig richtigen Entscheidung ein Ergebnis, für das es sich gelohnt hat, an sich zu arbeiten:

    Ich lebe z u f r i e d e n und g l ü c k l i c h.


    Rene :
    Im Frühjahr 2006 war ich in Treffen, damals nannten Nicht-Patienten sie auch "Almdudler-klinik", erzähl mal, wie das abläuft, kann mich erinnern, das bei uns das im Zuge der sogenannten "Hausgruppe" stattgefunden hat.
    Habe übrigens auch nach meiner Zeit dort noch länger Kontakt zu meinem Bezugstherapeuten dort gehabt, habe auch nachher verschiedene Seminare unter seiner Leitung besucht (Familienaufstellungen).

    lg

    klarerkopf

    Hallo Rene,

    schönen Gruß aus der Stmk./Ö.

    Irgendwie erinnerst du mich mit deiner Geschichte an meinen Bruder, auch Geburtsjahr 1967, und wie du auch schreibst, es einigen deiner Freunde ergangen ist, so ist auch mein Bruder an den Folgen des Alk gestorben.
    Ich, für meinen Teil, habe vor ein paar Jahren in Treffen im "De la Tour" meinen Grundstock für mein abstinentes Leben geholt. Wir hatten dort auch einmal einen Vortrag von "Trockenen" Alkoholikern, war für mich sehr interessant und hilfreich.

    In der Tat, das Ziel, das es zu erreichen gilt, heisst:
    "Glücklich sein".
    Und wenn man sich die einzelnen Situationen vor Augen hält, die es damals gab, als man noch trinken musste, so ist man gleich noch eine Stufe glücklicher.
    So ist die Situation halt bei mir.

    Eine tolle Sache von dir ist auch das Besuchen einer Suchtklinik mehrmals im Jahr, wie du schreibst, denn auch ich habe von Leuten, die alles schon durchgemacht hatten und schon ein paar Jahre trocken waren, damals sehr viel gelernt.
    Der Grund war, ich wollte einfach dieses miese Leben nicht mehr, und ich sog einfach das Erzählte in mich auf, um es selbst dann auch so zu machen, oder eben Anhaltspunkte zu haben.

    Einen schönen Abend

    klarerkopf

    Liebe Ruth,

    es freut mich, daß diese Sache für dich so gut gelaufen ist, nur weiter so!

    Da hat dein neuer Chef sicherlich gesehen, daß da jemand neuer Mitarbeiter werden möchte, der das gerne macht und der sich bemüht - ist in diesem Beruf viel wert und kommt auch bei den Gästen gut an. Am "Feinschliff" für die Arbeit in der gehobenen Gastronomie kann man ja immer arbeiten.
    Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.
    Halt`uns ein bißchen am laufenden, wenn es dir die Zeit zuläßt.

    Eine zweite ganz positive Seite hat diese schnelle Einstellung am neuen Arbeitsplatz:

    Du kannst umso schneller dein Erlebtes mit allen Unannehmlichkeiten, die du hattest, vergessen und die weitere Entwicklung im Verhalten deines Ex von der Ferne betrachten.

    Ich freu mich für dich.

    lg

    klarerkopf

    Guten Morgen, Ruthga,

    ja, der Alk kann Existenzen zerstören, wie du gesehen hast.

    Ich drück dir die Daumen, daß du die Stelle kriegst, ich selbst habe an die 10 Jahre im Gastgewerbe, in Restaurants gearbeitet, als "Fachkraft", wie du es nennst.

    Ich schreibe dir hier, weil ich dir die Angst für den Termin heute nachmittag etwas nehmen möchte.

    1. Ich habe meine Jahre in den verschiedenen Restaurants durchwegs in der gehobenen Gastronomie verbracht, ein bisschen Angst oder auch Respekt hat man da immer, aber geh einfach davon aus, das sind auch nur Menschen, die Gäste, die du da betreust, auch wenn manche vielleicht ganz schön "betucht" sind

    2. Wenn dich der Chef selbst angerufen hat, kannst du davon ausgehen, gute Karten zu haben

    und

    3. Wenn den Leuten bis jetzt deine Art gefallen hat, dann glaub einfach an dich, auch wenn diese Leute dich gekannt haben. Denn wenn diesen Leuten, obwohl sie dich kennen, deine Art nicht gefallen hätte, wären sie eh nicht wiedergekommen. Ich habe in meiner Zeit in diesem Beruf auch zahllose "Fachleute" (Leute, die diesen Beruf erlernt hatten) kennengelernt, die bei Gästen manchmal nicht so ankamen und machten ihre Sache trotzdem oder wurden trotzdem nicht gekündigt.

    Mein Schreiben ist vielleicht etwas verwirrend, ich wollte damit nur sagen, geh einfach möglichst selbstsicher zu diesem Vorstellungsgespräch, denn selbstsicher bist du dann ja auch, wie man es in diesem Beruf nennt, "am Tisch des Gastes".

