Liebe Chopin
Schön Dich zu lesen - da hast du ja gestern Nerven wie Drahtseile gebraucht, gell?
Möchte Dir noch etwas sagen aus meiner Berufserfahrung heraus. Damit Du Dich vielleicht auf die nächsten Tage einstellen kannst.
Dein Mann wird starke Schmerzmittel und u.U. auch starke Beruhigungs- bzw. Schlafmittel bekommen. Das zum einen, damit einem zu plötzlichen Druckanstieg in der Lunge vorgebeugt wird und zum anderen, weil auf einer Intensivstation ein ständiger Lärmpegel herrscht, der ein zufriedenes erholsames Ausshlafen unmöglich macht.
D.h. seine Stimmungen können extrem schnell wechseln, von "Ich will jetzt aufstehen, es geht mir gut (dann wenn alle Mittel wirken) bis zu "Hol mich hier raus, ich halte dies alles nicht aus"
Er wird fortlaufend Therapien haben um die Lungenkapazität zu erhalten, bzw. wieder aufzubauen. Das ist einerseits schmerzhaft und zum anderen lästig für ihn, denn ständig ist jemand um ihn herum, der ihm sagt "Tu dieses" oder "tu dieses nicht".
Zudem leidet er vielleicht auch unter seinem Saufdruck, dem er in dieser Situation ja unmöglich nachgeben kann. Und Angst weil die Ergebnisse des herausoperierten Lungenteils meist ne kleine Weile brauchen...und...und...und...
Will alles heissen: egal was er in der nächsten Zeit sagt oder vorhat oder tut, nimm es Dir nicht zu Herzen. Manche Mittel verursachen einen Gedächtnisverlust, sodass er es vielleicht zwei Tage später nicht mehr weiss, was war - ähnlich wie beim blackout mit Alkohol.
Und ganz wichtig - baue Dir täglich Zeiten ein für Dich, denn es wird eine anstrengende Zeit auf Dich zukommen, in der du Deine Kraft selbst brauchst.
Und ruhig gleich mal im Krankenhaus, evtl. auch mit dem Sozialdienst dort, je nachdem, eine anschliessende Reha oder Kur in Betracht ziehen. Wenn diese früh genug beantragt wird, dann kann er u.U. direkt im Anschluss an den Krankenhausaufenthalt dorthin.
So, Du Liebe, genug Ratschläge jetzt. Nimm nur das was Du brauchst, gell? Den Rest schmeiss einfach weg...
LG und einen ruhigen Tag von Skybird