    Im Hinterkopf behältst du dir einfach den Gedanken, dass, wenn es mit dieser Stelle nicht klappen sollte, deswegen ja nicht die Welt zusammenbricht, wenn du bei Gästen gut ankommst, wird sich dir die Chance für so einen Job sicherlich öfters bieten, da wird oft auch über Kleinigkeiten, wie "Fachfrau" oder "Nicht-Fachfrau", hinweggesehen.
    Solche Gedanken haben mir immer geholfen, da bin ich nahezu angstfrei zu Vorstellungsgesprächen gegangen, und es hat sehr oft "geklappt".

    Alles Gute und vielleicht magst du heut abend ein paar Zeilen darüber schreiben.

    lg

    klarerkopf

    hallo oliver,

    schön wäre es natürlich, wenn einem jetzt, nachdem man nicht mehr trinkt, jeder vertraut. Vertraut, daß man auch weiterhin abstinent bleibt.

    Auch mir hat anfangs das Nichtvertrauen weh getan, und wenn mir Menschen, die mir etwas bedeutet haben, eben dieses entgegenbrachten, dann habe ich es für mích so gehalten, daß ich den Kontakt mit diesen Personen (soweit es ging) auf ein Mindestmaß zurückschraubte.
    Denn, warum sollte ich mir immer weh tun lassen?
    Das tat mir ja überhaupt nicht gut.

    Wenn das der eigene Ehepartner gewesen wäre, hätte das geklärt werden müssen. Denn, meiner Meinung nach ist es ein
    Unterschied, ob ich für mich der Meinung bin, daß es jemand eben nicht schafft, oder ob ich es demjenigen auch spüren lasse, wie auch immer, daß ich dieser Meinung bin.

    Ich für mich hab einfach solche Kontakte, die für mich nichts anderes als negative Energien sind, soweit es ging, abgebrochen.

    Denn ich glaube, wenn ich es mit jemandem gut meine, dann stehe ich auch hinter seinem Vorhaben, ansonsten habe ich nicht das Recht, zu seinem Freundeskreis zu gehören.

    Ich weiß, das hat jetzt ganz schön hochnäsig geklungen, aber als angehender "Abstinenzler" gibt es eben Prioritäten, eine davon ist es, sich das Leben so zu richten, wie es für ein Leben ohne Alk am leichtesten ist. Nämlich ohne Giftpfeile, etc.


    Einen schönen Abend noch,

    klarerkopf

    Schönen Abend, gorgias

    bei deiner Vorstellung hat mir doch etwas sofort ins Auge gestochen, nämlich deine 8 Wochen "De la Tour".

    Als ehemaliger Patient des Treffener Krankenhauses (2006) erinnere ich mich auch gerne (?) an die Zeit zurück, wo ich meinen Grundstock setzte.

    Ich kam damals auch in diese Therapiestation, hatte bereits einige Zeit ohne Alk hinter mir, konnte somit alles, was ich dort wissen wollte und was mir für meine weitere abstinente Zeit von Bedeutung war, mit klarem Kopf in mich aufnehmen.

    Mittlerweile sind es bald 4 Jahre her und ich bereue keinen Moment dieses Aufenthaltes, denn mein Ziel war es damals, ohne wenn und aber mein Leben "umzukrempeln", d.h. einen Anfang für ein weiteres Leben ohne Alk zu machen.

    Und ich dankbar, daß es mir gelungen ist ......
    Daß es auch weiterhin so sein wird, davon geh ich aus.

    Denn, nie mehr möchte ich unter Infusionsflaschen in einer Intensivstation aufwachen, eingeliefert mit über 3,7 Promille und so weiter und so fort, jeder Betroffene kann ein Lied davon singen.

    In diesem Sinne beglückwünsche ich dich zu deinem Entschluß, wir lesen uns ja sicher wieder.


    lg

    klarerkopf

    Hallo karo-wirbelwind,

    ich hoffe, ich hab das nicht falsch rübergebracht, das mit der Aufstellung war einfach eine Idee, auch emma123 hatte am 17.10. nach Möglichkeiten gefragt, wie man so etwas aufarbeiten kann, wenn ich das richtig verstanden habe, leben ja ihre Eltern nicht mehr.
    Ich wollte hier einfach beschreiben oder eine Möglichkeit zeigen, wie ich es gemacht habe.
    Dazu gebe ich dir völlig recht, man muß nach so einer Aufstellung ordentlich betreut werden, bzw. auch ordentlich wieder aus der Stellvertreterrolle aussteigen können (mit Hilfe des Aufstellungsleiters), deshalb habe ich mich damals auch vorab über die fachliche Kompetenz dieses Aufstellungsleiters informiert.

    Übrigens haben wir auch gemeinsam, daß der Vater trinkt, wie ich gestern wieder sah, haben jahrelanges Trinken bei ihm die Spuren hinterlassen, ständiges Zittern trotz Alk-konsums, aufgedunsenes Gesicht, etc.

    Auch ich hab einige Stunden bei Psychotherapeuten bereits hinter mir, meine Probleme sind auch anderwertig gelagert, ich bin ein inzwischen 4 Jahre trockener Alkoholiker.
    Wichtig war es bei mir, irgendwann mein Problem zu erkennen und mir dann professionelle Hilfe zu holen. Bin im Nachhinein sehr froh darüber.

    Wünsch dir noch einen schönen Abend


    klarerkopf